Wilde Wüste, Wahnsinns-Wodka, Wunderlicher Winter: Kap. 2/4 (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Sonntag, 11.10.2020, 10:57 (vor 1992 Tagen) @ Krümelmonster

Wir ließen uns am Bahnhof von Urgantsch per Privattransfer abholen. Bevor wir endgültig die Zivilisation verließen, wollte ich noch in eine Apotheke. Wir hielten an einer kleinen Apotheke am Stadtrand von Urgantsch, und so, wie mich die Leute dort drin anschauten, vermute ich, ich war der erste Tourist, der jemals dort eintrat. Ich zeigte auf meinem Handy das Wort für Nagelbettentzündung auf Russisch und konnte noch beantworten, dass es am Fuß war. Ich bekam zwei Mittelchen: Eines kostete 50 ct, das andere 10 ct – noch ein Beweis, dass sich bisher noch nie ein Tourist hierhin verirrt hatte. ;-) Die Mittel waren letztlich überhaupt nicht wirksam (außer dass das eine nach dem Drüberschütten meinen Fuß für die nächsten drei Wochen grün färbte :D), aber wenigstens hatte ich dafür nicht viel Geld in den Sand gesetzt. :D Das Wetter wurde zusehends schlechter, bald regnete es sogar kurz. Wir fuhren mit dem PKW weiter und überquerten den Amudarja, dessen Austrocknen man zur aktuellen Jahreszeit hier kaum erkennen konnte. Weiter ging es in die Wüste.
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165 Wunderschöne Straße :D
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166 Krasse Entfernungen
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167 Im Regen sieht es freilich nicht so aus, aber der Amudarja ist ein austrocknender Fluss
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168 Irgendwie hat es uns plötzlich ins Trump Shuttle nach Neuengland verschlagen :-s
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169 Die Soda-Brücke über die neue Bahnstrecke, die weiter in die westlichste Provinz Karakalpakistan hineinführt (hat übrigens nichts mit dem Land Pakistan zu tun)
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170 Die Strecke Richtung Westen…
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171 …oder Richtung Osten
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172 Tor zur Wüste
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173 Auf dem Weißen Weg
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174 Transportmittel im ländlichen Karakalpakistan
Nach anderthalb Stunden Fahrt erreichten wir unser Tagesziel: das Jurtencamp Ayaz-Qala. Mal was Anderes an Silvester! ;-) Jurten sind die traditionellen Zelte der zentralasiatischen Nomaden. In einer solchen übernachteten wir. Eigentlich sollte es hier auch ein Kamel geben, aber das hielt wohl gerade Winterschlaf. :-( Die Übernachtung war in Anbetracht der besonderen Unterkunft mit 70 US$ p. P. gar nicht soo teuer, extrem teuer hingegen war der Transfer mit 50 US$ pro Person und Richtung (selbst als Tourist würde man nicht mehr als 20 – 30 US$ pro Taxi zahlen, aber spätestens für die Rückreise gibt es nun einmal keine Taxis, und ich bezweifle, dass das Camp eine Buchung ohne Transfer zulassen würde ;-) )… Gebucht hatten wir ebenfalls über Advantour, die haben richtig Umsatz gemacht mit uns. :D
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175 Unsere heutige Unterkunft
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176 Unser Gemach
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177 – 178 Das Yurtencamp von weiter weg
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179 – 180 Das Camp am nächsten Morgen (schon ein Jahrzehnt weiter, im Jahr der Seuche -.-)
Ganz in der Nähe befinden sich oben auf einem Hügel die Reste einer alten Festung. Sie stammt aus dem 4. Jahrhundert, lt. World Monuments Funds v. Chr., lt. unserem Reiseführer vom Trescher-Verlag hingegen n. Chr. (das Beispiel zeigt, wie schwierig es manchmal sein kann, genaue Informationen über die Sehenswürdigkeiten in Usbekistan zu erhalten). Seit 1300 Jahren ist die Anlage verlassen. Der Zugang ist seitdem ungehindert möglich. Allzu viele Touristen verirren sich wohl nicht hierhin, aber auf Dauer ist es trotzdem sicher nicht so förderlich, wenn hier dauernd jemand auf den Lehmwänden herumspaziert, ohne dass Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden... Zunächst interessierten sich auch zwei Italiener samt Guide für die Anlage, aber nachdem sie schneller durch waren als wir, hatten wir die Anlage für uns allein.
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181 – 182 Da ist das Ding!
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183 Der Weg vom Camp dorthin führt durch Sanddünen und dann steil bergauf
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184 In der Festung
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185 Manches ist noch gut erhalten, …
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186 – 187 …anderes weniger
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188 Eine Ecke
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189 Eine Mauer
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190 Panorama
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191 – 192 Blick in die Wüste. Heute kaum vorstellbar, dass für den Bau damals die Nähe zu einer Oase ausschlaggebend war!
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193 – 194 Blick von der alten Festung hinunter auf die etwas jüngere
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195 Die jüngere kleine Festung im Detail
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196 Die Festung und links das Camp
Zum Sonnenuntergang zogen wir uns in unsere Jurte zurück. Die nächste Besiedlung (ein kleines Dorf) war fast 10 km Luftlinie entfernt, und mobiles Internet war in Usbekistan selbst in Städten nicht überall verfügbar (in Usbekistan war es wirklich wesentlich schlimmer als in Deutschland! :D), aber zu unserer größtmöglichen Überraschung hatten wir im Camp Empfang! Sporadisch reichte es sogar, um Bilder zu verschicken.^^ Auch überraschte uns, dass es hier mitten in der Wüste Steckdosen gab. Gut so, denn mollig warm ist so eine Jurte nicht gerade, und bei Temperaturen von nachts knapp unter 0 Grad draußen kamen uns die Heizdecken sehr gelegen.^^ Das Camp wurde von einem älteren Paar betrieben, für die Versorgung der Gäste war er verantwortlich. Im Gegensatz zu unserem Fahrer sprach er (fast) kein Englisch, aber auf Russisch kamen wir hin.^^ Im Preis inbegriffen waren alle Mahlzeiten, die aber wieder landestypisch ungenießbar waren. Keine gute Grundlage…^^
Usbekistan ist wahrscheinlich das am stärksten islamisch geprägte Land auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion (ich wollte ursprünglich „in Zentralasien“ schreiben, aber da gehört ja auch Afghanistan dazu ;-) ), doch Alkohol-Konsum ist wahrlich kein Tabu. Es werden Bier, Wein & Wodka sogar für den inländischen Bedarf hergestellt. Nach dem letzten Abendessen des Jahrzehnts brachte der Betreiber des Camps uns reichlich Begrüßung fürs neue Jahr. Nachdem er sichergestellt hatte, dass wir gut versorgt waren und der Ofen in unserer Jurte gut heizte, machten sich die beiden vom Acker und wir waren die einzigen beiden Menschen da oben auf dem Berg. :D Der Wodka war wirklich böse (dabei vertrage ich Wodka normalerweise gut!). So böse, dass Luxi nach zwei Schluck den Rest der Flasche mir überließ. Aber verrotten sollte ja auch nichts. :-/ Bereits 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit starteten wir ins neue Jahrzehnt. (Ich möchte bitte bemitleidet werden, dass ich dieses verdammte Jahr schon vier Stunden länger ertragen muss!) Wimre waren wir um Mitternacht tatsächlich nochmal draußen, das war natürlich äußerst unspektakulär, bloß arschkalt. :D Ich glaube, wir hatten auf ein Feuerwerk gehofft - warum auch immer... Angeblich habe ich den Wecker meines Handys noch auf 1:06 Uhr umgestellt, denn Luxi meinte, er habe nachts ziemlich lange geklingelt. Ich weiß nur, dass er morgens nicht geklingelt hat (war aber folgenlos)… ¯\_(ツ)_/¯
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197 Grusel-Fusel
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198 Mein Grund, keinen Wodka aus Usbekistan mitzubringen ;-)
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199 Yangi Yilingiz Bilan!


Dieses war kein ganz langes Kapitel, aber Bahn-Anteil ist ja vorhanden, und ich fand, das letzte Bild musste einfach als Ende eingesetzt werden. :p
Demnächst geht es weiter. ;-)

Es grüßt immer noch hicksend
Das Krümelmonster

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Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)

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