Es ist leider das wesentliche Argument (Fahrkarten und Angebote)

sibiminus, Freitag, 15.04.2022, 14:13 (vor 1431 Tagen) @ GUM

in diesem Fall ist es aber das wesentliche Element der Entscheidungsfindung und Nebelkerze.

Aus den mir zugänglichen Informationen (der VU*) lässt sich das so nicht schließen. Da wird ernsthaft und lösungsorientiert an einer genauso einfachen Lösung für Abokunden gearbeitet, wie für Neukunden bereits entwickelt. Aber auch beim Neukundenangebot gab es Hürden, die genommen werden mussten. Dennoch war das Neukundenangebot schneller konzeptioniert als das für Bestandskunden aus ganz praktischen Notwendigkeiten heraus.

Paar Beispiele:
- Es gibt Regionen ohne stationären Vertrieb, in denen das örtliche Busunternehmen Ländertickets anerkennt, aber nicht verkauft. Wenn die noch nichtmal das nach ~20 Jahren hinbekommen, wird es mit dem 9€-Ticket noch weniger was.
- Es gibt Befürchtungen von Beanstandungen bei EBA-Kontrollen hinsichtlich des verpflichtend zu beauskunftenden günstigsten Fahrpreises: Hier musste ein einheitliches Verständnis über das Vorgehen mit dem BMDV gefunden werden, insbesondere wegen der sehr kurzen Vorlaufzeit.

Und für Bestandskunden:
- Es gibt Regionen, in denen CICO-Preiscapping angeboten wird. Wie wird mit Fahrten über den Geltungsbereich verfahren? Soll den Fahrgästen nach Erreichen der (9€) Preiskappung bis zum Monatsende dennoch ständiges Ein- und Auschecken zugemutet werden?
- Wie soll die Abopreisreduktion vollzogen werden? Was ist mit vorab gezahlten Jahreskarten ohne Kontkaktdaten zum Fahrgast?
- Wie ist mit Zahlungskreisläufen aus von Drittmitteln bezuschussten Angeboten (zB §45a PBefG, §228 SGB IX) umzugehen um sicherzustellen, dass die Entlastung beim Fahrgast und nicht dem Drittmittelgeber ankommt?

Keine unlösbaren Probleme, absolut nicht. Aber da einerseits die Branche komplett überrumpelt wurde und andererseits notwendige Informationen (bspw. zum von der Regierung vorgesehenen Geltungsbereich) beschafft werden mussten, sehe ich keinen Zusammenhang mit Wahlterminen. Gerade da durch die Forderung von Einfachheit und Einheitlichkeit viel Abstimmung notwendig ist.

* wie die Politik das diskutiert(e) und was davon den Verkehrsunternehmen mitgegeben wird wäre bestimmt auch spannend zu wissen

Das jetzt der Endkunde für die 3 Monate entlastet wird hat keinerlei verkehrspolitische Gründe.

Ist der anlassgebende Sachverhalt, das teurer Kraftstoff die Bürger belastet und man dafür ein subventioniertes Ticket als Entlastung schafft jetzt Verkehrspolitik? Energiepolitik? Preispolitik? Und was für eine Rolle spielt das?

Ansonsten hätte man beispielsweise für einen längeren Zeitraum die Mehrwertsteuer auf Fernverkehrstickets erheblich senken können.

Ernst gemeinte Frage: Gibt es die steuerrechtliche Unterscheidung zwischen Fern- und Nahverkehrsfahrkarten noch und die haben nur beide "zufällig" den gleichen Steuersatz? Oder hat man die Unterscheidung komplett aufgehoben? Davon ab behaupte ich mal dass man damit -wenn überhaupt- nur Fernpendler entlastet, Pendler auf Kurzstrecken aber in die Röhre gucken. Ich selbst habe einen Arbeitsweg unter 10 km und rechne aktuell dadurch mit einer Entlastung von über 120 Euro nur fürs "Pendeln", da ist der bundesweite Zusatznutzen für die Freizeit noch gar nicht drin. Entsprechend höher ist die Entlastung bei längeren Strecken. Wäre das über eine simple MwSt-Reduktion zu erzielen? Mindestens nein für die, die ihre Jahreskarte vorab bezahlt haben.

So ist es keine Hilfe für die Beförderer, sondern eher Beruhigungspille für die Kunden.

Das ist jetzt aber auch wenig fair. Ja, die Unternehmen haben durch die Bank weg unter den Preissteigerungen zu leiden. Aber die Politik hat eine signifikante Entlastung für Bürger beschlossen und da ist ein 9€-Ticket alles Mögliche, aber keine Beruhigungspille. Nachhaltig strukturell gestärkt wird der Verkehrssektor dadurch aber auch nicht, wobei es ja auch noch Aufgabenträger und Bundesländer gibt. Ich meine jedoch in Erinnerung zu haben dass die Regionalisierungsmittel revisioniert werden sollen und eine Erhöhung in Aussicht gestellt ist? Aber da bin ich mir nicht mehr hundertprozentig sicher.

Kurz: Das Eine tun heißt ja nicht automatisch das Andere zu lassen.

Die Zugbegleiter tun mir jetzt schon leid. Und die Bundespolizei auch, die dann wieder überfüllte Züge räumen und entscheiden muß, welches Fahrrad noch notgenommen werden muß.

Klitzekleine Anmerkung: Nach aktuellem Stand ist geplant, dass für Fahrräder das regional zutreffende Tarifangebot gilt, in vielen Fällen also eine Fahrradkarte käuflich zu erwerben sein soll. Dort, wo Radmitnahme entsprechend des Tarifs kostenfrei ist, wird's bestimmt nicht witzig.

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"Diese Preise sorgen dafür, daß die Bahn an anderer Stelle immer mehr rationalisieren und einsparen wird. Nicht oben in den Höhenluftbüros, nein, unten an der Basis auf dem Bahnsteig oder im Zug. Am Fahrkartenschalter. Bei den Ansagen." ~ Alibizugpaar


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