[DK][NO] Ski? Geilo! (2/3) (Reiseberichte)

JanZ, HB, Donnerstag, 28.11.2019, 18:45 (vor 2304 Tagen) @ JanZ

Die Bergenbahn bestieg ich am nächsten Tag ebenfalls nicht am Osloer Hauptbahnhof, sondern nach Vorlauf ab Nationaltheater in Sandvika.

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Zug nach Bergen, bespannt mit einer El 18 (abgeleitet von der Schweizer Re 460)

Meine Befürchtung, angesichts der Markierung des Zuges im Netz als „ausgebucht“ keinen Sitzplatz zu bekommen, bestätigte sich nicht. Der Zub wunderte sich nur etwas, dass jemand auf einem nicht reservierten Platz saß, glaubte mir dann aber unbesehen, dass ich ein Interrail-Ticket hatte. Die Fahrt verlief vorbei am zweiten namensgebenden Ort des Beitrags, der im Winter tatsächlich Zentrum eines Skigebiets ist, durch immer dünner besiedelte und karger werdende Landschaft, bis wir in jeder Hinsicht den Höhepunkt der Reise erreichten, die Hochebene Hardangervidda mit dem Bahnhof Finse auf leicht zu merkenden 1222 Metern über dem Meer. Zwei Stationen später und etwa 400 Höhenmeter tiefer verließ ich den Zug in Myrdal, wo es nichts gibt außer der Umsteigemöglichkeit zur Flåmbahn.

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Typischer Blick aus dem Fenster hinter Oslo

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♫ Norwegens Seen sind so sauber, dass man sich drin spiegeln kann ♫

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Das Motto meiner Norwegen-Reise

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Auf der Hardangervidda, der größten Hochebene Europas

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In Myrdal angekommen

Die kam schon bald angetuckert, sofern man das für einen elektrischen Zug sagen kann, und war sowohl vor als auch nach dem Fahrgastwechsel rappelvoll, zu einem guten Teil mit Reisegruppen. Ich überlegte, ob ich tatsächlich einsteigen oder lieber mit dem nächsten Zug weiter nach Bergen fahren wollte, entschied mich dann aber doch für Ersteres und fand noch einen Platz gegenüber einem vermutlich britischen alleinreisenden Touristen. Und los ging die Fahrt über 800 Höhenmeter auf 20 Kilometern, die landschaftlich in der Tat sehr beeindruckend ist. Da die Strecke mittlerweile komplett auf Touristen eingestellt ist, wird am Wasserfall Kjosfossen sogar ein fünfminütiger Fotohalt eingelegt, an dem ich aber zu faul war, den Zug zu verlassen. Das Foto wurde trotzdem brauchbar:

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Unterwegs kam auch der Zub vorbei, um mir eine Fahrkarte zu verkaufen, in Myrdal geht das nämlich nicht. Nach ein paar Versuchen war dann auch der Kartenleser online, und ich konnte das Ticket kaufen, das selbst mit Interrail-Rabatt noch stolze 290 Kronen (ca. 29 Euro) kostete. Die vergünstigten Rückfahrkarten gibt es im Zug nicht. Insgesamt scheint der Betrieb darauf ausgerichtet zu sein, dass man in Flåm einsteigt und dort vorher eine Fahrkarte kauft. Dort angekommen, wurde erst richtig deutlich, was für ein Massenbetrieb die Bahn und der Ort inzwischen sind:
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Andrang am Bahnhof Flåm, einer der Gründe ist im Hintergrund zu erkennen

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Es wird sogar mit verschiedenen Warteschlangen je nach Fahrgastgruppe gearbeitet

Beim Versuch, am Schalter eine Fahrkarte für die Rückfahrt zu verkaufen, verwies man mich auf den übernächsten Zug, da der nächste bereits voll war. Also hatte ich ein wenig mehr Zeit, um den Ort und den Fjord (toller Reim) etwas zu erkunden und natürlich auch den Zug auf den Chip zu bannen.
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Der Aurlandsfjord

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Museumslok der Baureihe El 17, die von der deutschen 120 abgeleitet ist

Auf der Rückfahrt sicherte ich mir einen Platz gegenüber einem italienischen Paar an einem Fenster, das sich öffnen ließ, wodurch sich noch einige gute Fotos ergaben.

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In Myrdal hatte ich direkt Anschluss an den Regionalzug nach Bergen, der deutlich leerer war als die Flåmbahn. Von Myrdal nach Bergen gibt es einen regelmäßigen Regionalverkehr und damit deutlich mehr Züge als über die Gesamtstrecke. Noch mehr Züge (etwa einer jede Stunde) fahren aber zwischen Bergen und der vorherigen Station Arna. Obwohl im Zug noch genug Platz war, setzte sich mir gegenüber ein amerikanisches Paar, weil es dort reserviert hatte (ich wusste gar nicht, dass das in Norwegen in Regionalzügen geht).

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Obwohl die Landschaft teilweise noch sehr interessant war, war ich froh, als wir nach knapp drei Stunden schließlich Bergen erreichten, fasste noch im Einkaufszentrum neben dem Bahnhof Essen und machte mich dann mit dem Bus auf den Weg zur Jugendherberge, die am Stadtrand mit einem Superblick über die gesamte Bucht liegt:
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So sparte ich mir die Fahrt mit der Seilbahn auf einen der Berge und nutzte den nächsten Tag, um die Stadt zu erkunden.
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Bryggen, das Wahrzeichen der Stadt

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Im Stadtteil Nordnes

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Die Nykirke

Bereits am späten Nachmittag war ich damit durch und musste jetzt die Zeit bis zur Abfahrt des Nachtzuges totschlagen, zumal es (wie vorhergesagt) anfing zu regnen. Das gelang mir ganz gut unter anderem mit Kaffeetrinken, Essen, Postkartenschreiben und einem spontanen Besuch in der Stadtbibliothek neben dem Bahnhof. Mein Leseverständnis ist in der Tat inzwischen recht gut, das Hörverstehen lässt aber noch arg zu wünschen übrig, zumal es im Norwegischen sehr viele sehr unterschiedliche Dialekte gibt.

Da es abends etwas weniger regnete, ging ich doch noch mal in die Stadt, weil ich mir einen Blick auf Bergen bei Nacht erhoffte. Leider war der nicht so spektakulär wie erhofft, da unter anderem das Wahrzeichen Bryggen kaum beleuchtet war. Zu allem Überfluss nahm der Regen wieder kräftig zu, so dass ich klatschnass am Bahnhof eintraf.

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Die Bahnhofshalle von Bergen

Wenigstens wurde da bald der Nachtzug bereitgestellt. Die Schlafwagen waren zwar direkt am Prellbock, allerdings brachte es nichts, dort einzusteigen: Die Abteile waren nämlich abgeschlossen, und die Schlüsselkarte gab es im Speisewagen beim Zub. Dem machte ich irgendwie auf Norwegisch klar, dass ich bis Oslo im Abteil bleiben wollte, um nicht frühmorgens zwei Stunden in Drammen verbringen zu müssen, und bekam meine Karte. Bald nach der Abfahrt legte ich mich schlafen und tat das auch einigermaßen gut.

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Schlafwagen im Zug Bergen–Oslo

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Im Gang des Schlafwagens

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Mein Abteil

Und gleich geht's weiter …


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