Bebilderte Reisenotizen - Ostern an die Kvarner Bucht 1/3 (Reiseberichte)

bahnfahrerofr., Sonntag, 27.02.2022, 19:47 (vor 1482 Tagen)
bearbeitet von bahnfahrerofr., Sonntag, 27.02.2022, 19:52

Hallo zusammen,

durch die schön bebilderten Reiseberichte, die hier in letzter Zeit wieder veröffentlicht wurden, kam ich irgendwie auf die Idee, meine Bilderarchive wieder mal zu durchsuchen. Bislang habe ich von meinen mit der Bahn durchgeführten Reisen hier nie Berichte erstellt, weil erstens der Fokus der Reisen nicht unbedingt auf der Bahn selbst lag, und zweitens ich nur sporadisch und unprofessionell fotografiert habe.

Dennoch probiere ich es jetzt einfach mal mit ein paar kleinen Reiseberichten, bewusst als "bebilderte Reisenotizen" betitelt, daher kein Anspruch auf vollständige Dokumentation :-) Die Fotos, die ich noch habe, stammen jedoch überwiegend aus Vor-Seuchen-Zeiten (2017 bis 2019). Vielleicht hat ja an den zusammengewürfelten Bildchen trotzdem der ein oder andere User seine Freude. Über Rückmeldungen freue ich mich sehr!

Los geht es einfach mal mit einer Reise nach Rijeka/Kvarner Bucht, welche ich über das verlängerte Osterwochenende 2019 (16.-23.04.2019) mit meiner Freundin unternommen habe.

Von Nordbayern aus ging es am Dienstag Nachmittag vor dem Osterwochenende mit dem Bayernticket erst mal nach München Hbf, wo wir reichlich Puffer eingeplant hatten, den wir nach pünktlicher Ankunft noch zum Essen nutzen konnten.

Anschließend sollte die EN-Kurswagengruppe der HZ nach Rijeka genutzt werden (namentlich EN 60463 "Opatija"). Damals fuhren die meisten Nachtzüge baustellenbedingt ab München Ostbahnhof; aufgrund der besseren Aufenthaltsqualität blieben wir bis relativ kurz vor Abfahrt des Zuges (23.10) am Hauptbahnhof und fuhren dann mit der vorletzten S-Bahn das Stück bis zum Ostbahnhof. Der Zug (zusammen mit den Zugteilen nach Zagreb, Budapest und Venedig) stand schon bereit, und wir machten uns auf die Suche nach dem Schlafwagen nach Rijeka, welcher nur saisonal verkehrt (grob: Ostern, Sommersaison, Weihnachten). Für 2019 war dies der erste planmäßige Verkehrstag in den Osterferien.

Bevor wir alle Wagen abgelaufen hatten, sprach uns ein auf dem Bahnsteig stehender Schlafwagenbetreuer der HZ an. Ich gab ihm das Ticket, worauf er recht bedröppelt guckte und uns mitteilte, dass der Schlafwagen nach Rijeka leider kaputt sei. Meine Befürchtung, die Nacht in den eher weniger bequemen HZ-Sitzwagen verbringen zu müssen, traf jedoch nicht zu. Der eigentlich sehr nette und hilfsbereite Betreuer quartierte uns im Schlafwagen nach Zagreb ein, in dem noch einige Abteile frei waren. Somit hatten wir zumindest bis Ljubljana, wo die Zugteile nach Zagreb und Rijeka getrennt werden, quasi unser gebuchtes eigenes Abteil. Dort mussten wir dann in einen Sitzwagen umsteigen. Da wir am Bahnsteig direkt vom Schaffner angesprochen wurden, habe ich leider keine Fotos mehr gemacht.

Wir bekamen vom Schaffner noch Wasser, ungefragt eine Bestätigung des "Schlafwagenausfalls" ab Ljubljana auf der Rückseite der Fahrkarte (mit Zangenabdruck der Slovenske železnice, weil die HZ offenbar keine Zangen hat :D)

[image]

und wir durften uns aussuchen, ob wir ein Frühstück haben wollten oder etwas später geweckt werden wollen. Ob der frühen Ankunft (ca. 6 Uhr) entschieden wir uns für letzteres.

Die Fahrt verlief ansonsten störungsfrei mit pünktlicher Ankunft in Ljubljana. Kontrollen gab es keine. Ich finde den HZ-Schlafwagen prinzipiell bequem und laufruhig. Das Waschbecken hatte leider bei unserer Fahrt kein Wasser. Wirklich störend war für mich das Lüftergeräusch der Klimaanlage, was mich an tieferem Schlaf leider hinderte. Es durchdringt sogar die Wachs-Ohropax (die sogar das Rollgeräusch völlig unterdrücken). Meine Freundin meinte hingegen relativ gut geschlafen zu haben.

Als ich nach dem Wecken kurz vor Ljubljana das Rollo öffnete, war ich sehr erfreut über den klaren Himmel und den sich anbahnenden Sonnenaufgang. Auf der Nordseite der Alpen herrschte noch richtig mieses Regenwetter mit niedrigen Temparaturen. Unser Schlafwagenschaffner gab uns noch zwei 7Days-Tütencroissants mit und erklärte uns dem Weg zum Bahnsteig des Zuges nach Rijeka. Während der Sitzkurswagen München-Rijeka (an diesem Tag abweichend sogar zwei Stück) dorthin umrangiert wurde, begaben wir uns durch die Unterführung zum anderen Bahnsteig, wo der Trägerzug MV 481 "Opatija" mit slowenischen Sitzwagen bereits wartete. Die Umstiegszeit ist dennoch sehr groß bemessen und aufgrund des Kurswagens hat man quasi eine Anschlussgarantie, auch wenn man die Tickets evtl. getrennt bucht also kein Problem.

[image]
morgendlicher Blick aus dem Abteilfenster im Bahnhof Ljubljana, kurz vor Abfahrt und Sonnenaufgang

Die Abteilwagen des slowenischen Zugteils hatten gegenüber den kroatischen Kurswagen einen großen Vorteil: Die Fenster lassen sich öffnen. Dazu bullerte die Heizung schon schön warm. Der Zug war gering ausgelastet (hatten das Abteil für uns) und fuhr dann auch pünktlich los. Somit war der Ausfall des Kursschlafwagens eigentlich kein großer Verlust, zumal ich nach Einreichen der Fahrkarte samt Bestätigung des Schlafwagenschaffners von der DB eine sehr großzügig bemessene Kulanzentschädigung in Gutscheinform erhalten habe.

[image]
Ausfahrt des "MV 481" aus Ljubljana

Etwas vermisst habe ich einen Kaffee, aber immerhin konnten wir völlig entspannt unsere mitgebrachten Backwaren und das schleimig-pappige 7Days-Croissant verspeisen. Die ersten paar Kilometer geht es durch einige Vororte von Ljubljana, relativ unspektakulär, wenn man vom Sonnenaufgang absieht. Doch schon kurz darauf wird es ländlich und grün, anfangs noch flach, jedoch mit Bergpanorama im Hinergrund.

[image]

[image]

Hier zeichnet sich schon ab, dass uns bald ein sehr schönes Naturschauspiel erwartet: In den Niederungen liegt noch Bodennebel, der von der aufgehenden goldenen Sonne angestrahlt wird.

Die Bahnstrecke führt in ein relativ breites Tal und umrundet dieses quasi. Bei der Ortschaft Borovnica macht die Strecke fast eine 180°-Kurve. Man sieht dann gegenüber den Streckenverlauf, wo man 10 Minuten vorher entlanggefahren ist. Zudem steigt die Bahnstrecke dann entlang des Hanges stetig empor, während man ins (nebelige) Tal hinunterblicken kann.

[image]

[image]

Das ganze war wirklich episch! Und mit dem offenen Fenster dazu noch schöner. Wir kamen wirklich kaum vom Fenster weg die erste Stunde der Fahrt.

[image]

[image]
Wer findet die Kirche?

[image]
Nochmal ein Blick zurück - hier sieht man schön wie die Strecke entlang des Hangs ins Karstgebirge ansteigt - von Ljubljana (295m) bis Pivka (ca. 580m) sind es schon ein paar Höhenmeter

[image]
Zwar nicht besonders schön, aber irgendwie das einzige Bild wo man den Zug - hier mit slowenischer E-Lok mal von außen mit drauf hat. Auch zu erkennen ist der erste graue Wagen, ein ÖBB-Sitzwagen, der mit aus München kam und planmäßig an dem Zug nichts zu suchen hat.

Nach ca. 1:15 h erreicht die Fuhre dann den Bahnhof Pivka (dürfte der höchste Bahnhof der Strecke sein).

[image]
Der Bahnhof von Pivka - hier trennt sich die Strecke nach Rijeka von der Südbahn nach Trieste. Das Gebäude ist zwar schön, aber wirkt heute für den spärlichen Verkehr reichlich überdimensioniert

Anschließend wird Ilirska Bistrica erreicht, der slowenische Grenzbahnhof. Hier findet, neben der bereits durch den slowenischen Zub erfolgten Ticketkontrolle eine slowenische Ausreisekontrolle statt (Schengen-Außengrenze). Die durchaus freundlichen (englisch sprechenden) Grenzer lassen sich dabei aber wirklich Zeit und der Zug fängt sich ca. 5min Verspätung ein (falls der Zug mal voll sein sollte, wird es wahrscheinlich deutlich länger werden^^). Planmäßig sind 15 Minuten Aufenthalt vorgesehen.

Der Zug kullert dann das kurze Stück ins kroatische Sapjane, wo erneut eine Grenzkontrolle (Einreisekontrolle Kroatien) und zudem ein Lokwechsel auf die kroatische Lok stattfindet.

[image]

Hier passt die Dimension des Bahnhofs schon eher zum Betrieb. Fahrgastwechsel fand so gut wie keiner statt. Immerhin ging die Kontrolle und der Lokwechsel sehr schnell, so dass nichtmal die angesetzten 15 Minuten benötigt wurden. Die Kroaten scannten keine Pässe ein und waren schnell wieder weg. Einer der beiden Grenzer rülpste nach dem Verlassen des Zuges auf dem Rückweg zum Bahnhofsgebäude direkt unterhalb des Abteilfensters laut, bemerkte dabei nicht dass ich gerade aus dem offenen Fenster sah. Sein Kollege hingegen bemerkte es und lachte sich einen ab ;-)

Die Strecke fällt nun stetig bis zur Adria ab, also insgesamt knapp 600m. Besonders schnell geht es trotz der wenigen Halte nicht; insgesamt ca. 3 Stunden ist der Zug für die Strecke unterwegs, die man mit dem Auto in ca. 1:45 min zurücklegt. Doch das stört uns nicht wirklich, das schöne sonnige Wetter sorgt für Urlaubsstimmung.

[image]
Der letzte Halt vor Rijeka, Opatija-Matulji. Hier sind tatsächlich einige Leute mit Koffer ausgestiegen. Man beachte die Blumen am Gebäude.

[image]
Dann kommt der Moment, auf den ich schon lange gewartet hatte: Der erste Meerblick! Links im Bild Ausläufer der Insel Cres, rechts die Berge des Naturparks Učka.

Die Stecke führt nun fast rampenartig die letzten Meter bis nach Rijeka hinunter, wo jedoch einige eher unschöne Bauten und Mauern die Sicht in Richtung Meer blockieren. Am Bahnhof Rijeka kamen wir mit etwa 10 Minuten akzeptabler Verspätung an. Vom recht großen Bahnhofsgebäude selber habe ich leider kein Foto, er war damals aber schon fast lostplace-mäßig verfallen. Angeblich ist er mittlerweile etwas hergerichtet worden.

Hier noch die Fahrkarte:

[image]
Die Kroaten entwerten mit Kugelschreiber.

Für die nun folgenden 5 Urlaubstage haben wir uns die Insel Krk vorgenommen, welche sich bequem über eine Brücke und damit ohne Fährüberfahrt erreichen lässt. Theoretisch kann man, wenn man eher einen "stationären" Aufenthalt plant, auf Krk gut mit dem Bus an- und abreisen. Diesen betreibt DB Arriva. Da wir allerdings auf der Insel einige Ziele erreichen wollten, zu denen kein Bus fährt, haben wir uns in Rijeka dann ein Auto gemietet. In der Nebensaison bekommt man hier sehr günstig einen Mietwagen, es gibt wirklich zahlreiche Anbieter. Ich habe damals bei "ACTIVE", einer eher kleineren kroatischen Kette, gemietet. S*XT wäre ein paar Euro billiger gewesen, dort muss man aber selbst aus einem recht engen Parkhaus aus- und wieder einparken. Bei "ACTIVE" wurde das Auto von einem Mitarbeiter vorgefahren und auch bei der Abgabe wieder abgeholt. Auch die Durchsicht wurde jeweils vor Ort zusammen gemacht. Insgesamt hatte ich einen sehr seriösen Eindruck und das Auto (VW Up Automatik) war auch absolut ok. Das Ladengeschäft ist aber eher weniger repräsentativ :-) Vom Bahnhof zur Vermietstation braucht man ca. 10-15 min zu Fuß, S*XT ist auch gleich ums Eck. Bis zur Brücke nach Krk fährt man nur ca. 30 Minuten (mautfrei).

Die Insel Krk begeistert mich auf jeden Fall durch ihre Vielseitigkeit; es gibt wirklich grüne Ecken und auch total gegensätzliche, felsige und steinige Berglandschaften und steile Schluchten. Zudem ist die Küstenlinie nicht überall zugebaut, sondern man findet wirklich zahlreich ruhige Fleckchen ohne viel Zivilisation (das trifft m.E. auf alle Inseln der Kvarner Buch zu). Wir haben uns für die 5 Nächte in einem kleinen Gasthof "Konoba Luce" im Örtchen Vrbnik im Osten der Insel einquartiert. Dort hat die Saison auch erst in der Woche begonnen und wir waren die ersten zwei Tage auch die einzigen Gäste, zusammen mit zwei Tschechen. Das Doppelzimmer mit Frühstück lag glaube ich etwa bei 65€, das Zimmer war nagelneu und blitzsauber, das Frühstück ohne Buffet (logischerweise) zwar ungewohnt, aber reichhaltig. Die regulären Zimmerpreise während der Saison lagen jedoch etwa bei 100-140 €.

Vrbnik ist für seinen Žlahtina, eine spezielle Weißweinsorte, die nur in der dortigen Umgebung angebaut wird, bekannt. Ansonsten liegt der Ort eher im grünen, fruchtbaren Teil der Insel. Die Altstadt liegt auf einer Art Hügel direkt über dem Mehr und ist auch für seine engen Gassen bekannt. Die sind leider so eng, dass man sie schlecht fotografieren kann. Dennoch ist der Ort es auf jeden Fall wert, mal durch die Gassen zu schlendern, aber bitte nicht im Juli und August.

[image]
Blick auf das Zentrum von Vrbnik

Es blieb am Nachmittag noch Zeit für einen kleinen Spaziergang durch den Ort und entlang der Küste. Die meisten Läden und Restaurants hatten noch zu, es waren quasi nur Einheimische unterwegs und das am Nachmittag auch eher spärlich.

[image]
Schön zu sehen war auch, wie weit die Vegetation hier schon fortgeschritten war. In Deutschland blühte zu der Zeit noch fast nichts. Angenehm warm war's zumindest bis zum späten Nachmittag auch schon :)

[image]

Der Anreisetag endete dann mit einem ordentlichen, preislich vielleicht leicht überteuertem, Abendessen in diesem Lokal, welches einen tollen Ausblick über die Kvarner Bucht und die dahinterliegenden Bergketten bot.

Weiter geht es in Kürze in Teil 2 mit einigen Impressionen von der Insel.

Wer nun an Bahn-Content interessiert ist, kann an dieser Stelle gleich zu Teil 3/3 springen.


Viele Grüße und einen schönen Sonntagabend wünscht

bahnfahrerofr.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum