Deswegen ja das [AT] im Titel (Allgemeines Forum)

Twindexx @, St. Gallen (CH), Mittwoch, 09.10.2019, 20:02 (vor 62 Tagen) @ J-C

Hoi,

Was in der Schweiz generell verboten ist, darf man in Österreich eben nicht einmal verbieten, wenn man es wollte. Sind halt verschiedene Mentalitäten.

Wie sollen dann die AGB einer Linie aussehen, die sowohl die Schweiz als auch Österreich bedient?

Andererseits, die Fernbusse sind in Österreich stark reglementiert, hier braucht man die entsprechende Konzessionen. Dr. Richard hat solche und deswegen kooperiert Flixbus mit jener Firma.

Das ist eben in der Schweiz auch so. Deshalb hat Flixbus auch keinerlei Pläne, in der Schweiz eine Konzession zu beantragen.

Es gibt derzeit einen Fernbus-Betreiber in der Schweiz mit einer gültigen Konzession des BAV: Eurobus.
Der Betreiber muss in der Schweiz Steuern zahlen und in der Schweiz übliche Löhne bezahlen. GA und Halbtax müssen anerkannt werden und Fahrpläne kann man nicht einfach mal so ändern, wie man will. Fahrplanänderungen müssen vom BAV bewilligt werden und es gelten dieselben Fahrplanwechseltermine wie für alle öV-Betreiber. Fahrpläne müssen publiziert werden, online und an den Haltestellen und man ist verpflichtet, diese Fahrten auch durchzuführen, sofern keine Umstände eintreten, die vom Transportunternehmen nicht abgewendet werden konnten. Die Busse müssen das Schweizer Behinderten-Gleichstellungsgesetz einhalten, also einen Zustieg für Rollstuhlfahrer und ein rollstuhlgängiges WC anbieten, welches ohne Hilfe benutzt werden kann.
Dafür sind dann diese Fernbusse von Eurobus aber auch im SBB-Onlinefahrplan zu finden und man kann über die SBB Tickets kaufen. Die SBB sind hier gesetzlich verpflichtet, ihre Systeme diskriminierungsfrei für den gesamten öV Schweiz zu betreiben. Dafür dürfen die SBB aber auch einen fairen Betrag von allen Unternehmen einkassieren.

Diese gesetzlichen Vorgaben beschneiden das übliche Flixbus-Geschäftsmodell derart, dass Flixbus kein Interesse an Schweizer Inlandsverkehr hat. Flixbus ist jedoch für Eurobus die Vertriebsplattform, weshalb Flixbus zumindest die Tickets für Eurobus verkauft. Aber Flixbus hat keine Anteile an Eurobus.

Man muss aber sagen, dass dieser Eurobus meistens fast leer durch die Gegend fährt. Fernbusse sind in der Schweiz also offenbar kein Bedürfnis, zu gut sind die SBB (und mit Sparbilletten auch preislich nicht teurer als der Eurobus). Bis jetzt wird der Eurobus vor allem von Touristen genutzt, denen eine funktionierende Eisenbahn unbekannt ist. Aber damit kann man die Busse nicht füllen, weshalb Eurobus nach anderthalb Jahren immer noch tiefrote Zahlen schreiben dürfte.

Die schlechte Auslastung hat auch Auswirkungen auf diesen österreichischen Doktor Richard. Dieser will in der Schweiz mit seiner Schweizer Niederlassung auch gemäss den gesetzlichen Vorgaben Fernbusse betreiben. Allerdings sind einige Linien auf den gleichen Routen wie Eurobus und die Konzessionsvergabe nach Schweizer Recht sieht eben auch vor, dass bestehende Angebote durch das neue Angebot nicht in ihrer Existenz gefährdet werden dürfen. Und da Eurobus mit ihren roten Zahlen sicher nicht nicht besser dastünde, wenn ein weiterer Fernbusbetreiber parallel unterwegs wäre, kann das BAV damit dem Richard die Konzession verweigern. Das Konzessionsgesuch von Dr. Richard ist beim BAV seit letztem Jahr noch immer hängig.


Grüsse aus Zermatt.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 3, IR 13 und IR 37:
Mehr Informationen zum SBB FV-Dosto.


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