Eisenbahn + Seilbahn (2) (Allgemeines Forum)
Teil 2
Ein Drittel des Umsatzes der Wintersaison wird zwischen dem 20.12. und dem 06.01. generiert. Danach kommt erst einmal das große Januarloch, wo die Preise um 50 - 70 % gegenüber der Hochsaison zwischen dem 20.12. und dem 06.01. in den Keller rauschen.
Dann gibt es noch eine flachere Spitze im Fasching.
Ostern ist der Laden in Deutschland gelaufen. Dieses Jahr war im Skigebiet Garmisch Klassik am 31.03.2019 Schluss. Da die Schneekanonen in Bayern nur zwischen dem 15.11. und dem 28.02. benutzt werden dürfen, ist bei der Klimaerwärmung Ostern Skifahren im Normalfall nur noch möglich, wenn es im März stattfindet. April ist nur noch für Österreich und die Schweiz interessant, die bezüglich der Schneekanonen längst nicht so harte Restriktionen haben wie Deutschland.
In Österreich und der Schweiz machen die Seilbahnen im Winter wesentlich mehr Umsatz. In Deutschland gewinnt der Sommer gegen den Winter haushoch.
Als ich mir die Planfeststellungsunterlagen für den Neubau der Nebelhornbahn (Oberstdorf) durchgeschaut habe, konnte ich sehen, dass auch in Oberstdorf der Sommer haushoch gegen den Winter gewinnt, weswegen die neue Nebelhornbahn, die eine 2S-Bahn sein wird, ausnahmsweise im Winter gebaut wird.
Nebenbei bemerkt: Ich hätte die Talstation der neuen Nebelhornbahn an die Eisnebahnstrecke zwischen Lamngenwang und Oberstdorf gelegt und einen neuen Haltepunkt Nebelhornbahn eingerichtet. Das A und O ist es dass Seilbahnstationen an die Bahnlinien gelegt werden. In Grindelwald macht man das mit der neuen Station Rothenegg, wo man dann in die EUB Männlichen und in die 3S Eigergletscher umsteigen kann. Warum nicht in Deutschland?
Zum Neubau der neuen Nebelhornbahn habe ich in der Seilbahncommunity am 17.12.2018 folgendes Posting gepostet (hier habe ich es bisher nicht gepostet, da die Menge der Eisenbahnfreaks und die Menge der Seilbahnfreaks zu meiner großen Überraschung fast völlig disjunkt ist):
Copy & Paste Begin
Nachdem die Planfeststellungsunterlagen für den Neubau der Nebelhornbahn nur noch bis zum 14.12.2018 öffentlich auslagen, habe ich mich letzte Woche kurzfristig entschlossen mit dem Zug von München nach Oberstdorf zu fahren, um die beiden Ordner zum Neubau der Nebelhornbahn durchzuarbeiten.
Klar war, dass eine EUB nicht genehmigungsfähig war, da zusätzliche Stützen erforderlich gewesen wären und zudem noch weitere Stützen im lawinengefährdeten Bereich hätten errichtet werden müssen. Alleine das Seilfeld zwischen Stütze 1 und 2 ist mit einer Länge von 1,1 km für die EUB definitiv nicht machbar.
Grundsätzlich ist es so, dass alle 6 Stützenstandorte im Wesentlichen erhalten bleiben; allerdings gibt es bei zwei Stützen besondere Auflagen.
Bei der Stütze 1 müssen lärmmindernde Maßnahmen getroffen werden, da die Emissionswerte sonst überschritten werden. Die Stütze 1 steht mitten im Ort Oberstdorf und die Überfahrtsrechte der Nebelhornbahn über die Häuser werden nur dann weiter bewilligt, wenn die technischen Möglichkeiten zur Lärmreduktion genutzt werden. Dazu müssen die Rollenbatterien der Zugseilrollen vom Tragseilsattel entkoppelt werden und es muss ein lärmdämpfender Gummibelag verwendet werden. Für die Stützen 2 - 6 gelten diese Auflagen nicht. Zur Betriebsbewilligung gehört auch, dass nach 22.00 Uhr die Nebelhornbahn die Fahrgeschwindigkeit von 7 m/s auf 4 m/s absenken muss und an höchstens 30 Tagen im Jahr länger als bis 22.00 Uhr gefahren wird. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Sommerfeste auf der Bergstation, wobei die Nebelhornbahn dann bis ca. 1.00 Uhr in Betrieb ist.
Der nächste Knackpunkt ist die Stütze 4. Aufgrund der Lawinengefahr wird sie etwas näher an die Mittelstation herangerückt. Zusätzlich muss ein Damm vor der Stütze 4 gebaut werden, um den Kompressionsdruck der Lawinen auf die Stütze 4 zu reduzieren.
Um Skirowdys das Handwerk zu legen, wird das Gelände zwischen der Mittelstation und der Stütze 4 großzügig umgestaltet. Durch Abtragungen und Aufschüttungen werden die letzten 150 Pistenmeter vor der Mittelstation horizontal angeordnet, damit die Skifahrer nicht mit überhöhter Geschwindigkeit in die Mittelstation einfahren.
Die Spurweite in den Stationen beträgt 6,60 m; Die größte Spurweite befindet sich an der Stütze 5 mit 13,40 m.
Sämtliche Kabinen werden in der Mittelstation garagiert; die Garagierung der Kabinen erfolgt unter den Betonfundamenten der Mittelstation der alten Pendelbahn. Das Stationsgebäude der alten Pendelbahn wird erhalten bleiben. Die Einfahrt und Ausfahrt zur Garage, die sich in der Ebene -1 befindet, erfolgt von der nördlichen Fahrbahn aus. Da die 2S-Bahn im Linksverkehr betrieben wird (Uhrzeigersinn) bedeutet das folgendes:
Betriebsbeginn: Bestückung der Sektion 1 im Rechtsverkehr (rückwärts) in ca. 19 Minuten bei 5 m/s zeitgleich zur Bestückung der Sektion 2 im Linksverkehr (vorwärts) in ca. 18 Minuten bei 6 m/s. Danach Zusammenschließen beider Sektionen in ca. 3 Minuten, danach Betriebsbeginn.
Nach Betriebsschluss erfolgt die Garagierung exakt umgekehrt. Trennung der Sektionen 1 und 2 in etwa 3 Minuten. Danach Garagierung der Sektion 1 im Linksverkehr (vorwärts) in ca. 16 Minuten bei 6 m/s zeitgleich zur Garagierung der Sektion 2 im Rechtsverkehr (rückwärts) in ca. 20 Minuten bei 5,5 m/s. Nach der Garagierung aller Kabinen in der Mittelstation Betriebschluss und Abschalten der Anlage.
Jede der beiden Sektionen verfügt über einen eigenen Schrägförderer, sodass die Bestückung oder Garagierung beider Sektionen zwar zeitgleich, aber unabhängig erfolgt.
Für das Betriebspersonal stehen an der Mittelstation Seealpe Übernachtungsräume mit Betten zur Verfügung. Alternativ kann auch für die Talfahrt die asphaltierte Straße nebst PKW benutzt werden(Sondergenehmigung für die Mitarbeiter der Nebelhornbahn zum Befahren der gesperrten Straße).
Beide Sektionen werden von oben angetrieben, d.h. die Sektion 1 von der Mittelstation Seealpe und die Sektion 2 von der Bergstation Höfatsblick. Zum Einsatz kommt jedes mal der getriebelose Direktantrieb.
Im Normalbetrieb wird durchgehend mit 7 m/s gefahren, es sei denn, man fährt im Nachtbetrieb, da man ab 22.00 Uhr nur noch 4 m/s fahren darf.
Die Windstabilität liegt mit 80 km/h Seitenwind zwischen einer EUB (maximaler Wind 60 km/h) und einer 3S-Bahn (maximaler Wind 100 km/h). Bei 65 km/h gibt es eine Windwarnung und bei 80 km/h gibt es Windalarm. Bei Windalarm muss die Geschwindigkeit auf 4,5 m/s reduziert und die Anlage leergefahren werden.
Als Fahrbetriebsmittel kommen insgesamt 58 Sigmakabinen zum Einsatz, die jeweils über eine Nutzlast von 800 kg verfügen (10 Personen * 80 kg / Person). Im Normalfall fahren die 58 Kabinen in einem Umlauf. Bei getrenntem Betrieb fahren in der Sektion 1 insgesamt 27 Kabinen und in der Sektion 2 demzufolge 31 Kabinen.
Im folgenden noch ein paar technische Daten:
Talstation Oberstdorf: 823,5 müM (Bahnsteighöhe)
Mittelstation Seealpe: 1273,25 müM (Bahnsteighöhe)
Bergstation Höfatsblick: 1926,89 müM (Bahnsteighöhe)
Fahrbahnlänge Sektion 1 (RP/RP): 2184,25 m
Fahrbahnlänge Sektion 2 (RP/RP): 2579,03 m
Fahrzeit Sektion 1 (RP/RP): 312 Sekunden
Fahrzeit Sektion 2 (RP/RP): 369 Sekunden
Fahrzeugabstand: 210 m
Fahrzeugfolge: 30 Sekunden
Fahrzeuge: Sigmakabine mit 10 Personen zu je 80 kg
Tragseil: Bridon Bekaert mit 55 mm Durchmesser und 3365 kN Mindestbruchkraft
Zugseil: 6*31WS mit Durchmesser 42 mm und 1279 kN Mindestbruchkraft
Durchmesser Umlenkscheiben: 4,55 m
Durchmesser Antriebsscheiben: 4,20 m
Maximale Bahnneigung: 29,8 Grad = 57,27 %
Stützenanzahl: 3 + 3
Abspannkraft im Tal (Festabspannung): Sektion 1 = 165 kN und Sektion 2 = 156 kN
Beharrungsleistung: 316 kW (Sektion 1) und 394 kW (Sektion 2)
Anfahrleistung bei 0,2 m/s^2: 435 kW (Sektion 1 und 534 kW (Sektion 2)
Drehzahl Hauptantrieb bei 7 m/s: 31,83 U/Min
3 Antriebe: Hauptantrieb (L0), Notantrieb (L1), Bergeantrieb (L2)
3 Bremsen: Elektrische Bremse, mechanische Betriebsbremse und mechanische Sicherheitsbremse
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Die Planfeststellungsunterlagen gaben auch Auskunft über die Fahrgastströme.
Das Kräfteverhältnis zwischen Sommer und Winter beim Fahrgastaufkommen beträgt ca. 2/3 Sommer und 1/3 Winter, d.h. im Sommer ist etwa doppelt so viel Betrieb wie im Winter.
In den Planfeststellungsunterlagen fanden sich auch Prognosewerte, wie sich das Verhalten der Fahrgäste ändert, wenn die Wartezeit an der Talstation oder Mittelstation wegfällt. Bei den Skifahrern wird sich der Anteil der am Pistenrand pausierenden Skifahrer im Verhältnis zu den abfahrenden Skifahren gegenüber heute deutlich erhöhen, da mit der 2S-Bahn die Wartezeitpausen an der Mittelstation entfallen werden.
Das Verhalten der Fahrgäste im Sommer wird sich dahingehend verändern, dass aufgrund der reduzierten Wartezeiten im Sommer künftig ca. ein Drittel mehr Fahrgäste das Nebelhorn besuchen werden. Denkbar ist, dass die Anzahl der Sommerbesucher am Nebelhorn künftig in guten Jahren die 500000 Grenze überschreitet; im Winter werden künftig etwa 200000 Fahrgäste erwartet, wovon etwa 50 % Skifahrer sind.
Copy & Paste END
Auf der Zugspitze werden im Winterhalbjahr, wenn das Skigebiet offen hat, 54 % aller Seilbahnfahrkarten an Nichtskifahrer verkauft. Über das ganze Jahr gesehen haben auf der Zugspitze Nichtskifahrer einen Marktanteil von 80 %.
Klar ist, dass es in der Schweiz anders aussieht.
Ein paar Sonderfälle gibt es in der Schweiz aber doch.
Beispielsweise die Gornergratbahn. Berücksichtigt man die Verkehrsarbeit, d.h. die gesamten Zugkilometer der Fahrgäste in der Gornergratbahn dann gewinnt der Winter gegen den Sommer knapp, da die Skifahrer oberhalb der Riffelalp mit der Zahnradbahn Wiederholungsfahrten durchführen.
Berücksichtigt man jedoch das Verkehrsaufkommen bezüglich der Anzahl der Fahrgäste, dann gewinnt beim Gornergrat der Sommer gegen den Winter haushoch. Die Sommerfahrgäste fahren nämlich im Normalfall nur einmal pro Tag mit der Gornergratbahn.
Bei einem meiner vielen Zermatturlaube, wenn ich mit den ganzen schweizerischen Seilbahnern fachsimpele, habe ich mir das alles mal genau erklären lassen.
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Grundsätzlich ist es aber so, dass man mit dem Zeitraum 20.12. - 06.01. 1/3 des Verkehrsaufkommens des gesamten Wintertourismus abdeckt.
gesamter Thread:
- [NL] Nachtzug-Studie des niederl. Infrastrukturministeriums -
Provodnik,
12.07.2019, 23:12
- ÖBB-NJ Amsterdam - Wien/Innsbruck - ThomasK, 13.07.2019, 13:05
- NL: Nachtzug-Studie des niederl. Infrastrukturministeriums -
Oscar (NL),
15.07.2019, 14:22
- Eisenbahn + Seilbahn (1) - ThomasK, 17.07.2019, 01:22
- Eisenbahn + Seilbahn (2) - ThomasK, 17.07.2019, 01:25