Deutschlandtarif ab 01.01.2022 (Fahrkarten und Angebote)

michael_seelze, Mittwoch, 27.10.2021, 22:23 (vor 1595 Tagen)
bearbeitet von michael_seelze, Mittwoch, 27.10.2021, 22:24

Moin,

vor reichlich über zwei Jahren hab ich über die Preisdifferenzierung im C-Preis geschrieben und die Reform des TBNE. Ganz offensichtlich hat man das mal wieder nicht pünktlich hinbekommen, mal schauen wie sich der jetzige Planungsstand in Zukunft materialisiert [...] noch der Hinweis dass sich das alles nur auf den bisherigen DB-Tarif im Nahverkehr bezieht. Abweichende Regeln (bspw. zum Bordpreis oder Verkauf im Zug) in Verbünden/Landestarifen bleiben unberührt. Und das ist alles nur Stand aktueller Planungen, kann sich also bis zum 1.1.22 noch ändern.:

Das Thema hole ich jetzt mal aus der Versenkung, weil sich die Einführung der bisher noch nicht veröffentlichten "Tarif- und Beförderungsbedingungen des Deutschlandtarifs" zum 01.01.2022 nähert. Zumindest die BB für Aktionsangebote der DB Regio AG und die BB Anstoß laufen damit zum 31.12.2021 aus. Vgl. BB PV vom 26.10, E.75.
[Randanmerkunng: Das IRE Berlin-Hamburg-Ticket wird damit zum 01.01.2022 ein Ticket des Deutschlandtarifs und ist wohl anlässlich der Einstellung der Zugfahrten, für die es gelten würde, als Karteileiche zu bewerten.]

Der Flexpreis wird wieder zum Normalpreis; auch deshalb, weil mit der mittelfristig geplanten zeitlichen Preisdifferenzierung die Fahrkarten eben nicht mehr flexibel sein werden.

Auch entfallen sollen:
die Familienkarte,

Damit einhergehend Begrenzung der Kinder auf 3 pro Fahrkarte, um Missbrauch zu vermeiden, bei gleichzeitiger Auflösung der Pflicht zur Familienzugehörigkeit der Kinder.

Verkauf von Klassen- und Produktübergang im Zug (Sofern verkehrsvertraglich zugelassen und noch in Verhandlung. Der FV soll den Verkauf von Produktübergängen selbst übernehmen und für Klassenübergänge sieht man im Zug keinen relevanten Anwendungsfall),

da Verkauf von unter 1% der Klassenübergänge im Zug erfolgt ist.

Fahrkarten sollen - auch bei über 100 km Tarfentfernung - grundsätzlich einheitlich nur noch bis 3 Uhr Folgetag gelten, außer bei "Nacht"-Angeboten.

Die Definition von "Nachtangeboten" fehlt leider dabei.


Mittelfristig plant man weitere Änderungen, die aber erst später umgesetzt werden und auch noch erarbeitet werden müssen:
Der Bartarif soll preislich differenziert werden anhand von Wochentag, Uhrzeit und Region;

Davon erhofft man sich eine "Stärkung der Erlösergibigkeit" in der Hauptverkehrszeit (44% aller Fahrten zwischen 6-9 sowie 15-18 Uhr) oder kurz: Preise rauf für viele Arbeitspendler [HVZ-Aufschlag]. Langfristiger Effekt soll die Verlagerung der Verkehrsströme mit Wegfall der HVZ-Verstärkerverkehre sein.

für Zeitkarten erarbeitet man flexiblere Angebote.

Auch erarbeitet man einen eTarif mit Check-in/be-out.

Dazu gehörte dann der Verzicht auf Papierfahrkarten.
Vom Tracken der Kunden auf der gesamten Fahrtstrecke wird erwartet:

Natürlich ist auch die Einnahmeaufteilung zwischen NV-Unternehmen und DB FV von der Einführungs des Deutschlandtarifs betroffen. So forderte DB FV im Herbst 2020 eine Beteiligung an den Management- und Systemkosten der BahnCard in Höhe von 11% des erzielten Erlöses. Auch wollte DB Fernverkehr die prozentuale Grenze für den Anteil an Sparpreisen im jeweiligen Verkehrsnetz, ab der DB FV nach dem Vertrag über die Anerkennung von Sparpreis- und Aktionsangeboten der DB Fernverkehr AG für den die Grenze überschreitenden Anteil mehr Geld an den SPNV ausschütten muss (2020: C-Preis -16% statt C-Preis -26%), von 42,5% auf 50% erhöhen. Anmerkung: In einer mofair-Stellungnahme zum Sektorgutachten Bahn der Monopolkommission vom Januar 2021 war zu lesen:

Diese Grenze soll verhindern, dass der Erlös einzelne Netze mit hohem Sparpreisanteil durch die im SPNV ungesteuerten Angebote erheblich sinkt.

Gibt es hierzu einen aktuellen Stand?

Damit wären wir beim nächsten Thema. Und zwar möchte man ab 2022 weg von der Abwärtskompatibilität von Fernverkehrszeitkarten. Vielmehr soll der Kunde zu einer Nahverkehrszeitkarte ein Upgrade für die Fernverkehrszüge erwerben können.
Außerdem gibt es den umstrittenen Vorschlag, die Kontingentsteuerung bei Sparpreisfahrkarten auch auf den NV-Anteil auszuweiten.

Mittelfristig möchten die Anwender des Deutschlandtarifs eigene Vertriebsrechte für Fahrkarten des Fernverkehrs zum Ersatz von Agenturmodellen erhalten.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum