Ja. FREIHEIT PUR! (Reiseberichte)

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Mittwoch, 02.09.2020, 18:29 (vor 2025 Tagen) @ heinz
bearbeitet von Der Blaschke, Mittwoch, 02.09.2020, 18:31

Hey.

Fahren, wann wo wie man will. Es gab hunderte Nachtzüge, in denen sich die Nacht überbrücken ließ. Es reichte, gegen 17 oder 18 Uhr den eigenen Standort zu ermitteln, um sich Gedanken zu machen, welcher nächtliche Zug der meinige sein wird.

Kein Internet. Kein Handy.

Mutter meinte immer: ruf doch mal an, wo du bist. Ich sag: was n Quatsch. Wenn ich um 14h aus München anrufe, hast du da nix von, weil ich um 22 Uhr in Hamburg bin und um 4 Uhr in Köln. Um 10 Uhr in Saarbrücken und um 21 Uhr in Leipzig. Usw.

Unendlich vieles wußte man gar nicht und hat es verpaßt. Dafür war alles Erlebte quasi Überraschung und eben ein Erlebnis. Heute wird der Törn bis ins kleinste Detail vorbereitet und durchgetaktet. Auf Google Mapsstreetview schon mal alles anschauen. Genaue Zeiten berechnen. Und dann kommt in genau DER Sekunde der Gegenzug ins Bild. Oder der Autofahrer. Oder die Fotowolke. Oder man muss just dann im Busch kacken. Dann ist alles sch...

Im Zug muss es Platz 27 in Wagen 7 sein. Der oder keiner. Und wehe, es ist ein Ersatzpark - wo man doch tagelange Vorbereitung und tausende Euro investiert hat, um mit dem MET zu fahren. Oder mit ICE Tz 167.

Tja, wir hatten ein paar Eisenbahnzeitungen, die monatlich erschienen. Und Papas Brockhaus. Den wir aber nicht verstanden.

Also fuhren wir einfach los. Und kamen nie an. Weil wir nicht DAS Ziel hatten, sondern uns treiben ließen. Und wenn wir nach Westerland wollten, aber uns der Zug und die Leute nicht gefielen, dann fuhren wir halt nach Puttgarden. Oder Kiel. Oder später dann nach Sassnitz. Egal. Westerland blieb ja für ein anderes mal.

Und auf der ersten SFS Fulda Würzburg bin ich mal 2x am Stück hin und her gefahren, weil das damals geil war. In Würzburg den Berg hoch. Aus dem letzten Wagen des IC nach draußen schauen und durch die Tunnel jagen. Und die Gruseltour Bebra Obersuhl - mit dem Schienenbus gute 1,5 km über DDR-Territorium - fuhr ich auch zweimal. Und überlebte.


Frei - das war es. Meist fuhr ich etliche Tage und Nächte am Stück. Ab nach Hause in den Heimathafen. Richtig duschen. Klamotten wechseln bzw austauschen. Und dann wieder los. Und das einen Monat lang ... Persönlicher 'Rekord' liegt bei ca 43.000 km im Monat. Und wäre ich die Kilometer 4 Monate früher gefahren bzw wäre niemand kurz vor mir mehr Kilometer gefahren, hätte ich im Guiness Buch der Rekorde gestanden. Man war ja auch noch jung. Schlafen ist was für alte Leute (also mich heute ...). Bzw man hat Zeit, wenn man tot ist.

Also hieß es Bahnfahren bis der Arzt kommt. Und geschichtlich betrachtet hatte ich auch Glück: die SFS kamen. Der ICE. Die DDR dazu. Das Interregio-Netz. Es gab jedes Jahr neues zu entdecken.

Freiheit. Herrlich.


Schöne Grüße von jörg


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