Ich kenne was besseres als den französischen "Flexy" (Allgemeines Forum)

J-C, In meiner Welt, Mittwoch, 13.04.2022, 21:29 (vor 1453 Tagen)
bearbeitet von J-C, Mittwoch, 13.04.2022, 21:32

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Wir schreiben das Jahr 2022, die SNCF hat vermutlich in den Archiven gestöbert und ein deutsches Konzept aus den 60ern wiederentdeckt, entstaubt und nun als neue Innovation präsentiert. So wie viele "Gadgetbahnen", die sich in letzter Zeit so auftaten.

Um was geht es? Man möchte ein Verkehrssystem schaffen, welches einerseits für lange Strecken die Schiene nimmt, dann aber auf die Straße wechselt und die Fahrgäste bis zur Haustür abliefert.

Klingt nach einer tollen Idee, Pakete zu versenden, soll aber der Personenbeförderung dienen.

Woran kann es scheitern?

Kapazitäten: Es sind zwar Ausweichstellen mit Asphalt vorgesehen, aber wenn das Verkehrsmittel so individuell wie dargestellt sein sollte, müsste man eine ganze Menge davon einbauen. Außerdem sind solche kleinen Pods (warum muss es immer so eine kleine Gefäßgröße sein?) immer schnell voll, also wird man viele derer brauchen und die müssen alle auf einer Strecke Platz haben.

Zeitaufwand:
angenommen du willst auf einer Nebenstrecke von A nach B, aber weil man ja unbedingt die Fahrgäste bis zur Haustür abliefern muss, hat man vielleicht keinen Pod zur Verfügung, der einen einigermaßen an die eine Ortschaft abliefern kann.

Inkompatibilität:

Das System, so wie es vorgesehen ist, erzwingt den konsequenten Einsatz von solchen Zweiwegfahrzeugen. Ideal wäre es, die Möglichkeit für rein schienenbetriebene Fahrzeuge, etwa zum Gütertransport von und zu Anschlussstellen an der Nebenbahn zu gewährleisten.

Vieles kann man definitiv an Fragen beantworten. Und unmöglich ist es nicht, es muss aber eine realistischere Dimension kriegen: Ein Linienbus, der einen Teil mit Stahlrädern auf Schienen absolviert und den Teil, wo die Schiene sich nicht lohnt, dann auf der Straße abfährt. Damit könnten umsteigefreie Verbindungen in entlegene Regionen oder in Gegenden, wo Schienenwege generell nicht sinnvoll verlegt werden können (und so können wir uns das Problem mit den Nimbys vom Hals halten) schaffen, die zuverlässig laufen und die Vorteile beider Systeme nutzen können. Gleichzeitig ist klar, dass dies nur der Feinerschließung von ländlichen Regionen dienen kann, wo die notwendige Kapazität in einer definierten Gefäßgröße geschaffen ist.

Der Schienenteil wäre dann am besten in konventioneller und bewährter Art zu konstruieren mit Abzweigen, um in den Straßenteil ausscheren zu können.

Es gab mal sowas in der Art in Deutschland in den 60ern, damals haben verschiedene Gründe das scheitern lassen.

Sehr aktuell hingegen ist das Konzept in einer entlegenen Region in Japan in Betrieb, wo man sehr gut sieht, für welche Anwendungszwecke sowas nützlich sein kann. Dort nennt es sich "Dual Mode Vehicle" oder kurz "DMV".

Für dünn besiedelte Regionen, die davon profitieren können, dass man umsteigefrei zur nächsten größeren Ortschaft recht komfortabel ankommt, kann das eine Idee sein.

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky


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