DR in West-Berlin (Allgemeines Forum)

liebe70, Freitag, 09.04.2010, 20:12 (vor 5961 Tagen) @ Burkhard

Für Aufgaben auf dem West-Gebiet konnte man auch gut DDR-Bürger einsetzen, bei denen keine Fluchtgefahr bestand, weil sie zum Beispiel "Frau und Kinder" zuhause hatten. Im Zweifelsfall wären diese anschließend Repressalien ausgesetzt gewesen.


Das stimmt so nicht. Es gab beispielsweise Magdeburger und Potsdamer Zub, die im sogenannten "I-Plan" fuhren. Sie waren das DR-Zub für die durchgehenden Züge von und nach Westberlin, mußten SED-Mitglied sein und waren teilweise auch als IM tätig. Sie bekamen zu DDR-Zeiten als einzige Zub pro Schicht 5-10 DM als Verpflegungsgeld.


Und wo ist jetzt der Widerspruch?

Warum sollte beispielsweise der Genosse APO-Sekretär* des I-Plans seine in der DDR-Gesellschaft hervorgehobene Position gegen ein Dasein "einer von vielen" tauschen?

In der DDR ist er zu einem bestimmten Teil auf der Sonnenseite und in der BRD? Einer von vielen. Das soll erstrebenswert sein?

Der Zub im I-Plan der DR:
* er ist Mitglied der SED und "Parteivorsitzender" der SED-MItglieder im I-Plan
* er kommt regelmäßig in den Westen
* er bekommt zusätzlich "Westgeld" und hat dadurch bestimmte Privilegien
* er fährt ein "besseres" Auto
* er hat eine vernünftige Wohnung
* er hat Telefon

Alles zusammen: er ist was besseres als der Durchschnitt.

Der Zub in der BRD dagegen:
* er bekommt "Westgeld" (bekommt in der BRD im Regelfall jeder weil nationale Währung)
* er fährt einen "Westwagen" (hat auch jeder)
* er hat Telefon (Na? - Hat auch jeder)
* er hat auch nicht die letzte Butze (die haben viele andere auch nicht)
* vielleicht ist er noch Beamter

Alles zusammen ist nur Durchschnitt.

Ist es erstrebenswert Durchschnitt zu sein? Und dafür sollte er eine Republikflucht wagen? Wenn sie schiefgeht (wie fast alle), verliert er alles. Falls sie gutgeht: Er kann sich auch von Frau und Kindern, die in der DDR blieben, lossagen und ein neues Leben beginnen. Dann haben nur die zurückgebliebene Frau nebst der Kinder in der DDR die A***-Karte.

Manche Menschen legen mehr Wert auf Position und "jemand zu sein", als meinetwegen schon die halbe Welt bereist zu haben.

Der Genosse DR-Zub weiß nämlich auch aufgrund des Zusammentreffens mit den DB-Kollegen, daß man sich im "goldenen Westen" zwar alles kaufen kann, aber man muß dazu das nötige (Klein-)Geld haben.

Gruß, Ralf

*APO-Sekretär: Sekretär der Abteilungsparteiorganisation in der SED


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