Unterwegs auf Räuberbahn und Moorbahn (Teil 2) (Reiseberichte)
Die Bahnstrecke wurde 2009 im Personenverkehr reaktiviert, wenn auch zunächst nur für Ausflugszüge. Jeweils in der Sommersaison verkehrt an Sonn- und Feiertagen der „Radexpress Oberschwaben“ bzw. neuerdings die „Räuberbahn“. Ein Dieseltriebwagen der Baureihe 628 pendelt zwischen Aulendorf und Pfullendorf.
Eine Infotafel erzählt die Geschichte der Strecke vom Bau bis zum Niedergang sowie der Rettung der Strecke durch die Pachtung und den späteren Kauf der Strecke durch die Kommunen. Seit 2017 gibt es auch wieder Güterverkehr auf der Strecke.
Während meines Besuchs ist der Fahrgastandrang überschaubar, Personal (Lokführer, Zugbegleiter, Bahnübergangssicherungsposten, Gastro, Fahrgastbefrager) und Fahrgäste halten sich etwa die Waage. An Bord gibt es Kaffee, Getränke und Snacks.
In gemächlichem Tempo geht es nun durch das ehemalige Grenzgebiet zwischen den Ländern Baden, Württemberg und Hohenzollern-Sigmaringen. An einigen Bahnübergängen wird angehalten, diese werden durch den mitfahrenden Posten gesichert. Die Höchstgeschwindigkeit der Strecke liegt überwiegend bei 50 Stundenkilometern, es gilt der Einzug-Betrieb.
Im Gegensatz zur anfänglichen Bretterbude in Pfullendorf wurden die württembergischen Bahnhöfe an der Strecke mit geradezu prächtigen Empfangsgebäuden ausgestattet. Der Bahnhof Ostrach dient heute als Wohngebäude. Kurz darauf der Blick auf den Ort mit dem Turm der St. Pankratius-Kirche von 1569 und dem Fluss Ostrach.
Bei der Einfahrt nach Altshausen ist das gleichnamige Schloss zu sehen, es ist Residenz des Hauses Württemberg und Wohnsitz von Carl Maria Peter Ferdinand Philipp Albrecht Joseph Michael Pius Konrad Robert Ulrich Herzog von Württemberg.
In Altshausen trifft die Räuberbahn auf die Zollernalbbahn Herbertingen-Aulendorf. Das Empfangsgebäude liegt als Keilbahnhof zwischen den Strecken. Die Züge der Räuberbahn halten an Gleis 5, im Hintergrund die Gleise 1 und 2 an der Bahnstrecke von Herbertingen. In Altshausen endet die 25 Kilometer lange Stichstrecke nach Pfullendorf, nun geht es auf den regelmäßig befahrenen Gleisen der Zollernalbbahn weiter nach Aulendorf.
Bis zur Weiterfahrt hat der Zug aber noch einen kurzen Aufenthalt, die Zeit reicht, um einen Blick auf die hier angebrachte Streckenkarte der Räuberbahn zu werfen. Der Begriff Räuberbahn gehört zum Tourismuskonzept der Strecke. Angelehnt ist der Begriff an die Banden um die Räuber Schwarz-Vere und Grandscharle, die vor 200 Jahren die abgelegene Gegend unsicher machten und dabei auch die zahlreichen Ländergrenzen für sich zu nutzen wussten.
An bestimmten Tagen fährt auch ein „Nachfahre“ der Räuber mit und erzählt seine Geschichte – diesem Event bin ich aber erfolgreich ausgewichen, das ist dann für mich zu viel des Guten, aber wenn es der Bahnstrecke hilft, soll es recht sein.
So, jetzt ist es nicht mehr weit, wir erreichen gleich den Bahnknoten Aulendorf. Die Fahrzeit der Räuberbahn beträgt eine gute Stunde, es gibt drei Zugpaare pro Fahrtag.
Nach der Ankunft in Aulendorf hängen wir gleich den nächsten Teil dran, hier startet mit der „Moorbahn“ eine zweite, nur im Ausflugsverkehr befahrene Verbindung. Ein Regioshuttle steht bereit zur Fahrt von Aulendorf nach Bad Wurzach.
Der Zug befährt zunächst die Württemberg-Allgäu-Bahn in Richtung Bad Waldsee und Leutkirch, auf dieser Strecke gibt es regelmäßigen Personenverkehr. Bei Roßberg wird es dann interessant,...
...denn hier zweigt die Roßbergbahn von der Bahnstrecke Leutkirch-Aulendorf ab.
Der Bahnhof Roßberg wird im Personenverkehr nicht mehr genutzt, den Zügen der Moorbahn dient er aber als Betriebsbahnhof. Der Zug hält nur zum Kopfmachen an und befährt anschließend die Roßbergbahn.
Die Roßbergbahn ist eine knapp 11 Kilometer lange Stichstrecke, die die Stadt Bad Wurzach an die Württemberg-Allgäu-Bahn anbindet. Die Bahnstrecke wurde 1904 in Betrieb genommen, bereits 1927 gab es erste Absichten einer Stilllegung und 1963 wurde der Personenverkehr dann endgültig eingestellt. Gleich der erste Streckenabschnitt ist eigentlich der reizvollste, die Rossbergbahn führt in einem weiten Bogen am Waldrand nach oben, dabei bietet sich ein Blick über die weite Landschaft Oberschwabens, jenseits des Solarparks verläuft die Württemberg-Allgäu-Bahn.
Nach diesem Anstieg verläuft die Strecke dann weitgehend gerade über das flache Land vorbei an kleineren Siedlungen und Weilern, weitere Zwischenhalte gibt es nicht. Die Fahrzeit von Aulendorf bis Bad Wurzach ist im Fahrplan mit 39 Minuten ausgewiesen, wir kommen aber schon wenige Minuten früher an.
Bad Wurzach ist eine oberschwäbische Kurstadt und das älteste Moorheilbad in Baden-Württemberg. Einwohnermäßig ist Bad Wurzach mit knapp 15.000 Einwohnern nicht besonders groß, flächenmäßig handelt es sich jedoch um die drittgrößte Gemeinde des Landes, größer als das Fürstentum Liechtenstein. Hier stehen wir vor dem Stadtbrunnen, in unserem Rücken...
...das mit Fresken aus der Stadtgeschichte verzierte Rathaus.
Und hier stehen wir an der Wurzacher Ach mit Blick auf die Pfarrkirche St. Verena, sie wurde zwischen 1775 und 1777 erbaut. Am linken Bildrand ist das Naturschutzzentrum Wurzacher Ried, dort besuchen wir die Ausstellung „Moor Extrem“. Da fällt mir ein, dass ich denen auch noch eine Mail schreiben wollte. Denn wenn ein Naturschutzzentrum auf seiner Internetseite unter dem Menüpunkt „Anreise“ nur Parkmöglichkeiten, die Adresse fürs Navi und einen Link auf einen Routenplaner verlinkt, finde ich das etwas schwach.
Das Schloss Bad Wurzach wollen wir nicht auslassen, ist es doch Kulturdenkmal und Wahrzeichen der Stadt. Es wurde zwischen 1723 und 1728 erbaut und war Residenz des Adelsgeschlechts Waldburg-Zeil, heute wird es vielfältig genutzt vom Seniorenwohnheim über ein Kolleg bis hin zu einem Standesamt.
Wenn man schon mit der Moorbahn nach Bad Wurzach gereist ist, sollte natürlich auch ein Besuch im Wurzacher Ried nicht fehlen. Und so folgen wir nun den Wegweisern zum Torfbähnle, allerdings läuft man da ein ganzes Stück bis an den Stadtrand...
Es geht gleich weiter...
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Tschutschu,
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- Durlesbach - 218 466-1, 01.09.2019, 08:04
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