Kapitel 1/3: Verrückter Plan ;-) Raserei bis Andalusien (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Samstag, 02.05.2020, 19:00 (vor 2104 Tagen) @ Krümelmonster

Am Ankunftsabend suchten wir bloß noch ein Restaurant, machten aber nach der langen Fahrt nicht mehr viel.^^
Dafür gingen wir gleich am nächsten Morgen in die Mezquita. Zwischen 8:30 und 9:30 Uhr ist der Eintritt nämlich kostenlos (außer sonntags, wenn Gottesdienst ist). ;-) Im Jahre 784 als Moschee begonnen und danach fortwährend erweitert wurde das Gotteshaus 1236 nach der Reconquista in eine katholische Kirche umgewandelt. Heute ist es v. a. eine Touristenattraktion. In erster Linie ist es ein riesiger Raum mit einem faszinierenden Muster an Säulen. Sicher war viel los, doch drinnen verteilten sich die Leute ganz gut.
Den Rest der Zeit erkundeten wir die Stadt. Das Wetter war schön, nachmittags war es bei 12 – 13 Grad gut erträglich, in der Sonne richtig warm. Nach den klaren Nächten herrschten morgens allerdings nur 2 Grad. Anderthalb Tage blieben wir in Córdoba.
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79 – 81 Der Torre Campanario auf dem Gelände der Mezquita diente ursprünglich als Minarett
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82 – 84 Im Inneren der Mezquita
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85 Das Deckengewölbe
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86 Diese Decke sieht eher nach christlichem Ursprung aus :-s
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87 – 88 Das sieht schon eher wie eine christliche Kirche aus ;-)
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89 Außenfassade der Mezquita
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90 Die Stadtmauer
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91 Die Puente Romano überspannt schon seit römischer Zeit den Fluss Guadalquivir
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92 Auf der Puente Romano
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93 Deren der Innenstadt gegenüber liegendes Ende wird geschützt vom Torre de la Calahorra
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94 Die enge Gasse Calleja de las Flores
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95 Caballerizas Reales, früher das royale Gestüt
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96 – 97 Alcázar de los Reyes Cristianos, der einstige Königsresidenz nach der Reconquista
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98 Der Plaza de la Corredera versprüht spanische Lebensfreude
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99 – 101 Hübsche Häuser & Balkone
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102 – 104 Weihnachtliche Dekoration

Erst nachdem unsere Planung feststand, las ich, dass auf der Strecke nach Algeciras seit Ende Oktober Bauarbeiten stattfanden, die bis vsl. Januar 2020 (also noch ein Jahr später) dauern sollten. Tolle Wurst… Einfach mit dem Rennzug nach Málaga und dann per Bus nach Algeciras fanden wir nicht bahnaffin genug, via Sevilla und Cádiz wäre recht umständlich. Also blieben wir bei der ursprünglichen Streckenführung und fuhren halt Bus, durch die Berge würde das bestimmt schön sein. Bis vor kurzem gab es sogar zwei direkte Züge aus (Madrid und) Córdoba nach Algeciras mit Umspuren in Antequera-Santa Ana, die danach auf der Breitspurstrecke nur in Ronda, San Roque und Algeciras hielten. Deren SEV sollte gar nicht in Ronda halten. Wir suchten extra einen Bus, der einen MD (Interregio) ersetzte und alle Zwischenhalte bedienen sollte. Ich war acht Tage unterwegs, Interrail gab es aber nur für sieben Tage, deshalb musste ich diesen Tag selbst bezahlen. Blöderweise sind in Spanien i. d. R. keine Umsteigeverbindungen von HGV zu konventionellen Zügen (oder deren SEV) buchbar, also musste ich splitten, was die ganze Sache ziemlich teuer machte: Ich zahlte im Voraus online über 20 € für die 35 min von Córdoba nach Antequera-Santa Ana (109 km), dann nochmal 20 € für die 3 h SEV. Die Tickets für den SEV bekommt man praktischerweise nur am Schalter, da renfe.es nicht mit der Kombi Reservierungspflicht + SEV klarkommt.^^ Mein Begleiter nutzte an dem Tag Interrail, brauchte also nur zwei Reservierungen à 6,50 € (SEV kostet genauso wie Zug). Also reservierten wir am Bahnhof, wo der Schaltermensch kein Wort Englisch konnte, sich aber wenigstens bemühte, Kastilisch ohne Dialekt zu sprechen.^^ Unsere erstandenen Reservierungen enthielten tatsächlich Wagennummer & Sitzplatz, es gab einen mündlichen Hinweis, dass kein Zug fahre, sondern ein Bus. :D Ich hatte in der Schule zwar Spanisch, das war aber zusätzlich zum normalen Unterricht. Erst war der Lehrer dauernd krank, dann bekamen wir eine andere Lehrerin, die kurz darauf an Krebs erkrankte. Am Ende hatten wir den Stoff des ersten Lehrjahres zur Hälfte geschafft – verteilt über einen Zeitraum von zwei Jahren. Dementsprechend gut ist mein Spanisch.^^
Zur Abreise aus Córdoba gingen wir durch die Gepäckkontrolle. Dahinter, direkt vor dem Zugang zum Bahnsteig war die Ticketkontrolle. Dort sagte man uns, dass wir gerade durch die falsche Gepäckkontrolle gegangen sind, hier war der Zug nach Madrid, nach Antequera müssten wir eine Kontrolle weiter. Es gab zwar einen direkten Durchgang, aber der war nur Deko. Das wäre ja viel zu einfach! Wir mussten also wieder komplett raus, einen Bahnsteig weiter laufen und uns nochmal für die Gepäckkontrolle anstellen, auch wenn sichtbar war, dass man keine Waffen bei uns gefunden hatte. Einen Zettel, welches Ziel wo kontrolliert wird, gab es diesmal gar nicht, ZZA waren erst unten auf dem Bahnsteig. Zwar wurde in der Bahnhofshalle angezeigt, von welchem Gleis welcher Zug fährt, aber wir hatten einfach nicht damit gerechnet, dass die Gleise separat kontrolliert wurden und der Durchgang zwischen den beiden Kontrollen auch für bereits kontrollierte Fahrgäste, die des Spanischen kaum mächtig sind, nicht benutzbar ist. Warum einfach, wenn’s auch umständlich geht? :p Anders als in Madrid kamen in Córdoba zur Kontrolle auch Taste-Piepsis wie am Flughafen zum Einsatz.
Nahe Madrid gibt es eine Verbindungskurve der beiden Rennbahnen aus Richtung Barcelona und aus Richtung Süden, sodass man nicht in Atocha (mit langsamer Ein- und Ausfahrt) kopfmachen muss. Genau diese Kurve hatte unser Zug genutzt, es war eine der beiden täglichen Direktverbindungen aus Barcelona. Der vordere Zugteil fuhr nach Sevilla, der hintere via Antequera nach Málaga. Für die Flügelung blieb er planmäßig 18 min in Córdoba stehen (unsere Fahrzeit war nur 35 min^^), während er von einer schnelleren Ente aus Madrid, die von hier nonstop nach Málaga weiterfuhr, überholt wurde.^^ Türschluss war bereits 2 min vor Abfahrt. Noch im Stadtgebiet erreichte die Ente Tempo 200, die 300 km/h wurden aber wenn dann nicht lange ausgefahren. Auch spanische Rennbahnen sind durchgehend (oder zumindest größtenteils) von Zäunen umgeben. Generell baut man in Spanien sehr viel üppiger und überdimensionierter als bei uns – allein schon die Tatsache, dass die Rennbahnen ein völlig anderes System sogar mit anderer Spurweite als die Bestandsstrecken nutzen. Das ist nicht nur bei der Bahn-Infrastruktur erkennbar, sondern auch auf den Straßen. Oder auch bei Wohnungsbauprojekten – ein Grund, dass Spanien so sehr von der Wirtschaftskrise betroffen war… Aber lassen wir die Politik. Die Landschaft war abwechslungsreich (bei dem Tempo auch kein Wunder^^), teils hügelig, teils mit Olivenbäumen, Richtung Süden wurde es bergig. Am Zwischenhalt Puente Genil-Herrera gab es nur eine kurze Ansage auf Spanisch, kein Englisch, kein Katalanisch. An unserem Ausstiegshalt Antequera-Santa Ana gab es eine umfangreichere Ansage auf Spanisch und Englisch, Reisende nach Granada und Algeciras mögen bitte in die Busse umsteigen, aber immer noch keine Ansage auf Katalanisch, obwohl der Zug in Barcelona gestartet war. Ankunft war mit – 1. Spanische Züge sind so gut wie immer pünktlich, ganz selten sahen wir auf den Anzeigen verspätete Züge, und wenn dann waren 10 – 15 min schon echt viel! Unser Zielbahnhof lag wirklich am Ende der Welt, auf direktem Weg sind es bis ins namensgebende Antequera nicht weniger als 20 km! :D In dieser völligen Prärie hätte ich so etwas wie Limburg-Süd erwartet. Aber mich überraschte ein großer, betriebsamer Bahnhof: Ich glaube fünf Bahnsteigkanten waren es, man fand eine hübsche Bahnhofshalle, kostenfreie WCs, reichlich Sitzgelegenheiten, ein großes Reisezentrum sowie ein Café. Es war jede Menge los!
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105 Die Gleishalle von Córdoba tagsüber
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106 Die Ente wird geflügelt
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107 Almodóvar del Río wenige min hinter Córdoba. Kurz vorher zweigte die Rennbahn nach Málaga von der nach Sevilla ab.
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108 – 111 Andalusische Hatz
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112 Links entfernt sich die Ente. Rechts ein MD, der eigentlich von Algeciras nach Madrid fahren würde.
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113 Ente weg
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114 Sicht Richtung Norden, wo wir hergekommen waren
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115 Interessantes Vehikel
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116 Wie sauber diese Unterführung einfach ist – sowas würde man in Schland an keinem Bahnhof finden!
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117 Hier tobt ja das Leben! :-O
Unser SEV aus Granada stand schon eine ganze Weile vor Abfahrt bereit. Der SEV-Fahrer fragte (nur auf Spanisch), ob jemand nach Bobadilla, Campillos oder Almargen fahren wollte. Keiner regte sich, allerdings waren bestimmt die Hälfte der Leute im Bus keine Spanier.^^ Er fuhr einfach an den Orten vorbei. Na hoffentlich wollte da keiner zusteigen.^^ Es war eine schöne Fahrt auf kurviger Strecke entlang der Berge, selten lagen kleine Orte auf dem Weg. Irgendwann erreichten wir Ronda, die einzige größere Stadt weit und breit, wo sich der Bus deutlich leerte. Die berühmte Brücke bekamen wir leider nicht zu Gesicht. Mit – 7 ging es weiter.^^ Leider führte die Busfahrt dann nicht mehr entlang der Bahnstrecke längs durch die Berge, sondern quer durch die Berge von Ronda Richtung Süden an die Küste. Immerhin war er überhaupt nach Ronda gefahren, der schnelle SEV ohne Halt dort hat wahrscheinlich auf der Stinktierrenne das Gebirge an der schmalsten Stelle durchquert und ist dann langweilig entlang der Küste gefahren. (Warum man dann den Zug nicht gleich bis Málaga fahren lässt und erst ab dort SEV einsetzt, verstehe ich nicht :-s) Wir bekamen nun hinter Ronda reichlich Berge vor die Augen. Kurvenreich führte die Straße hinauf bis auf 1130 m Höhe und von dort hinunter zur Costa del Sol. Zum Glück fahren die Spanier viel zivilisierter als z. B. die Italiener. :D Bei San Pedro de Alcántara erreichten wir die Küste und fuhren weiter über die Stinktierrenne. Links war die Costa del Sol zu sehen, aber ich fand die Berge rechts spannender. Bei San Roque verließ der Bus die Stinktierrenne, um den letzten Zwischenhalt San Roque-La Línea zu bedienen, dann ging es über Landstraßen das letzte Stück weiter nach Algeciras. Ich war überrascht, das war ja eine durchaus große Stadt: 120.000 Leutchen wohnen dort.
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118 – 121 Noch ist es schön grün
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122 – 123 Andalusische Architektur im Dorf Cuevas del Becerro
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124 – 125 Andalusische Landschaft
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126 Bahnübergang in Ronda
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127 Der Bahnhof ebendort
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128 Straßenzeile in der Nähe
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129 Weiter südwärts bzw. höher wurde die Gegend immer felsiger und immer weniger grün
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130 Ausblick
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131 Nun geht es durch die wilden Berge
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132 – 135 Bergab
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136 Wieder am Mittelmeer: Die Costa del Sol ist in Sicht
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137 – 138 Hier wird wieder in riesigen Dimensionen gebaut für Bedarf, der (noch) weit in der Zukunft ist. Einerseits weitsichtig, in Krisenzeiten aber auch riskant…
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139 Auf Höhe von Estepona landeinwärts fotografiert
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140 Hier ist zwar seit Monaten kein Zug mehr gefahren, mangels Schienen wird sich daran so schnell auch nichts ändern, aber die Signale zeigen brav rot :D
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141 Warum mussten wir ausgerechnet damit am südlichsten Bahnhof Europas ankommen? -.-
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142 Bahnsteige
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143 Dieselmonster
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144 Die Schalter in der Bahnhofshalle sind regulär besetzt
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145 Das Bahnhofsgebäude
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146 Bahnhof von oben

Wir brachten unsere Koffer ins Hotel Reina Cristina, ein gutes 4*-Haus, das beste Hotel der Reise. Einziger Kritikpunkt war höchstens die Lage etwas abseits. In der Hafenstadt Algeciras war es nun noch wärmer als in Córdoba im Landesinneren, nachmittags bis zu 17 Grad, aber ordentlich windig.
Der Kauf der Fährtickets für den folgenden Abend war problemlos möglich. Dann gingen noch etwas durch die Stadt, die für Reisende normalerweise nur als Durchgangsstation dient. Nach dem Abendessen mit Bierchen wurde es dann doch wieder etwas später.^^
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147 Weihnachtsdeko am Hafen
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148 – 150 Weihnachtsdeko in der Stadt
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151 Die Dekoration am Hauptplatz Plaza Alta schien mir unabhängig von Weihnachten zu sein
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152 Damit hätte ich im Süden von Andalusien auch nicht gerechnet :D
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153 – 154 Sonnenaufgang in Algeciras

Demnächst geht es dann weiter. ;-)

Bis dahin grüßt
Das Krümelmonster

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Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)

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