Teil 12: Jura und die Areuse (Reiseberichte)
Hoi,
Zurück in Noiraige. Der Gegenzug ist sogar noch eine alte NPZ + Einheitswagen Garnitur.
Das ist aber kein normaler NPZ. Hier handelt es sich um einen Zweifrequenz-NPZ. Die fuhren früher mal auf der S1 Mulhouse-Frick.
Seit es keine TGV mehr via Neuchâtel gibt, hat man drei RE-Zugspaare Neuchâtel-Frasne eingerichtet, die in Frasne Anschluss an die TGV Lyria-Verbindungen Lausanne-Paris bieten. Man kann hier durchgehende Globalpreisbillette Neuchâtel-Paris lösen. Für diese RE hat man dann jene Zweifrequenz-NPZ verwendet, die zwischen Pontarlier und Frasne unter dem französischen Stromsystem 25 kV 50 Hz verkehren. Das ist auch der Grund, warum diese NPZ nie ins Domino-Programm aufgenommen wurden.
Seit Dezember ist dein Bild Nostalgie. Die Zweifrequenz-NPZ wurden ausrangiert und warten in Zürich auf ihre letzte Reise. Die RE Neuchâtel-Frasne wurden im Dezember auf Flirt France RABe 522.2 umgestellt.
Am Ausgang der letzten Schlucht überquert die Jurafußlinie die Areuse. 3h35min veranschlagten die lokalen Wegweiser für die Wanderung. Ich habe 2h gebraucht, war aber auch grenzwertig schnell unterwegs.
Die jeweils angegebenen Zeiten sind so bemessen, dass sie vom Bevölkerungsdurchschnitt ohne Stress eingehalten werden können. Ich bin in der Regel auch immer schneller als dort angegeben. Ich bin dort vor vielen Jahren auch schon mal runtergewandert.
In Boudry beginnt wie erwähnt die Straßenbahn. Vor 21 Jahren war das noch die Linie 5, heute ist es die 215.
Auch diese Linie muss künftig das Behinderten-Gleichstellungsgesetz einhalten. Dafür haben sie Occasion-Züge mit Niederflureinstieg gekauft und zwar von den Appenzeller Bahnen. Die fünf verhältnismässig neuen Triebzüge der Trogenerbahn hat man zu Gunsten einer einheitlichen Tango-Flotte verkauft.
Ursprünglich hatten die AB noch den Plan, die fünf Züge der Trogenerbahn um einen vierten Wagen zu ergänzen und für die Strecke nach Appenzell anzupassen. Dazu sollten nur sieben neue Züge gekauft werden. Man hat dann im Gesamten elf neue Züge beschafft und mit der transN einen Käufer für die fünf TB-Triebzüge gefunden.
Die TB-Triebzüge kamen in ein umfassendes Refit und ersetzen nun im Linienbetrieb das bisherige Rollmaterial, welches du auf den Bildern noch festgehalten hast.
-> http://eisenbahn-amateur.ch/tag/trans-n/
Apropos AB: Meinen Bildbeitrag hast du schon noch gesehen? -> https://www.ice-treff.de/index.php?id=604035
In Chambrelien wird die erste Spitzkehre des Tages durchfahren.
Ich weiss nicht, ob ich es in einem früheren Beitrag schon erwähnt hatte, sonst tu ich einfach nochmal:
Im STEP 2035 nun eine Neubaustrecke Neuchâtel - La Chaux-de-Fonds enthalten, welche die Fahrzeit auf 15 Minuten halbieren wird, mit nur einem Bahnhof etwa in der Mitte der Strecke bei Cernier. Die Strecke über Chambrelien wird damit eingestellt.
Mit der Neubaustrecke wird es dann direkte IR Le Locle - Lausanne geben (statt des IR 66 Bern - La Chaux-de-Fonds, heute noch als RE bezeichnet, ab Dezember 2020 aber Teil des Fernverkehrs, betrieben von der BLS, die im Frühjahr 2021 die EW III-Kompositionen durch nigelnagelneue Flirt 4 RABe 528 ersetzen wird).
Die bisherige Strecke von Neuchâtel Richtung Chambrelien wird zur Entlastung der Jurasüdfusslinie zwischen Neuchâtel und Corcelles-Peseux dann mit einer Neubaustrecke von Corcelles-Peseux nach Bôle von der Strecke Neuchâtel-Buttes/Pontarlier genutzt. Die bisherige Strecke Auvernier-Bôle wird dann eingestellt, ebenso wie die Strecke Corcelles-Peseux - La Chaux-de-Fonds.
Die Straße verläuft parallel unter dem Col de la Vue des Alpes entlang. Zwischen zwei Tunnels erblickt sie hier gemeinsam mit der Bahnstrecke kurz das Tageslicht.
Dort, unter dem linken Brückenbogen, gab es mal eine Bahnstrecke. Man konnte da direkt Richtung St-Imier fahren, ohne in La Chaux-de-Fonds eine Spitzkehre machen zu müssen. Es gab genau hier damals noch den Bahnhof Les Convers, einen Perron sieht man noch heute. Gebaut wurde die Verbindungslinie 1874, eingestellt wurde sie bereits 1895, man hatte also recht schnell erkannt, dass diese Strecke sinnlos war.
Dass die Strassenbrücke noch für das Gleis gebaut wurde, lag daran, dass die Gleise noch ziemlich lange lagen, einfach ohne Weichenverbindung. Weiter hinten im Wald liegen die Gleise der Strecke auch heute unter der Vegetation versteckt.
Der fährt auf 4km isolierter Meterspur mitten durchs Nirgendwo - dass sich das lohnt, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
Die Strecke ist auch immer wieder Teil von Diskussionen. Das betrifft auch die Linie nach Les Pont-de-Martel. Nichts desto trotz hat man letztes Jahr die Fahrzeuge nochmal reparieren können, nachdem beide Linien eine Zeitlang schon auf Bus umgestellt waren, weil die Züge kaputt waren. Bei der Linie nach Les Pont-de-Martel ist der Bahnbetrieb immerhin günstiger, weil es mit dem Bus einen zusätzlichen Umlauf braucht. Allerdings stimmt das auch nur bis das nächste Mal in die Strecke investiert werden muss.
Und wegen dem Behinderten-Gleichstellungsgesetz stehen beide Bahnen vor der Modernisierung ihrer Stationen und dem Kauf von neuem Rollmaterial. Die Zukunft beider Linien würde ich daher mal als ungewiss einstufen. Das politische Klima lässt aber Zukunftschancen zu.
In dem Zug ist nicht nur das Rauchen von Zigaretten, sondern auch von Pfeifen verboten.
Diese Regelungen werden unterdessen schweizweit einheitlich von der Branchenorganisation VöV erlassen. Das bedeutet, dass hier auch E-Zigaretten verboten sind, auch wenn das nicht explizit angeschrieben ist. Man darf einfach gar nichts rauchen, ganz einfach.
Die Endstation liegt auch kurz vor der französischen Grenze. Laut ITF fährt der Zug hier nach 6min Aufenthalt wieder zurück, was ich auch so eingeplant hatte, und mich wundere, dass der Lokführer irgendwo im Ort verschwunden ist. Dann schaue ich per französischem Internet nach und stelle fest, dass genau in dieser Stunde die Rückfahrt 30min später erfolgt, was natürlich meine restliche Tagesplanung durcheinanderwirft.
Derartiges ist in der Westschweiz im Vergleich zur Deutschschweiz noch recht häufig zu beobachten. Das hat schon so leicht französische Einschläge, zum Glück aber doch weit von französischen Fahrplänen entfernt.
Also wenn du dir von dem TER ab Le Locle mal den Fahrplan angeschaut hast, das ist ja wirklich ein taktloser Alibi-Verkehr. Da schwebt immer noch die Idee im Raum, bis Morteau mit Schweizer Fahrdrahtspannung zu elektrifizieren und die Schweizer Züge bis Morteau im Takt zu verlängern. Die TER würden dann nicht mehr über die Schweizer Grenze fahren, sondern in Morteau zurück nach Besançon wenden. Aber wer weiss, ob das auch mal kommen wird.
In Combe-Tabeillon wird die zweite Spitzkehre des Tages durchfahren. Diese funktioniert besonders genial, denn die vier Weichen, die das gezeigte Kreuz bilden, haben alle eine feste Grundstellung. Werden sie von unten befahren, folgt der Zug dieser Grundstellung, aber von oben kann ein Zug im Zweifel die Weiche durch seine Räder stellen, die nach dem Befahren aber wieder zurückfedert. Somit ist keinerlei Elektronik notwendig, sondern die Züge fahren automatisch auf dem anderen Ast der Kehre weiter als dem, von dem sie kommen.
Das nennt man Rückfallweichen. Der Nachteil ist, dass man diese nur mit 25 km/h befahren darf. Bei den Appenzeller Bahnen hat man deshalb in der Kreuzungsstation Liebegg zwischen Lustmühle und Riethüsli auf St.Galler Stadtgebiet die ehemaligen Rückfallweichen durch ferngesteuerte Weichen mit einem Stellwerk ersetzt. Statt 25 km/h kann man dort nun 50 km/h fahren, was für den Fahrplan erforderlich ist, um die Zugskreuzungen in St. Gallen und Teufen umsetzen zu können.
Aus Porrentruy, was noch vor Delle liegt, kommt diese S-Bahn, die über Basel SBB mit dortiger Wende nach Olten fährt. Ich nehme sie aber nur bis Delémont (Bis dahin soll die CJ eventuell mal per Dreischienengleis verlängert werden),
Das ist jedoch aktuell in keinem Ausbauschritt beschlossen worden. Trotzdem wäre die SBB-Strecke teilweise vorbereitet. Ich weiss nicht, ob du es gesehen hast, aber teilweise liegen dort Schwellen, welche die Montage einer dritten Schiene erlauben würden. Bei der Modernisierung des Bahnhofs Bassecourt hat man auch gesehen, dass diese Schwellen auch neu eingebaut werden (wenn auch nur auf einem der beiden Gleise im neuen Kreuzungsbahnhof).
von dort den IC51 nach Moutier, und dann den R nach Solothurn. Das ist auch eine lohnenswerte Strecke, da man nach dem Unterqueren des Grenchenbergs im alten Tunnel schön in den Jurafuß runtergucken kann.
Die Linie von Moutier nach Grenchen Nord führt durch den Grenchenbergtunnel. Auf der Solothurn-Moutier-Bahn fährt man durch den Weissenstein. Hier hat man sich nun nach einigen Diskussionen zum Beibehalt des Bahnverkehrs und gegen die Umstellung auf Bus ausgesprochen.
Nun wird die Strecke für 145 Mio CHF saniert, insbesondere der über 110 Jahre alte Weissensteintunnel muss umfassend saniert werden. Für die Sanierung wird die Strecke von April 2021 bis Dezember 2022 für über anderthalb Jahre komplett gesperrt. Dabei werden auch alle weiteren Kunstbauten saniert sowie alle Bahnhöfe umfassend modernisiert und behindertengerecht ausgestaltet.
In Bern hält die RBS in ihrem eigenen Tief-Kopfbahnhof mit vier Gleisen. Für drei Strecken (nach Solothurn, Worb und Unterzollikofen) scheint das ausreichend zu sein, tatsächlich sind aber auf allen Strecken so viele Personen unterwegs, dass es eher knapp bemessen ist - in Spitzenzeiten fahren hier 20 Züge pro Stunde ab. Genau deshalb wird im Zuge der Renovierung des gesamten Bahnhofs Bern auch ein neuer RBS-Bahnhof gebaut, der zwar dieselbe Anzahl Gleise aufweist, aber wesentlich breitere Bahnsteige.
Genau, die vier Gleise sind nämlich absolut ausreichend. Es geht lediglich um die Passagierzahlen, für die es deutlich mehr Platz braucht. Im neuen Tiefbahnhof braucht es dann keine Drehkreuze mehr.
Für eine weitere Optimierung des Bahnbetriebs könnte der neue Tiefbahnhof später auch weiter gebaut werden, entweder in einer Streckenverlängerung wohin auch immer oder in einen Abstellbahnhof, mit dem man die vier Perronkanten noch effizienter und mit mehr Zügen bedienen könnte.
Frohe Ostergrüsse aus der Ostschweiz.
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![[image]](https://abload.de/img/fvd139kqh.jpg)
Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.
gesamter Thread:
- [6MGA] Teil 12: Jura und die Areuse [m44B] -
Math5D,
11.04.2020, 09:09
- Vielen Dank -
TD,
11.04.2020, 11:27
- Vielen Dank -
Reservierungszettel,
11.04.2020, 12:50
- Vielen Dank - Math5D, 11.04.2020, 14:11
- Vielen Dank -
Reservierungszettel,
11.04.2020, 12:50
- Teil 12: Jura und die Areuse -
Twindexx,
12.04.2020, 13:16
- Teil 12: Jura und die Areuse -
Math5D,
12.04.2020, 16:14
- Teil 12: Jura und die Areuse - Twindexx, 12.04.2020, 18:11
- Teil 12: Jura und die Areuse -
Math5D,
12.04.2020, 16:14
- Merci beaucoup ! - JanZ, 12.04.2020, 13:34
- [6MGA] Teil 12: Jura und die Areuse [m44B] - guru61, 14.04.2020, 09:20
- Vielen Dank -
TD,
11.04.2020, 11:27