total überkandidelt! (Allgemeines Forum)

Der Blaschke, Mittwoch, 03.08.2022, 14:06 (vor 6 Tagen) @ Sportdiesel612
bearbeitet von Der Blaschke, Mittwoch, 03.08.2022, 14:07

Hey.

Die Verlagsseite:
https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/soziologie/verteilte_zurechenb...

Störungen des öffentlichen Verkehrs sind nervenaufreibend. Doch wo beschwert man sich, wenn der Zug ausfällt? Beim Personal vor Ort oder gleich beim Unternehmen? Der ethnographische Blick ins Störungsmanagement der Verkehrsbetriebe zeigt: Jeweils für sich genommen ist keine der beiden Strategien hilfreich.

Man beschwert sich einfach gar nicht. Sondern nimmt die Dinge, wie sie sind. Borussia Dortmund wird die nächsten 10 Jahre auch nicht Deutscher Fußballmeister der Männer. So what ...

Oder man ritualisiert sein persönliches Beschwerdemanagement. Standardschreiben abschicken, Standardschreiben erhalten, Benefit erhalten. Benefit nutzen, Papierkram in den Müll. Fertig.

Viele haben das auch schon verstanden und handhaben es so. Hinzu kommt eine gewisse Erwartungshaltung. Eine Fahrt, bei der alles funktioniert - was soll man denn da am Stammtisch berichten oder bei den Freunden, wenn man vom Urlaub erzählt. Horrorgeschichten über die Bahn gehören in Deutschland zur nationalen Identität und sind Teil der Folklore dieses Landes. Oder anders ausgedrückt: niemand erwartet ordnungsgemäßen, zuverlässigen, pünktlichen Bahnbetrieb. So wie man bei der Urlaubsfahrt mit dem Pkw STOLZ auf sich sein kann, den 53 km-Stau miterlebt und überlebt zu haben.

Zu der Thematik gab es von Klaus Stuttmann eine herrliche Karikatur. Da wurde ja damals in Bielefeld der ICE evakuiert wegen der kaputten Klimaanlage, wo Ärzte eingreifen mußten usw und wo jeder Betroffene pauschal 500 Euro bekam. In der Karikatur schiebt Oma mit ihrem Rollator ab zum Schaffner, der vorne am ICE steht und fragt ihn: "Sagen Sie mal, junger Mann, besteht die Möglichkeit, dass heute wieder die Klimaanlage ausfällt? Ich bräuchte nämlich dringend einen neuen Fernseher!"

Mit Rückgriff auf Forschungen zu Accountability und technischen Infrastrukturen zeichnet die organisationsethnographische Studie nach, wie Fragen der Verantwortlichkeit technisch vermittelt und zwischen verschiedenen Akteuren hin- und hergeschoben werden. Diese »verteilte Zurechenbarkeit« lässt sich nicht in einzelnen Individuen verorten, sondern findet sich im Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure, in den Prozessen und Praktiken des Störungsmanagements.

Sozial ist, was Arbeit schafft. Insofern ist das schon okay. Aber es wäre der Menschheit sicher mehr gedient, wäre der Herr dann Lokführer geworden.


Schöne Grüße von jörg


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum