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Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Samstag, 08.02.2025, 21:55 (vor 457 Tagen) @ Waldbahn
bearbeitet von Der Blaschke, Samstag, 08.02.2025, 21:56

Huhu.

Schade das man hier überwiegend nur noch kilometerlange Debatten über FGR und deren Auslegung und Debatten über Aufhebungen von Zugbindungen zu lesen. Man könnte meinen, man könnte den Namen des Forums in "Fahrgastrechte Debatten und Auslegung" umbenennen.

Jo. Und das zeigt ja eines ganz deutlich: in Sonntagsreden wir ja gern von Bürokratieabbau gesprochen und angeblich gibt's ja zig Umfragen, demzufolge der Bürger vom Vorschriftenwahn genervt ist.

Die Wahrheit zeigt sich dann z.B. eben hier: der Bürger LECHZT nach Vorschriften!!!! Mein höchst spezieller Einzelfall ist nicht exakt geregelt? DAS GEHT NICHT. Da müssen Spiegelstriche, Unterparagraphen, ergänzende Halbsätze und zur Not eine ganze neue Verordnung her. Und wenn Deutschland nicht ausreicht, erbarmt sich doch hoffentlich die EU.

Und das alles, damit es auch gerecht zugeht. Nachher nutzt da ein anderer eine Regelungslücke zu seinem - aber nicht meinem! -Vorteil. Ein Skandal.

Und weil der Deutsche eben darauf so geil ist, dass auch der allerhinterletzte Furz noch exakt geregelt ist, ist es völlig utopisch und weltfremd, daran zu glauben, dass der Vorschriftenwahn mal nicht zunimmt - von einem Abbau mal ganz zu schweigen.

Wer davon wirklich träumt, für den gibt es nur eine Lösung. Die ist allerdings auch nicht so prickelnd. Aber unsere Vorfahren machten es regelmäßig so. Der große Krieg muss her. Der u.a. auch in Infrastruktur in Schutt und Asche legt. Wenn das alles in Trümmern liegt und es um den Wiederaufbau geht, dann haben Paragraphen-Fetischisten erstmal schlechte Karten. Wenn Hunger herrscht und das Baumaterial für das neue Eigenheim nicht durchkommt, dann gibt's nicht erst Raumordnung, Umweltprüfung und Planfeststellung - dann wird gearbeitet. Und der Krawall des ersten Güterzuges ist nicht Lärm, sondern Musik. Und man wird fordern, endlich wieder an die Eisenbahn angeschlossen zu werden statt sie als Übel zu empfinden.

Unsere Vorfahren erkannten das System. Wir müssen nun auf Putin hoffen, einem Diktator, der nicht mal die Ukraine oder Georgien oder, aua, Transnistrien (was bloß will man denn da?) unter Kontrolle bekommt.

Na ja, Hoffnung besteht insoweit, als dass hierzulande die Kriegsbegeisterung ja auch steigt. Sogar die Bahn will mitmischen - warum wohl hat man es mit den Korridorsanierungen so eilig; nur die ganz Wilden glauben ja, da ginge es um Personenverkehr. Aber in Papenburg glauben sie ja auch, dass der Staat die Werft wegen der Spaßdampfer gekauft hat; dumm, dass herauskam, dass die prima zum Kriegsschiffbau taugt; Mensch, darauf sollte der Russe doch nicht kommen ...


Also, Fazit: Dieser ganze Fahrgastkäse-Paragraphenklimbim ist Ausdruck von Langeweile und Wohlstandsverblödung. Genießen wir ihn aber als zeitgeistiges Phänomen. Und wie erwähnt, ab ca 2030 hat das Gedöns dann für längere Zeit ein Ende. 2037 würdest du froh sein, über einen ausgefallenen Zug episch diskutieren zu können.


Schöne Grüße von jörg

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"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)


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