[6MGA] Teil 12: Jura und die Areuse [m44B] (Reiseberichte)

Math5D, Samstag, 11.04.2020, 09:09 (vor 2170 Tagen)

Die heutige Tour ging mal nicht in die Alpen, sondern in den schweizer Jura. Bevor ich den Tag einläute, aber erstmal ein Archivbild.

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0 1999 war ich nämlich das erste Mal in der Schweiz, genauer in Neuchâtel, von wo aus man wunderbar mit dem Zug nach Noiraige fahren, durch die Gorges de l'Areuse nach Boudry wandern und zurück mit der Straßenbahn fahren kann. Das wollte ich heute auch so machen, aber natürlich mit mehr Bahnvor- und nachlauf. Genaue Planungen waren dabei schwierig, da ich ja nicht wissen konnte, wie lange ich zum Wandern brauche. Folglich überlege ich mir nur grob am ITF, was so für Fahrten möglich wären. Los geht es mit der 5:41er S-Bahn und dem IC5 nach Neuchâtel. Der Regio von dort hält in Noiraige, während es noch dunkel ist, weshalb ich erstmal bis zur Endstation nach Buttes fahre.

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1 Dort beginnt es langsam, hell zu werden.

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2 Zurück in Noiraige. Der Gegenzug ist sogar noch eine alte NPZ + Einheitswagen Garnitur.

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3 Das Wetter ist mit tiefem Nebel etwas suboptimal zum Wandern, und kalt ist es auch, aber einen besseren Tag wollte ich nicht abwarten. Da wir hier ein Zugforum sind, folgen nur wenige Bilder von der Wanderung.

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4 In der ersten Schlucht hier eine alte Steinbrücke über den Fluss.

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5 Reproduktion des Archivbilds.

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6 Eine Dreiwegebrücke,

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7 die direkt in einen Tunnel führt.

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8 Umleitungen gibt es nicht nur bei der Bahn. Hier sind wohl irgendwann mal ein paar Felsen auf den eigentlichen Weg gefallen.

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9 Am Ausgang der letzten Schlucht überquert die Jurafußlinie die Areuse. 3h35min veranschlagten die lokalen Wegweiser für die Wanderung. Ich habe 2h gebraucht, war aber auch grenzwertig schnell unterwegs.

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10 In Boudry beginnt wie erwähnt die Straßenbahn. Vor 21 Jahren war das noch die Linie 5, heute ist es die 215.

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11 Hier deren anderes Ende an der Place Pury. Von dort aus muss man noch ein paar Schritte zum Bahnhof gehen, kann sich aber zumindest die Höhenmeter mit einer unterirdischen Standseilbahn sparen.

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12 Die kommt hier im Bahnhof an. Dann geht es erstmal mit dem RE aus Bern nach La Chaux-de-Fonds.

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13 Von dem aus hat man eine schöne Sicht auf das Schloss.

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14 In Chambrelien wird die erste Spitzkehre des Tages durchfahren.

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15 Die Straße verläuft parallel unter dem Col de la Vue des Alpes entlang. Zwischen zwei Tunnels erblickt sie hier gemeinsam mit der Bahnstrecke kurz das Tageslicht.

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16 In La Chaux-de-Fonds wartet bereits der Pendel nach Le Locle. Um eine halbe Stunde versetzt fährt statt des RE aus Bern nur ein R von Neuchâtel hierher, wird durchgebunden bis Le Locle und pendelt dann als Anschluss von und zum RE dieses kurze Stück hin und zurück, bevor er wieder die ganze Strecke nach Neuchâtel zurückfährt.

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17 In Le Locle steht dann ein Alstom Coradia A TER nach Frankreich. Den nehme ich aber nicht, sondern den am selben Bahnsteig haltenden Schmalspurtriebwagen nach Les Brenets. Der fährt auf 4km isolierter Meterspur mitten durchs Nirgendwo - dass sich das lohnt, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

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18 In dem Zug ist nicht nur das Rauchen von Zigaretten, sondern auch von Pfeifen verboten.

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19 Die Endstation liegt auch kurz vor der französischen Grenze. Laut ITF fährt der Zug hier nach 6min Aufenthalt wieder zurück, was ich auch so eingeplant hatte, und mich wundere, dass der Lokführer irgendwo im Ort verschwunden ist. Dann schaue ich per französischem Internet nach und stelle fest, dass genau in dieser Stunde die Rückfahrt 30min später erfolgt, was natürlich meine restliche Tagesplanung durcheinanderwirft.

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20 Andererseits bietet es auch mir die Möglichkeit, kurz runter in den Ort zu gehen.

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21 Dann geht es zurück, wobei ich mich kurz mit dem Fahrer unterhalte und deshalb den Blick durch die Frontscheibe behalte.

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22 Das Rätselbild von dieser Fahrt in Les Frêtes.

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23 Zurück in Le Locle

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24 und in La Chaux-de-Fonds. Da mein nächster Zug nur alle Stunde fährt, habe ich hier einen zweiten ungeplanten 30min-Aufenthalt.

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25 Hier ein GTW nach Biel und daneben noch ein kleiner Meterspur-Triebwagen nach Les Ponts-de-Martel. Irgendwie haben die Ortsnamen hier alle einen Artikel und oft noch mehrere Namensteile; für einen nicht-Französischsprachigen müssen die ähnlich kryptisch wirken wie im Oberengadin.

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26 Mein nächster Zug ist dieser Meterspur-GTW der Chemins de fer du Jura (CJ). Der hat zum Glück ein paar Fenster, die sich öffnen lassen.

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27 So kann ich noch ein Bild von der Stadt machen.

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28 Zugbegegnung in Le Noirmont. Hier treffen sich die Züge auf der Hauptstrecke in beide Richtungen sowie ein dritter Zug nach Tavannes. Auf dem bereits in Teil 10 erwähnten Westschweizer Meterspurzug zeigt das Logo der CJ ein Pferd

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29 und wenige Meter später laufen zwei echte davon an der Strecke entlang.

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30 Die CJ hatten damals nicht genug Geld für vollständige Garnituren und so ziehen die Triebwagen alte Personenwagen.

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31 In Combe-Tabeillon wird die zweite Spitzkehre des Tages durchfahren. Diese funktioniert besonders genial, denn die vier Weichen, die das gezeigte Kreuz bilden, haben alle eine feste Grundstellung. Werden sie von unten befahren, folgt der Zug dieser Grundstellung, aber von oben kann ein Zug im Zweifel die Weiche durch seine Räder stellen, die nach dem Befahren aber wieder zurückfedert. Somit ist keinerlei Elektronik notwendig, sondern die Züge fahren automatisch auf dem anderen Ast der Kehre weiter als dem, von dem sie kommen.

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32 Zur Demonstration: Erst geht es geradeaus über die Konstruktion,

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33 dann diagonal zurück.

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34 Was aussieht wie eine weitere Spitzkehre, ist allerdings das Ende der CJ-Strecke. Vor Glovelier kommt von links die normalspurige Strecke aus Belfort bzw. Delle, was als letztes noch im schweizer Tarifgebiet liegt, wenn auch schon in Frankreich.

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35 Aus Porrentruy, was noch vor Delle liegt, kommt diese S-Bahn, die über Basel SBB mit dortiger Wende nach Olten fährt. Ich nehme sie aber nur bis Delémont (Bis dahin soll die CJ eventuell mal per Dreischienengleis verlängert werden), von dort den IC51 nach Moutier, und dann den R nach Solothurn. Das ist auch eine lohnenswerte Strecke, da man nach dem Unterqueren des Grenchenbergs im alten Tunnel schön in den Jurafuß runtergucken kann. Bilder sind leider aus dem GTW unmöglich gewesen.

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36 Nur ganz frontal durch Scheibe geht es ohne Spiegelung, wie hier direkt vor Solothurn über die Aare. Eigentlich hatte ich von hier mit dem durchgehenden R der BLS nach Thun fahren wollen, das klappt wegen der 1h-Verzögerung nun nicht mehr im Hellen. Stattdessen enstscheide ich mich für den RE der RBS nach Bern, der wieder meterspurig ist.

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37 Nur noch als Reserve steht hier eine alte Garnitur "Mandarinli". Früher Be4/8, wurden diese durch zusätzliche Niederflur-Mittelwagen (natürlich von Stadler) zum Be4/12 ergänzt.

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38 Der RE wird allerdings mit einer Doppeltraktion NExT von Stadler gefahren, die gerade so an deren Bahnsteig passt, sodass Fotos von den Zugenden auf legalem Weg unmöglich sind (Bei einem Ansatz, die Grenze zu überschreiten, guckte mich der Lokführer so böse an, dass ich es dann doch lieber gelassen habe).

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39 In Bern hält die RBS in ihrem eigenen Tief-Kopfbahnhof mit vier Gleisen. Für drei Strecken (nach Solothurn, Worb und Unterzollikofen) scheint das ausreichend zu sein, tatsächlich sind aber auf allen Strecken so viele Personen unterwegs, dass es eher knapp bemessen ist - in Spitzenzeiten fahren hier 20 Züge pro Stunde ab. Genau deshalb wird im Zuge der Renovierung des gesamten Bahnhofs Bern auch ein neuer RBS-Bahnhof gebaut, der zwar dieselbe Anzahl Gleise aufweist, aber wesentlich breitere Bahnsteige. Außerdem werden im SBB-Bahnhof während der Bauarbeiten nach und nach alle Bahnsteige renoviert und dafür geschlossen; aktuell sind die Gleise 12/13 eingeschränkt. Dafür wurde als Erstatz 9/10 verlängert, und die neuen Bahnsteige dort 49/50 getauft. Aber dazu gleich mehr.

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40 Besonders gedrängt geht es auf dem anderen Bahnsteig zu, an dem eine Hundertschaft die S7 nach Worb stürmt. Um die Menschenströme zu regeln, gibt es hier sogar wie in der Pariser U-Bahn Drehkreuze und Klapptüren, die nur öffnen, wenn der Zug angekommen ist und die alten Fahrgäste ausgestiegen sind. Der rechte Bahnsteig ist allerdings offen.

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41 Da ich mal nicht mit einem Taktzug im ITF angekommen bin, ist genug Zeit, den Bahnhof von außen anzuschauen.

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42 Jetzt zu Bahnsteig 49/50. Auf 49 fahren die RE (inzwischen IR) von und nach Biel, und auf 50 kommen die RE aus La Chaux-de-Fonds an. Um die Menschenströme nicht über Gleis 9/10 leiten zu müssen, gibt es eine eigene Brücke zur "Welle", die hier oben zu sehen ist.

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43 In der anderen Richtung schwenkt sie elegant in die Welle ein. Aus der Unterführung auf der Ostseite des Bahnhofs wird man übrigens nur versteckt über Gleis 9/10 hierher geleitet - empfohlen wird an den meisten Stellen der Umweg über Gleis 1/2 und die Welle.

Das war's mal wieder, zurück geht es mit IC1 und der S-Bahn, die schon um 19:14 ankommt - aufgrund des frühen Sonnenuntergangs ist das für Fahrten in meiner Nähe nicht zu ändern. Trotzdem waren es heute 17 Umstiege und viele schöne Züge.


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