[DK][NO] Ski? Geilo! (3/3) (Reiseberichte)

JanZ, HB, Donnerstag, 28.11.2019, 18:51 (vor 2304 Tagen) @ JanZ
bearbeitet von JanZ, Donnerstag, 28.11.2019, 18:51

Als ich aufwachte, waren wir kurz vor Oslo und hatten eine knappe Stunde Verspätung, was wohl an Schäden durch das vorangegangene Unwetter lag. Zum Glück reichte meine Umsteigezeit auch hier aus, nur musste ich mich jetzt mit dem Anziehen und Verlassen des Zuges etwas sputen. Das gelang mir aber alles rechtzeitig, und im Bahnhof blieb noch Zeit, ein Frühstück zu erwerben. Auf der Website von Vy, wie die norwegische Bahn jetzt heißt, steht übrigens etwas von bahnhofsnahen Hotels, die für Nachtzuggäste vergünstigte Frühstücke anbieten. Leider fand ich die Infos nicht, die es angeblich in den Abteilen dazu geben sollte, aber ich hätte nun ohnehin keine Zeit mehr gehabt, denn mein Zug nach Kristiansand (und weiter nach Stavanger), wieder ein 73er, fuhr kurze Zeit später.

Bis Kongsberg verlief die Fahrt normal, der Zub wunderte sich nur etwas, dass ich nicht erst in Drammen eingestiegen war. Dann allerdings blieben wir erst mal eine Weile stehen. Obwohl sonst die meisten Ansagen auch auf Englisch waren, gab es jetzt nur welche auf Norwegisch, wovon ich leider nur Bruchstücke verstand. Die Vy-Website teilte mir aber mit, dass es auf dem weiteren Streckenabschnitt eine Signalstörung gebe. Nach einer Weile ging es weiter bis Nordagutu. Zwischen hier und dem nächsten Bahnhof Bø war wegen der Störung die Strecke gesperrt. Weiter ging es mit einem Ersatzbus, auf den wir auch noch mal eine Weile warten mussten. Wenigstens stand in Bø schon der Zug für die Weiterfahrt bereit, wieder eine BR 73, so dass wir die gleichen Plätze wieder einnehmen konnten. Allerdings hatten wir jetzt eine Verspätung von etwa viereinhalb Stunden, so dass mein gebuchtes Schiff weg sein würde und ich nur mit viel Glück noch das letzte an diesem Tag erreichen würde.

Dieses Glück hatte ich nicht: Zwar ist das Fährterminal in Kristiansand direkt neben dem Bahnhof und das Schiff war auch noch da, allerdings war der Check-in bereits beendet. Also musste ich etwas umdisponieren und mir ein Hotelzimmer suchen, was mit einem günstigen Hotel direkt um die Ecke erstaunlich gut gelang. Und so hatte ich noch ein wenig Zeit, um mir die durchaus hübsche Stadt ein wenig anzugucken.

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Der Dom von Kristiansand

Am nächsten Morgen war dann um 8 Uhr Checkin angesagt, wobei ich nicht wusste, dass der vor dem Aufenthalt in der Wartehalle hätte stattfinden sollen, er ließ sich aber nachholen.

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Der Fjord-Line-Katamaran von Kristiansand nach Hirtshals

Ebenso nachholen ließ sich auf der Fähre der Schlaf, der mir durch das frühe Aufbrechen fehlte. Laut Kapitän mussten wir wegen Gegenwind langsamer fahren als sonst, die Fahrt war aber trotzdem ruhig. Statt der planmäßigen 2 1/4 Stunden brauchten wir so 2 1/2, was meinen Zeitplan aber nicht erneut durcheinander brachte. Obwohl die Fjordline-Website es verschwiegen hatte, gab es praktischerweise nach der Ankunft in Hirtshals auch einen Bus für günstige 30 Kronen (ca. 4 Euro) zum Bahnhof, der in einer Entfernung von „kann man laufen, muss man aber nicht“ zum Hafen liegt.

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LINT der Nordjütischen Eisenbahnen in Hirtshals

Bis zur Abfahrt des nächsten Zuges war es auch nicht mehr lange, so dass ich bald der Ansage → „Toget standser kun ved tryk på stopknappen“ an fast jeder Haltestelle lauschen durfte (leider habe ich sie nicht selber aufgenommen). Vor der Einfahrt nach Aalborg zogen wir uns aus nur auf Dänisch durchgegebenem Grund Verspätung zu, so dass ich dort eine gute halbe Stunde Zeit hatte, die örtlichen Busse zu erlegen. Das Tagesziel Aarhus erreichte ich um dieselbe Zeitspanne später als geplant und marschierte erst mal zum Hotel, um einzuchecken und mich kurz auszuruhen. Den Rest des Tages verbrachte ich vor allem in Den Gamle By, einem Freilichtmuseum, das Stadthäuser aus drei Epochen aufgebaut hat und sie unter anderem durch zeitgemäß gekleidetes Personal wieder aufleben lässt. Im 1974er-Bereich gibt es auch eine Ausstellung zur gesamten Stadtgeschichte, die unter anderem eine Lok und alte Fahrkarten für den ÖPNV zu bieten hat.

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Den Gamle By, Bereich 1864

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Den Gamle By, Bereich 1927

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Den Gamle By, Bereich 1974

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Am nächsten Tag nahm ich mir vor, den Schlosspark Marselisborg zu besichtigen. Dieser ist allerdings nur dann offen, wenn die Königsfamilie gerade nicht im Schloss anwesend ist. Sinnigerweise bekommt man im Netz nirgendwo heraus, ob das der Fall ist. Also fuhr ich hin, und natürlich war der Park geschlossen. Immerhin gibt es nebenan den immer offenen Mindepark, von dem aus sich ein Blick auf das Schloss (mit Königsflagge) bietet.

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Zurück in die Stadt fuhr ich mit einem recht gut gefüllten Regionalbus, machte dort noch ein paar Bus- und sonstige Bilder, aß einen original dänischen Hotdog, holte mein Gepäck aus dem Hotel und ging zum Bahnhof.

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Kunstmuseum ARoS, benannt nach dem ursprünglichen Namen der Stadt

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Stadtimpression am Aaboulevard

Mein nächstes Etappenziel war Jübek, das schon wieder kurz hinter der Grenze nach Deutschland liegt. Hierfür hatte ich bis Flensburg kurzfristig ein DSB-Orange-Ticket (mit Umstieg in Fredericia) gekauft, das günstiger war als ein Tag Interrail. Und die Fahrkarte für die zwei Stationen von dort nach Jübek machte den Kohl auch nicht mehr fett. A propos fett: Meine Gastgeber in Jübek waren auf ihrem Bauernhof gerade dabei, zwei frisch geschlachtete Schweine zu verarbeiten, wobei ich ein wenig mithalf und dafür auch vom Braten mitessen durfte.

Für die Rückfahrt an den Untermain setzte ich am letzten Tag noch mal das Interrail ein. Bis Würzburg fuhr ich dabei zusammen mit dem Bruder meiner Gastgeberin, wobei wir in Hamburg Dammtor vom RE in den ICE umstiegen. In dem fanden sich noch genug freie Plätze, pünktlich war er auch und im Bordbistro gab es Cappuccino – was will man mehr. In Würzburg versuchte ich die Umsteigezeit für ein Essen beim Asiaten zu nutzen, was allerdings dazu führte, dass ich etwas schlingen und doch einen Rest stehen lassen musste, weil es doch länger dauerte als gedacht und ich den Zug nicht verpassen wollte. Das tat ich denn auch nicht und erreichte pünktlich und gut gesättigt NAH, von wo ich nicht laufen wollte, sondern den nächsten Bus nach Hause nahm.

Fazit: Eine rundum gelungene Reise. Auch der Regen in Bergen und die ungeplante Übernachtung in Kristiansand haben den Gesamteindruck nicht getrübt. Für letztere habe ich zwar nicht direkt die Kosten erstattet bekommen, die reguläre Entschädigung von 50% des Fahrpreises deckte sie aber auch fast. Mit einem Wort: Geilo!

PS: Die Fahrpreiserstattung funktionierte nur, weil ich von Bergen nach Kristiansand nicht mit dem Interrail fuhr, sondern mit einem durchgehenden Minipris von Vy. Den wiederum wird es unter anderem auf dieser Relation bald nicht mehr geben, da verschiedene Teilnetze an andere EVU vergeben werden, die dann ihre eigene Preispolitik machen, was für Fahrkarten über die Teilnetze hinaus zu höheren Preisen führt. Die Norweger ärgert das natürlich (Artikel auf nrk.no, nynorsk)

Alle Fotos von der Reise gibt es in meinem Album.


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