Polens prächtige Perlen in der Pandemie-Plage – Juni 2/3 (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Mittwoch, 16.03.2022, 00:02 (vor 1464 Tagen) @ Krümelmonster
bearbeitet von Krümelmonster, Mittwoch, 16.03.2022, 00:03

Für die Weiterfahrt wollte ich eigentlich nochmal die Rennente von Malbork bis Iława nehmen (der Zeitvorteil ggü. den IC liegt bei 2 – 3 min^^; ich glaube, Warschau – Danzig ist grob 2-h-Takt mit Nonstop-Rennenten und grob 2-h-Takt mit Rennenten, die unterwegs mehrmals halten), doch dann fand ich eine noch exotischere Möglichkeit: Ich würde zum Bahnhof Malbork Kałdowo laufen und dort mit einer RB meinem RE entgegenfahren und dann in die Gegenrichtung umsteigen. Klang soweit fancy, war aber in der Praxis gar nicht leicht dem Zugpersonal zu vermitteln, da mein Polnisch halt nicht wirklich gut war. Ich beschäftigte die ganze 6-minütige Fahrt bis Szymankowo den Zub, am Ende waren wir erfolgreich.^^ Auch der 4-min-Umstieg in die Gegenrichtung gelang. Erst beim Eintragen der Fahrt in meine Statistik & damit verbundenen Anschauen der Fotos stellte ich fest, dass es sich um ein Vehikel der Baureihe handelte EN57 handelte. Nachdem ich Anfang 2016 mal von Zakopane bis Krakau 3:45 h in so einem Ding schaukelte, das quasi noch im Originalzustand der 60er Jahre erhalten war, pflege ich diese Dinger als „die polnische Rumpelgurke“ zu bezeichnen. Doch dieser Zug hier war innen und außen komplett modernisiert, so leise dass man sich drinnen sogar unterhalten konnte und mit vernünftiger Laufruhe. Ohne die Seriennummer wäre ich nie darauf gekommen, dass es sich um eine Rumpelgurke handelt! In der modernisierten Gurke fuhr ich ca. 50 min bis Iława.
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262 – 264 Polenenten in Malbork Kałdowo
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265 Mein Teil
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266 In Szymankowo Umstieg in die Gegenrichtung
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267 – 268 Nächster Umstieg in Iława Głowna
Dort stieg ich in den IC und kaufte mir gleich ein Ticket. Das Personal fragte mich, warum ich das Ticket nicht vorher gekauft hatte. Ich verstand zwar die Frage. Normalerweise würde ich halt in einem Satz antworten, sowas wie: „Ich bin gerade mit dem Regionalzug angekommen, und die Umsteigezeit reichte nicht, um zum Schalter zu gehen.“, auf Polnisch reichte es einfach nur, um „Polregio“ zu sagen und dabei und den Regionalzug am selben Bahnsteig gegenüber zu zeigen.^^ Das wurde aber akzeptiert, ich konnte ohne Bordzuschlag kaufen. Polregio verkauft natürlich keine Tickets für den Fernverkehr (umgekehrt siw auch nicht^^), und per App hatte es ja bei mir nicht funktioniert. -.- Ich bekam ein Ticket mit Platznummer gleich in der Nähe. Schaute mir den Platz kurz an – ein 6er-Abteil mit fünf komischen Menschen ohne Seuchenmaske. Ich lief weiter auf der Suche nach einem schöneren Platz. In allen Abteilen nur Oben ohne. Als ich am Ende des Wagens war und gerade in den nächsten gehen wollte, hatte das Personal mich eingeholt, teilte mir unmissverständlich mit, dass mein reservierter Platz da hinten sei und begleitete mich „fürsorglich“ dahin. Dass niemand im Abteil eine Maske trug, störte das Personal nicht im Geringsten… Der Zug war klimatisiert, die Fenster ließen sich nicht öffnen. PKP ICCC…CCC hat ihr Personal mit FFP2-Masken ausgestattet. Personal ohne Maske habe ich tatsächlich nie gesehen, aber viele trugen ihre FFP2-Maske unter der Nase – kannste dir nicht ausdenken… In der Ansage sagte dasselbe Personal explizit durch, dass es verpflichtend ist, Mund und Nase während der gesamten Reise zu bedecken. Ich habe Fragen! Mir fiel ein, dass ich meine Maske noch nicht gewechselt hatte. Am nächsten Halt ging ich zur Tür. Wir waren mit – 3 angekommen, ich hatte also 6 min Zeit. Dafür verließ ich natürlich den Zug. Jetzt wurde ich vom Personal auch noch blöd angemacht, warum ich denn aussteige, ich hab doch ein Ticket für eine längere Strecke. Alter! „Ja, aber hier sind doch noch 5 min Zeit!“, meinte ich nicht weniger ungehalten. Dann bekam ich irgendwas an den Kopf geworfen, wo ich nicht traurig war, dass es für mich unverständliche Zischlaute waren. :p Erst als ich das erste Kapitel dieses Berichts schrieb, lernte ich, dass man auf Polnisch jemanden beleidigen kann, indem man ihn das “Du Seuche!“ bezeichnet. Warum erfahre ich die wirklich hilfreichen Worte immer erst viel zu spät? -.- Man sagt dann zu der gewünschten Person „zarazo“ (sprich saRAso) bzw. wenn es mehrere sind „zarazy“ (sprich saRAse) – bidde sehr, ist sicher ganz nützlich bei Reisen durch Polen. :-)

70 min dauerte die Fahrt im Seuchenzug – faszinierenderweise pünktlich. Nach Ankunft in Toruń stellte ich erschrocken fest, dass ich Sehenswürdigkeiten für Toruń zwar herausgesucht hatte, aber nicht in die Karte eingetragen hatte. Toll, aufm Notizzettel (digital, aber hatte ihn trotzdem nicht dabei) nützen sie mir wenig, ich brauche sie in Google Maps. Deshalb lief ich dezent planlos durch die Stadt.
Dennoch hat mir Toruń wirklich richtig gut gefallen! Hier verbrachte ich knapp 3 h (der Bahnhof ist sehr stadtnah).
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269 – 270 Hübsche Fassaden in der Nähe vom Stadtbahnhof
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271 Die Jakobskirche
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272 Die Ruinen der Deutschordensburg
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273 – 274 Wir gehen weiter Richtung Stadt
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275 Eine Fälschung des Schiefen Turms von Pisa (allerdings noch schiefer^^)
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276 Weitere Fassaden
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277 Das Rathaus am Hauptplatz Rynek
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278 Die Breite Straße
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279 – 280 Auch hier gibt es schöne Häuschen
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281 Interessant fand ich natürlich nicht den Pizza Hut (nur echt mit Deppenleerzeichen), sondern die Gestaltung neben den Fenstern
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282 Chatschapuri aus einer georgischen Bäckerei. Die Kommunikation gestaltete sich etwas schwierig, weil die Verkäuferin nicht wesentlich besser Polnisch zu können schien als ich^^
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283 Sooooo viel Seuche! :-O
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284 – 285 Die prächtige Katharinenkirche
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286 – 287 Noch ein paar Fassaden auf dem Rückweg zum Bahnhof
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288 Antike Tram
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289 Hier bröckelt der Putz aber :-/

Am Abend fuhr ich dann von Toruń mit einem rührend putzigen Vehikel zunächst nach Bydgoszcz (45 min). Dort hatte ich eine halbe Stunde Umsteigezeit, die ich am Bahnhof verbrachte. Ich war völlig schockiert, als mein Zug für die Weiterfahrt plötzlich pünktlich eintraf. Der war doch ein Langläufer und schon seit 6½ h in Polen unterwegs. Auch kam er nicht aus dem dünn besiedelten Nordosten, wo weit und breit kein anderer Zug im Weg wäre, sondern aus dem dicht besiedelten Süden (fuhr ab Katowice über Częstochowa, Łódź und Kutno nach Bydgoszcz, von dort mit mir nach Danzig, und dann noch das Stück nach Gdynia, in Danzig selbst enden ja keine (oder kaum?) Fernzüge. Zur Startzeit ging es noch nicht los, sondern ruckelte nur kurz, als ob etwas andocken würde. Mit + 5 begann der wilde Ritt. Nach Ankunft am Ziel bemerkte ich, dass die eigentliche Lok abgebügelt war und man einfach pragmatisch eine zweite Lok davorgebappt hatte. Warum kann DB Fv nicht auch so spontan sein? -.- In meinem Abteil saßen drei komische Menschen, natürlich alle oben ohne. Dem Personal war wieder alles egal. Ich schaute nochmal nach, ja, es war lt. PKP-Webseite verpflichtend, während der gesamten Reise Mund & Nase zu bedecken (nicht nur auf dem Weg zum Platz). Die Slowaken können ja problemlos Maske tragen (sowohl 2021 als auch im September 2020, als sie noch nicht einmal Pandemie-Erfahrung hatten), am „osteuropäisch Sein“ kann es also nicht liegen. Am „sich an Regeln Halten“ übrigens auch nicht, denn polnische Bahnhöfe sind komplett rauchfrei, daran halten sich alle, selbst bei noch so langlaufenden Zügen (8 h und mehr sind keine Seltenheit!). Einer von den drei komischen Menschen, seines Zeichens selbstständiger Immobilienmakler (gar nicht mal so viel älter als ich), desinfizierte sich nach meiner Ankunft die Griffel, obwohl er nichts anderes angriffelte als seinen Laptop. Als der Zug Fahrt aufnahm, schloss er das Fenster. Und ich muss mich gerade echt zusammenreißen, dass ich hier nicht sein Facebook-Profil verlinke. :-)
Der Hauptunterschied zwischen den IC und den TLK (vergleichbar vielleicht mit IR) ist, dass die IC Klimaanlage, Steckdosen & Speisewagen haben. Bzgl. Haltestellenabstand & Laufwegen oder auch bei der Kapazität unterscheiden sie sich meines Erachtens nicht so sehr, die TLK bedienen vielleicht höchstens ein paar abgelegenere Gegenden.^^ Der Zug brauste los und durchquerte lange Zeit mit 140 – 160 Sachen eine absolute Pampa. Faszinierenderweise befand sich in deren Mitte tatsächlich ein FV-Halt (Laskowice Pomorskie, gut 2.500 EW^^). In jener Pampa gab’s einen schönen Sonnenuntergang zu gucken. =) Nach 1:20 h war, nunmehr wieder pünktlich, Tczew erreicht (an der Strecke Danzig – Malbork – Iława – Warschau), von dort waren es noch 20 min bis Danzig. Am Ende sah ich die ersten Menschen heute in einem Fernzug mit Maultäschle! :-O Eine der beiden hatte ihr Maultäschle sogar am Platz sitzend auf. :-O :-O
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290 Der Stadtbahnhof von Toruń
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291 Die Brücke über die Weichsel, da geht’s gleich rüber
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292 Jetzt darf ich auch mal in so einem putzigen Teilchen fahren
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293 – 294 Tod…
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295 – 297 … & neues Leben
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298 In Bydgoszcz ist die Hauptproduktionsstelle von Pesa
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299 Im Pesa zu Pesa
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300 Der Bahnhofsvorplatz von Bydgoszcz mit einer archaischen Tram
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301 Oida, stinkt das!
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302 Unsere Lok
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303 – 304 Sonnenuntergang auf dem Land irgendwo in Pommern…
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305 Putte Lok & heile Lok

Am folgenden Tag stiefelte ich morgens nochmal durch die Altstadt von Danzig. Dann packte ich meine Sachen und verließ Nordpolen. In meinem 8er-Abteil (meh) war noch ein Platz frei, von den anderen sechs trugen zwei ihre Seuchenmaske richtig, zwei à la Depp und ebenso zwei gar nicht. Immer das Positive sehen: Von den zwei Maskenlosen war immerhin eine hübsch.^^
Nach 3½ h für 300 km (es war die zweitlängste Fahrt des Urlaubs nach München – Wien) erreichte ich mein Ziel sogar mit – 5. Wer im ersten Kapitel aufgepasst hat (oder wer ein bisschen kombinieren kann), weiß, was jetzt kommt. ;-) Der Rest muss aufs letzte Kapitel warten. :p
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306 Demnächst geht’s weiter

Bis dahin grüßt
Das Krümelmonster

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Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)

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