LZB-Frage (Allgemeines Forum)

sappiosa, Donnerstag, 06.05.2010, 14:54 (vor 5931 Tagen) @ fabs

Hallo Fabs,

Na, ob das so im Sinne des Erfinders ist? Wenn ich einen Fahrplan für eine bestimmte Höchstgeschwindigkeit bestelle und die Trasse entsprechend konstruiert ist (Überholungen von/durch und Kreuzungen mit anderen Zügen, sowie die grundsätzliche Zugfolge/Trassenbelegung), wird sich das EIU - hier DB Netz - sowie die dadurch betroffenen anderen EVU sicherlich freuen, wenn ich es mir auf einmal anders überlege und unnötiger Weise den ganzen Fahrplan durcheinander bringe.

Das ist kein Problem.

Bei den meisten besprochenen Fällen dürfte der Fernverkehr den Fahrplan eh schon für die reduzierte Höchstgeschwindigkeit (also 250 statt 280) beim Netz bestellt haben, und Netz konstruiert dann den Fahrplan entsprechend, setzt dabei die übliche Formel v_ziel = min (v_max_Zug, v_max_Strecke) außer Kraft.

Aber wenn nicht? Auch dann greift die Mechanik der Fahrplankonstruktion.
Wir reden hier ja nur von Fällen, wo die konstruierte Fahrzeit auch mit geringerer Geschwindigkeit zu halten ist - dann muss sie deutlich über der theoretisch kürzestmöglichen liegen. Das baut DB Netz in den Fahrplan durch Zuschläge ein, und die werden gleichmäßig über die befahrene Strecke verteilt. Im Endeffekt entsteht dadurch ein Fahrplan, der schon so gestrickt ist, als wäre der Zug mit geringerer Geschwindigkeit unterwegs als angegeben. Und darauf sind dann auch die Trassenbelegungen u.ä. abgestimmt.

Das funktioniert nur dann nicht mehr, wenn gerade eine solche gleichmäßig langsamere Fahrt einen Konflikt im Fahrplan ergäbe. Dann wird der Fahrplan in Teilabschnitten so hin und her geschoben, bis es passt (natürlich nur soweit, wie auch alle Teilfahrzeiten technisch fahrbar bleiben). Und das EVU bekommt zwar auch die angestrebten Durchfahrtszeiten in Unterwegsbahnhöfen mitgeteilt, aber daraus zu folgern, wo Reserven liegen und wo nicht, ist letztlich ihre Sache.

Ein Beispiel dafür ist m.W. der ICE Bielefeld-Hannover: Ab Löhne sitzt ihm der RE von Rheine im Nacken, und um den nicht aufzuhalten, muss er bis Löhne Gas geben. Erst danach kommen Reserven.
In der Praxis macht das aber nichts aus, weil die ICE auf der Linie eh notorisch verspätet fahren...

Ein Zuglaufregler, der für solche Fälle die gerade "optimale" Geschwindigkeit errechnet und den Tf mitteilt, ist in Arbeit. Aber das kann noch dauern.

Schöne Grüße
Daniel


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