Kap. 1/4: Sommer in Südwesteuropa [MT][IT] (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Samstag, 30.05.2020, 15:47 (vor 2121 Tagen) @ Krümelmonster

Zurück in der Hauptstadt aß ich am Abend Hase mit Fenchel und trank Winziginselbier. Als ich 20.30 Uhr wieder in mein Hotelzimmer kam, stand direkt vor dem Fenster ein Kran. Am Nachbarhaus wurde kräftig gewerkelt, dafür zog der verdammte Kran dauernd unter größtmöglichem Getöse schwere Bauteile in die Höhe. Natürlich dachte ich, dass der um 22 Uhr die Arbeit einstellen würde. Tat er aber nicht… Erst nach 11 konnte ich das erste Mal einschlafen. Mehrmals bin ich wegen des vermaledeiten Krans aufgewacht. Nachts halb drei filmte ich den hässlichen Kran und fotografierte ihn, um wenigstens reklamieren zu können. Dabei habe ich mich so reingesteigert, dass ich nicht mehr weiterschlafen konnte. -.- Gegen vier wollte ich eh aufstehen. Ca. drei Stunden habe ich in der Nacht geschlafen. -.- Als ich um 5 das Hotel verlassen habe, war der verfluchte Kran immer noch aktiv…
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33 Aus meinem Zimmer fotografiert: Stirb, Kran, stirb stirb stirb!!!
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34 „Stille Nacht“ auf Maltesisch
Die Lage in der Altstadt hatte auch den Vorteil, dass ich mir zu dieser Tageszeit kein Taxi bestellen musste, sondern zum Hafen laufen konnte. Mindestens eine Stunde vor Abfahrt sollte man am Hafen sein. Dann bestieg ich die riesige Fähre nach Sizilien. Es war ein Schnellkatamaran, damit dauerte die Überfahrt „nur“ 1:45 h, aber das war immer noch eine ziemlich lange Zeit, denn man kann auf so einem Schiff ja relativ wenig sehen.^^
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35 Dieses Teil brachte mich runter von der Winziginsel
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36 Sein Gestühl
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37 – 38 Ċaw, Winziginsel
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39 E boungiorno Italia!
Mit – 9 waren wir losgefahren, die See war nicht allzu rau. Trotzdem machten wir erst 10 min nach der planmäßigen Ankunftszeit 8:15 Uhr am Pier von Pozzallo fest. Der Zug fuhr 9:06 Uhr vom immerhin 4 km entfernten Bahnhof. Und der nächste Zug erst 6 h später. -.- Die Stinktierpedaltreter durften als erste runter vom Schiffchen. -.- Irgendwann war dann auch das Fußvolk an der Reihe, wer einen Koffer dabei hatte, musste nochmal auf die Rückgabe warten. Dann hatten die Italiener noch einen Kontrollpunkt für die Einreise aufgebaut (Hallo!? Schengener Abkommen!?), vor dem alle eine Schlange bilden mussten, aber dann wurden ausnahmslos alle durchgewunken. Schließlich landete ich auf dem Parkplatz. 5 € für die Fahrt zum Bahnhof schien mir fair, und als der Taxifahrer hörte, auf welchen Zug ich aus war, wartete er auch nicht mehr auf andere Fahrgäste. =) Als ich den Bahnhof erreichte, war es schon nach 9 Uhr. Der Taxifahrer meinte, das Ticket könne ich im Zug kaufen.
Endlich ging es mit dem richtigen Verkehrsmittel weiter. Elektrisch wäre natürlich schöner, aber immerhin.^^ Der KiN sprach keinerlei Fremdsprachen (dazu zählt auf Sizilien auch Standard-Italienisch :p). Weil ich noch kein Ticket hatte, knöpfte er mir 5 € Aufpreis ab (das Ticket kostete gerade einmal 5,60 € -.-). Dabei gab es am Bahnhof gar keinen Automaten. Seine Begründung: Ich hätte ja auch online kaufen können. Wenn der Kauf am Smartphone die einzige Möglichkeit ist, dann soll Trenitalia bitte allen potentiellen Fahrgästen ein Smartphone zur Verfügung stellen. -.- Eine gute Stunde knatterte der Schuhkarton mit undurchsichtig beschmierten Fenstern bis Syrakus.
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40 Knatterschuhkarton am südlichsten Bahnhof Italiens
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41 Der wunderschöne Bahnhof
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42 Schuhkarton in Kriegsbemalung
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43 Greisenlok in die Ewige Stadt. Sie sucht wohl das Ewige Leben, kann aber nur bis Messina fahren. :p
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44 Iiiih, weiche!
In Syrakus angekommen brachte ich meinen Koffer im Café gegenüber vom Bahnhof unter und lief zum Archäologischen Park. Ich besuchte die weniger gut erhaltene Ruine des Römischen Theaters und das Griechische Theater, das man als rekonstruiert bezeichnen kann. Zudem gibt es dort das sog. Ohr des Dionysos, eine in den Felsen geschlagene Grotte (ca. 65 m tief, 11 m breit und 23 min hoch), die durch ihre spezielle Form den Schall verstärkt und für eine sehr gute Akustik sorgt. Nur was passiert, wenn da dutzende schnatternde Italiener rumturnen, kann man sich natürlich vorstellen: Apokalypse! :D
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45 – 47 Das römische Amphitheater im Archäologischen Park von Syrakus
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48 – 49 Wesentlich besser in Schuss ist das griechische Theater
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50 Blick über den Dschungel, die Öffnung links ist das Ohr des Dionysos
Anschließend lief ich in die Altstadt, waltete meines Amtes und vernichtete ein Oreo-Eis. =) Die Altstadt ist wirklich hübsch. Ein besonderer Hingucker ist der prächtige Dom.
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51 An der Piazza Archimede
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52 – 53 Der Dom von Syrakus
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54 Am Domplatz
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55 Kleine sizilianische Gasse
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56 Enge Kiste. Dem Busch gefiel das nicht.
Abends lief ich zurück zum Bahnhof. Nun sollte die Greisenlok mich und meine Kekse Richtung Norden ziehen. Kurz nach sieben legte sie ganz motiviert gleich mal eine Minute vor Plan los.^^ Der sizilianische Liegewagenbetreuer wusste nicht, ob in Kalabrien noch jemand in unser Abteil kommen würde, er meinte nur, bis Messina käme niemand. Dabei kam in Catania schon jemand ins Abteil. :D Hat der denn keine Belegungsliste? Die Nachtzüge sind doch reservierungspflichtig.^^ In meinem Wagen war schon wieder eine Jugendgruppe, diesmal immerhin keine 70, sondern nur ca. 20. Die waren zwar nicht leise, aber für italienische Verhältnisse schon diszipliniert.^^ Ihr sympathischer Lehrer in den 40ern schlief bei mir im Abteil. Zum Glück hatten die ICN mittlerweile Klobrillen spendiert bekommen, im März 2018 war das noch anders. :D In Augusta warteten wir auf den Gegenzug, der uns + 13 aufbrummte.^^ Die steigerte unser Zug. Faszinierend, dass + 17 auf der ZZA zu „10 min ritardo“ abgerundet werden.^^ In Italien hatte ich schon öfter mal den Eindruck, dass man bei der Verspätungsanzeige grundsätzlich erstmal 5 min abzieht und danach abrundet.^^ Zwischen Augusta und Lentini gab es eine tolle Sicht auf den Ätna im Abendlicht, die man auf den Fotos durch die Fensterscheibe natürlich nicht so toll wiedergeben kann. Meine Aura: Zwei Wochen später fing er wieder an zu spucken.^^ In Catania waren 7 min Aufenthalt vorgesehen, deshalb stand der Zug einfach ohne Verspätung auf der Anzeige, bis er mit + 9 abfuhr. :D Bald war schon das italienische Festland in Sicht, doch es dauerte planmäßig noch zweieinhalb Stunden, bis wir da weiterfahren sollten.
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57 Jetzt hat Opa mich an der Backe
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58 – 59 Feuerspucker
Viertel nach zehn war Messina erreicht. Jetzt startete das Spektakel: Gleich nach Ankunft begann der örtliche Rangierhobel, sich am Zug zu schaffen zu machen. Er rückte an und befestigte sich. Eigentlich waren hier 15 min Aufenthalt vorgesehen, doch rasch wurden wir vom Bahnsteig zurückgezogen. Nun wurden schon im Bahnhof die Zugteile aus Syrakus und Mafia City vereinigt, nur damit man sie vor dem Rangieren auf die Fähre wieder auseinander nehmen konnte – komisches Verfahren.^^ Ausgerechnet in meinem Abteil ließ sich das Klappfenster nicht öffnen, daher hier auch noch ein paar Bilder vom letzten Mal im März 2018. Die beiden Schutzwagen im Schlepptau des Rangierhobels sind wahrscheinlich vorgeschrieben, um genügend Länge zu haben, damit die Lok nicht auf die Brücke und auf das Schiff muss, aus Spaß wird man die sicher nicht hin- und herschieben. Aber warum nimmt man nicht einfach leichte Flachwagen? Es wurde genau darauf geachtet, dass die Lok nicht aufs Schiff fuhr. Wieso genau darf die Lok eigentlich nicht drauf? Gewicht oder Brandschutz? Bei zehn Wagen auf einer großen Fähre macht das Gewicht der einen Lok doch relativ wenig Unterschied. Und wenn sie ausgerechnet im Schiffsmaul anfängt zu brennen, kommen die Leute drinnen eh nicht mehr raus.^^ Ob der Rangier-Tf in seiner Freizeit auch gerne Tetris spielt? :-s Fragen über Fragen.^^ Einen Schutzwagen haben wir übrigens für die Überfahrt mitgenommen – like a (Mafia) Boss! B-) Während der Überfahrt war zwar ein Stromkabel an die Wagen angeschlossen, Licht funktionierte drinnen teilweise, Steckdosen und Klima aber nicht. Ich hatte mir extra den frühen Nachtzug ausgesucht, damit die Überfahrt noch zu einer halbwegs akzeptablen Zeit stattfand (es gibt auch einen späteren Direktzug ab Syrakus, aber da wäre die Überfahrt dann nachts um 1), deshalb ging ich natürlich nach oben aufs Deck. Da keine Loks überführt werden, darf man während der Überfahrt auch im Zug bleiben, was aber nur beim späten Nachtzug überlegenswert ist. ;-) Die See war nicht ganz ruhig, deshalb sind die Bilder leicht unscharf. ;-) Diesmal dauerte die Fahrt mit dem Schiffchen tatsächlich über 30 min, beim letzten Mal waren es nur gut 20 min gewesen. 35 min sollen es lt. Fahrplan sein. Auf der anderen Seite angekommen machte sich der festländische Rangierhobel zu schaffen und zog/schob uns mit Richtungswechsel hinauf in den Bahnhof, wo die E-Lok zur Weiterfahrt andockte. Endlich gingen die Klimaanlagen wieder an!
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60 Da kommt der Rangierhobel der Insulaner mit seinen beiden Pufferwagen
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61 Nun verschlingt sie uns mit Haut und Haar
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62 – 63 Auf der Fähre
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64 An der Hafeneinfahrt von Messina prangt der Satz „Wir segnen euch und die Stadt“
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65 Rechts Sizilien, links das Festland
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66 Stromversorgung
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67 Im Bauch des Züglifressers
Ist Villa San Giovanni eigentlich nach einem legendären Mafia-Boss benannt? :-s Für die Weiterfahrt müsste uns nur die 'Ndrangheta einmal freundlicherweise durchlassen, bitte. :-) Als der Zug kurz nach Mitternacht zum entsprechenden Versuch ansetzte, konnte ich einschlafen. In Kalabrien passierte er den östlichsten Punkt meiner Reise, weiter östlich als Görlitz bzw. fast auf der Höhe von Wien.
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68 Die „Verhandlungen“ waren offenbar wenig fruchtvoll. Immerhin gab’s keinen Pferdekopf ins Abteil geliefert…

Als ich aufwachte, war der Zug gerade kurz vor dem letzten Zwischenhalt Latina mit + 35 unterwegs. Es regnete leicht. :-O Hinter dem Halt ging es im Stop & Go weiter, offenbar tuckerten wir gerade einem Regionalzug hinterher. Den Dreiklang des Grauens gibt es übrigens auch in Italien.^^ Doch meine Hoffnung auf FGR zerschlug sich, am Ende wurde etwas Verspätung abgebaut und wir erreichten die Ewige Stadt kurz vor acht mit + 40. Die Schülergruppe in meinem Wagen reiste mit dem Rennzug weiter Richtung Florenz/Mailand. Super, dass man die Schüler nicht zum Fliegen erzieht!
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69 Mit dem linken angekommen
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70 Das ausnehmend hübsche Bahnhofsgebäude

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Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)

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