Unterwegs auf Räuberbahn und Moorbahn (Teil 3) (Reiseberichte)
...zum Museumsbahnhof Oberried. Der Kultur- und Heimatpflegeverein „Wurzen" bietet hier auf der ehemaligen Torfbahn öffentliche Fahrten in das Wurzacher Ried an. Während die Moorbahn nur sonntags verkehrt, fährt das Torfbähnle jedes zweite Wochenende und dann auch wechselnd samstags und sonntags. Somit ergibt sich alle vier Wochen die Möglichkeit, Moorbahn und Torfbähnle bei einer Tour zu kombinieren.
Bis 1996 wurde in Bad Wurzach Torf abgebaut, der Torf wurde mit einer Torfbahn aus dem Ried transportiert. Heute bietet die Feldbahn Besuchern die Möglichkeit für eine Erkundungstour durch das Ried.
Das Wurzacher Ried ist das größte zusammenhängende und noch intakte Hochmoor Mitteleuropas. Die letzten Eiszeiten hinterließen hier ein großes Seebecken, aus dem das Wasser nicht abfließen konnte. Zunächst entstand ein flacher See, abgestorbenes pflanzliches Material lagerte sich als Torf am Seegrund ab. So füllte sich der See im Laufe der Zeit vollständig mit Torf und verlandete.
Die Strecke der Torfbahn ist anderthalb Kilometer lang, sie führt vom ehemaligen Torfwerk Oberried über den Achkanal und vorbei am Stuttgarter See bis zum Haidgauer Torfwerk. Bereits 1750 begann die Nutzung des Wurzacher Rieds, anfangs wurde Brenntorf gewonnen, später Torfstreu und Torfmull. In den ersten Betriebsjahren wurden auch die Lokomotiven der Südbahn mit Torf gefeuert. Zuletzt wurde Badetorf abgebaut. Als 1996 der Torfabbau eingestellt wurde, blieben die Maschinen zunächst im Ried zurück. Im Bereich der einstigen Verladeeinrichtung gibt es eine Wendeschleife, dort sind die zurückgelassenen Maschinen und Gerätschaften deponiert.
Am ehemaligen Torfwerk Haidgau gibt es einen Info-Stopp, dann geht es durch das Tor wieder aus dem Torfwerk hinaus auf die Strecke durch das Wurzacher Ried.
Das Torfbähnle hat eine Spurweite von 600 mm. Es handelt sich um eine „Neubaustrecke“, die ab 2001 etappenweise errichtet wurde. Während zu Beginn des Museumsbetriebs nur eine kurze Strecke am Rande des Rieds geplant wurde, hatte man später die heutige Streckenführung gewählt, um den Besuchern einen besseren Einblick in das Wurzacher Ried zu bieten. So ist auch die Brücke über den Achkanal neueren Datums, sie wurde für den Museumsbetrieb gebaut. Nach rund 50 Minuten endet die Fahrt am Ausgangspunkt am Museumsbahnhof Oberried.
Für uns steht nun der Fußweg zurück zum Bahnhof von Bad Wurzach an. Neben dem Kurbetrieb mit dem Moorheilbad ist Bad Wurzach auch für eine große Glasfabrik bekannt. Die ehemalige Oberland Glas wurde 1946 nahe des Wurzacher Rieds gebaut, um den Torf zu verkoken und das Gas für die Glasherstellung zu nutzen. Später wurde das Unternehmen zu einem Pionier des Altglasrecyclings. Der Fußweg führt uns über einen Bahnübergang bei der Glasfabrik. Die Bahnstrecke der Roßbergbahn führt direkt durch das Werksgelände, etwas später werden wir auf diesem Gleis mit dem Zug zurück in Richtung Rossberg fahren.
Der Bahnhof Bad Wurzach wird heute anderweitig genutzt, hier sehen wir die Straßenseite. Die Gleisanlagen, die hinter dem Bahnhof lagen, sind abgebaut. Die Gleise der Roßbergbahn enden heute...
...kurz vor dem ehemaligen Bahnhofsgebäude an einem schmucklosen Bahnsteig ohne jede Bahnsteigmöblierung. Nachdem die Deutsche Bahn sich von der Strecke zurückgezogen hatte, wurde die Strecke von der Stadt Bad Wurzach gekauft. Die Betriebskosten konnten gemeinsam mit der Glasfabrik und dem Landkreis finanziert werden. Beim Güterverkehr gab es ein auf und ab, seit 2018 gibt es wohl wieder einen Güterverkehr zur Glasfabrik.
2010 wurde die Roßbergbahn für den Ausflugsverkehr des Radexpress "Oberschwaben" reaktiviert, der Bahnsteig wurde hierfür von der Stadt Bad Wurzach neu gebaut. Anfangs fuhren die Ausflugszüge nur an ausgewählten Sonntagen, mittlerweile gibt es in der Sommersaison an allen Sonn- und Feiertagen einen Zwei-Stunden-Takt mit vier Zugpaaren. Den Namen „Roßbergbahn“ findet man heute immer seltener, seit 2018 wird die Strecke unter dem neuen Namen „Moorbahn“ vermarktet. Räuberbahn und Moorbahn haben hierfür eigene Logos, Flyer und eine Internetseite bekommen.
Für uns geht es nun zurück nach Aulendorf, hier der Blick aus dem Zugfenster bei der Fahrt durch das Werksgelände der Glasfabrik. Irgendwo hier befand sich bis 1946 ein Anschlussgleis zum Torfwerk. Und weiter geht die Fahrt gemütlich durchs Grüne – oder wie es im Flyer heißt „unterwegs auf historischen Nebenbahnen“.
Schließlich geht es wieder hinab zur Einmündung der Roßbergbahn in die Württembergische Allgäubahn. Unter uns die Gleise der Bahnstrecke Aulendorf-Leutkirch, außerhalb des Bilds liegt links der Betriebsbahnhof Roßberg, nach der Wende dort fahren wir nach rechts in Richtung Bad Waldsee und Aulendorf.
Es geht gleich weiter...
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Tschutschu,
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- Durlesbach - 218 466-1, 01.09.2019, 08:04
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