Grenzüberschreitender Bahnverkehr = Lachnummer? (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Samstag, 13.08.2016, 15:11 (vor 3522 Tagen)

Hallo ICE-Fans,

Murrtalbahner schrieb hier:

Letztlich dürfte es eine Frage des Willens sein. Wenn beide Bahnen (Oscar (NL): DB und NS) ab sofort den Willen, Fahrzeuge und Personal hätten zwischen Köln/Berlin und Amsterdam einen 30min-Takt aufzuziehen, dürfte das am wenigsten an bestehenden Vereinbarungen scheitern.
Grenzüberschreitender Verkehr im vereinten Europa scheint aber zunehmend schwieriger zu werden.

Ich konzentriere mich zuerst auf grenzüberschreitenden Bahnverkehr.

Die meisten Probleme sind, so wie ich das sehe, hausgemacht und statt sie zu lösen werden die immer wieder verschoben.
Was bei den Verkehrsträgern Strasse, Wasser und Luft reibungslos geht, scheint beim Verkehrsträger Schiene nicht zu funktionieren.

Am Unterbau liegt's nicht, denn Spurweite ist meist 1435 mm. Gut, Spanien und Portugal haben s.i.w. 1668 mm aber es gibt inzwischen 1435mm breite Rennbahnen in Spanien und eine internationale Rennbahn Perpignan-Figueres sollte in Bau sein oder sogar funktionsfähig. Ansonsten alles 1435 mm von Frankreich bis Polen und von den Niederlanden bis Bosnien-Herzegowina.

Signalsystem denn? Teilweise. Auch ein LKW-Fahrer muss sich über länderspezifischen Verkehrstafeln, Verkehrsregeln und Ladeabfertigungsverfahren auskennen. Genauso wie ein Lokführer auch unterschiedliche Signale kennen muss. In Deutschland wird eine Lafa anders gekennzeichnet als bei uns.
Aber der Brummifahrer braucht die Front seines Fahrzeuges nicht weiss zu pinseln, damit er in die Niederlande fahren kann. Dafür muss die BR189NL eine weisse Stirnfläche haben.

Problematisch wird es bei der Energieversorgung. Egal ob deutscher, belgischer, niederländischer oder französischer Diesel, ein LKW oder Dieselauto kann damit fahren. Auch Schiffe und Flugzeuge kommen nationunabhängig mit ihren jeweiligen Treibstoffen zurecht. Nur die Bahn nicht; da haben die vier besagten Nationen alle unterschiedliche Stromsysteme. Wenn der umgeleitete ICE International auf der Fahrt nach Amsterdam in Venlo auf dem Cargorangierplatz steht, wird sogar durchgesagt, dass der Zug für niederländischen Strom umgebaut wird.

Nun hat man das Problem inzwischen wunderbar "gelöst":

1. man setzt auf Dieseltraktion. Im Cargobetrieb macht man das. Man kann auch sagen: wir benutzen die Oberleitung dann halt nicht. Dann hätte man sie auch nicht bauen sollen. Amerika macht es vor. Dort läuft die (zweit?)beste Cargobahn der Welt [1];
2. man bricht die Verbindung. Das macht man vor allem im Personenverkehr. Dann muss der Fahrgast halt am Grenzbahnhof umsteigen. Wenn ich von Eindhoven nach Düsseldorf (Aachen, Lüttich) reisen möchte, muss ich in Venlo (Heerlen, Maastricht) umsteigen. Den Haag ist weiter entfernt als Düsseldorf (Aachen, Lüttich), aber direkt erreichbar. Zudem geht das halbstündlich, wo ich international nur Stundentakt habe.
3. man wechselt bei jeder Systemgrenze (inklusive dort, wo Fahrdraht beginnt/endet) die Lok. Das geht leider nur im Stand. Obwohl die Rauchergemeinde die 10-15 Minuten Freiluftpause sehr schätzen wird, soll das nicht das Mass der Dinge sein.
4. man entwickelt Mehrsystemfahrzeuge. In der einfachsten Version sind es unterschiedliche Stromverteiler. Komplizierter wird es, wenn Fahrzeuge auch mit Diesel zurechtkommen müssen. Dann wird unter Fahrdraht Dieselmotor, Generator und Kraftstofftank mitgeschleppt und wenn fahrdrahtlos diese ganzen Stromrichter. Wenn man statt Loks + Reisezugwagen Triebwagen verwendet, hat das auch noch Impakt auf die Sitzplatzzahl: es gibt im 403er Sitzplätze die nicht reservierbar sind, weil sie im 406er aufgrund Mehrsystemanlagen fehlen.

Eine teilweise echte Lösung gibt es inzwischen: man baut neben der vorhandenen Infrastruktur eine neue.
Beispiele dafür sind:

1. Paris-Brüssel. Französischer Strom in Belgien. Gibt es auch auf Brüssel-Lüttich. Bedeutet aber, dass die dortigen belgischen IC200-Garnituren mit Zweisystemloks gefahren werden müssen. Zum Glück hatte man die Loks schon wegen der Brüssel-Luxemburg ICs.
2. HSL-Zuid. Französischer Strom in den Niederlanden. Nur 12 Zugpaare pro Tag brauchen französischen Strom, sie heissen "Thalys". Dafür müssen aber 32 Zugpaare namens "IC Direkt" nachträglich für französischen Strom tauglich gemacht werden. Hätte das NL-Altnetz französischen Strom, wäre das nicht nötig gewesen. Oh Ironie: NL möchte das Altnetz auf belgischen Strom umstellen, obwohl das Land mehr Schienenverbindungen mit Deutschland hat und deutscher Strom aus NL-Perspektive weiter verbreitet ist als belgischer Strom! Während ich mit deutschem Strom ganz bis Graz oder Chiasso fahren kann, endet die Reise mit belgischem Strom bereits in Arlon.

Das Hauptproblem besteht also nach wie vor: die Systembarriere!
Ich bin geneigt zu sagen: solange man ständig verweigert, die Systemunterschiede zu beseitigen, wird der internationale Bahnverkehr (egal ob schnell oder langsam, egal ob Personen oder Güter) eine Lachnummer bleiben.
Zum Glück ist lachen gesund und verbessert es Laune und Gesichtmuskulatur...:)

Wie seht Ihr das?
(über die Barriere namens Fahrkartendschungel habe ich erst noch gar nicht geredet; das möchtet Ihr tun.)


gruß,

Oscar (NL), überlegt mal wieder eine tollkomische Kolumne in die Zeitung zu schreiben.

[1] = es kann sein, dass die Chinesen inzwischen auch mehr Schienenfracht befördern als die Amis.

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Wie wäre es damit?

J-C, In meiner Welt, Samstag, 13.08.2016, 15:33 (vor 3522 Tagen) @ Oscar (NL)
bearbeitet von J-C, Samstag, 13.08.2016, 15:36

Ich sagte es oft, werde dazu aber nicht müde, es stets zu wiederholen:

Man braucht Vereinheitlichung, Schengen auf ganzer Ebene!

Das fängt mit einem Einheitstarif an, der sämtliche Grenzen, ob Landes- oder Staatsgrenzen tariflich auflöst (wobei aufgrund unterschiedlicher Einkommen man dann doch wieder die Tarife innerhalb der Staaten entsprechend anpassen müsste. So wird es weiterhin für den Deutschen in Tschechien günstiger sein, mit dem ÖPNV zu reisen als in Deutschland selber. Das Lohnniveau selber anzugleichen würde wohl einen ziemlichen Kraftakt bedeuten, zumal es vielleicht Vorteile bringen kann, wenn ein Land beispielsweise Dienstleistungen günstiger erbringen kann als ein anderes).

Dann einheitlichen Bahnstrom für ganz Europa. Klar, gleich komplett ein einheitliches Stromnetz für ganz Europa einzuführen, wäre auch sehr praktisch, aber schwieriger, weswegen dies lieber in Schritten geschehen sollte und bei der Bahn wäre das eben noch nicht so schwer im Verhältnis zum Gesamtaufwand.

Den Abschluss macht ein europäisches Infrastrukturunternehmen und eine gesamteuropäische Koordinierung des ÖPNV miteinander.

Was ist das Ziel?

Der Fahrgast muss keine Tarife mehr studieren, um in Europa sich zurechtzufinden, er kann an Automaten, Reisezentren und Online eine durchgehende Fahrkarte für eine durchgehende europäische Reisekette buchen. Gerne auch im Abonnement. Der Fahrgast kann sich auf einen einheitlichen (und damit möglichst hohen) Qualitätsstandard in Europa verlassen sowie auf abgestimmte Fahrpläne eines kontinentalen integralen Taktfahrplan.

Visionär? Während vielleicht der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt seinerzeit sagte, dass wer Visionen hätte, solle zum Arzt gehen, so sagt der amtierende österreichische Bundeskanzler Christian Kern, seines Zeichens ehemaliger ÖBB-Chef, dass wer keine Visionen hat, der soll zum Arzt gehen. Und ich persönlich teile da die Meinung von dem werten Herrn Kern. Funfact am Rande, beide sind Sozialdemokraten ;-)

Ich denke, dass da nicht unbedingt die Frage ist, ob man es kann. Sondern eher, ob man es will. Da müsste sich die EU und deren Mitglieder auf so etwas nunmal eher verständigen, da müssten Politiker endlich das System Bahn verstehen und schätzen lernen. Dazu braucht man Menschen, die den richtigen Posten haben und die richtigen Entscheidungen dann treffen. Davon haben wir leider nicht so viele.

Länder wie die Niederlande, die Schweiz und bald auch Österreich (Österreich will in wenigen Jahren einen ITF aufstellen) machen zwar vor, wie es in die richtige Richtung gehen kann, aber was es braucht, ist eine gesamteuropäische Lösung, vor allem aber auch eine fähige Lösung.

Leider fürchte ich, wird bei der aktuellen Regierungskonstellation, wie wir sie beispielsweise in Deutschland erleben, so etwas schwierig sein. Nicht wegen den Möglichkeiten, sondern wie gesagt wegen dem Mangel an Wille und Vision.

Und damit einen recht schönen Nachmittag.

Gruß

Jan-Christian

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Wie wäre es damit?

Steffen, Samstag, 13.08.2016, 15:44 (vor 3522 Tagen) @ J-C

Ich sagte es oft, werde dazu aber nicht müde, es stets zu wiederholen:

Man braucht Vereinheitlichung, Schengen auf ganzer Ebene!

Hat man schon! Heißt ETCS. Klappt doch super :-))))))))))))))))))))))))))))))

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Von der Idee ist ETCS doch eine feine Sache.

J-C, In meiner Welt, Samstag, 13.08.2016, 15:46 (vor 3522 Tagen) @ Steffen
bearbeitet von J-C, Samstag, 13.08.2016, 15:47

Dass die Umsetzung etwas schief gelaufen ist... naja, das Problem ist nicht, dass es nicht ginge, sondern dass scheinbar der eine oder andere Verantwortliche nicht fähig dazu ist, es entsprechend richtig umzusetzen.

Das ist eben das Problem. Es liegt nicht daran, dass man es nicht könnte. Es liegt am mangelnden Wille und dann teils auch an einer gewissen Unfähigkeit ini der Verwaltungsebene und teils auch der diplomatischen Ebene.

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Von der Idee ist ETCS doch eine feine Sache.

ffz, Samstag, 13.08.2016, 20:48 (vor 3522 Tagen) @ J-C

ETCS war von Anfang an eine Totgeburt, man hat versucht ein Zugsicherungssystem für Europa zu erfinden, es konkurierte im Prinzip die LZB gegen TVM. Gewonnen hat TVM, was nur keiner bedacht hat bis auf ETCS L1 LS funtkioniert ETCS nur mit ESTW's oder mit mit ESTW Fernsteuerungen von Relaisstelwerken, da ETCS eine dauernde sichere Aussage über den Signalzustand benötigt die weder Mechanik, noch Elektromechanik noch Relaistechnik liefern können. Will man Deutschland komplett mit ETCS L1 oder ETCS L2 ausstatten müsste man mehrere Miliarden Euro in neue Stellwerke, bzw Aufrüstung von vorhandenen Stellwerken stecken, dann noch mal mehrere Millionen in die Fahrzeugausrüstung, das Geld wird keiner ürbig haben und keiner bezahlen wollen. Das Probelm am Europäischen Bahnsystem ist die Sprachpflicht, es gibt eine festgelegte Betriebssprache, die muss der Tf neben der Signalkunde mittels Zertifikat oder Prüfung nachweisen, das ist fast unmöglich mehrere Sprachen zu beherschen, gut wir haben den Vorteil, dass Deutsch neben Französisch zu den schwierigsten europäischen Sprachen gehört, aber trotzdem mchte ich kein Tschechisch oder Polnisch lernen müssen. Würde es nach der muttersprachlichen Mehrheit gehen wäre übrigens Deutsch und nicht Englisch die Europäische Sprache, Deutsch bzw deutsche Dialekte werden in folgenden Ländern bzw Landesteilen gesprochen: Deutschland, Österreich, Luxembourg(Letzeburgisch ist ein Moselfränkischer Dialekt), Südtirol, Aosta Tal, dem Elsaß und in Westlothringen(das Lothringische ist leider fast völlig am aussterben), sowie die deutschsprachigen Gemeinden in Belgien. Nimmt man noch die Deutschsprachigen Minderheiten in Süddänemark, Böhmen und Mähren dazu ist Deutsch in der überweigenden Mehrheit.

Von der Idee ist ETCS doch eine feine Sache.

JeDi, überall und nirgendwo, Samstag, 13.08.2016, 23:27 (vor 3521 Tagen) @ ffz

ETCS war von Anfang an eine Totgeburt, man hat versucht ein Zugsicherungssystem für Europa zu erfinden, es konkurierte im Prinzip die LZB gegen TVM. Gewonnen hat TVM, was nur keiner bedacht hat bis auf ETCS L1 LS funtkioniert ETCS nur mit ESTW's oder mit mit ESTW Fernsteuerungen von Relaisstelwerken, da ETCS eine dauernde sichere Aussage über den Signalzustand benötigt die weder Mechanik, noch Elektromechanik noch Relaistechnik liefern können.

Warum gibts dann haufenweise Relaisstellwerke mit ETCS? Vielleicht, weil man auch mit Relais Signalstellungen überwachen kann? (Könnte man übrigens sogar per Mechanik, wenn man wollen würde)

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Weg mit dem 4744!

Von der Idee ist ETCS doch eine feine Sache.

ffz, Sonntag, 14.08.2016, 17:14 (vor 3521 Tagen) @ JeDi

Ich kenne kein Relaisstellwerk was ETCS L1 VS, oder ETCS L2 Strecken steuert oder überwacht. ETCS L1 LS geht natürlich mit Relaisstellwerken, aber das ist im Prinzip auch nur die Zugsicherung auf ETCS umgebaut. Relaisstellwerk mit ESTW Fernsteuerung und ETCS L1 VS und ETCS L2 funktioniert, das ist richtig, hatte ich aber auch geschrieben...

Von der Idee ist ETCS doch eine feine Sache.

telemaxx, Bremen, Hannover, Sonntag, 14.08.2016, 13:13 (vor 3521 Tagen) @ ffz

Nur weil ETCS nicht von heute auf morgen eingeführt werden kann, ist es aus meiner Sicht keine Totgeburt. Ich kann schlecht beurteilen, ob es bessere Systeme gegeben hätte, die europaweit schneller oder besser hätten eingeführt werden können. Aber dass ein einheitliches System eingeführt wird, ist doch aus Sicht des Systems Eisenbahn nur zu begrüßen. Stellwerke werden sowieso nach und nach erneuert werden müssen. Da fällt die logische Wahl auf ESTW.

Dass bei der Systemumstellung zunächst einmal höhere Kosten anfallen, weil z. T. doppelt ausgerüstet werden muss, ist klar. Daraus aber eine Argumentation gegen einen Systemwechsel abzuleiten finde ich sehr gefährlich. Das System Eisenbahn wird in Zukunft nur konkurrenzfähig sein, wenn Linien und Strecken an Landesgrenzen nicht unterbrochen o. ä. werden müssen. Das ist vor allem ja eine Kostenfrage. Und langfristig ist die Entscheidung für ein einheitliches Zugsicherungssystem auf jeden Fall die richtige.

ESTW haben übrigens weitere Vorteile, nicht nur bei den Kosten, sie bilden auch die Grundlage für weitere Automatisierung.

Zu den Sprachenvorschriften weiß ich nichts, kann das mal jemand erläutern, welche Vorgaben es da gibt und was die bedeuten?

Von der Idee ist ETCS doch eine feine Sache.

ICE-TD, Sonntag, 14.08.2016, 13:29 (vor 3521 Tagen) @ telemaxx

Der Gadanke ein einheitliches Zugbesy zu entwickeln war richtig, nur die Ausführung schlecht. Die EU hat es den Ländern und Herstellern überlassen das System zu entwickeln und so macht jeder seinen eigenen Murks und von Einheitlichkeit kann kaum noch die Rede sein.

Von der Idee ist ETCS doch eine feine Sache.

ACS64, Sonntag, 14.08.2016, 14:30 (vor 3521 Tagen) @ ffz

Deswegen bekommen wir ja jetzt erst mal in vielen Bereichen L1 LS. Da ist der Aufwand nämlich "nur" Balisen neben den Magneten legen. Die Schweizer machen das gerade vor.

Mit ETCS Baseline 3 bzw. den Ausprägungen 3.4.0 und 3.6.0 (vereinfacht gesagt 3.4.0 mit GPRS) ist jetzt erstmal eine gewisse Stabilisierung erreicht worden, mit der man Planen kann. Baseline 3 ist auch innerhalb abwärtskompatibel und 3.x.y-Fahrzeuge sollen auch auf 2.3.0d Strecken fahren können. Sprich auf einer 3.6.0 Strecke können Fahrzeuge ohne GPRS fahren.

Aktuell kommt ETCS nur schrittweise zum Einsatz, sobald aber wirklich mal Nahverkehrsstrecken oder Knoten damit ordentlich ausgestattet sind, wird das ganz schnell bei Erneuerungen umgesetzt werden, da Fahrzeuge nur mit ETCS in der Regel billiger als ein Fahrzeug mit den nationalen Systemen (bei bestimmten Mehrsystemlokomotiven ist bereits heute teilweise das nationale System nur als Schnittstelle zu ETCS aufgesetzt) und auch zukünftig ETCS-Stellwerkstechnik durch den größeren Markt günstiger zu haben sein wird, als die nationalen Systeme.

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Wie wäre es damit?

agw, NRW, Samstag, 13.08.2016, 15:47 (vor 3522 Tagen) @ J-C

Dann einheitlichen Bahnstrom für ganz Europa. Klar, gleich komplett ein einheitliches Stromnetz für ganz Europa einzuführen, wäre auch sehr praktisch, aber schwieriger, weswegen dies lieber in Schritten geschehen sollte und bei der Bahn wäre das eben noch nicht so schwer im Verhältnis zum Gesamtaufwand.

Ich bin mir sicher, irgendjemand hat da schon mal die günstigste Lösung für ausgerechnet.
Den Standard gibt es ja schon, das sind 25kV Wechselstrom.
Man könnte sich jetzt etwas überlegen, dass man regionsweise den Strom über die nächsten 60 Jahre umstellt.
Immer, wenn eine Region in 15-30 Jahren dran ist, werden dort Mehrkosten für Mehrsystem-Fahrzeuge subventioniert.
Hat man irgendwann größtenteils Fahrzeuge, die sich auch noch mit 25kV bewegen, kann man den Strom umschalten.

Eigentlich hat ETCS ein ähnliches Problem. Dort wählt man sogar teilweise eine Lösung, wo man Strecken auf ETCS (um)schaltet, obwohl noch 99% der Fahrzeuge in der Region das ETCS nicht können (Erfurt-Halle/Leipzig).
Diese Vorgehensweise finde ich nicht gut, hat aber vielleicht etwas damit zu tun, dass ETCS noch nicht so ausgereift ist, wie 25kV Wechselstrom.

60 Jahre? Das ist wieder zu lange!

J-C, In meiner Welt, Samstag, 13.08.2016, 16:18 (vor 3522 Tagen) @ agw

Wir schreiben das Jahr 2016, da wäre es ein Ding, wenn so etwas nicht in einem Sechstel oder geringeren Teil der Zeit abgeschlossen wäre, vorrausgesetzt, man will es halt.

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Wie wäre es damit?

ffz, Samstag, 13.08.2016, 20:56 (vor 3522 Tagen) @ agw

Wo 25kV/50Hz Standard ist:

Nordengland, Schottland, bald Südwales, Nordfrankreich, spanische Hochgeschwindigekeitsstrecken, italienische Hochgeschwindigkeitsstrecken, französische LGV's, belgische LGV's, niderländische HSL, Norwegen, Schweden, Finnland?, Teile von Tschechien.

Wobei ein Parallelbetrieb von 15 kV/16,7 Hz und 25kV/50Hz mit den mondernen Drehstrom Asynchronmotoren gar kein Problem ist, die Motoren sind halt unter 25kV etwas Leistungsfähiger, alle Loks die nach 1995 gebaut wurden haben Drehstrom Asynchronmotoren. Das viel größere Problem sind die unterschiedlichen Schleifstücke, so hat der Eurostar ein Schleifstück für Frankreich normale Strecken, eines für Grankreich LGV's, eines für Belgien Gleichstrom und eines für den Channel Tunnel.

Wie wäre es damit?

agw, NRW, Sonntag, 14.08.2016, 00:25 (vor 3521 Tagen) @ ffz

Wo 25kV/50Hz Standard ist:

Damit meinte ich, dass 25kV als Stromsystem für europäischen HGV vorgeschrieben ist.

Aus der TSI Energie

numi, Sonntag, 14.08.2016, 01:13 (vor 3521 Tagen) @ agw

Also die TSI Energie schreibt dazu:

4.2.3. Spannung und Frequenz
(1) Für die Spannung und Frequenz des Teilsystems „Energie“ ist eines der folgenden vier Systeme gemäß der Spezifikation in Abschnitt 7 zu wählen:
a) 25 kV 50 Hz Wechselstrom
b) 15 kV 16,7 Hz Wechselstrom
c) 3 kV Gleichstrom
d) 1,5 kV Gleichstrom

[...]

7.2.2. Umsetzungsplan für Spannung und Frequenz
(1) Die Wahl des Energieversorgungssystems liegt im Ermessen der Mitgliedstaaten. Die Entscheidung sollte nach wirtschaftlichen und technischen Gesichtspunkten getroffen werden, wobei mindestens folgende Faktoren zu berücksichtigen sind:
a) das bestehende Energieversorgungssystem in dem Mitgliedstaat,
b) Verbindungen zu Eisenbahnstrecken in Nachbarländern mit bereits vorhandener Energieversorgung,
c) der Leistungsbedarf.
(2) Neue Strecken mit Geschwindigkeiten über 250 km/h sind mit einem der in Abschnitt 4.2.3 definierten AC-Systeme auszurüsten.

Die volle TSI Energie gibt es hier: http://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=uriserv:OJ.L_.2014.356.01.0179.01.ENG


Ich hätte in den Niederlanden auch 25 kV 50 Hz gewählt. Durch die 50 Hz ist eine einfache Verbindung in das Stromnetz möglich. Ein spezielles Netz mit vielen Umrichtern und sogar speziellen Bahnstromkraftwerken ist nicht notwendig. Somit lässt sich die Strecke deutlich einfacher versorgen. Auch auf Seite der Fahrzeuge gibt es Vorteile, da ein Trafo für 25 kV 50 Hz deutlich leichter ist als einer für 15 kV 16,7 Hz.

Interessant finde ich den im Bau befindlichen Brennerbasistunnel. In Österreich haben wir 15 kV 16,7 Hz. In Italien sind es 3 kV DC. Der Tunnel soll jedoch 25 kV 50 Hz bekommen. Was im ersten Moment widersprüchlich klingt, macht jedoch tatsächlich Sinn. Die 50 Hz lassen sich deutlich einfacher bereitstellen als die 16,7 Hz, da sie einfach dem normalen Verbundnetz entnommen werden können. Die Loks auf diesen internationalen Verbindungen können sowieso alle auch die 25 kV 50 Hz (meist sind 4 System Loks im Einsatz die alle vier Stromsysteme vertragen). Daher finde ich auch hier die Entscheidung richtig.

Das ist ja eine Vorschrift...

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 08:43 (vor 3521 Tagen) @ numi

...und das soll einheitlich sein? Dass ich nicht lache! Nein, ein einziges Stromsystem für ganz Europa muss sein.

Ich meine, man wird lachen, in Tschechien alleine gibt es zwei verschiedene Stromsysteme, da muss sich dringend was ändern, also nicht nur in Tschechien, sondern auch in ganz Europa.

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NL: 5 Stromsysteme!

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Sonntag, 14.08.2016, 09:56 (vor 3521 Tagen) @ J-C
bearbeitet von Oscar (NL), Sonntag, 14.08.2016, 09:57

Nein, ein einziges Stromsystem für ganz Europa muss sein.

Wenn ich ein Gerät in eine Steckdose stecke, dann funktioniert das Gerät, egal ob ich in NL, BE, DE oder FR bin.
Nur weil die Steckdose sich bewegt und die Geräte elektrische Lokomotiven und Triebwagen sind, muss das auf Schlag anders sein?

Ich meine, man wird lachen, in Tschechien alleine gibt es zwei verschiedene Stromsysteme...

Nur zwei. NUR zwei...:)

Gucken wir mal bei uns in NL:

1. 1500 V: das Altnetz.
2. 3000 V: die Grenzabschnitte Roosendaal-Nispen und Maastricht-Visé
3. 25 kV: Betuweroute und HSL-Zuid
4. 15 kV: die Grenzabschnitte Zevenaar-Emmerich und Venlo-Kaldenkirchen

Hinzu kommt noch ein Stromsystem dessen Spannung ich nicht kenne. Es wird rundum Groningen und Leeuwarden, sowie auf der Maaslinie und rundum Winterswijk verwendet. Dort fahren die Züge auch elektrisch, aber dann mit Dieselkraftwerk.

Das Trambahnsystem Randstadrail lasse ich mal ausser Betracht.

...da muss sich dringend was ändern, also nicht nur in Tschechien, sondern auch in ganz Europa.

Sehe ich auch so.


gruß,

Oscar (NL).

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IT: Mailand-Verona-Brennerbahn.

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Sonntag, 14.08.2016, 22:10 (vor 3520 Tagen) @ numi

Hallo numi,

Interessant finde ich den im Bau befindlichen Brennerbasistunnel. In Österreich haben wir 15 kV 16,7 Hz. In Italien sind es 3 kV DC. Der Tunnel soll jedoch 25 kV 50 Hz bekommen.

Ich kann mir vorstellen, sobald der Tunnel fertig ist, möchte Trenitalia einen Frecciarossa Mailand-München einsetzen, oder vielleicht ÖBB einen railjet, oder DB einen ICE International.
Dann wäre es eine Idee, die Strecke Bozen-Verona aufzuwerten.
Eine Rennbahn Mailand-Venedig ist schon in Bau; Mailand-Treviglio ist schon fertig, sowie Padova-Mestre. Die Strecke wird nach italienischem AV/AC Standard gebaut und erhält 25 kV."Dann wäre Umstellung der Brennerbahn auf 25kV eine logische Fortsetzung.

Hier kann man erfahren, dass zwischen Mailand-Venedig eine Schienenautobahn gebaut wird, mit Ausfahrten Treviglio und Brescia. Hier werden vermutlich nur die ICs halten, in Brescia vielleicht einige Frecce aber bestimmt nicht alle. Brescia erhält zudem einen Fernbahnhof an der Strecke, "Brescia AV". Mehr Infos hier.

Ein Gegenargument ist allerdings der Regionalverkehr. Trenitalia hat satte 728 (siebenhundertachtundzwanzig!) FS-E464 Maschinen beschafft; diese sollen mit Nahverkehrswagen Wendezüge fahren. Hier so ein Zug:

[image]

Leider verkraften die Maschinen nur 3000 V; diese kann man nach Umstellung der Brennerbahn also nicht verwenden. Oder man rüstet die etwa 15 Brenner-Maschinen für 25kV nach.


gruß,

Oscar (NL).

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IT: Mailand-Verona-Brennerbahn.

lokuloi, Sonntag, 14.08.2016, 22:37 (vor 3520 Tagen) @ Oscar (NL)

Hallo numi,

Interessant finde ich den im Bau befindlichen Brennerbasistunnel. In Österreich haben wir 15 kV 16,7 Hz. In Italien sind es 3 kV DC. Der Tunnel soll jedoch 25 kV 50 Hz bekommen.


Ich kann mir vorstellen, sobald der Tunnel fertig ist, möchte Trenitalia einen Frecciarossa Mailand-München einsetzen,

Glaub ich eher nicht ;-). Soweit mir bekannt, sind keine Frecciarosse mit Ausrüstung für DE bzw. AT geplant. Vielmehr denke ich, dass hier, wenn es soweit ist, Frecciargenti in Form von ETR610 oder einem entsprechendem Nachfolger zum Einsatz kommen. Die haben schon alle notwendigen Stromsysteme an Bord, eine Deutschlandzulassung ist ohnehin geplant.

oder vielleicht ÖBB einen railjet,

Die ÖBB plant auch und insbesondere für den Brenner-Verkehr die Anschaffung neuer Fernverkehrswagen, das müsste auch hier im icetreff schon Thema gewesen sein. Da kann man dann wunderbar die vorhandenen 1216er davorsezten, die können nämlich praktischerweise schon heute alle notwendigen Stromsysteme.

oder DB einen ICE International.

Das dann doch eher weniger ;-)

Meine Ideen zum Fahrplankonzept Brenner nach Eröffnung BBT und darüberhinaus gibt's hier

Dann wäre es eine Idee, die Strecke Bozen-Verona aufzuwerten.

Ideen dazu gibt es ja viele, nur wird das - wenn überhaupt - noch sehr lange dauern. Hier wird m.M.n nach noch lange 3kV hängen. Trotzdem finde ich es jetzt nicht weiter "schlimm", dass im BBT dann eine 25kV-Leitung installiert wird.

Eine Rennbahn Mailand-Venedig ist schon in Bau;

Nun ja. Sagen wir Mailand - Verona. Mailand - Brescia soll wohl zum nächsten Fahrplanwechsel in Betrieb gehen.

Mailand-Treviglio ist schon fertig, sowie Padova-Mestre. Die Strecke wird nach italienischem AV/AC Standard gebaut und erhält 25 kV.

Padova - Mestre müsste 3kV haben, auch auf den "Ferngleisen", oder?

"Dann wäre Umstellung der Brennerbahn auf 25kV eine logische Fortsetzung.

Prinzipiell ja. Aber wie ja auch schon andere an anderer Stelle sagten: zu aufwändig. Und die Loks, die durch den BBT fahren, brauchen sowie so 15 kV, da fällt 25 kV mit ab. Ich habe durch die 25 kV im BBT nicht mal echte Mehrkosten bei den Loks. Zusätzliche Gleise zwischen Franzensfeste/Fortezza und Verona werden sicherlich 25 kV bekommen. Die bestehenden werden bei 3 KV bleiben. Damit hab ich auch mit dem Nahverkehr keine Probleme.


Hier kann man erfahren, dass zwischen Mailand-Venedig eine Schienenautobahn gebaut wird, mit Ausfahrten Treviglio und Brescia. Hier werden vermutlich nur die ICs halten, in Brescia vielleicht einige Frecce aber bestimmt nicht alle. Brescia erhält zudem einen Fernbahnhof an der Strecke, "Brescia AV". Mehr Infos hier.


Oder auch hier und dort (Vorsicht, Attenzione: italienisch!).

gruß,

Oscar (NL).

IT: Mailand-Verona-Brennerbahn.

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Montag, 15.08.2016, 07:59 (vor 3520 Tagen) @ lokuloi

Padova - Mestre müsste 3kV haben, auch auf den "Ferngleisen", oder?

Ich habe da strittige Informationen.
Die Wikikarte (Verknüpfung verboten!) behauptet, die Strecke sei für 300 km/h gebaut worden.
Der Ersteller dieses Videos behauptet 3kV und 230 km/h.
Letztere scheint mir am wahrscheinlichsten.

Und mal ganz ehrlich: mehr braucht man auch nicht. Nur auf Turin-Neapel(-Bari) macht 300+ km/h wirklich Sinn.
Padova-Mestre sind 26 km. In beiden Städten wird man vermutlich halten. Dann reicht 230 km/h.


gruß,

Oscar (NL).

--
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Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

IT: Mailand-Verona-Brennerbahn.

lokuloi, Dienstag, 16.08.2016, 21:20 (vor 3518 Tagen) @ Oscar (NL)

Padova - Mestre müsste 3kV haben, auch auf den "Ferngleisen", oder?


Ich habe da strittige Informationen.
Die Wikikarte (Verknüpfung verboten!) behauptet, die Strecke sei für 300 km/h gebaut worden.
Der Ersteller dieses Videos behauptet 3kV und 230 km/h.
Letztere scheint mir am wahrscheinlichsten.


Lustigerweise steht dazu etwas in der aktuellen ETR (7+8/2016): Dort wird behauptet:

Padua - Venedig: 250 km/h, 3 kV DC

Dabei ist mir dann auch aufgefallen, dass selbst Milano - Treviglo "nur" mit 3 kV elektrifiziert ist. Erst die Weiterführung nach Brescia bekommt 25 kV.


Und mal ganz ehrlich: mehr braucht man auch nicht. Nur auf Turin-Neapel(-Bari) macht 300+ km/h wirklich Sinn.
Padova-Mestre sind 26 km. In beiden Städten wird man vermutlich halten. Dann reicht 230 km/h.

Das sowieso.


gruß,

Oscar (NL).

Ciao,
Uli

Wie wäre es damit?

GibmirZucker, Sonntag, 14.08.2016, 00:02 (vor 3521 Tagen) @ J-C

Das fängt mit einem Einheitstarif an, der sämtliche Grenzen, ob Landes- oder Staatsgrenzen tariflich auflöst (wobei aufgrund unterschiedlicher Einkommen man dann doch wieder die Tarife innerhalb der Staaten entsprechend anpassen müsste. So wird es weiterhin für den Deutschen in Tschechien günstiger sein, mit dem ÖPNV zu reisen als in Deutschland selber. Das Lohnniveau selber anzugleichen würde wohl einen ziemlichen Kraftakt bedeuten, zumal es vielleicht Vorteile bringen kann, wenn ein Land beispielsweise Dienstleistungen günstiger erbringen kann als ein anderes).

Widerspricht dem Gedanken des freien Wettbewerbs. Im Gegenteil halsen sich Staatsbahnen, die exklusiv mit einer andern Staatsbahn Tarife vereinbaren, sich Verfahren auf. Da ist der Zug schon längstens abgefahren.
Einzig die Verpflichtung, durchgehende Fahrkarten, unter Anwendung und Kombination des jeweiligen Haustarifs anzubiten, wäre denkbar. Sicher können wir über Passagierflüge zum Mars diskutieren. Und dass die EG/EU schon früh lieber eine europäische Staatsbahn mit grenzüberschreitenden Tarifen, Vorschriften und Arbeitsbedingungen hätte schaffen sollen. Aber das stand nie zur Diskussion. Der grenzüberschreitende Verkehr auf der Schiene wird abseits bestimmter Korridore eine untergeordnete Rolle spielen.

Wie wäre es damit?

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 08:38 (vor 3521 Tagen) @ GibmirZucker

Wenn er dem Gedanken des freien Wettbewerbs widerspricht, dann sollte man eben keinen freien Wettbewerb fortführen. Dann genügen Ausschreibungen und gut ist.

Und die Aussage, dass grenzüberschreitender Verkehr keine Zukunft habe... vielleicht, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen? Weil es vielleicht weil es im 21. Jahrhundert immer noch nicht möglich ist, ein Abonnementticket von Haustür zu Haustür zu kaufen, wenn das zufällig grenzüberschreitend und/oder mit 2 Verkehrsverbünden geschieht? Weil man in beispielsweise in Deutschland dieser unsinnigen Kleinstaaterei verfallen ist und es nicht hinkriegt, einen einzigen Verbund pro Bundesland zu organisieren. Nein, da brauchen wir natürlich 5, 6 Verkehrsverbünde in einem Bundesland oder noch mehr! Das ist so, als würde das Fürstentum Liechtenstein oder der Vatikan seine Gleise und Bahnhöfe selber verwalten wollen...

...ich rege mich zu sehr auf. Bin eh in einer heilen Welt, in Österreich hat man ja stets einen Verbund pro Bundesland, in Tschechien, soweit ich es überblicken kann, ein Verbund pro Kraj, das entspricht von der Größe her den schweizer Kantonen... passt also.

Jedenfalls, wenn erstmal die Rahmenbedingungen geschaffen sind, dann wird grenzüberschreitender Verkehr attraktiver, vor allem, weil es dann keine lästigen Grenzen mehr gibt. Klar, schon jetzt bemerkt man die Grenzen fast gar nicht mehr, wenn man über diese fährt, aber wenn man bemerkt sie beim Tarif. Da verhängt die DB auch mal einen saftigen Aufschlag für eine Reise, nur weil es ein paar Kilometer ins Ausland geht und solche Späße. Klar, im Verkehr von Tschechien nach Österreich hab ich das Gefühl, man kriegt mehr als 25% Railplus-Rabatt beim Kauf einer Fahrkarte mit VorteilsCard, was auch schon ganz cool ist.

Aber solange ich mehr als ein Abonnement brauche, um von Tschechien nach Österreich im Fernverkehr zu reisen, verstehe ich, dass grenzüberschreitender Pendelverkehr nicht allzu attraktiv ist.

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Grenzüberschreitender Bahnverkehr = Lachnummer?

numi, Samstag, 13.08.2016, 23:51 (vor 3521 Tagen) @ Oscar (NL)
bearbeitet von numi, Samstag, 13.08.2016, 23:53

Es gibt im Bahnverkehr eine gigantische Menge an Anforderungen die bisher meist jedes Land einzeln geregelt hat. Das hat sich inzwischen durch die europaweiten Vorschriften (TSI) deutlich vereinfacht. Es sind jetzt wirklich meist nur Stromsystem und Zugsicherung. Das hat zu einem ziemlich großen Wandel geführt.

Früher hat meist eine Bahngesellschaft eine bestimmte Baureihe beschafft. Dabei war die Bahngesellschaft häufig sehr stark an der Entwicklung beteiligt und diese Baureihe wurde dann meist auch nur an diese eine Bahngesellschaft geliefert. Jede Bahn hatte also sozusagen auch ihre eigene Industrie. Um ein internationales Fahrzeug zu schaffen mussten also Bahngesellschaften zusammenarbeiten und dann gemeinsam auch ein Fahrzeug entwickeln.

Heute sieht das ganz anders aus. Es gibt verschiedene Hersteller die europaweit fast die selben Züge anbieten. Die Bahngesellschaft kauft nun einfach bei einem Hersteller einen Zug ein. Der Zug ist dann in fast jedem Land so ziemlich der selbe, eben bis auf Zugsicherung und Stromsystem (und in den nordischen Ländern werden andere Lichtraumprofile verwendet). Erst vor kurzem hat sogar Pesa es geschafft, einen Triebzug in Deutschland zuzulassen. Natürlich mit Problemen, aber sie haben es geschafft.

Diese Entwicklung sehe ich ziemlich positiv, da somit grenzüberschreitende Verkehre recht einfach realisiert werden können. Man kann den Zug einfach kaufen und es muss nicht erst extra von mehreren Bahngesellschaften gemeinsam etwas entwickelt werden. So können auch kleine EVU recht einfach internationale Verkehre betreiben. Man kann es sich heute leisten, sieben Fahrzeuge zu kaufen um Züge aus Düsseldorf nach Arnhem zu verlängern. Oder auch acht Fahrzeuge um von Bielefeld bis Hengelo zu fahren. Auch die Güter EVU können sich einfach Lokomotiven kaufen (oder leihen) und damit ins Ausland fahren. Häufig kaufen EVU dabei nur eine einstellige Zahl an Loks.


Natürlich gibt es im internationalen Bahnverkehr noch viele Probleme. Sowohl politisch zwischen den Bahngesellschaften (finanziell, tariflich, usw) sowie auch technisch durch die verschiedenen Systeme deren Vereinheitlichung sich ja auch nicht gerade als einfach herausstellt (ETCS macht ja doch ein paar Probleme). Aber meiner Ansicht nach waren wir selten auf einem so guten Weg wie aktuell.

Stromsysteme: Frankreich macht's richtig

Alphorn (CH), Sonntag, 14.08.2016, 00:21 (vor 3521 Tagen) @ Oscar (NL)

2. HSL-Zuid. Französischer Strom in den Niederlanden. Nur 12 Zugpaare pro Tag brauchen französischen Strom, sie heissen "Thalys". Dafür müssen aber 32 Zugpaare namens "IC Direkt" nachträglich für französischen Strom tauglich gemacht werden.

Französischer Strom ist aber Gourmet-Strom.

Wenn man die 1.5 kV in den Niederlanden irgendwann loswerden will - und das sollte man wollen - dann sind 25 kV/50 Hz die richtige Wahl. Technisch sind sie den 15 kV/16.7Hz in jeder Hinsicht überlegen:

- Man spart sich den sehr teuren Aufbau eines eigenen Stromnetzes nur für die Bahn und kann stattdessen mit einfachen Umformern den Strom aus dem normalen Netz beziehen

- Durch die höhere Spannung kann der Abstand zwischen den teuren Unterwerken grösser sein, was wiederum Geld spart

- Durch die höhere Frequenz können die Transformatoren in den Zügen kleiner sein, was sie leichter und damit energiesparender macht

Aus welchem Grund - ausser Kompatibilität - würde man heute noch ein Netz mit 15 kV/16.7 Hz aufbauen?

Die fehlende Kompatiblität zum deutschen Netz ist bei den vielen Zügen, welche nie nach Deutschland fahren, kein Thema. Für die wenigen Züge nach Deutschland braucht es dann halt Mehrsystemzüge, allenfalls kann man dann auch wie die TGV Leistungseinbussen in Kauf nehmen.

Bei Lichte betrachtet ist dieser Gourmet-Strom Murks

flierfy, Sonntag, 14.08.2016, 11:58 (vor 3521 Tagen) @ Alphorn (CH)

Aus welchem Grund - ausser Kompatibilität - würde man heute noch ein Netz mit 15 kV/16.7 Hz aufbauen?

Die Frage stellt sich in Europa gar nicht, weil hier nirgends ein Netz aufgebaut wird. Jeder Neu- oder Umbau schliesst an eine bereits bestehende Infrastruktur an. Also ist die Kompatibilität das wichtigste Kriterium bei der Wahl der Parameter. Zumindest sollte es so sein.

Und in dieser Hinsicht ist 16,7 Hz das weit bessere System. Denn während die 16,7 Hz-Elektrifizierung grosse zusammenhängende Netze bilden, ist der 50-Hz-Standard nur auf kleine Inseln beschränkt.

Doch statt den Vorteil grosser zusammenhängender Netze zu nutzen, werden neue 50-Hz-Inseln geschaffen. Dänemark und die Betuwe-Route sind hier die gravierendsten Beispiele. Niemand würde auf die Idee kommen, Lindau-Geltendorf mit irgendwas anderem als 16,7 Hz zu elektrifizieren. Zwischen Lübeck und Malmö, wo die gleichen Voraussetzungen gegeben sind, wird das nicht gemacht und statt dessen ein inkompatibler Standard eingesetzt.

Bei Lichte betrachtet ist dieser Gourmet-Strom Murks

ICE-TD, Sonntag, 14.08.2016, 12:31 (vor 3521 Tagen) @ flierfy

Doch statt den Vorteil grosser zusammenhängender Netze zu nutzen, werden neue 50-Hz-Inseln geschaffen. Dänemark und die Betuwe-Route sind hier die gravierendsten Beispiele.

Die Entscheidung bei der Betuwe-Route vom übrigen Landesnetz abzuweichen war richtig, denn mit 1,5 bzw. 1,8 kV und 5000t Erzzügen, das wäre wohl nicht unproblematisch gewesen, die 189 hat bei 1,5 kV schon ganz schöne Leistungseinbußen.

Gegenfragen

heineken, Sonntag, 14.08.2016, 12:54 (vor 3521 Tagen) @ ICE-TD

(…) die 189 hat bei 1,5 kV schon ganz schöne Leistungseinbußen.

Welche Leistung möchtest du aus 1,5 kV Fahrleitung entnehmen, ohne diese zum Schmelzen zu bringen?

Gegenfragen

ICE-TD, Sonntag, 14.08.2016, 13:25 (vor 3521 Tagen) @ heineken

(…) die 189 hat bei 1,5 kV schon ganz schöne Leistungseinbußen.


Welche Leistung möchtest du aus 1,5 kV Fahrleitung entnehmen, ohne diese zum Schmelzen zu bringen?

Deshalb schrieb ich ja das dke Entscheidung für diese Insellösung mit 25 kV richtig war.

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Oscar (NL), Eindhoven (NL), Sonntag, 14.08.2016, 12:38 (vor 3521 Tagen) @ flierfy

Und in dieser Hinsicht ist 16,7 Hz das weit bessere System. Denn während die 16,7 Hz-Elektrifizierung grosse zusammenhängende Netze bilden, ist der 50-Hz-Standard nur auf kleine Inseln beschränkt.

Bin ich mir nicht sicher. Hängt nämlich davon ab, was man unter "Europa" versteht.
Auf dieser Karte [1] (oder hier falls die Verknüpfung nicht geht) gibt es in der Tat eine kleine 25kV Insel. Sie heisst Dänemark.
Dazu kommt eine weitere, etwas grössere Insel von insgesamt 15 Staaten. Dass die europaweite Premiummarke der DB hier (noch) nicht fährt, heisst nicht, dass die Staaten nicht zu Europa gehören.
Die zwei grössten Rennbahnnetze Europas (ES: 3100 km, FR: 2037 km) werden bald verknüpft oder sind das schon. Nächster Schritt ist die Verknüpfung mit den italienischen Schienenautobahnen, die ebenfalls 25kV elektrifiziert sind.

Aber ich stimme Dir zu: es ist leichter, BE und NL auf 15kV umzustellen, als DE+CH+AT auf 25kV. Nur schade, dass die belgischen und niederländischen Renn- und Cargobahnen bereits mit 25kV elektrifiziert wurden. Dann kann man besser die NL+BE Altnetze auf 25kV umelektrifizieren. Irgendwann kommt man dann ohne Systemwechsel von Amsterdam nach Lissabon...:)


gruß,

Oscar (NL).

[1] EDIT: URL vom Forumsoftware verweigert, weil zu lang.

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

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flierfy, Sonntag, 14.08.2016, 13:58 (vor 3521 Tagen) @ Oscar (NL)

Bin ich mir nicht sicher. Hängt nämlich davon ab, was man unter "Europa" versteht.
Auf dieser Karte [1] (oder hier falls die Verknüpfung nicht geht) gibt es in der Tat eine kleine 25kV Insel. Sie heisst Dänemark.
Dazu kommt eine weitere, etwas grössere Insel von insgesamt 15 Staaten. Dass die europaweite Premiummarke der DB hier (noch) nicht fährt, heisst nicht, dass die Staaten nicht zu Europa gehören.
Die zwei grössten Rennbahnnetze Europas (ES: 3100 km, FR: 2037 km) werden bald verknüpft oder sind das schon. Nächster Schritt ist die Verknüpfung mit den italienischen Schienenautobahnen, die ebenfalls 25kV elektrifiziert sind.

Das sind alles keine zusammenhängenden Netze. In den Niederlanden, Belgien und Italien sind nur ein paar neuere Strecke mit 50 Hz elektrifiziert, und das nicht mal zusammenhängend, in Frankreich und der Tschechei jeweils nur eine Landeshälfte.
Das grösste nutzbare 50-Hz-Netz in Europa besteht in Südosteuropa, wo man zwischen Bratislava, Zagreb, Athen und Konstanza mit 50 Hz Antrieben fahren kann. Nur ist das ein sehr dünnes Netz, auf dem auch nicht allzu viel Verkehr statt findet. Das ist alles nur Stückwerk und kommt nicht an das elektrifizierte Netz der DACH-Länder heran.

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JeDi, überall und nirgendwo, Sonntag, 14.08.2016, 14:21 (vor 3521 Tagen) @ flierfy

Das grösste nutzbare 50-Hz-Netz in Europa besteht in Südosteuropa, wo man zwischen Bratislava, Zagreb, Athen und Konstanza mit 50 Hz Antrieben fahren kann. Nur ist das ein sehr dünnes Netz, auf dem auch nicht allzu viel Verkehr statt findet. Das ist alles nur Stückwerk und kommt nicht an das elektrifizierte Netz der DACH-Länder heran.

Warum Bratislava? Man kommt mit 25 kV 50 Hz auch noch bis Cheb.

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Weg mit dem 4744!

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flierfy, Sonntag, 14.08.2016, 14:44 (vor 3521 Tagen) @ JeDi

Warum Bratislava? Man kommt mit 25 kV 50 Hz auch noch bis Cheb.

Nur ist Cheb ein kleines Kaff mit wenig Quell- und Zielverkehr. Der Nutzen ist also gering, dorthin mit einem 50-Hz-Antrieb vordringen zu können.

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JeDi, überall und nirgendwo, Sonntag, 14.08.2016, 14:57 (vor 3521 Tagen) @ flierfy

Warum Bratislava? Man kommt mit 25 kV 50 Hz auch noch bis Cheb.

Nur ist Cheb ein kleines Kaff mit wenig Quell- und Zielverkehr. Der Nutzen ist also gering, dorthin mit einem 50-Hz-Antrieb vordringen zu können.

Die Aussage "zwischen Bratislava und ..." als Ortsangabe für ein zusammenhängendes 25kV50Hz-Netz ist aber quatsch. Ansonsten wäre in Tschechien mindestens Pilsen möglich, da gibts auch nennenswert Aufkommen.

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Weg mit dem 4744!

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flierfy, Sonntag, 14.08.2016, 16:09 (vor 3521 Tagen) @ JeDi

Die Aussage "zwischen Bratislava und ..." als Ortsangabe für ein zusammenhängendes 25kV50Hz-Netz ist aber quatsch. Ansonsten wäre in Tschechien mindestens Pilsen möglich, da gibts auch nennenswert Aufkommen.

Ja, man kommt nach Pilsen. Aber dazu muss man unterwegs einmal die Fahrtrichtung wechseln. Das bedeutet bei Güterzügen Abkoppeln, Umrangieren und wieder Ankoppeln. Das ist am Ende wahrscheinlich ineffizienter als 1000 km zu dieseln.

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JeDi, überall und nirgendwo, Sonntag, 14.08.2016, 17:25 (vor 3521 Tagen) @ flierfy

Dann nimm im Zweifel Brno. Pressburg ist und bleibt Unfug.

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Weg mit dem 4744!

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flierfy, Sonntag, 14.08.2016, 17:51 (vor 3521 Tagen) @ JeDi

Du kannst dich ruhig weiter an Nebensächlichkeiten aufreiben. Ich bleibe bei dem, was ich schrieb, inklusive Bratislava.

Also in Tschechien ist in Sachen Bahn auch durchaus was los.

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 17:59 (vor 3521 Tagen) @ flierfy

Zumal jene Länder schonmal die Mehrheit stellen und somit ist es egal, wie viel Bahn bei denen ist, jene Länder haben sich zu einem Stromsystem entschieden.

Fehlt nur noch der ganze Rest.

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Cheb ist kein Kaff...

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 15:44 (vor 3521 Tagen) @ flierfy
bearbeitet von J-C, Sonntag, 14.08.2016, 15:46

Immerhin gibt es Direktverbindungen nach Prag, Zwickau und Nürnberg und einmal auch den Supercity in Richtung Ostrava. Cheb ist außerdem Start und Endpunkt eines Nachtzugskurswagen von und nach Moskau.

Bahntechnisch kann man garantiert nicht von einem Kaff sprechen...

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Cheb ist ein Kaff: 30T Einwohner

Paladin, Hansestadt Rostock / Güstrow, Sonntag, 14.08.2016, 18:25 (vor 3521 Tagen) @ J-C

- kein Text -

Mehr als mein Dorf und die nächste Stadt zusammen...

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 20:25 (vor 3521 Tagen) @ Paladin

Zumal es auch um die Bedeutung für den Bahnverkehr geht. Hier ist der Bahnhof Cheb beispielsweise Endpunkt von Zügen aus Deutschland, wodurch sich eine entsprechende Bedeutung ergibt.

Und zumindest die Russen halten Cheb für kein Kaff, wenn sie dem Nachtzug aus Moskau einen Kurswagen dorthin spendieren.

Die Franzosen derweil hätten der Stadt wohl einen Halt an einer LGV spendiert.

Du siehst vielleicht, dass es egal ist, ob ein Ort 25.000 Einwohner hat oder 250.000 Einwohner. Das sagt wenig bis nichts über dessen Bedeutung aus. ;-)

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Ein Ort kann ein Kaff sein und trotzdem von Bedeutung.

Paladin, Hansestadt Rostock / Güstrow, Sonntag, 14.08.2016, 20:27 (vor 3521 Tagen) @ J-C

- kein Text -

Man kann auch die Bezeichnung "Kaff" gleich weglassen.

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 21:11 (vor 3520 Tagen) @ Paladin

Oder willst du implizieren, die Bewohner eines "Kaffes" sind weniger Wert als die Bewohner einer Schickeria-Stadt von mehr als 100.000 Einwohnern? :-P

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Kaff hat nichts mit der Bedeutung zu tun, lediglich der Größ

Paladin, Hansestadt Rostock / Güstrow, Sonntag, 14.08.2016, 21:22 (vor 3520 Tagen) @ J-C

Was ist denn eine Schickeria Stadt?

Kaff hat nichts mit der Bedeutung zu tun, lediglich der Größ

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 21:37 (vor 3520 Tagen) @ Paladin

Eine Stadt, ab der es nach Augen des einen oder anderen Nutzers überhaupt erst wert ist, einen ICE halten zu lassen ist eine Schickeria-Stadt, weil alles darunter dann ein doofes Kaff ist, welches einem doch nur im Wege steht. ;-)

Und wieso muss man kleine Städte als Kaff bezeichnen? Sind die Kleinstädte es nicht wert, Kleinstädte genannt zu werden?

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Kaff hat nichts mit der Bedeutung zu tun, lediglich der Größ

Reservierungszettel, KDU, Sonntag, 14.08.2016, 22:33 (vor 3520 Tagen) @ J-C
bearbeitet von Reservierungszettel, Sonntag, 14.08.2016, 22:36

Eine Stadt, ab der es nach Augen des einen oder anderen Nutzers überhaupt erst wert ist, einen ICE halten zu lassen ist eine Schickeria-Stadt, weil alles darunter dann ein doofes Kaff ist, welches einem doch nur im Wege steht. ;-)

Kann es sein das Du gar nicht genau weißt was Schickeria ist?

In meiner Heimatstadt gibt es eine Allee die gerne als Schickeriameile bezeichnet wird, hat jedoch nichts mit ICE zu tun ich wüsste nämlich beim besten Willen nicht was Celle mit Schickeria zu tun hat (dort halten nämlich auch ICE) - das ist nunmal ein Kaff in Niedersachsen vor den Toren von Hannover.

Und wieso muss man kleine Städte als Kaff bezeichnen? Sind die Kleinstädte es nicht wert, Kleinstädte genannt zu werden?

Im Pott (Ruhrgebiet) ist das ganz normal Kleinstädte als Kaff zu bezeichnen, ich vermute jedoch das Du auch das nicht verstehst...

Kaff hat nichts mit der Bedeutung zu tun, lediglich der Größ

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 23:29 (vor 3520 Tagen) @ Reservierungszettel

Eine Stadt, ab der es nach Augen des einen oder anderen Nutzers überhaupt erst wert ist, einen ICE halten zu lassen ist eine Schickeria-Stadt, weil alles darunter dann ein doofes Kaff ist, welches einem doch nur im Wege steht. ;-)


Kann es sein das Du gar nicht genau weißt was Schickeria ist?

Ich weiß schon, was Schickeria ist, aber kennst du zufällig so einen Politiker, der das Wort auch mal verwendete? ;-)

In meiner Heimatstadt gibt es eine Allee die gerne als Schickeriameile bezeichnet wird, hat jedoch nichts mit ICE zu tun ich wüsste nämlich beim besten Willen nicht was Celle mit Schickeria zu tun hat (dort halten nämlich auch ICE) - das ist nunmal ein Kaff in Niedersachsen vor den Toren von Hannover.

Ich meine auch nicht, dass die ICEs nur da halten, wo's Schickeria gäbe, sondern dass im Forum welche meinen, dass nur in Städten ab 100.000 Einwohner ICEs halten sollen. Aus irgendwelchen Gründen habe ich dann gesagt, die wollen ja nur ICEs für die Schickeria, nach dem Motto, dass es nur der Schickeria nicht Wert sein kann, dass ein ICE auch mal Kleinstädte anfährt.

Und wieso muss man kleine Städte als Kaff bezeichnen? Sind die Kleinstädte es nicht wert, Kleinstädte genannt zu werden?


Im Pott (Ruhrgebiet) ist das ganz normal Kleinstädte als Kaff zu bezeichnen, ich vermute jedoch das Du auch das nicht verstehst...

Für mich hat "Kaff" halt eine negative Konnotation nach dem Motto, was soll das Kaff mit im Weg stehen?

Ich persönlich lebte in Hamburg und nun in Tschechien, unweit von Wien. Da kann ich eben eher etwas mit einer Schickeria anfangen als mit einem Kaff.

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Mehr als mein Dorf und die nächste Stadt zusammen...

JeDi, überall und nirgendwo, Sonntag, 14.08.2016, 20:32 (vor 3521 Tagen) @ J-C

Und zumindest die Russen halten Cheb für kein Kaff, wenn sie dem Nachtzug aus Moskau einen Kurswagen dorthin spendieren.

Naja, die Russen wollen wohl primär einen Kurswagen nach Karlsbad. Dass Cheb dann der sinnvolle Endbahnhof ist, versteht sich von selbst.

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Weg mit dem 4744!

Dann könnte er auch in Karlovy Vary (Karlsbad) enden.

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 21:13 (vor 3520 Tagen) @ JeDi

Am hässlichen Bahnhof gibt es genügend Abstellmöglichkeiten. ;-)

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Karlovy Vary

ktmb, Sonntag, 14.08.2016, 21:15 (vor 3520 Tagen) @ J-C
bearbeitet von ktmb, Sonntag, 14.08.2016, 21:15

Komischerweise bin ich bei dieser Stadt mit der tschechischen Variante aufgewachsen. Bei Decin und Usti übrigens auch.
Prag war dann wieder Prag aber Bratislava auch Bratislava.
Herzliche Grüße

Karlovy Vary

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 21:35 (vor 3520 Tagen) @ ktmb

Komischerweise bin ich bei dieser Stadt mit der tschechischen Variante aufgewachsen. Bei Decin und Usti übrigens auch.
Prag war dann wieder Prag aber Bratislava auch Bratislava.
Herzliche Grüße

Dabei gäbe es für sämtliche Städte ja entsprechende Übersetzungen.

Ich meine, vielleicht bin ich eben damit aufgewachsen, entsprechende Ortsnamen nicht zwanghaft auf Deutsch zu übersetzen, meinetwegen kann man Praha auch Prag nennen, Warszawa kann man auch Warschau nennen... nur ich mag es lieber, die Namen in deren Landessprache auszusprechen. Dann sag ich nicht Venedig, sondern Venezia, nicht Mailand, sondern Milano, nicht Tschechenstochau, sondern Czechostochowa. Und wenn ich gerade nicht weiß, wie man etwas korrekt ausspricht, dann schau ich nach und dann weiß ich es.

Aber sag, fällt es dir schwer, tschechische Ortsnamen beispielsweise korrekt auszusprechen?

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Karlovy Vary

ktmb, Sonntag, 14.08.2016, 21:38 (vor 3520 Tagen) @ J-C

Aussprache: Ich weiß nicht, ob ich es korrekt ausspreche, halte mich jedoch vorwiegend an die tschechischen Ortsnamen. In Slowenien mit Ljubljana, Jesenice usw. auch.
Dobrou noc

Karlovy Vary

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 21:55 (vor 3520 Tagen) @ ktmb
bearbeitet von J-C, Sonntag, 14.08.2016, 21:56

Naja, im Grunde muss man nur die zusätzlichen Buchstaben können, also die mit den speziellen Akzenten und wissen, dass der Tscheche mit Ausnahme beim ch, was wie beim deutschen ausgesprochen wird, an sich stets die Wörter so ausspricht, wie sie geshrieben stehen. Eigentlich ganz praktisch.

Ansonsten, so halte ich es an sich auch.

Dir auch Dobrou noc ;-)

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Karlovy Vary

JeDi, überall und nirgendwo, Sonntag, 14.08.2016, 21:46 (vor 3520 Tagen) @ J-C

Komischerweise bin ich bei dieser Stadt mit der tschechischen Variante aufgewachsen. Bei Decin und Usti übrigens auch.
Prag war dann wieder Prag aber Bratislava auch Bratislava.
Herzliche Grüße


Dabei gäbe es für sämtliche Städte ja entsprechende Übersetzungen.

Ich meine, vielleicht bin ich eben damit aufgewachsen, entsprechende Ortsnamen nicht zwanghaft auf Deutsch zu übersetzen, meinetwegen kann man Praha auch Prag nennen, Warszawa kann man auch Warschau nennen... nur ich mag es lieber, die Namen in deren Landessprache auszusprechen. Dann sag ich nicht Venedig, sondern Venezia, nicht Mailand, sondern Milano, nicht Tschechenstochau, sondern Czechostochowa. Und wenn ich gerade nicht weiß, wie man etwas korrekt ausspricht, dann schau ich nach und dann weiß ich es.

Aber sag, fällt es dir schwer, tschechische Ortsnamen beispielsweise korrekt auszusprechen?

Ich halte es ganz einfach: wenn ich tschechisch rede, benutze ich den tschechischen Namen, rede ich Deutsch benutze ich den deutschen Namen.

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Tschenstochau

Co_Tabara-98, Hannover, Sonntag, 14.08.2016, 23:23 (vor 3520 Tagen) @ J-C

... nicht Tschechenstochau, sondern Czechostochowa. Und wenn ich gerade nicht weiß, wie man etwas korrekt ausspricht, dann schau ich nach und dann weiß ich es.

oder besser: Tschenstochau bzw. Częstochowa

Dann könnte er auch in Karlovy Vary (Karlsbad) enden.

JeDi, überall und nirgendwo, Sonntag, 14.08.2016, 21:45 (vor 3520 Tagen) @ J-C

Am hässlichen Bahnhof gibt es genügend Abstellmöglichkeiten. ;-)

Jo, gibts auch ne Rangierlok, einen Rangierer der Kuppelt, genug Aufenthalt für die ganze Aktion, ...? Vorstellungen haben manche Leute...

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Dann könnte er auch in Karlovy Vary (Karlsbad) enden.

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 21:57 (vor 3520 Tagen) @ JeDi

Am hässlichen Bahnhof gibt es genügend Abstellmöglichkeiten. ;-)


Jo, gibts auch ne Rangierlok, einen Rangierer der Kuppelt, genug Aufenthalt für die ganze Aktion, ...? Vorstellungen haben manche Leute...

Uhh... aaaach, ich vergaß den Trägerzug! Stimmt, dann ist es sinniger, den gleich in Cheb enden zu lassen, sonst hätte ich gesagt, der wird ja den ganzen Tag quasi dort eh bleiben und so ^^

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Tschechien =/= Tschechei!

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 15:38 (vor 3521 Tagen) @ flierfy

Warum nennt man das bitteschön Tschechei? Ich hab den Eindruck, das ist der damaligen Tschechoslowakei geschuldet, aber ich persönlich mag es nicht, wenn man meine Heimat als Tschechei bezeichnet...

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Tschechien =/= Tschechei!

Destear, Berlin, Sonntag, 14.08.2016, 15:43 (vor 3521 Tagen) @ J-C

In deiner "Heimat" - herrlich weit dehnbarer Begriff übrigens, wie man daran sieht - ist bzw. war doch auch relativ umstritten, wie man sich nun nennen will...

Tschechien =/= Tschechei!

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 15:45 (vor 3521 Tagen) @ Destear

In deiner "Heimat" - herrlich weit dehnbarer Begriff übrigens, wie man daran sieht - ist bzw. war doch auch relativ umstritten, wie man sich nun nennen will...

Man hat sich allerdings auf Tschechien geeinigt, zumal, wieso bitteschön Tschechei? Weil es so schön ähnlich ist zur Slowakei? Zur Tschechoslowakei? ;-)

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Tschechien =/= Tschechei!

Destear, Berlin, Sonntag, 14.08.2016, 15:48 (vor 3521 Tagen) @ J-C

Keine Ahnung. Wahrscheinlich aus ähnlichem Grund, aus dem man bei polnischen Städten immer noch an deutschen Namen festhält. Bestenfalls und höchstwahrscheinlich schlechte Angewohnheiten.

Tschechien =/= Tschechei!

462 001, Taunus, Sonntag, 14.08.2016, 16:03 (vor 3521 Tagen) @ Destear

Keine Ahnung. Wahrscheinlich aus ähnlichem Grund, aus dem man bei polnischen Städten immer noch an deutschen Namen festhält. Bestenfalls und höchstwahrscheinlich schlechte Angewohnheiten.

Anfang der 2000er haben wir ein paar mal im Bayerischen Wald Urlaub gemacht und sind öfter mal rüber gefahren. Meine Eltern haben es immer Tschechei genannt, kann also wirklich aus Gewohnheit sein.

Wobei ich immer Tschechien sage, da ich Tschechei irgendwie nicht passend finde.


Gruß von ICE1223,
der letzte Woche in Eger und Lundenburg war;-)-)-)

--
Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1619
- Euro. Ausland: 717

Stand: 20.02.2026

Tschechei = Tschechien

Henrik, Sonntag, 14.08.2016, 19:15 (vor 3521 Tagen) @ Destear

Man hat sich allerdings auf Tschechien geeinigt, zumal, wieso bitteschön Tschechei?

weils ewig die gängige Bezeichnung war..... bis vor paar Jahren,
die Frage wäre also eher, wieso jetzt auf einmal Tschechien, gut das is bekannt,
und vor allem wieso die Aufregung drüber - da draußen in der richtigen Welt stört sich niemand an "Tschechei"

Keine Ahnung. Wahrscheinlich aus ähnlichem Grund, aus dem man bei polnischen Städten immer noch an deutschen Namen festhält. Bestenfalls und höchstwahrscheinlich schlechte Angewohnheiten.

..oder mindestens gute Angewohnheiten,
denn die deutschen sind offizielle Städtenamen
und hier die Aussprache.
Kein Deutscher würde normal die Städte Danzig, Breslau und Stettin polnisch aussprechen können, geschweige denn wollen - wozu?
Das hat nichts damit zu tun, dass sie vor kurzem noch deutsch waren.
Moskau, Mailand, Florenz, Brüssel, Lüttich, Paris und London sprechen wir auch deutsch aus.

Tschechei = Tschechien

Destear, Berlin, Sonntag, 14.08.2016, 19:24 (vor 3521 Tagen) @ Henrik

Man hat sich allerdings auf Tschechien geeinigt, zumal, wieso bitteschön Tschechei?


weils ewig die gängige Bezeichnung war..... bis vor paar Jahren,
die Frage wäre also eher, wieso jetzt auf einmal Tschechien, gut das is bekannt,
und vor allem wieso die Aufregung drüber - da draußen in der richtigen Welt stört sich niemand an "Tschechei"

Keine Ahnung. Wahrscheinlich aus ähnlichem Grund, aus dem man bei polnischen Städten immer noch an deutschen Namen festhält. Bestenfalls und höchstwahrscheinlich schlechte Angewohnheiten.


..oder mindestens gute Angewohnheiten,
denn die deutschen sind offizielle Städtenamen

Daran, dass das "offizielle" Städtenamen sein sollen, habe ich erhebliche Zweifel. Woraus soll sich die Offizialität der deutschen Bezeichnungen ergeben?

und hier die Aussprache.
Kein Deutscher würde normal die Städte Danzig, Breslau und Stettin polnisch aussprechen können, geschweige denn wollen - wozu?
Das hat nichts damit zu tun, dass sie vor kurzem noch deutsch waren.

Das ist zwar grundsätzlich richtig, aber bedauerlicherweise verkennst du den historischen Hintergrund. Das halte ich dann in der Tat entweder für eine schlechte Angewohnheit, man könnte es auch Ignoranz nennen. Es ist jedoch nicht sinnvoll, darüber zu spekulieren, welche Gründe das hat.

Tschechei = Tschechien

Henrik, Sonntag, 14.08.2016, 19:52 (vor 3521 Tagen) @ Destear

Man hat sich allerdings auf Tschechien geeinigt, zumal, wieso bitteschön Tschechei?

weils ewig die gängige Bezeichnung war..... bis vor paar Jahren,
die Frage wäre also eher, wieso jetzt auf einmal Tschechien, gut das is bekannt,
und vor allem wieso die Aufregung drüber - da draußen in der richtigen Welt stört sich niemand an "Tschechei"

Keine Ahnung. Wahrscheinlich aus ähnlichem Grund, aus dem man bei polnischen Städten immer noch an deutschen Namen festhält. Bestenfalls und höchstwahrscheinlich schlechte Angewohnheiten.

..oder mindestens gute Angewohnheiten,
denn die deutschen sind offizielle Städtenamen

Daran, dass das "offizielle" Städtenamen sein sollen, habe ich erhebliche Zweifel. Woraus soll sich die Offizialität der deutschen Bezeichnungen ergeben?

einfach mal nachschlagen bei der entsprechenden Liste bei der UNO der deutschen Form
oder eben beim Auswärtigen Amt, geht etwas schneller,
Deutsches Generalkonsulat Breslau
Deutsches Generalkonsulat Danzig
http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/03-WebseitenAV/Uebersicht_node.h...

und hier die Aussprache.
Kein Deutscher würde normal die Städte Danzig, Breslau und Stettin polnisch aussprechen können, geschweige denn wollen - wozu?
Das hat nichts damit zu tun, dass sie vor kurzem noch deutsch waren.

Das ist zwar grundsätzlich richtig, aber bedauerlicherweise verkennst du den historischen Hintergrund. Das halte ich dann in der Tat entweder für eine schlechte Angewohnheit, man könnte es auch Ignoranz nennen. Es ist jedoch nicht sinnvoll, darüber zu spekulieren, welche Gründe das hat.

insbesondere der historischen Hintergrund würde doch nur unsere deutsche Form begründen und keine andere.
Diese Städte waren die allermeiste Zeit in deutscher Hand, weit länger als die anderen nicht-polnischen genannten Städte.
sie nicht deutsch auszusprechen, nicht die amtliche offizielle deutsche Form zu nutzen wäre also eine schlechte Angewohnheit, man könnte es auch Ignoranz nennen. Es ist vor allem nicht sinnvoll, weil keiner was mit anfangen kann, geschweige denn eben aussprechen kann.

Lüg nicht.

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 20:09 (vor 3521 Tagen) @ Henrik

Szczeczin, Gdansk, Kraków und Wrocław lassen sich recht leicht aussprechen, wenn man es nur will... und wenn es schwer fällt, Wikipedia lässt die korrekte Aussprache leicht erlernen.

Zumal man damit auch den Horizont erweitert, wenn man sich ein wenig sich mit den Sprachen, die in den jeweiligen Ländern gesprochen werden, auseinandersetzt. Und nicht alles auf Biegen und Brechen eindeutscht. Ich mag beispielsweise lieber Hodonín sagen als... Göding. Ganz ehrlich, wer kam darauf, "Göding" als Übersetzung zu nehmen?

Oder Brno. Das hört sich irgendwie schöner an als Brünn.

Praha... das hat etwas weitläufiges, etwas einladendes, bei Prag ist hingegen sehr schnell Schluss.

Ganz ehrlich, wenn die Polen polnische Namen aussprechen können, dann können das auch die Deutschen. Wenn die Franzosen französische Namen aussprechen können, dann können das die Deutschen ja wohl auch.

Es wäre doch jammerschade, würde man auf eine Eindeutschung bestehen, weil man sich nicht mit der Sprache des anderen Landes befassen will, oder?

Vielleicht liegt das auch an mir, ich bin halt ein ziemlich europäischer Mensch, aufgewachsen in Deutschland, umgezogen nach Tschechien, studieren werdend in Wien und dabei auch noch die Romandie der Schweiz liebend... ich fühle mich persönlich so gar nicht deutsch, eher europäisch. Und als Europäer hat Deutsch für mich nunmal kein Sprachmonopol.

Aber ich denke, das ist zu viel Philosophie. Ich mag einfach die Ortschaften am liebsten in der Landessprache aussprechen, da kann ich auch meinen Horizont erweitern.

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Lüg nicht.

Paladin, Hansestadt Rostock / Güstrow, Sonntag, 14.08.2016, 20:22 (vor 3521 Tagen) @ J-C

Szczeczin, Gdansk, Kraków und Wrocław lassen sich recht leicht aussprechen, wenn man es nur will... und wenn es schwer fällt, Wikipedia lässt die korrekte Aussprache leicht erlernen.

Nein, das lässt sich nicht recht leicht aussprechen. Vielleicht fällt es dir leicht. Das ist aber etwas komplett anderes.

Oder Brno. Das hört sich irgendwie schöner an als Brünn.

Total subjektiv.

Praha... das hat etwas weitläufiges, etwas einladendes, bei Prag ist hingegen sehr schnell Schluss.

Äh...

Ganz ehrlich, wenn die Polen polnische Namen aussprechen können, dann können das auch die Deutschen. Wenn die Franzosen französische Namen aussprechen können, dann können das die Deutschen ja wohl auch.

Die Franzosen sind noch schlimmer als wir Deutschen, was Sprache angeht. ;) Schlechtes Argument.


Vielleicht liegt das auch an mir, ich bin halt ein ziemlich europäischer Mensch, aufgewachsen in Deutschland, umgezogen nach Tschechien, studieren werdend in Wien und dabei auch noch die Romandie der Schweiz liebend... ich fühle mich persönlich so gar nicht deutsch, eher europäisch. Und als Europäer hat Deutsch für mich nunmal kein Sprachmonopol.##

Das ist mittlerweile bei jedem angekommen, dass du aus Hamburg nach Tschechien/Österreich umziehst. Das macht dich aber bei weitem nicht so europäisch wie du denkst. Wenn ich mich nicht irre, dann hast du gerade Abitur gemacht. Du hast also einen recht kleinen Blickwinkel auf das Leben - ich bin nur ein paar Jahre älter, daher möchte ich mir keine Weisheit zugestehen - aber gerade was "europäisch sein" oder sich "als Europäer fühlen" angeht, ist das doch sehr viel komplexer. Und die Tatsache, dass du im Ausland studierst ist zwar schön - gerade die Einfachheit einer der größten Errungenschaften der EU - aber wenn du mit Ende 20 dann in Deutschland, Tschechien, Österreich, Spanien, Frankreich, UK, Slowenien gelebt hast ... DANN können wir nochmal über europäisches Gefühl diskutieren. Oder philosophieren. Bisher kommst du eher so rüber, als wenn du dich nicht richtig als Deutscher fühlst, sondern eher als Tscheche, so wie du alles lobpreist. Das ganze dann als europäisch zu verkaufen ist irgendwie ... falsch.
Aber nochmal: Ich möchte dir damit nicht zu nahe treten!

Lüg nicht.

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 20:44 (vor 3521 Tagen) @ Paladin

Szczeczin, Gdansk, Kraków und Wrocław lassen sich recht leicht aussprechen, wenn man es nur will... und wenn es schwer fällt, Wikipedia lässt die korrekte Aussprache leicht erlernen.


Nein, das lässt sich nicht recht leicht aussprechen. Vielleicht fällt es dir leicht. Das ist aber etwas komplett anderes.

Ahja, das könnte noch im Tschechischen ziehen. Aber im Polnischen kenne ich mich auch fast gar nicht mit der Sprache aus. Noch verstehe ich nicht alle Buchstaben, aber diese kann ich nachschlagen, lernen und wenig später ist es kein Problem der Aussprache...

Oder Brno. Das hört sich irgendwie schöner an als Brünn.


Total subjektiv.

Stimmt, ich finde Tschechisch als Sprache schöner als Deutsch.

Praha... das hat etwas weitläufiges, etwas einladendes, bei Prag ist hingegen sehr schnell Schluss.


Äh...

Jap, das G macht dem ganzen ein jehes Ende, während der Vokal dem Namen eine gewisse Geräumigkeit verleiht ;-)

Ganz ehrlich, wenn die Polen polnische Namen aussprechen können, dann können das auch die Deutschen. Wenn die Franzosen französische Namen aussprechen können, dann können das die Deutschen ja wohl auch.


Die Franzosen sind noch schlimmer als wir Deutschen, was Sprache angeht. ;) Schlechtes Argument.

Tja, da müsste man halt früher ansetzen und eben verstärkt sich darum kümmern, die Aussprache der verschiedenen Laute zu verstehen.


Vielleicht liegt das auch an mir, ich bin halt ein ziemlich europäischer Mensch, aufgewachsen in Deutschland, umgezogen nach Tschechien, studieren werdend in Wien und dabei auch noch die Romandie der Schweiz liebend... ich fühle mich persönlich so gar nicht deutsch, eher europäisch. Und als Europäer hat Deutsch für mich nunmal kein Sprachmonopol.##


Das ist mittlerweile bei jedem angekommen, dass du aus Hamburg nach Tschechien/Österreich umziehst. Das macht dich aber bei weitem nicht so europäisch wie du denkst. Wenn ich mich nicht irre, dann hast du gerade Abitur gemacht. Du hast also einen recht kleinen Blickwinkel auf das Leben - ich bin nur ein paar Jahre älter, daher möchte ich mir keine Weisheit zugestehen - aber gerade was "europäisch sein" oder sich "als Europäer fühlen" angeht, ist das doch sehr viel komplexer. Und die Tatsache, dass du im Ausland studierst ist zwar schön - gerade die Einfachheit einer der größten Errungenschaften der EU - aber wenn du mit Ende 20 dann in Deutschland, Tschechien, Österreich, Spanien, Frankreich, UK, Slowenien gelebt hast ... DANN können wir nochmal über europäisches Gefühl diskutieren. Oder philosophieren. Bisher kommst du eher so rüber, als wenn du dich nicht richtig als Deutscher fühlst, sondern eher als Tscheche, so wie du alles lobpreist. Das ganze dann als europäisch zu verkaufen ist irgendwie ... falsch.
Aber nochmal: Ich möchte dir damit nicht zu nahe treten!

Tscheche? Bitte. Sooo leicht wirst du mir nicht absprechen, Europäer zu sein, nenee. Klar, ich fühle mich nicht so recht als Deutscher, aber das heißt nicht, ich würde mich als Tscheche fühlen. Täte ich es, würde ich mich mehr dafür anstrengen, Tschechisch zu lernen, was ich aber aktuell gar nicht so wirklich tue.

Ich denke aber auch, dass in Tschechien auch eine andere Kultur ist, in der ich mich zumindest ziemlich schnell zu Hause fühle. Das ist auch in Polen so gewesen. Bin ich jetzt Pole, weil ich Polen auch mag? Bin ich Ungare, weil ich die ungarische Sprache als die bisher schönste aller Sprachen erlebt habe und mir sicher bin, dass ich auch Ungarn mag?

Bin ich Bayer, weil ich Bayern mehr als Deutschland mag? ;-)

Nein, ich bin Europäer, ich mag Europa am liebsten als ganzes und denke, dass Blaschke nur ein Pessimist ist, wenn er sagt, dass die EU auseinanderfallen würde. Ich persönlich bin Optimist und sage, dass die EU noch lange bestehen wird.

Klar, ich war noch nicht in Spanien, in Griechenland oder in Norwegen, vor allem, weil es sich nie ausging.

Dafür war ich auch mal in London, wobei ich irgendwie das Gefühl habe, dass die Briten etwas eigen sind, was ich aber auch mag.

Und ich war in der Schweiz, war in allen Teilen, bis kurz vor Frankreich und Italien, zumindest sprachlich hab ich somit auch einen Eindruck. Und auch kulturell.

Ich wäre auch der selbe, der sagen würde, wieso sagen wir Mailand? Milano ist doch viel schöner! Wieso sagen wir Nizza? Nice ist doch eher nice ;-)

Wo ein Wille, da auch ein Weg. Will man nur die deutsche und vielleicht englische Aussprache beherrschen, so wird man auch nichts anderes können, will man hingegen seinen Horizont erweitern, so denke man weiter ;-)

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polnische Aussprache

Co_Tabara-98, Hannover, Sonntag, 14.08.2016, 23:03 (vor 3520 Tagen) @ J-C

Szczeczin, Gdansk, Kraków und Wrocław lassen sich recht leicht aussprechen, wenn man es nur will... und wenn es schwer fällt, Wikipedia lässt die korrekte Aussprache leicht erlernen.


Nein, das lässt sich nicht recht leicht aussprechen. Vielleicht fällt es dir leicht. Das ist aber etwas komplett anderes.


Ahja, das könnte noch im Tschechischen ziehen. Aber im Polnischen kenne ich mich auch fast gar nicht mit der Sprache aus. Noch verstehe ich nicht alle Buchstaben, aber diese kann ich nachschlagen, lernen und wenig später ist es kein Problem der Aussprache...

Darf ich anmerken, dass es nicht damit getan ist, zu wissen, wie einzelne (Sonder-)Buchstaben ausgesprochen werden? Auch bei sz und cz hört es nicht auf, vielmehr ist z.B. die Aussprache von ą und ę auch davon abhängig, welcher Konsonant folgt, soweit ich weiß.

Ganz ehrlich, wenn die Polen polnische Namen aussprechen können, dann können das auch die Deutschen. Wenn die Franzosen französische Namen aussprechen können, dann können das die Deutschen ja wohl auch.


Die Franzosen sind noch schlimmer als wir Deutschen ...

Während viele Italiener einfach keinen Plan haben und meinen, das Oktoberfest würde in Monaco stattfinden ;-)

Nein, ich bin Europäer, ich mag Europa am liebsten als ganzes und denke, dass Blaschke nur ein Pessimist ist, wenn er sagt, dass die EU auseinanderfallen würde. Ich persönlich bin Optimist und sage, dass die EU noch lange bestehen wird. ...
Dafür war ich auch mal in London, wobei ich irgendwie das Gefühl habe, dass die Briten etwas eigen sind, was ich aber auch mag.

Genauso wie die Polen, die Ungarn oder die Rumänen. Und ob allzuviel Optimismus bei der derzeitigen Politik angebracht ist, die in Warschau und in Budapest gemacht wird, muss ich leider bezweifeln. Transfer-Empfänger ist man in Ungarn gerne, aber sonst scheint Brüssel eher lästig zu sein für die aktuell Herrschenden (die nicht von allen gewählt wurden). Austrittsbestrebungen konkreter Art erwarte auch ich demnach nicht aus dieser Region...

Lüg nicht.

ffz, Sonntag, 14.08.2016, 20:45 (vor 3521 Tagen) @ J-C

Hallo,

ich bin dafür die Ortsnamen der Orte der ehemaligen Ostdeutschen Länder Böhmen, Mähren, Pommern, Westpreußen und Ostpreußen auch deutsch auszusprechen, zumidnest im alltäglichen Gebrauch. Die meisten Deutschen sind bei den slawischen Sprachen nicht gerade Sprachbegabt, ich persönlich bin es auch absolut nicht, daher finde es viel besser den Ortsnamen richtig deutsch wie in einem unverständlichen oder falschen Tschechisch auszusprechen. Die Ortsnamen sind nun einmal ursprünglich Deutsch, zumindest zum großen Teil, daher hat es auch mit Geschichtsbewusstsein zu tun, die Namen zu verwenden. Ich will die Gebiete nicht wieder haben, die Geschichte ist so wie sie ist, aber es wäre noch viel falscher die Ortsnamen gezwungen in der jeweiligen Landessprache auszusprechen. Schau dir mal die deutschsprachigen Gemeinden in Belgien an, die sprechen Öcher Platt, aber sie werden von den Belgiern und der belgsichen Regierung als Mitglieder einer "deutschsprachingen Kultur" nicht als Deutsche gesehen. Das sagt mir schon sehr viel.

Du wirst noch sehr unagnehm aufwachen was deinen europäischen Gedanken angeht, glaub mir einfach niemand wird dich auf der Uni in Wien mit offenen Armen begrüßen, du bist halt der Deutsche/der Tscheche der einem Österreicher den Studienplatz weg nimmt. Ich habe mir mal überlegt nach UK aus zu wandern, nachdem ich mehrfach dort im Urlaub war und die Menschen dort kennen gelernt habe, fahre ich gerne nach UK in den Urlaub, aber ich will ganz sicher nicht dort leben, es gibt immer Vorbehalte und richtig akzeptiert iwrst du in der dortigen gesellscahft nicht, du bist halt "the German". Aber gut jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen, leb mal 5 Jahre in Tschechien auf dem Land, in einem kleinen Ort, du wirst nicht in die dortige Gesellschaft finden.

Lüg nicht.

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 20:55 (vor 3521 Tagen) @ ffz
bearbeitet von J-C, Sonntag, 14.08.2016, 20:56

Hallo,

ich bin dafür die Ortsnamen der Orte der ehemaligen Ostdeutschen Länder Böhmen, Mähren, Pommern, Westpreußen und Ostpreußen auch deutsch auszusprechen, zumidnest im alltäglichen Gebrauch. Die meisten Deutschen sind bei den slawischen Sprachen nicht gerade Sprachbegabt, ich persönlich bin es auch absolut nicht, daher finde es viel besser den Ortsnamen richtig deutsch wie in einem unverständlichen oder falschen Tschechisch auszusprechen. Die Ortsnamen sind nun einmal ursprünglich Deutsch, zumindest zum großen Teil, daher hat es auch mit Geschichtsbewusstsein zu tun, die Namen zu verwenden. Ich will die Gebiete nicht wieder haben, die Geschichte ist so wie sie ist, aber es wäre noch viel falscher die Ortsnamen gezwungen in der jeweiligen Landessprache auszusprechen. Schau dir mal die deutschsprachigen Gemeinden in Belgien an, die sprechen Öcher Platt, aber sie werden von den Belgiern und der belgsichen Regierung als Mitglieder einer "deutschsprachingen Kultur" nicht als Deutsche gesehen. Das sagt mir schon sehr viel.

Genauso wie ein Norddeutscher nicht als Däne angesehen wird, obwohl beide Sprachen doch recht ähnlich wirken.

Du wirst noch sehr unagnehm aufwachen was deinen europäischen Gedanken angeht, glaub mir einfach niemand wird dich auf der Uni in Wien mit offenen Armen begrüßen, du bist halt der Deutsche/der Tscheche der einem Österreicher den Studienplatz weg nimmt.

Meinetwegen, ich bin 18 Jahre in Deutschland aufgewachsen, das hinterlässt auch Spuren und ich werde nicht sagen, Deutschland war voll doof, ich will nur noch Wienerisch sprechen... zuweilen gebe ich gerne mit meinem kleinen Hamburgisch an :-P

Ich habe mir mal überlegt nach UK aus zu wandern, nachdem ich mehrfach dort im Urlaub war und die Menschen dort kennen gelernt habe, fahre ich gerne nach UK in den Urlaub, aber ich will ganz sicher nicht dort leben, es gibt immer Vorbehalte und richtig akzeptiert iwrst du in der dortigen gesellscahft nicht, du bist halt "the German". Aber gut jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen, leb mal 5 Jahre in Tschechien auf dem Land, in einem kleinen Ort, du wirst nicht in die dortige Gesellschaft finden.

Sorry, ich habe schon in die Gesellschaft gefunden. Würde ich tschechisch können, wäre ich dort Mitglied der Gesellschaft, als wäre ich dort aufgewachsen ;-)

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Henrik, Sonntag, 14.08.2016, 20:51 (vor 3521 Tagen) @ J-C

Szczeczin, Gdansk, Kraków und Wrocław lassen sich recht leicht aussprechen, wenn man es nur will... und wenn es schwer fällt, Wikipedia lässt die korrekte Aussprache leicht erlernen.

das ist nun alles nicht der deutschen Sprache entsprechend, man kann es nicht so aussprechen wie es geschrieben steht, folglich würde es jedem deutschen von Natur aus schwer fallen.
Rest ist trivial.
Wikipedia sei besser nich zu empfehlen.

Zumal man damit auch den Horizont erweitert, wenn man sich ein wenig sich mit den Sprachen, die in den jeweiligen Ländern gesprochen werden, auseinandersetzt.

keine Frage,
den eigenen Horizont erweitert man ungemein mit jeder weiteren Kultur die man kennenlernt, jedem weiterem Land - das muss bzw. sollte man aber nicht auf Krampf in dem Land der Muttersprache tun,
und vor allem endet die Welt nicht mit den Grenzen der EU oder Europas,
ein Freund hat's nun geschafft heute, er war in jedem Land der Welt (auch den nicht anerkannten), siehe Betreff,
zuletzt hab ich ihn in Brüssel getroffen, zufällig auf der Straße, in Brüssel, nicht Bruxelles oder Brussel oder Bruselas

Und nicht alles auf Biegen und Brechen eindeutscht.

das Gegenteil ist ja der Fall, es ging um deutsche Städte bzw. offiziell amtlich deutsche Bezeichnung, für die nun gefordert wurde, dass man sie fortan nicht mehr mit ihrem deutschen Namen benennen solle.

Ich mag beispielsweise lieber Hodonín sagen als... Göding. Ganz ehrlich, wer kam darauf, "Göding" als Übersetzung zu nehmen?

auch hier war es genau entgegengesetzt. Es hieß immer nur Göding - als deutscher ganz leicht auszusprechen.
Hodonín heißt es erst seit kurzem - nich mehr so leicht in deutsch auszusprechen.

Wer auf Hodonín kam und wieso müsstest Du besser die Leute in der Tschechei fragen.

Oder Brno. Das hört sich irgendwie schöner an als Brünn.

Wertung liegt im Auge des Betrachters, hier also irrelevant,
Brno kann niemand aussprechen - das originale Brünn sehr wohl, is ja auch deutsch.

Praha... das hat etwas weitläufiges, etwas einladendes, bei Prag ist hingegen sehr schnell Schluss.

dito, Praha undeutsch, Prag leicht auszusprechen.

Ganz ehrlich, wenn die Polen polnische Namen aussprechen können, dann können das auch die Deutschen. Wenn die Franzosen französische Namen aussprechen können, dann können das die Deutschen ja wohl auch.

einleuchtende Logik..
warum? weil die Deutschen eh besser sind, mit der Geburt jede Sprache der Welt bestens beherrschen, was alle anderen nicht können? Wahnsinn.

Es wäre doch jammerschade, würde man auf eine Eindeutschung bestehen, weil man sich nicht mit der Sprache des anderen Landes befassen will, oder?

nicht Ein.. sondern Ausdeutschung wurde gefordert, ohne erkennbaren logischen Grund.

Vielleicht liegt das auch an mir, ich bin halt ein ziemlich europäischer Mensch, aufgewachsen in Deutschland, umgezogen nach Tschechien, studieren werdend in Wien und dabei auch noch die Romandie der Schweiz liebend... ich fühle mich persönlich so gar nicht deutsch, eher europäisch. Und als Europäer hat Deutsch für mich nunmal kein Sprachmonopol.

hört sich nach einem Europa der Kulturen an - umso weniger nachzuvollziehen, dass Du die hiesige so drastisch beschneiden möchtest..
..und eh an nur Deinem Geschmack die Welt genesen solle (sogar nur die europäische).

Aber ich denke, das ist zu viel Philosophie. Ich mag einfach die Ortschaften am liebsten in der Landessprache aussprechen, da kann ich auch meinen Horizont erweitern.

allein nur an dem Punkt ganz gewiss am allerwenigsten.

und vor allem wird dich hierzulande zumeist kaum einer verstehen,
nehmen wir allein nur mal die beiden größten Städte Syriens - mit den deutschen Namen kann jeder was anfangen.

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J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 21:05 (vor 3520 Tagen) @ Henrik
bearbeitet von J-C, Sonntag, 14.08.2016, 21:08

Huh? Bin ich falsch informiert?

Die Städte, die man so gerne deutsch ausspricht, waren zuerst polnisch

Dass die Deutschen die Gebiete später solange selber einnahmen, ist erstmal eine andere Geschichte.

Außerdem, die tschechische Stadt Hodonín ist schon sehr lange nicht mehr deutsch. Sie gehörte auch mal den Habsburgern an... und auch den Nazis, aber das war dann mindestens 70 Jahre her. Das dürften nur noch herzlich wenige mitbekommen haben. Das selbe gilt auch für Polen.

Für mich zählt auch das, was aktuell Polen, Tschechien, Deutschland und so weiter ist und nicht das, was irgendwann mal Deutschland gewesen war. In sofern...

...ich meine, wenn der Deutsche anscheinend es nicht gebacken kriegt, ausländische Namen korrekt zu sprechen, dann nennt man die wichtigsten Orte eines anderen Landes halt in eingedeutscht, ich persönlich mag es halt, sowas in der entsprechenden Landessprache auszusprechen.

--
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Henrik, Sonntag, 14.08.2016, 22:44 (vor 3520 Tagen) @ J-C

Huh? Bin ich falsch informiert?

mag gut sein. gibt's Informationsbedarf?

Die Städte, die man so gerne deutsch ausspricht, waren zuerst polnisch

?

Dass die Deutschen die Gebiete später solange selber einnahmen, ist erstmal eine andere Geschichte.

sieht eher nach einer total Verklärung der Geschichte aus.

Außerdem, die tschechische Stadt Hodonín ist schon sehr lange nicht mehr deutsch.

keine hundert Jahre her..

Sie gehörte auch mal den Habsburgern an... und auch den Nazis, aber das war dann mindestens 70 Jahre her. Das dürften nur noch herzlich wenige mitbekommen haben. Das selbe gilt auch für Polen.

die grausamsten elendigen Vertreibungen der Deutschen haben zig Millionen mitbekommen, am eigenen Leib erfahren - aber war hier nicht Thema.
..das war ja eh nur „Hitlers Fünfte Kolonne“ so Miloš Zeman, derzeitiger Staatspräsident Tschechiens, und mit der Vertreibung hätten sie ihnen ja einen Gefallen getan.

Für mich zählt auch das, was aktuell Polen, Tschechien, Deutschland und so weiter ist und nicht das, was irgendwann mal Deutschland gewesen war. In sofern...

Für Dich zählt dieses national-denken anscheinend etwas und misst mit zweierlei Maß, so scheint es.

Was aktuell in Polen, Tschechien und Ungarn ist, ist alles andere als rühmlich, von der politischen Situation her.

...ich meine, wenn der Deutsche anscheinend es nicht gebacken kriegt, ausländische Namen korrekt zu sprechen

er spricht sie korrekt amtlich offiziell aus,
Du meinst in der Landessprache. Dass er das nicht tut und vor allem nicht kann, is rein verständlich, es ist inkompatibel mit der eigenen Muttersprache. Das ist nicht mangelnde Fähigkeit oder Verständnis, das ist rein menschlich und unterscheidet ihn nicht von anderen Nationen, Kulturen.
Lass einen Spanier oder Franzosen mal Hamburg aussprechen - bekommen die anscheinend nicht gebacken.
schlimm? nö.

dann nennt man die wichtigsten Orte eines anderen Landes halt in eingedeutscht

es ging hier nicht darum, einen bestehenden nicht-deutsch Status Quo hin zu deutsch zu ändern,
sondern um Städte die ewig schon immer deutsch waren, für die es immer deutsche Namen gab, die auf einmal nicht mehr deutsch, sondern in einer für uns sehr schwierig auszusprechenden Landessprache zu sprechen - einfach so, ohne weiteren Grund.

ich persönlich mag es halt, sowas in der entsprechenden Landessprache auszusprechen.

Oświęcim wurde bereits erwähnt.

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Co_Tabara-98, Hannover, Montag, 15.08.2016, 02:45 (vor 3520 Tagen) @ Henrik

Außerdem, die tschechische Stadt Hodonín ist schon sehr lange nicht mehr deutsch.


keine hundert Jahre her..

War sie überhaupt "deutsch"? Teilweise deutschsprachig sicherlich. Nehmen wir mal Wikipedia her: "Göding, seit der Gründung der Tschechoslowakei 1918 Hodonín" - hier geht es erstmal um die amtliche Bezeichnung, die Wirklichkeit war früher komplexer als heute: "Volkszählung 1910: 5952 Tschechisch- und 5223 Deutschsprachige" Der tschechische Name wurde sicher nicht erst 1918 erfunden - gerne dürft ihr diese Annahme korrigieren.

Ansonsten empfehle ich beiden Seiten, diesen Beitrag nochmals zu lesen und auch bezüglich der Aussprache jenen.

lokuloi schrieb: "Aber oft gibt es auch einfach nicht _die_ Landessprache." Im Gegensatz zu Hodonín, wo sich das mit der Zweisprachigkeit 1945 weitgehend erledigt hatte, ist es z.B. in Siebenbürgen weiterhin Realität. Um nicht zu sagen, traditionell ist es dreisprachig. Und wo früher nicht zu erwarten war, dass man mit etwas anderem als Rumänisch Erfolg hat, nämlich bei der rumänischen Eisenbahn, sieht man heute immerhin neue Bahnhofsschilder, auf den z.B. zu lesen ist: "Aiud / Nagyenyed / Strassburg am Mieresch".

[OT] :-D

Chrispy, Sonntag, 14.08.2016, 23:37 (vor 3520 Tagen) @ Henrik

das ist nun alles nicht der deutschen Sprache entsprechend, man kann es nicht so aussprechen wie es geschrieben steht, folglich würde es jedem deutschen von Natur aus schwer fallen.

Ach, so wie die deutschen Ortsnamen Soest, Buckow oder auch Schaephuysen? Gerade bei Letzterem fällt mir dann die korrekte Aussprache deutlich schwerer als bei Hodonín.

Es ist schön zu sehen, dass du immernoch versuchst in der "überlegenen" deutschen Sprache eine tieffere, zusammenhängende Logik zu finden.

Ganz ehrlich, wenn die Polen polnische Namen aussprechen können, dann können das auch die Deutschen. Wenn die Franzosen französische Namen aussprechen können, dann können das die Deutschen ja wohl auch.

warum? weil die Deutschen eh besser sind, mit der Geburt jede Sprache der Welt bestens beherrschen, was alle anderen nicht können? Wahnsinn.

Auch da fühle ich mich doch sehr an alte Diskussionen mit dir erinnert: Einfach schön den Text aus dem Zusammenhang gerissen und ad absurdum uminterpretiert, damit man schön Trollen kann.

nicht Ein.. sondern Ausdeutschung wurde gefordert, ohne erkennbaren logischen Grund.

Naja, es sind Polnische/Tschechische Ortsnamen. Warum sollte man die nicht bei ihren offiziellen Namen nennen? Wo liegt denn da das logische problem? "Nur weil es früher mal so genannt wurde," ist kein logischer Leitsatz um den Status quo beizubehalten. Dazu etwas geschichtliches: Es gibt da einen Kanton in der Westschweiz, der früher Untertanengebiet des Kanton Bern war. Um Berns Macht zu verdeutlichen, hat man sämtliche Ortsnamen eingedeutscht, z.B. wurde Payerne zu Peterlingen oder Iverdon zu Ifferten. Nach dem Sturz Napoleons wurde daraus ein unabhängiger Kanton und die Ortsnamen wurden wieder geändert. Keiner käme heute auf die Idee auf den deutschen Ortsnamen zu bestehen, also warum bestehst du dann auf den alten Ortsnamen Polnischer/Tschechischer Städte? (Lass mich hier auch mal deine Debatierstyl verwenden) Oder gibt es da noch irgendwelche Herrschaftsansprüche, die eine beibehaltung deutscher Ortsnamen rechtfertigen würden?

hört sich nach einem Europa der Kulturen an - umso weniger nachzuvollziehen, dass Du die hiesige so drastisch beschneiden möchtest..

Was hat die deutsche Kultur denn mit nichtdeutschen Städten zu tun?

Du sprichst hier viel von Logik, jedoch lässt du dieselbe in deiner Argumentation sträfflich vermissen.

LG
Chrispy

[OT] :-D

Henrik, Montag, 15.08.2016, 00:59 (vor 3520 Tagen) @ Chrispy

das ist nun alles nicht der deutschen Sprache entsprechend, man kann es nicht so aussprechen wie es geschrieben steht, folglich würde es jedem deutschen von Natur aus schwer fallen.

Ach, so wie die deutschen Ortsnamen Soest, Buckow oder auch Schaephuysen? Gerade bei Letzterem fällt mir dann die korrekte Aussprache
deutlich schwerer als bei Hodonín.

..wo es ja auch schwer fällt.

klingt ja auch nur logisch, beweist nur, dass der Ursprung so deutsch nicht sein kann,
der erste Teil kommt aus der keltischen Sprache, das y womöglich slawischem Einfluss oder aus der französischen Zeit.
deutsch würde man es heute natürlich anders schreiben, das leuchtet jedem ein.
Die Schreibweise Soest passt nicht zur deutschen Sprache, deutet auch auf nicht-germanischen Ursprungs hin.
Buckow ist ein slawischer Ortsname - sowas ist aber recht bekannt.

Ganz ehrlich, wenn die Polen polnische Namen aussprechen können, dann können das auch die Deutschen. Wenn die Franzosen französische Namen aussprechen können, dann können das die Deutschen ja wohl auch.

warum? weil die Deutschen eh besser sind, mit der Geburt jede Sprache der Welt bestens beherrschen, was alle anderen nicht können? Wahnsinn.

den Text aus dem Zusammenhang gerissen und ad absurdum uminterpretiert

Missverständnis muss vorliegen - es blieb beim Kontext.
der zur Schau gezeigte Chauvinismus is unter aller Sau!

nicht Ein.. sondern Ausdeutschung wurde gefordert, ohne erkennbaren logischen Grund.

Naja, es sind Polnische/Tschechische Ortsnamen. Warum sollte man die nicht bei ihren offiziellen Namen nennen? Wo liegt denn da das logische problem? "Nur weil es früher mal so genannt wurde," ist kein logischer Leitsatz um den Status quo beizubehalten.

wer das privat für sich machen möchte, dem steht das doch auch frei - er wird nur mit den Konsequenzen leben müssen, eben dass ihn kaum jemand verstehen wird.
Hier wurde ein Dogmatismus vom Zaun gebrochen, die offiziellen deutschen Ortsnamen mit deutscher Aussprache fortan völlig ohne weitere logische Begründung nicht mehr zu benutzen, sondern stattdessen in der aktuell jeweiligen vorherrschenden Landessprache, die für uns Deutsche kaum auszusprechen ist.
Der logische Sinn ist vorne und hinten nicht zu erkennen.

hört sich nach einem Europa der Kulturen an - umso weniger nachzuvollziehen, dass Du die hiesige so drastisch beschneiden möchtest..

Was hat die deutsche Kultur denn mit nichtdeutschen Städten zu tun?

es ging um die deutsche Sprache, welche elementarer Bestandteil der Deutschen Kultur ist.

bei ihm ging es bislang nie um nichtdeutsche Städte,
andere Beispiele ohne deutscher Historie wurden aber auch bereits genannt, Moskau passt da auch gut rein.

[OT] :-D

J-C, In meiner Welt, Montag, 15.08.2016, 09:48 (vor 3520 Tagen) @ Henrik

das ist nun alles nicht der deutschen Sprache entsprechend, man kann es nicht so aussprechen wie es geschrieben steht, folglich würde es jedem deutschen von Natur aus schwer fallen.

Ach, so wie die deutschen Ortsnamen Soest, Buckow oder auch Schaephuysen? Gerade bei Letzterem fällt mir dann die korrekte Aussprache
deutlich schwerer als bei Hodonín.


..wo es ja auch schwer fällt.

Ist es jetzt schwer, Hodonín auszusprechen? Nur weil ein Akzent auf eine Betonung auf's i zeigt, muss es nicht unaussprechbar sein.

Ich meine, nennt's Göding, nehmt statt Breclav auch gleich Lundenburg, statt Česke Budejovice "Budweis", aber wenn man wiederum die Aussprache solcher Orte drauf hat, dann kann man ruhig auch den Ort in der jeweiligen Landessprache aussprechen. Dann weiß man auch, nach welchem Ort man zur Not einen Einheimischen fragen kann oder was fas alles für komische Orte sind, die da am Bahnhof vorkommen :-P

klingt ja auch nur logisch, beweist nur, dass der Ursprung so deutsch nicht sein kann,
der erste Teil kommt aus der keltischen Sprache, das y womöglich slawischem Einfluss oder aus der französischen Zeit.
deutsch würde man es heute natürlich anders schreiben, das leuchtet jedem ein.
Die Schreibweise Soest passt nicht zur deutschen Sprache, deutet auch auf nicht-germanischen Ursprungs hin.
Buckow ist ein slawischer Ortsname - sowas ist aber recht bekannt.

Es gibt ja auch Montabaur, Sarlouis und andere lustige Ortsnamen, die in Deutschland liegen. Was macht man mit denen? Eindeutschen? :-D

Ganz ehrlich, wenn die Polen polnische Namen aussprechen können, dann können das auch die Deutschen. Wenn die Franzosen französische Namen aussprechen können, dann können das die Deutschen ja wohl auch.

warum? weil die Deutschen eh besser sind, mit der Geburt jede Sprache der Welt bestens beherrschen, was alle anderen nicht können? Wahnsinn.

den Text aus dem Zusammenhang gerissen und ad absurdum uminterpretiert


Missverständnis muss vorliegen - es blieb beim Kontext.
der zur Schau gezeigte Chauvinismus is unter aller Sau!

Chauvinismus? Jetzt belaste mich nicht mit solchen Begriffen! Nein, es liegt keinem elitären Denken zu grunde sondern der naiven Annahme, dass jeder Mensch prinzipiell jede Sprache aussprechen kann, wenn er es denn will. Aber wenn es nicht gewollt ist, dann übersetzt man es halt in seiner eigenen Sprache, wenn man damit mehr leben kann, als sich etwa mit anderen Sprachen auseinanderzusetzen.

nicht Ein.. sondern Ausdeutschung wurde gefordert, ohne erkennbaren logischen Grund.

Naja, es sind Polnische/Tschechische Ortsnamen. Warum sollte man die nicht bei ihren offiziellen Namen nennen? Wo liegt denn da das logische problem? "Nur weil es früher mal so genannt wurde," ist kein logischer Leitsatz um den Status quo beizubehalten.


wer das privat für sich machen möchte, dem steht das doch auch frei - er wird nur mit den Konsequenzen leben müssen, eben dass ihn kaum jemand verstehen wird.
Hier wurde ein Dogmatismus vom Zaun gebrochen, die offiziellen deutschen Ortsnamen mit deutscher Aussprache fortan völlig ohne weitere logische Begründung nicht mehr zu benutzen, sondern stattdessen in der aktuell jeweiligen vorherrschenden Landessprache, die für uns Deutsche kaum auszusprechen ist.
Der logische Sinn ist vorne und hinten nicht zu erkennen.

Ich habe vor allem hinterfragt, wieso man auf Biegen und Brechen alles auf Deutsch aussprechen will. Jetzt bin ich zur Erkenntnis gelangt, dass es an der Faulheit liegt, sich mit anderen Sprachen zu befassen. Wenigstens mit der Sprache der Nachbarländer sollte man etwas anfangen können. Da macht uns die Bahn auch mal wieder was vor. Also meistens, die Ungaren verwenden statt Wien noch heute Becs.

Wenn ich hingegen in Breclav (okey, ich war auch faul und hab den Akzent nicht eingefügt ^^) nun beispielsweise die Ansage für den EC nach Budapest höre, dann sagt man gleich "Budapest keleti paliaudvar", korrekt auf ungarisch ausgesprochen. Auf der anderen Seite der Thaya tun die Wiener Ansagen es mit der digitalisierten Stimme von Chris Lohner ja genauso... komisch, wo die Ansagen in Tschechien nur auf Tschechisch, englisch und manchmal noch deutsch laufen. Aber nicht auf ungarisch.

Und ungarisch ist eher nicht so die typische slawische Sprache, wo es doch eine Mischung aus dem Finnischen und Mongolischen ist...

hört sich nach einem Europa der Kulturen an - umso weniger nachzuvollziehen, dass Du die hiesige so drastisch beschneiden möchtest..

Was hat die deutsche Kultur denn mit nichtdeutschen Städten zu tun?


es ging um die deutsche Sprache, welche elementarer Bestandteil der Deutschen Kultur ist.

bei ihm ging es bislang nie um nichtdeutsche Städte,
andere Beispiele ohne deutscher Historie wurden aber auch bereits genannt, Moskau passt da auch gut rein.

Wenn es jetzt so schwer ist, Moskva richtig auszusprechen...

Scheint so, als ob die Mehrheit der Deutschen ausschließlich Deutsch und vielleicht etwas Englisch lernte, sodass er es noch hinkriegt "Sänk ju for Träwelling wis sö Deutsche Bahn" zu sagen...

Okey, das war jetzt überspitzt ausgedrückt und ich denke auch, dass es in der Sache an sich kein Richtig und kein Falsch gibt, ja richtig, das sag ich einfach so, nachdem ich zuerst der Meinung war, dass es vielleicht besser ist, man spricht einen Ort gleich in der jeweiligen Landessprache aus...

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

[OT] :-D

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Montag, 15.08.2016, 10:04 (vor 3520 Tagen) @ J-C

Scheint so, als ob die Mehrheit der Deutschen ausschließlich Deutsch und vielleicht etwas Englisch lernte, sodass er es noch hinkriegt "Sänk ju for Träwelling wis sö Deutsche Bahn" zu sagen...

Scheint nicht nur so, ist so. Englisch als erste Fremdsprache nimmt man noch mit, die zweite Fremdsprache quält man sich eben ein paar Jahre durch (4 Jahre Russisch, und außer dem kyrillischen Alphabet it nichts hängen geblieben), und dss wars. Grenznah eignet man sich vielleicht noch die Sprache des angrenzenden Nachbarlands an (auch wenn Frankfurt mit Offenbach direkt ans Ausland grenzt, spricht man östlich der A661 auch noch deutsch - irgendwie zumindest, von daher entfällt das bei mir). Alles andere sind doch eher Ausnahmen. (Personen, die aufgrund ihrer familiären Struktur mehrsprachig aufwachsen mal außen vor gelassen.)

Abgesehen von zwei echten Sprachen nur diverse Programmiersprachen beherrschende Grüße,
der Colaholiker

--
[image]

Was willst du bei Montabaur und Saarlouis eindeutschen?

ALR997, Montag, 15.08.2016, 11:59 (vor 3520 Tagen) @ J-C

Saarlouis mit zwei a, wegen der Saar. Falls das nur ein Tippfehler war muss ich dich natürlich nicht drauf hinweisen ^^

Aber wo du meinen absoluten Lieblingsort Montabaur schon erwähnst, viel Deutscher geht es kaum, wenn man bedenkt dass der Name beinah so gesprochen wie geschrieben wird. Lediglich zwischen u und r kommt noch ein klitzekleines, fast unhörbares e. Zumindest wäre das mein Vorschlag zur Aussprache.

Marcel hat sicher noch eine bessere Aussprache drauf (mir käme da sowas wie Mondebauer in den Sinn ^^).

Meinst du Marcell D'Avis? ^^

J-C, In meiner Welt, Montag, 15.08.2016, 12:02 (vor 3520 Tagen) @ ALR997
bearbeitet von J-C, Montag, 15.08.2016, 12:02

"Seit sechzehn Jahren arbeite isch bei 1&1!"

Das hört sich für mich nach einem französischen Akzent an. Als ich zuerst von Montabaur las, dachte ich, das läge schon in Frankreich und nicht etwa im Westerwald ^^

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Meinst du Marcell D'Avis? Nö! ^^

ALR997, Montag, 15.08.2016, 12:12 (vor 3520 Tagen) @ J-C

Tatsächlich meine ich einen gewissen ICE der zwischen Darmstadt, Paderborn und München sein Unwesen treibt und auch auf den Namen Marcel hört ;-)

Aaaach, den, mit dem ich zusammen mit Breisgauer S-Bahn...

J-C, In meiner Welt, Montag, 15.08.2016, 12:22 (vor 3520 Tagen) @ ALR997

von Ostrava nach Breclav gefahren bin und mit dem man sich so prächtig über Seminarkoffer unterhalten kann ^^

Weil ich Montabaur sofort mit Marcell D'Avis in Verbindung brachte, dachte ich zuerst an jenen Leiter für Querschnitt von der 1&1-Internet AG ;-)

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Tief im Westerwald

462 001, Taunus, Montag, 15.08.2016, 12:16 (vor 3520 Tagen) @ J-C
bearbeitet von 462 001, Montag, 15.08.2016, 12:20

"Seit sechzehn Jahren arbeite isch bei 1&1!"

Den gibt's immer noch?

Das hört sich für mich nach einem französischen Akzent an. Als ich zuerst von Montabaur las, dachte ich, das läge schon in Frankreich und nicht etwa im Westerwald ^^

Er hat mich gemeint;-)

Und die Aussprache ist so ne Sache, es fehlt halt ein e^^

In der nähe gibt's übrigens auch den Ort Katzenelnbogen, fehlende Buchstaben scheinen in Rheinland-Pfalz wohl Standart zu sein.

--
Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1619
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Stand: 20.02.2026

amtl. Liste Ausgewählte Exonyme der deutschen Sprache

Henrik, Montag, 15.08.2016, 22:46 (vor 3519 Tagen) @ J-C

vorweg..

Exonym: In einer bestimmten Sprache verwendeter Name für ein topographisches Objekt, das außerhalb des Gebiets liegt, in dem diese Sprache offiziellen Status hat. Beispiele: Mailand ist das deutsche Exonym für Milano, Aix-la-Chapelle ist das französische Exonym für Aachen.

Endonym: Der Name, der in dem Gebiet verwendet wird, in dem sich das bezeichnete Objekt befindet. Beispiele: Milano und Aachen sind Endonyme.

das ist nun alles nicht der deutschen Sprache entsprechend, man kann es nicht so aussprechen wie es geschrieben steht, folglich würde es jedem deutschen von Natur aus schwer fallen.

Ach, so wie die deutschen Ortsnamen Soest, Buckow oder auch Schaephuysen? Gerade bei Letzterem fällt mir dann die korrekte Aussprache
deutlich schwerer als bei Hodonín.

..wo es ja auch schwer fällt.

Ist es jetzt schwer, Hodonín auszusprechen? Nur weil ein Akzent auf eine Betonung auf's i zeigt, muss es nicht unaussprechbar sein.

das Endonym muss ja nich gleich entsprechend unaussprechbar sein, schwieriger ist es schon.

Ich meine, nennt's Göding, nehmt statt Breclav auch gleich Lundenburg, statt Česke Budejovice "Budweis", aber wenn man wiederum die Aussprache solcher Orte drauf hat, dann kann man ruhig auch den Ort in der jeweiligen Landessprache aussprechen. Dann weiß man auch, nach welchem Ort man zur Not einen Einheimischen fragen kann oder was das alles für komische Orte sind, die da am Bahnhof vorkommen

klar, natürlich.

klingt ja auch nur logisch, beweist nur, dass der Ursprung so deutsch nicht sein kann,
der erste Teil kommt aus der keltischen Sprache, das y womöglich slawischem Einfluss oder aus der französischen Zeit.
deutsch würde man es heute natürlich anders schreiben, das leuchtet jedem ein.
Die Schreibweise Soest passt nicht zur deutschen Sprache, deutet auch auf nicht-germanischen Ursprungs hin.
Buckow ist ein slawischer Ortsname - sowas ist aber recht bekannt.

Es gibt ja auch Montabaur, Saarlouis und andere lustige Ortsnamen, die in Deutschland liegen. Was macht man mit denen? Eindeutschen? :-D

eine Veränderung fand bei diesen Namen ja bereits statt
und noch viel mehr bei sehr viel anderen Orten.

der naiven Annahme, dass jeder Mensch prinzipiell jede Sprache aussprechen kann, wenn er es denn will. Aber wenn es nicht gewollt ist, dann übersetzt man es halt in seiner eigenen Sprache, wenn man damit mehr leben kann, als sich etwa mit anderen Sprachen auseinanderzusetzen.

nun, hinsichtlich Freiheit des Willens würd es wirklich philosophisch werden,
zum einen sind die Talente unterschiedlich, dann zudem die ersten Lebensjahre, die Schulbildung, die entsprechenden Reisen etc.
Eine Übersetzung ist halt nicht nötig, da die deutschen Exonyme bereits vorhanden & größtenteils bekannt sind.
Ansonsten ja, da macht sich kaum jemand n Kopf drüber und spricht dann auch französische Namen so aus wie sie geschrieben sind.

nicht Ein.. sondern Ausdeutschung wurde gefordert, ohne erkennbaren logischen Grund.

Naja, es sind Polnische/Tschechische Ortsnamen. Warum sollte man die nicht bei ihren offiziellen Namen nennen? Wo liegt denn da das logische problem? "Nur weil es früher mal so genannt wurde," ist kein logischer Leitsatz um den Status quo beizubehalten.

wer das privat für sich machen möchte, dem steht das doch auch frei - er wird nur mit den Konsequenzen leben müssen, eben dass ihn kaum jemand verstehen wird.
Hier wurde ein Dogmatismus vom Zaun gebrochen, die offiziellen deutschen Ortsnamen mit deutscher Aussprache fortan völlig ohne weitere logische Begründung nicht mehr zu benutzen, sondern stattdessen in der aktuell jeweiligen vorherrschenden Landessprache, die für uns Deutsche kaum auszusprechen ist.
Der logische Sinn ist vorne und hinten nicht zu erkennen.

Ich habe vor allem hinterfragt, wieso man auf Biegen und Brechen alles auf Deutsch aussprechen will. Jetzt bin ich zur Erkenntnis gelangt, dass es an der Faulheit liegt, sich mit anderen Sprachen zu befassen. Wenigstens mit der Sprache der Nachbarländer sollte man etwas anfangen können.

die deutschen Exonyme werden nicht auf Biegen und Brechen benutzt, sondern sind Bestandteil der Deutschen Sprache, es ist einfach nur natürlich, menschlich, diese zu nutzen.
Der Begriff Faulheit greift da nich so recht.
Wieviele Fremdsprachen werden rund um den deutschen Sprachraum gesprochen?
mit den allen was anfangen können, Grundzüge der Aussprache beherrschen können?
wieso nich noch chinesisch, spanisch & portugiesisch dazu? ;)

Und ungarisch ist eher nicht so die typische slawische Sprache, wo es doch eine Mischung aus dem Finnischen und Mongolischen ist...

https://de.wikipedia.org/wiki/Uralische_Sprachen

vs.

https://de.wikipedia.org/wiki/Indogermanische_Sprachen

Ein hypothetischer Stammbaum der indogermanischen Sprachen
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4f/IndoEuropeanTree.svg

hört sich nach einem Europa der Kulturen an - umso weniger nachzuvollziehen, dass Du die hiesige so drastisch beschneiden möchtest..

Was hat die deutsche Kultur denn mit nichtdeutschen Städten zu tun?

es ging um die deutsche Sprache, welche elementarer Bestandteil der Deutschen Kultur ist.

bei ihm ging es bislang nie um nichtdeutsche Städte,
andere Beispiele ohne deutscher Historie wurden aber auch bereits genannt, Moskau passt da auch gut rein.

Wenn es jetzt so schwer ist, Moskva richtig auszusprechen...

ach.... hätte einen Russen heute mal fragen können,
zumindest liegt Moskau deutlich näher

Scheint so, als ob die Mehrheit der Deutschen ausschließlich Deutsch und vielleicht etwas Englisch lernte

ja..

und sind damit ja auch noch recht gut bedient.

Okey, das war jetzt überspitzt ausgedrückt und ich denke auch, dass es in der Sache an sich kein Richtig und kein Falsch gibt, ja richtig, das sag ich einfach so, nachdem ich zuerst der Meinung war, dass es vielleicht besser ist, man spricht einen Ort gleich in der jeweiligen Landessprache aus...

In Deutschland gibt es keine gesetzlich verbindliche Regelung, durch die bei nichtamtlichem, privatem Gebrauch die Schreibweise oder Verwendung von ausländischen geographischen Namen vorgeschrieben oder verboten wird. Im amtlichen Bereich betrifft das lediglich die Schreibweisen der Staatennamen, Hauptstädte und Dienstorte deutscher Auslandsvertretungen, die vom Auswärtigen Amt festgelegt werden.

die Vereinten Nationen weisen darauf hin, dass Exonyme als Teil des geographischen Namengutes der jeweiligen Muttersprache angehören und als unverzichtbare Elemente der Verständigung unter den diese Sprache sprechenden Menschen dienen. Exonyme finden ihre Anknüpfung und ihren Bezug deshalb nicht allein im ausländischen Objekt und dessen amtlicher Bezeichnung, sondern auch im Bildungsgut und im Geschichtsverständnis der eigenen inländischen Sprachgemeinschaft. Für die Beschäftigung mit fremden Ländern schaffen Exonyme somit eine eigensprachliche Beziehung und sind deshalb zur eindeutigen Kennzeichnung sinnvoll und teilweise notwendig. Besonders in fortlaufenden Texten bieten Exonyme den Vorteil, dass sie und ihre Ableitungen besser in die morpho-syntaktischen Strukturen der jeweiligen Sprache passen als Endonyme.


Ausgewählte Exonyme der deutschen Sprache Deutsche Namen und ihre phonetische Umschriftung für geographische Objekte in Ländern oder Gebieten ohne deutsche Amtssprache
http://www.stagn.de/SharedDocs/Downloads/DE/StAGN_Publikationen/020809%20EXOLISTE.pdf.p...
pdf - 1,1 MB - 40 Seiten

von
http://www.stagn.de/DE/Service/Downloads/downloads_node.html

dort finden sich auch einige Städtenamen aus Polen und Tschechien.

bei der Liste wurde versucht, vor allem solche Exonyme zu erfassen, die sich aufgrund ihrer geschichtlichen, politischen, kulturhistorischen und geographischen Bedeutung in der deutschen Sprache als gängige Bestandteile eingebürgert haben.

Dem StAGN gehören Mitglieder aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und anderen deutschsprachigen Regionen an. Sie repräsentieren die Fachbereiche Kartographie, Topographie, Geographie und Linguistik aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis. Die Geschäftsstelle des StAGN befindet sich im Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG), einer Behörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern, von dem dieser Ausschuss eingerichtet wurde.

Ständiger Ausschuss für Geographische Namen (StAGN)
http://www.stagn.de/

Städtenamen auf deutsch und anderen Sprachen

lokuloi, Sonntag, 14.08.2016, 23:30 (vor 3520 Tagen) @ J-C

Vorneweg. Prinzipiell bin ich ja gar nicht so sehr anderer Meinung als Du. Prinzipiell schon in Landessprache, aber nicht so unter Zwang. Du siehst mir da manches doch zu dogmatisch.

Szczeczin, Gdansk, Kraków und Wrocław lassen sich recht leicht aussprechen, wenn man es nur will... und wenn es schwer fällt, Wikipedia lässt die korrekte Aussprache leicht erlernen.

Zumal man damit auch den Horizont erweitert, wenn man sich ein wenig sich mit den Sprachen, die in den jeweiligen Ländern gesprochen werden, auseinandersetzt. Und nicht alles auf Biegen und Brechen eindeutscht. Ich mag beispielsweise lieber Hodonín sagen als... Göding. Ganz ehrlich, wer kam darauf, "Göding" als Übersetzung zu nehmen?


Das sind ja keine Eindeutschungen. Die von Dir genannten Städte haben schon seit langer, langer Zeit einen deutschen (germanischen) und einen slawischen Namen. Da ist keiner eingedeutscht, oder eingeslawischt, es gibt halt beide Namen.

Es ist eben so, dass der Übergangsbereich zwischen slawischen und germanischen "Stämmen" lange von beiden Gruppen bevölkert wurde, und beide hatten ihre Bezeichnungen für Orte und Städte.

Stettin z.B. ist aus verschiedenen z.T. deutschen z,T. polnischen Siedlungen entstanden -> https://de.wikipedia.org/wiki/Stettin#Geschichte

Die Polen, die ich kenne, nutzen z.B., wenn sie deutsch sprechen, die deutschen Namen. Wieso auch nicht?


Oder Brno. Das hört sich irgendwie schöner an als Brünn.

Praha... das hat etwas weitläufiges, etwas einladendes, bei Prag ist hingegen sehr schnell Schluss.

Trotzdem haben es die deutschsprachigen Einwohner Prags seit jeher Prag genannt. Und vermutlich haben es auch die Tschechisch-Muttersprachler Prag genannt, wenn sie deutsch sprachen / sprechen mussten.

Es ist eben anders, als z.B. bei dem von dir ins Spiel gebrachten New York, das in dem Sinne nie einen ursprünglich deutschen Namen hatte. Trotzdem wirst du auch hier genügend Veröffentlichungen von vor 100 Jahren finden, in denen eingedeutscht von "Neu York" die Rede ist. Das macht heute zurecht keiner mehr. Und velleicht sagt in 100 Jahren auch keiner mehr Prag, wer weiß.


Ganz ehrlich, wenn die Polen polnische Namen aussprechen können, dann können das auch die Deutschen. Wenn die Franzosen französische Namen aussprechen können, dann können das die Deutschen ja wohl auch.

Können, ja. Müssen, nein. Auch meine Heimatstadt sprechen die wenigsten korrekt wie die Eingeborenen aus. Dabei sollte "Minga" auch problemlos über preussische Lippen kommen. München hingegen ist für viele nicht so einfach. Aber wir wissen hier ja was mit Munich oder Monaco (d.B.) gemeint ist. Wo ist's Problem? Im Gegenteil: spreche ich englisch oder italienisch würde ich nie "München" sagen.


Vielleicht liegt das auch an mir, ich bin halt ein ziemlich europäischer Mensch, aufgewachsen in Deutschland, umgezogen nach Tschechien, studieren werdend in Wien und dabei auch noch die Romandie der Schweiz liebend... ich fühle mich persönlich so gar nicht deutsch, eher europäisch. Und als Europäer hat Deutsch für mich nunmal kein Sprachmonopol.


Eben. Aber auch die anderen Sprachen nicht. Gerade Osteuropa war über Jahrhunderte gemischt bevölkert, wo in einer Stadt verschiedene Kulturen nebeneinander lebten und ihre eigenen Namen hatten. Gerade das ist Vielfalt. Städte können eben mehrer Namen haben. Das sieht man gerade da, wo das Zusammenleben verschiedener Sprachen mehr oder weniger gut funktioniert.

Oder was ist aus Deiner Sicht der "korrekte" zu benutzende Name von:

Bozen, Meran, San Candido, Disentis, St. Moritz, Genf, Biel, Brüssel, Hoyerswerda, Weißwasser oder Flensborg.

beliebig fortsetzbar...


Aber ich denke, das ist zu viel Philosophie. Ich mag einfach die Ortschaften am liebsten in der Landessprache aussprechen, da kann ich auch meinen Horizont erweitern.

Das ist kein Problem. Aber oft gibt es auch einfach nicht _die_ Landessprache. Gerade in Polen und Tschechien war das lange der Fall und natürlich halten sich dann die die traditionellen deutschen Namen, vor allem wenn die einheimischen nur schwer auszusprechen und vor allem zu merken sind. Alles nicht so tragisch.

Ciao,
Uli

Ein multikulturell sensibler Brite sagt nicht "Munich",

maxiboy, IBNR: 7006966, Montag, 15.08.2016, 01:17 (vor 3520 Tagen) @ lokuloi

sondern "Munken".

Das kommt aber auch nur geringfügig näher an "München" heran.
Schönheit ist immer eine Sache des Betrachters.

Mir fiel gerade auf...

J-C, In meiner Welt, Montag, 15.08.2016, 10:52 (vor 3520 Tagen) @ lokuloi
bearbeitet von J-C, Montag, 15.08.2016, 10:55

...erstmal habe ich die Diskussion um die Verwendung deutscher Bezeichnungen für ausländische Ortsnamen gar nicht angefangen, was mich gerade ziemlich überrascht und zweitens habe ich mit meinem Einwand am Anfang vor allem gesagt, dass es doch irgendwie schöner ist, einen tschechischen Ortsnamen auf Tschechisch zu sagen, weil nach meiner Meinung die Eindeutschungen mir zu platt sind. Und nicht gesagt, dass man gefälligst alles in der entsprechenden Landessprache zu sagen hätte.

Wobei es dann auch so ist, dass die tschechische Aussprache leichter zu erlernen ist als beispielsweise die polnische. Gerade geschaut, wie die polnische Aussprache so ist, da fällt mir auch auf, dass es dann doch etwas schwieriger ist als tschechisch.

Da ich persönlich ja nicht forderte, ausschließlich die Landessprache zu verwenden bei ausländischen Orten, sondern ja sagte, dass es schöner wäre, man würde die Orte in deren Landessprache verwenden, wodurch ich geschickt aus dem Schneider bin ^^, jedenfalls daher und weil ich mich auch selber erwische, aus Gewohnheit die Namen in der Eindeutschung zu verwenden, zum Beispiel bei Prag oder Warschau... oder Danzig, denke ich, ist es besser, ich sage nochmal klipp und klar, dass es jedem selbst überlassen wäre,wo es in der Relation eh kein richtig und kein falsch gibt. Wie gesagt.

Ich habe nämlich keine Lust, mich da noch reinzusteigern, lieber gebe ich zu, dass ich da auf dem Holzweg war in gewisser Weise. Da sage ich lieber "Asche über mein Haupt", als dass es noch absurder wird.

Wenn jemand wie du es also partout nicht hinkriegt, einen ausländischen Namen korrekt auszusprechen, dann ist die deutsche Bezeichnung tatsächlich besser, wenngleich ich immer noch der Meinung bin, dass man sich wenigstens bemühen kann, die ausländische Sprache korrekt zu beherrschen. Vielleicht bin ich so undeutsch, dass mir das recht schnell gelingt, es ist für mich nur eine Sache des Lernens. Am Ende läuft es bei mir genauso wie bei dir, mit dem Unterschied, dass ich zumindest aufgrund meiner Wurzeln die tschechische Aussprache beherrsche.

Zumindest sagt man mir das, wenn ich zum Beispiel am Fahrkartenschalter (Jaa, in tschechischen Bahnhöfen werden Fahrkarten hauptsächtlich noch am Schalter von Menschen verkauft, nur größere Bahnhöfe besitzen einen Fahrkartenautomaten) bei komplizierteren Buchungen ins Straucheln komme mit meinem Tschechisch und die Dame am Schalter mir dann bemerkt, dass ich immerhin gut Tschechisch spreche, wobei damit wohl die Aussprache gemeint ist.

Da bin ich halt wohl etwas voreingenommen, auch im Französischen beherrsche ich die Aussprache... wenngleich mir die Franzosen nach wie vor viel zu schnell sprechen :S

Ich dachte mir halt mit dem Beitrag, ob es nicht etwas wäre, wenn man als Europäer auch sich mit den so vielfältigen Sprachen zumindest bei Ortsnamen befasst und dabei seinen Horizont erweitert.

Ich würde es mir wünschen, wenn Sprachen in Zukunft eine größere Rolle im Schulunterricht spielen würden, wenn ich zum Beispiel daran denke, dass der Französisch-Unterricht in meiner damaligen Schule immer unpraktischer von der Planung her wird...

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Mir fiel gerade auf...

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Montag, 15.08.2016, 10:56 (vor 3520 Tagen) @ J-C

Zumindest sagt man mir das, wenn ich zum Beispiel am Fahrkartenschalter (Jaa, in tschechischen Bahnhöfen werden Fahrkarten hauptsächtlich noch am Schalter von Menschen verkauft, nur größere Bahnhöfe besitzen einen Fahrkartenautomaten) bei komplizierteren Buchungen ins Straucheln komme mit meinem Tschechisch und die Dame am Schalter mir dann bemerkt, dass ich immerhin gut Tschechisch spreche, wobei damit wohl die Aussprache gemeint ist.

Da bin ich halt wohl etwas voreingenommen, auch im Französischen beherrsche ich die Aussprache... wenngleich mir die Franzosen nach wie vor viel zu schnell sprechen :S

Tja, wenn Du so sprachbegabt bist... das ist halt nicht jeder. Ich habe schon ziemlich erfolglos versucht, die eine odere andere Sprache zu lernen. Aber mehr als Deutsch und Englisch geht in meinen Kopf einfach nicht rein.

Talentfreie Grüße,
der Colaholiker

--
[image]

Mir fiel gerade auf...

J-C, In meiner Welt, Montag, 15.08.2016, 10:58 (vor 3520 Tagen) @ Colaholiker

Zumindest sagt man mir das, wenn ich zum Beispiel am Fahrkartenschalter (Jaa, in tschechischen Bahnhöfen werden Fahrkarten hauptsächtlich noch am Schalter von Menschen verkauft, nur größere Bahnhöfe besitzen einen Fahrkartenautomaten) bei komplizierteren Buchungen ins Straucheln komme mit meinem Tschechisch und die Dame am Schalter mir dann bemerkt, dass ich immerhin gut Tschechisch spreche, wobei damit wohl die Aussprache gemeint ist.

Da bin ich halt wohl etwas voreingenommen, auch im Französischen beherrsche ich die Aussprache... wenngleich mir die Franzosen nach wie vor viel zu schnell sprechen :S


Tja, wenn Du so sprachbegabt bist... das ist halt nicht jeder. Ich habe schon ziemlich erfolglos versucht, die eine odere andere Sprache zu lernen. Aber mehr als Deutsch und Englisch geht in meinen Kopf einfach nicht rein.

Ja das merke ich auch gerade. Schade eigentlich, wäre es nicht eine schöne Sache, dass man ein wenig sich mit der Sprache der Nachbarländer auskennt? Das können mitunter ganz schöne Sprachen sein, da habe ich noch Magyar (die ungarische Sprache) ganz gut in Erinnerung.

Talentfreie Grüße,
der Colaholiker

Vielleicht hast du anderswo umso mehr Talente? Zum Beispiel beim Grüßen? ;-)

Gruß

Jan-Christian

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Lüg nicht.

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Montag, 15.08.2016, 08:49 (vor 3520 Tagen) @ J-C

Szczeczin, Gdansk, Kraków und Wrocław lassen sich recht leicht aussprechen, wenn man es nur will... und wenn es schwer fällt, Wikipedia lässt die korrekte Aussprache leicht erlernen.

Falls a) eine gesprochene Version hinterlegt ist und b) man an einem Computer mit der Möglichkeit zur Ausgabe von Tönen sitzt. a) ist manchmal, jedoch nicht immer der Fall (und selbst dann weiß man nicht, ob die Information richtig ist, wie so oft in der Wikipedia), und b) zumindest bei mir hier im Büro nicht. Die eingebaute Soundkarte ist seitens der Administratoren deaktiviert.

Dir daher widersprechende Grüße,
der Colaholiker

--
[image]

Wie verklemmt muss man eigentlich sein?

462 001, Taunus, Sonntag, 14.08.2016, 21:19 (vor 3520 Tagen) @ Destear

Keine Ahnung. Wahrscheinlich aus ähnlichem Grund, aus dem man bei polnischen Städten immer noch an deutschen Namen festhält. Bestenfalls und höchstwahrscheinlich schlechte Angewohnheiten.

..oder mindestens gute Angewohnheiten,
denn die deutschen sind offizielle Städtenamen

Daran, dass das "offizielle" Städtenamen sein sollen, habe ich erhebliche Zweifel. Woraus soll sich die Offizialität der deutschen Bezeichnungen ergeben?

?

und hier die Aussprache.
Kein Deutscher würde normal die Städte Danzig, Breslau und Stettin polnisch aussprechen können, geschweige denn wollen - wozu?
Das hat nichts damit zu tun, dass sie vor kurzem noch deutsch waren.

Das ist zwar grundsätzlich richtig, aber bedauerlicherweise verkennst du den historischen Hintergrund. Das halte ich dann in der Tat entweder für eine schlechte Angewohnheit, man könnte es auch Ignoranz nennen. Es ist jedoch nicht sinnvoll, darüber zu spekulieren, welche Gründe das hat.

Wie kommst du auf so einen Quatsch?

Wenn es offzielle Übersetzungen gibt, können diese auch genutzt werden! Oder hast du auch ein Problem damit wenn jemand Florenz statt Firenze oder Peking statt Beijing(北京) sagt?

Ich weiß nicht was dein Problem ist, aber ich glaub es ist ein komisches.

By the way: Berichtigst du Ausländer wenn die z.B. Cologne oder Francoforte sagen? Denn nach deinen Verständnis müssten diese Städte auch nur auf deutsch ausgesprochen werden.

--
Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1619
- Euro. Ausland: 717

Stand: 20.02.2026

Freundliche Antwort

Destear, Berlin, Montag, 15.08.2016, 07:56 (vor 3520 Tagen) @ 462 001

Keine Ahnung. Wahrscheinlich aus ähnlichem Grund, aus dem man bei polnischen Städten immer noch an deutschen Namen festhält. Bestenfalls und höchstwahrscheinlich schlechte Angewohnheiten.

..oder mindestens gute Angewohnheiten,
denn die deutschen sind offizielle Städtenamen

Daran, dass das "offizielle" Städtenamen sein sollen, habe ich erhebliche Zweifel. Woraus soll sich die Offizialität der deutschen Bezeichnungen ergeben?

?

und hier die Aussprache.
Kein Deutscher würde normal die Städte Danzig, Breslau und Stettin polnisch aussprechen können, geschweige denn wollen - wozu?
Das hat nichts damit zu tun, dass sie vor kurzem noch deutsch waren.

Das ist zwar grundsätzlich richtig, aber bedauerlicherweise verkennst du den historischen Hintergrund. Das halte ich dann in der Tat entweder für eine schlechte Angewohnheit, man könnte es auch Ignoranz nennen. Es ist jedoch nicht sinnvoll, darüber zu spekulieren, welche Gründe das hat.

Wie kommst du auf so einen Quatsch?

Wenn es offzielle Übersetzungen gibt, können diese auch genutzt werden! Oder hast du auch ein Problem damit wenn jemand Florenz statt Firenze oder Peking statt Beijing(北京) sagt?

Ich weiß nicht was dein Problem ist, aber ich glaub es ist ein komisches.

By the way: Berichtigst du Ausländer wenn die z.B. Cologne oder Francoforte sagen? Denn nach deinen Verständnis müssten diese Städte auch nur auf deutsch ausgesprochen werden.

Hallo Marcel!

Da ist wohl einiges durcheinandergekommen. Wie ich an vielen Stellen sagte, ist es insgesamt nicht allzu problematisch, wenn man die polnischen Städtenamen eindeutscht. Eingangs sagte ich ja, dass das häufig nur Gewohnheit sein wird und bei einigen Ortsnamen gegebenenfalls auch mit schwerer Aussprache zu begründen ist (obwohl ich das für semi-valide halte, es ist nicht so schwer und wohl eher Faulheit, aber von mir aus legitim). Es ist jedoch mehr als nur wünschenswert, wenn man sich das mindestens in der neueren Geschichte schwierige Verhältnis zwischen Polen und Deutschland klarmacht und bezogen auf die verschiedenen Formen der Städtenamen eine entsprechende Reflektionsleistung erbringt. Du hast ja nun den Beitrag von mir zitiert, der eine Antwort auf eine eben solche Totalverweigerung war. In anderen Beiträgen wurde das sogar noch wesentlich besser zur Sprache gebracht.

Ansonsten zeigt dieser Beitragsbaum - es wurde ja doch recht rege und auch kontrovers darüber diskutiert - dass das ein Thema ist, dass nun doch nicht einfach an allen Menschen vorbeigeht. Insofern ist es wohl auch mit der von dir unterstellten "Verklemmtheit" nicht so weit her.

Vielleicht denkst du ja mal drüber nach, das wäre ein erster Schritt.

Ich wünsche einen angenehmen Einstieg in die neue Woche!

Tschechien =/= Tschechei!

Silver, Sonntag, 14.08.2016, 19:51 (vor 3521 Tagen) @ Destear

Keine Ahnung. Wahrscheinlich aus ähnlichem Grund, aus dem man bei polnischen Städten immer noch an deutschen Namen festhält. Bestenfalls und höchstwahrscheinlich schlechte Angewohnheiten.

Ist es nicht vielmehr so, dass eigentlich alle geographischen Bezeichnungen der Übersetzung unterliegen? Fluss-, Berg-, Ländernamen werden übersetzt und niemand würde dies als schlechte Angewohnheit bezeichnen. Weshalb also soll dies bei Ortsnamen anders sein?

New York City, L.A., ...

Paladin, Hansestadt Rostock / Güstrow, Sonntag, 14.08.2016, 20:30 (vor 3521 Tagen) @ Silver

- kein Text -

Und jetzt?

Silver, Sonntag, 14.08.2016, 20:37 (vor 3521 Tagen) @ Paladin

- kein Text -

Wieso wurde keine englische Stadt eingedeutscht?

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 20:50 (vor 3521 Tagen) @ Silver
bearbeitet von J-C, Sonntag, 14.08.2016, 20:51

Wieso sagen wir nicht Neu-Jork zum Beispiel? :-P

Komisch, wenn man eine Weltsprache hat, kann man urplötzlich auch englische Orte korrekt aussprechen.

Wenn man das kann, kann man dann auch französische Orte genauso aussprechen ;-)

Ou tu ne veux pas parler français? ;-)

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Was beweist das?

Silver, Sonntag, 14.08.2016, 21:01 (vor 3521 Tagen) @ J-C

Es bleibt dabei, geographische Bezeichnungen unterliegen der Übersetzung. Dass es hierbei keine Vollständigkeit gibt, bedeutet nicht, dass die Übersetzung falsch ist.

geographisches To­hu­wa­bo­hu

ktmb, Sonntag, 14.08.2016, 21:07 (vor 3520 Tagen) @ J-C
bearbeitet von ktmb, Sonntag, 14.08.2016, 21:12

Bin jetzt verwirrt. Heißt es nun Australien oder Australien?
Indien oder Tschenstochau? Eine andere polnische Stadt hat es leider in der deutschen Aussprache des Ortes in die Weltgeschichte geschafft.
Herzliche Grüße

Wieso wurde keine englische Stadt eingedeutscht?

ffz, Sonntag, 14.08.2016, 21:19 (vor 3520 Tagen) @ J-C

Wieso London wird doch deutsch ausgesprochen, mit London gesprochen wie geschrieben kann ein Brite nicht wirklich etwas anfangen, korrekt ausgesprochen wird der Ort "landn" genau so sagt man im deutschen worcester sauce, so wie es geschriben wird, im englischen heißt das "wustr".

Phoenix,Dallas,London, Leicester,Edinburgh, Waterloo, Nantes

Henrik, Sonntag, 14.08.2016, 21:54 (vor 3520 Tagen) @ J-C

Wieso sagen wir nicht Neu-Jork zum Beispiel? :-P

Komisch, wenn man eine Weltsprache hat, kann man urplötzlich auch englische Orte korrekt aussprechen.

na, ..wie schauts denn aus mit der Finanzmetropole Europas, der Hauptstadt Englands,
wie wird die Stadt hierzulande ausgesprochen, wie vor Ort?

Bei Edinburgh hab ich ebenso meine Zweifel, wie auch beim amtierenden Meister der Premier League, zumindest bis Beginn der vorherigen Saison.

Wenn man das kann, kann man dann auch französische Orte genauso aussprechen ;-)

PAris, Nizza, Straßburg,

oder
Lille, Bordeaux, Marseille, Lyon, Toulouse, Montpellier, Nantes?

..zumindest bei letzterem eh fraglich.

und dann frag mal die Leute, sie mögen Waterloo aussprechen! :D

--

spanisch- wie auch portugiesisch-sprachige Städte?
..letzteres ja in diesen Tagen stets Top1-News in den Nachrichten.

Wurden sie doch auch, lagen jedoch auch zu weit weg.

ICETreffErfurt, Eisenach, Montag, 15.08.2016, 08:13 (vor 3520 Tagen) @ J-C
bearbeitet von ICETreffErfurt, Montag, 15.08.2016, 08:16

In der Weimarer Republik gab es noch Zeitungen, die "Neu York" geschrieben haben.

Außerdem kommen die Eindeutschungen vor allem durch die Händler zustande. Bei ihrer Rückkehr haben sie zum Erzählen ihrer Reiseabenteuer dann eingedeutschte Namen verwendet, die der gemeine Mann auf der Straße aus verstanden hat. Aus dem Grund haben meistens nur die großen Metropolen oder Städte der deutschen Nachbarländer eine deutsche Bezeichnung. Denn die meisten Eindeutschungen stammen noch aus einer Zeit vor der Eisenbahn und zu einer Zeit als 2/3 der deutschen Bevölkerung noch Analphabeten waren.

Seit dem späten 19. Jahrhundert und der allgemeinen Alphabetisierung der deutschen Bevölkerung wird eigentlich kaum noch eine geografische Bezeichnung eingedeutscht sondern in ihrer ursprünglichen Sprache (meistens Spanisch, Portugiesisch, Französisch oder Englisch) verwendet.

Danke! Endlich mal was Konstruktives hier! ;-)

ALR997, Montag, 15.08.2016, 08:37 (vor 3520 Tagen) @ ICETreffErfurt

Schlimm genug dass wir hier darüber diskutieren, wie ein Ort ausgesprochen werden MUSS!

Vielleicht sollte der eine oder andere der Forenheit (schönes Wort, ne? ;-) ) nicht sein persönliches Weltbild aufzwingen. Wenn ich ab morgen zwischen Essen und Hannover nur noch in "Lüdenscheid Nord" umsteigen will, oder nur noch nach Warschau in "Halbdeutschlandhalbrussland" reisen möchte ist das aber mal so was von meine eigene Sache!

Danke! Endlich mal was Konstruktives hier! ;-)

ICETreffErfurt, Eisenach, Montag, 15.08.2016, 09:03 (vor 3520 Tagen) @ ALR997

Für mich ist es ganz einfach: Gibt es in der deutschen Sprache einen eigene Begriff für einen Ort oder eine geografische Bezeichnung, verwendet ich das deutsche Wort. Gibt es das nicht, verwende ich die international allgemein übliche Bezeichnung und wenn es auch die nicht gibt, dann den lokalen Namen. Meistens ist der Ort dann ja auch nicht besonders wichtig. ;-)

Danke! Endlich mal was Konstruktives hier! ;-)

ALR997, Montag, 15.08.2016, 09:54 (vor 3520 Tagen) @ ICETreffErfurt

So kann man es zum Beispiel machen.

Im Zweifelsfall sind es Individualismen die sich jeder Mensch aneignet. Zur Aussprache mancher Städte habe ich einiges dazugelernt als ich in Schweden und in Tschechien und der Slowakei unterwegs war. Da hat man durchaus mal den Drang bei manchen Namen eine korrektere (ich denke nicht dass es eine allgemeingültig richtige gibt) Aussprache vorzuschlagen, andererseits habe ich mich auch schon gelegentlich eines Besseren belehren lassen.

Spätestens wenn man die Aussprache hinter sich gelassen hat, kommt man zur Betonung, und ob ich nun EI-sen-ach oder ei-SE-nach oder eis-en-ACH oder was auch mmer ausspreche, ist ja völlig mir selbst überlassen - obgleich dem geneigten Einheimischen danach die Ohren bluten mögen ^^

Da hier gewisse Menschen darauf bestehen, sich "Europäer" zu nennen, weise ich mal wieder darauf hin, dass es ein bedeutender Aspekt und eine großartige Errungenschaft Europas ist die Möglichkeit zu haben, immer und überall seine Meinung zu sagen, egal in welcher Form. Und für mich schliesst das auch ein dass jeder hier die Möglichkeit hat, Gdansk Danzig, Brno Brünn oder Chemnitz wegen meiner Karl-Marx-Stadt zu nennen ohne dass irgendwelche Wahltschechen einem dazwischenfunken!

Apropos Aussprache

ICETreffErfurt, Eisenach, Montag, 15.08.2016, 10:09 (vor 3520 Tagen) @ ALR997

Ich arbeite ja gelegentlich in der Rhönbuchhandlung in Vacha, die einem guten Freund gehört. Diese ist Zwischenstation für Jakobsweg von Görlitz nach Vacha und dann weiter nach Santiago de Compostella. Wir machen auch die Stempel, geben Pilgerabzeichen aus und vermitteln die Pilgerunterkünfte.

Es kommt nun sehr sehr oft vor, dass jemand bei uns am Telefon nach einer Pilgerauskunft fragt oder in den Laden zum Stempeln des Pilgerpasses kommt und unseren Ortsnamen "Wacha" ausspricht. Dabei kräuseln sich mir immer die Zähnennägel, da Vacha nun einmal "Facha" ausgesprochen wird.

Soweit wir recherchiert haben, gibt es keine einzige deutsche Stadt mit "V" am Anfang, die wie "W" ausgesprochen wird:

Viersen -> Fiersen
Vechta -> Fechta
Vienburg -> Fienburg
Vaihingen -> Faihingen
usw.

Wenn man den Leuten das erklärt und andere Beispiele bringt, wie schon das benachbarte "Völkershausen", sehen sie sehr schnell ihre doch etwas alberne Aussprache ein.

Apropos Aussprache

Sören Heise, Region Hannover, Montag, 15.08.2016, 11:17 (vor 3520 Tagen) @ ICETreffErfurt

Soweit wir recherchiert haben, gibt es keine einzige deutsche Stadt mit "V" am Anfang, die wie "W" ausgesprochen wird:

Ich habe mal kurz in ein Wörterbuch geschaut. Das verleitet mich fast zur Annahme, daß alle mit "V" beginnenden Wörter in der deutschen Sprache, die "W" ausgesprochen werden, Lehnwörter sind. Viadukt und so. ;-) Wikipedia schreibt, daß Hochdeutsch und Niederländisch quasi einzigartig darin sind, das V für einen F-Laut zu nutzen.

Apropos Aussprache

J-C, In meiner Welt, Montag, 15.08.2016, 11:22 (vor 3520 Tagen) @ Sören Heise

Im Tschechischeen wird aus dem V am Ende wiederum ein f, so ganz einzigartig ist man dann doch wieder nicht :-P

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Apropos Aussprache

ICETreffErfurt, Eisenach, Dienstag, 16.08.2016, 03:05 (vor 3519 Tagen) @ Sören Heise

Alle deutschen Wörter, die aus dem keltischen oder germanischen Sprachstamm stammen und mit "V" geschrieben werden, werden als "F" gesprochen:

Vater, Volk, Vetter, etc.

Lehnwörter aus dem Lateinischen und Griechischen werden allerdings überwiegen wie "W" gesprochen. Das betrifft insbesondere medizinische und naturwissenschaftliche Fachbegriffe:

Virus, Vene, Vakuole, Vase, etc.

Auf diesen Gedanken sind wir damals in der Diskussion im Buchladen auch gekommen.

Also …

heineken, Montag, 15.08.2016, 09:56 (vor 3520 Tagen) @ ICETreffErfurt

In der Weimarer Republik gab es noch Zeitungen, die "Neu York" geschrieben haben.

Ich schreibe da ja immer 'der grosze Apfel' …

Liste von Städten mit mehrsprachigen Namen

ICETreffErfurt, Eisenach, Montag, 15.08.2016, 09:06 (vor 3520 Tagen) @ J-C
bearbeitet von ICETreffErfurt, Montag, 15.08.2016, 09:08

-> https://de.wiktionary.org/wiki/Verzeichnis:International/St%C3%A4dtenamen

Wie man sieht, sind es nicht nur wir Deutschen, die unsere eigenen Städtenamen verwenden. Fast jede größere Stadt hat einen eigenen Namen in verschiedenen europäischen Sprachen.

Liste von Städten mit mehrsprachigen Namen

Sören Heise, Region Hannover, Montag, 15.08.2016, 09:28 (vor 3520 Tagen) @ ICETreffErfurt

-> https://de.wiktionary.org/wiki/Verzeichnis:International/St%C3%A4dtenamen

Wie man sieht, sind es nicht nur wir Deutschen, die unsere eigenen Städtenamen verwenden. Fast jede größere Stadt hat einen eigenen Namen in verschiedenen europäischen Sprachen.

Wobei bei manchen Orten im Link die Frage gestattet sein darf, ob es sich nicht nur um eine Anpassung des Namens der Ortssprache an die Ausspracheregeln der Fremdsprache handelt.
Alexandroupolis ist z.B. mit dem griechischen Namen und der deutschen und russischen Transkription drin, dazu der eigenständige türkische Name. Oder schaue Dir Warschau an, das sind in meinen Augen auch keine eigenständigen Namen, sondern nur nur länderspezifische Varianten.
Oder wie idiomatisch ist der makedonische Name von Aabenraa?

Wobei man sicherlich definieren müßte, ab wann ein Name eigenständig ist. Haderslev/Hadersleben, Siracusa/Syrakus mal beispielhaft genannt. Wien/Dunaj oder Tallinn/Reval dürften eindeutiger sein. Und wie sieht es aus linguistischer Sicht mit Breslau/Wrocław aus?
Aber das gehört wohl eher in ein sprachwissenschaftliches Fach- als in ein Eisenbahnforum.

Viele Grüße
Sören

--
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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Liste von Städten mit mehrsprachigen Namen

ICETreffErfurt, Eisenach, Montag, 15.08.2016, 09:39 (vor 3520 Tagen) @ Sören Heise

Die Liste enthält alle Schreibweisen, die wohl irgendwo gefunden wurden. Ich habe sie nur verlinkt, um zu zeigen, dass unsere deutschen Städtenamen kein Alleinstellungsmerkmal unserer Sprache oder eine Art deutsche Arroganz sind.

Auch sehr viele deutsche Städte haben in anderen Sprachen eigene Namen. Den Vogel abschießen tut wohl Luxemburg, welches in fast jeder Sprache eine eigene Schreibweise besitzt. Auch Aachen, Köln und Brüssel haben sehr sehr viele Zweitnamen in anderen Sprachen. Dürfte an ihrer historischen bzw. aktuellen medialen Verbreitung liegen.

Liste von Städten mit mehrsprachigen Namen

ICETreffErfurt, Eisenach, Montag, 15.08.2016, 09:50 (vor 3520 Tagen) @ Sören Heise

Das die Mehrzahl der Namen einfach nur an die jeweilige Landessprache angepasste Schreibweisen bei ähnlicher Aussprache sind, dürfte an der mündlichen Überlieferung liegen. Wie ich bereits erwähnt habe, stammen die meisten Übernahmen in jeweils andere Sprachen durch Händler, die im Mittelalter Europa bereist und so die Namen verbreitet haben. Die gemeine Bevölkerung dürfte die meisten Städte mangels Reisemöglichkeit gar nicht gekannt haben.

Später wurden die Zweitnamen dann in die Wörterbücher der jeweiligen Sprachen als offizielle Bezeichnung übernommen.

Das ist aber mit polnischen und tschechischen Namen nicht viel anders. Nur bei einigen Orten unterscheiden sich die Namen deutlich, vielleicht auch aus bewusster Abgrenzung der jeweils anderen ethnischen Gruppe gegenüber. Immerhin lebten die Deutschen und Slawen ja über Jahrhunderte Tür-an-Tür, bevor sich sich dann gegenseitig vertrieben haben.

In anderen Regionen kam das auch vor, ist aber nicht so extrem. Zumal es vom Deutschen zu den romanischen und anderen germanischen Sprachen keine solchen Brüche gibt. Die deutschen Namen für Städte aus Dänemark, Schweden, England, Niederlande, Frankreich oder Italien unterscheiden sich kaum von den regionalen Namen. Vielleicht auch deshalb ein Grund, warum slawische Namen im deutschen Sprachraum so überaus unbeliebt sind, während französische oder englische Namen als normal empfunden werden. Ein gewisser Kultureller Einfluss lässt sich halt nicht leugnen.

Liste von Städten mit mehrsprachigen Namen

Sören Heise, Region Hannover, Montag, 15.08.2016, 11:37 (vor 3520 Tagen) @ ICETreffErfurt

Nur bei einigen Orten unterscheiden sich die Namen deutlich, vielleicht auch aus bewusster Abgrenzung der jeweils anderen ethnischen Gruppe gegenüber.

Das muß nicht unbedingt die Ursache sein.
Bei Tallinn stammen der estnische Name und auch der deutsche Name Reval aus dem Estnischen: Tallinn als Stadt der Dänen, Reval vom historischen Namen der Gegend um die Stadt.
Havlíčkův Brod hingegen wäre ein gutes Beispiel, die Stadt hieß bis 1945 auf Tschechisch Německý Brod, also Deutsch Brod und wurde dann aus politischen Gründen umbenannt, verständlicherweise.

Immerhin lebten die Deutschen und Slawen ja über Jahrhunderte Tür-an-Tür, bevor sich sich dann gegenseitig vertrieben haben.

Wir haben ja bekannterweise in Niedersachsen und Holstein noch Ortsnamen slawischen Ursprungs, und auch mit den Obodriten herrschte in Mecklenburg bis 1918 ein slawisches Geschlecht.

Viele Grüße
Sören
(am 50. Todestag von Jan Kiepura)

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Tschechien =/= Tschechei!

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Montag, 15.08.2016, 08:45 (vor 3520 Tagen) @ Destear

Keine Ahnung. Wahrscheinlich aus ähnlichem Grund, aus dem man bei polnischen Städten immer noch an deutschen Namen festhält.

Nein. Von in Deutschland lebenden polnischen Kollegen wurde bei Gesprächen über Polen schon mehrfach die Bitte geäußert, doch wenn man Deutsch spricht, die deutschen Städtenahmen zu verwenden, da sich ihnen bei den meistens grottenschlechten Aussprachen der polnischen Namen die Zehennägel kräuseln. Außerdem macht sich auch niemand einen Kopf drum, "Paris" deutsch auszusprechen oder "Brüssel" oder "Kopenhagen" in dieser Schreib- und Sprachvariante zu verwenden... ;-)

Originalsprachliche Städtenamen nur bei Kenntnis der korrekten Aussprache der Landessprache empfehlende Grüße,
der Colaholiker

--
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Polen?

Sören Heise, Region Hannover, Montag, 15.08.2016, 09:09 (vor 3520 Tagen) @ Colaholiker

Von in Deutschland lebenden polnischen Kollegen wurde bei Gesprächen über Polen schon mehrfach die Bitte geäußert, doch wenn man Deutsch spricht, die deutschen Städtenahmen zu verwenden, da sich ihnen bei den meistens grottenschlechten Aussprachen der polnischen Namen die Zehennägel kräuseln.

Szczebrzeszyn war wohl noch nie Thema?

Gruß Sören

Theo, wir fahren nach ...

ktmb, Montag, 15.08.2016, 09:14 (vor 3520 Tagen) @ Sören Heise

Łódź.
Oder Wutsch oder Lotsch.
Herzliche Grüße

Theo, wir fahren nach ...

ICETreffErfurt, Eisenach, Montag, 15.08.2016, 09:21 (vor 3520 Tagen) @ ktmb

Łódź.
Oder Wutsch oder Lotsch.
Herzliche Grüße

Lodsch ;-)

Tschechien =/= Tschechei!

JeDi, überall und nirgendwo, Sonntag, 14.08.2016, 20:18 (vor 3521 Tagen) @ J-C

In deiner "Heimat" - herrlich weit dehnbarer Begriff übrigens, wie man daran sieht - ist bzw. war doch auch relativ umstritten, wie man sich nun nennen will...


Man hat sich allerdings auf Tschechien geeinigt, zumal, wieso bitteschön Tschechei? Weil es so schön ähnlich ist zur Slowakei? Zur Tschechoslowakei? ;-)

Weil firefly seinen latenten Rassismus deutlich machen will.

--
Weg mit dem 4744!

Tschechien =/= Tschechei!

sfn17, Sonntag, 14.08.2016, 15:59 (vor 3521 Tagen) @ Destear

Mal von meiner "Verwunderung" abgesehen, dass es Stunden dauerte, bis man auf das Tschechei anspringt...^^

Behauptet wird, dass die Bezeichnung "Tschechei" noch dem Naziwortschatz entspränge und abwertend gemeint gewesen sei.

(Vorsorglich weise ich darauf hin, küchenetymologische Vergleiche etwa mit Slowakei [vs *Slowakien] besser vermeiden zu wollen; jedes Wort hat virtuell eine eigene Geschichte.)

Wie sähe denn der Unterschied in tschechischen Wörtern aus, also quasi die böhmischmährische Entsprechung von Tschechien und Tschechei?

Hey hey Wiki!

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 16:14 (vor 3521 Tagen) @ sfn17

Dafür hat man doch eine Wikipedia ;-)

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Tschechien =/= Tschechei!

JeDi, überall und nirgendwo, Sonntag, 14.08.2016, 20:36 (vor 3521 Tagen) @ sfn17

Wie sähe denn der Unterschied in tschechischen Wörtern aus, also quasi die böhmischmährische Entsprechung von Tschechien und Tschechei?

Den Unterschied gibt es meines Wissens nicht. Tschechien heißt schlicht Česko, was man noch interpretieren könnte ist, dass mit "Tschechei" ausschließlich Böhmen (Tschechisch: Čechy) gemeint ist.

--
Weg mit dem 4744!

OT Heimat

Reservierungszettel, KDU, Sonntag, 14.08.2016, 16:48 (vor 3521 Tagen) @ J-C

Warum nennt man das bitteschön Tschechei? Ich hab den Eindruck, das ist der damaligen Tschechoslowakei geschuldet, aber ich persönlich mag es nicht, wenn man meine Heimat als Tschechei bezeichnet...

Du bist doch zugezogen oder?

Heimat ist im allgemeinen immer dort wo man geboren wurde bzw. Groß geworden ist.

OT Heimat

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 16:50 (vor 3521 Tagen) @ Reservierungszettel

Ich fasse den Begriff der Heimat weiter. In Tschechien fühle ich mich beispielsweise mehr zu Hause, als dass ich es in Hamburg tat. Für mich ist das entsprechend meine Heimat ^^

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

OT Heimat

Reservierungszettel, KDU, Sonntag, 14.08.2016, 16:55 (vor 3521 Tagen) @ J-C

Ich fasse den Begriff der Heimat weiter. In Tschechien fühle ich mich beispielsweise mehr zu Hause, als dass ich es in Hamburg tat. Für mich ist das entsprechend meine Heimat ^^

Das Wichtigste ist das es Dir dort gefällt ;) - ich dafür würde meine Heimatstadt so schell nicht verlassen, absolute Nogo Stadt für mich ist die indirekte Nachbarstadt mit 4 Buchstaben. Die meide ich sooft es geht :)

Du meinst hoffentlich nicht Wien...

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 16:59 (vor 3521 Tagen) @ Reservierungszettel

...denn dagegen hätte ich auch wieder was :-P

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Du meinst hoffentlich nicht Wien...

Reservierungszettel, KDU, Sonntag, 14.08.2016, 17:25 (vor 3521 Tagen) @ J-C

...denn dagegen hätte ich auch wieder was :-P

Denk mal scharf nach ich komme aus Düsseldorf ;)

P.S. Wien mag ich auch gerne - auch weil es da noch einiges für mich zu sammeln gibt.

Köln war mein zweiter Kandidat

J-C, In meiner Welt, Montag, 15.08.2016, 10:56 (vor 3520 Tagen) @ Reservierungszettel

Wobei ich auf Anhieb nicht weiß, was so schlimm an Köln sein soll. Dabei würde ich eher von einer Stadt im Ruhrgebiet sagen, dass ich sie meide :-P

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Aufklärung

Reservierungszettel, KDU, Montag, 15.08.2016, 15:13 (vor 3520 Tagen) @ J-C

Wobei ich auf Anhieb nicht weiß, was so schlimm an Köln sein soll. Dabei würde ich eher von einer Stadt im Ruhrgebiet sagen, dass ich sie meide :-P

Als richtiger Europäer sollte Dir das aber bekannt sein: https://de.wikipedia.org/wiki/Rivalit%C3%A4t_zwischen_K%C3%B6ln_und_D%C3%BCsseldorf

Vielfalt ist nie Murks! ;-)

Blaschke, Sonntag, 14.08.2016, 16:39 (vor 3521 Tagen) @ Oscar (NL)
bearbeitet von Blaschke, Sonntag, 14.08.2016, 16:40

Hallo!

Wider dem Einheitsbrei! Vielfalt muß es sein!

Am besten noch Wettbewerb dazu. Ein Wettbewerb um das praktischste Stromsystem.

So könnte man sich vielleicht auch Konkurrenten vom Hals halten durch ein passendes oder für andere unpassendes Stromsystem. Klappt doch in Berlin bei der S-Bahn und der Stromschiene auch...

Und was trassenverlaufstechnisch schon am Boden klappt, wie bei Köln-Rhein-Main, wo bis heute kein TGV verkehrt, kann dann ein paar Meterchen höher vielleicht auch einem Platzhirsch Segen bringen...

;-)


Schöne Grüße von

jörg

Technische Vielfalt ist dann doch wieder Murks.

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 16:49 (vor 3521 Tagen) @ Blaschke

Wenn es um die Vielfalt von Menschen geht, kein Ding. Aber in rein technischen Dingen ist Vereinheitlichung und Vereinfachung das Nonplusultra. Oftmals geht es nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern es einfach so einfach wie möglich zu machen. In der Informatik ist das Ziel der Vereinfachung, dass auch der älteste Mensch der Welt und auch das kleine Kind, welches gerade erfuhr, was ein Computer ist, auf Anhieb kapiert, wie man einen Computer denn so bedient.

In der Technik, also hier bei den Stromsystemen ist es das Ziel, dass der Hersteller eines Schienenfahrzeuges sich nicht erstmal in das Dikicht der Stromsysteme einfuchsen muss, sondern von vornherein weiß, für Europa brauch ich nur ein Stromsystem, also wenn meine Lok nicht gerade nach Peking können muss, dann brauch ich enstprechend nur ein einiziges Stromsystem und fertig. Dadurch sinken die Produktionskosten für Loks, die auch außerhalb nationaler Grenzen und teilweise auch innerhalb der nationalen Grenzen fahren sollen. Zusammen mit ETCS und komplett einheitlichen Zulassungsrichtlinien für ganz Europa böten sich dadurch völlig neue Möglichkeiten an. Lokomotiven und Triebwagen lassen sich flexibler einsetzen, die einigerorts noch vorhandenen Lokwechsel entfallen gänzlich, was einerseits mehr Effizienz bringt und andererseits auch dafür sorgt, dass innereuropäische Verkehre nicht vor irgendwelchen willkürlichen Grenzen halt machen müssen, zumindest in Kombination mit dem, was ich schon zuvor erläuterte.

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

(OT:) Ausstudiert wirst Du das anders sehen... ;-))))

Blaschke, Sonntag, 14.08.2016, 17:17 (vor 3521 Tagen) @ J-C
bearbeitet von Blaschke, Sonntag, 14.08.2016, 17:18

Hallöchen!

Aber in rein technischen Dingen ist Vereinheitlichung und Vereinfachung das Nonplusultra. Oftmals geht es (...) darum, es (...) so einfach wie möglich zu machen. In der Informatik ist das Ziel der Vereinfachung, dass auch der älteste Mensch der Welt und auch das kleine Kind, welches gerade erfuhr, was ein Computer ist, auf Anhieb kapiert, wie man einen Computer denn so bedient.


Paß gut auf - Du willst bzw. wirst doch Informatik studieren! Wenn das dann bald alles für alle so einfach ist, dann braucht es ja gar keinen hochqualifizierten - gutbezahlten, gelle? - studierten Informatiker mehr... ;-)

Und da ja "Retro" sowieso immer gut ist und das Vergangene immer das Beste, kehren wir bald zu den Wurzeln zurück. Und kaspern wieder mit der Lochkarte rum. Und dem guten alten Fernschreiber mit Lochstreifen! Wobei mir der englische Begriff "Teletypewriter" viel schöner gefällt. Jaaaa, das weckt Erinnerungen an meine Lehrzeit 1986 bis 1989 in der Bank! Damals schon konnte man mit so einem Fernschreiber quasi online nach Griechenland z.B. schreiben! Das durfte ich nämlich ein paar Male. Damit's nicht zu teuer wird, schreibt man den Text vor - der dann auf einem Lochstreifen parallel erfaßt wird. Dann bimmelte ich die Bank in Griechenland an und dann wurde der Lochstreifen eingelegt und zack, fertig war's. Viel schneller geht's online heute auch nicht...

Fertig war's nur dann nicht, wenn man mal wieder den Lochstreifen falsch rum reingelegt hat in den Leser - da hätten dann die alten Kreter oder die noch älteren Ägypter ihre Freude dran gehabt: Es las sich dann alles sehr hieroglyphisch...

Also, lieber Bald-Studierender: Merke Dir das folgende Prinzip. Je komplizierter, desto besser. Denn wenn Du der einzige Fachmann bist und durchsteigst, bist Du unkündbar. Und Dein Einkommen ist gerettet.

Nicht, dass es bald nichts mehr zu informatiken gibt für Dich und Du womöglich zurückkehren mußt nach Bergedorf. Oder Touristen informieren darfst, die zwischen Tschechien und Wien herumfahren wollen.

Sage also später mal nicht, ich hätte Dich nicht gewarnt!

In der Technik, also hier bei den Stromsystemen ist es das Ziel, dass der Hersteller eines Schienenfahrzeuges sich nicht erstmal in das Dikicht der Stromsysteme einfuchsen muss, sondern von vornherein weiß, für Europa brauch ich nur ein Stromsystem, also wenn meine Lok nicht gerade nach Peking können muss, dann brauch ich enstprechend nur ein einiziges Stromsystem und fertig.

Tja, Europa... Warum auf Europa begrenzen...
Zur Sache mit dem Stromsystem kommt dann ja zum Beispiel auch noch die Spurbreite.

Dadurch sinken die Produktionskosten für Loks, die auch außerhalb nationaler Grenzen und teilweise auch innerhalb der nationalen Grenzen fahren sollen. Zusammen mit ETCS und komplett einheitlichen Zulassungsrichtlinien für ganz Europa böten sich dadurch völlig neue Möglichkeiten an. Lokomotiven und Triebwagen lassen sich flexibler einsetzen, die einigerorts noch vorhandenen Lokwechsel entfallen gänzlich, was einerseits mehr Effizienz bringt und andererseits auch dafür sorgt, dass innereuropäische Verkehre nicht vor irgendwelchen willkürlichen Grenzen halt machen müssen, zumindest in Kombination mit dem, was ich schon zuvor erläuterte.

Das klingt alles schön und visionär - aber will das überhaupt jemand? Nachher muß der bayerische Lokführer aus München dann durchfahren bis Warschau oder Sofia oder Zagreb.

Abgesehen davon würden solch hochtrabenden Pläne dann sowieso in der Praxis an einem winzigen Detail scheitern. Im Zweifel paßt der Umlauf von Lok und Mensch nicht, so dass dann trotz aller Vereinheitlichung an der Grenze eh umgespannt wird - weil, was soll eine 182 im C.F.R.-Werk in Bukarest? Und in Eidelstedt kann niemand was mit einer portugischen LE 4700 anfangen, weil an der zwischenzeitlich die CP was verschlimmbessert hat. Dann muß erst wieder umständlich nachgefragt werden mittels Fernschreiber .... siehe oben ...

Schöne Grüße von

jörg

(OT:) Ausstudiert wirst Du das anders sehen... ;-))))

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 17:34 (vor 3521 Tagen) @ Blaschke

Hallöchen!

Aber in rein technischen Dingen ist Vereinheitlichung und Vereinfachung das Nonplusultra. Oftmals geht es (...) darum, es (...) so einfach wie möglich zu machen. In der Informatik ist das Ziel der Vereinfachung, dass auch der älteste Mensch der Welt und auch das kleine Kind, welches gerade erfuhr, was ein Computer ist, auf Anhieb kapiert, wie man einen Computer denn so bedient.

Paß gut auf - Du willst bzw. wirst doch Informatik studieren! Wenn das dann bald alles für alle so einfach ist, dann braucht es ja gar keinen hochqualifizierten - gutbezahlten, gelle? - studierten Informatiker mehr... ;-)

Man wird immer Informatiker brauchen. Informatik ist ja so schön universal. Wäre ganz schön schlecht, wenn die Informatik sich selbst abschaffen würde, sobald man einen Bereich vereinfacht hat, zumal man nicht immer alles so superduper vereinfachen kann. Es ist ein Ziel, ob man dahinkommt, ist natürlich die andere Frage.

Und da ja "Retro" sowieso immer gut ist und das Vergangene immer das Beste, kehren wir bald zu den Wurzeln zurück. Und kaspern wieder mit der Lochkarte rum. Und dem guten alten Fernschreiber mit Lochstreifen! Wobei mir der englische Begriff "Teletypewriter" viel schöner gefällt. Jaaaa, das weckt Erinnerungen an meine Lehrzeit 1986 bis 1989 in der Bank! Damals schon konnte man mit so einem Fernschreiber quasi online nach Griechenland z.B. schreiben! Das durfte ich nämlich ein paar Male. Damit's nicht zu teuer wird, schreibt man den Text vor - der dann auf einem Lochstreifen parallel erfaßt wird. Dann bimmelte ich die Bank in Griechenland an und dann wurde der Lochstreifen eingelegt und zack, fertig war's. Viel schneller geht's online heute auch nicht...

Aber es war umständlicher und außerdem ließen sich damit nur schwerlich Smartphones realisieren. Da bräuchte man ja ständig Lochkarten mit sich schleppen... neee nee.

Fertig war's nur dann nicht, wenn man mal wieder den Lochstreifen falsch rum reingelegt hat in den Leser - da hätten dann die alten Kreter oder die noch älteren Ägypter ihre Freude dran gehabt: Es las sich dann alles sehr hieroglyphisch...

Also griechisch ist ja auch schon eine andere Schrift als die lateinische...

Also, lieber Bald-Studierender: Merke Dir das folgende Prinzip. Je komplizierter, desto besser. Denn wenn Du der einzige Fachmann bist und durchsteigst, bist Du unkündbar. Und Dein Einkommen ist gerettet.

Aber das ist so gar nicht das Prinzip der Informatik, zumal das ziemlich die Innovationen hemmen würde. Wie gesagt, würde die Informatik damit zu Ende sein, dass man alles vereinfacht hat... zumal das auch eine Weile dauern wird, besonders wenn man dann etwas neues erfindet. ;-)

Nicht, dass es bald nichts mehr zu informatiken gibt für Dich und Du womöglich zurückkehren mußt nach Bergedorf. Oder Touristen informieren darfst, die zwischen Tschechien und Wien herumfahren wollen.

Es wird immer was geben. Zur Not werde ich Lokführer. :-P

Sage also später mal nicht, ich hätte Dich nicht gewarnt!

Nö werde ich nicht, ich bin mir sicher, dass ich mit Informatik eine Zukunft habe.

In der Technik, also hier bei den Stromsystemen ist es das Ziel, dass der Hersteller eines Schienenfahrzeuges sich nicht erstmal in das Dikicht der Stromsysteme einfuchsen muss, sondern von vornherein weiß, für Europa brauch ich nur ein Stromsystem, also wenn meine Lok nicht gerade nach Peking können muss, dann brauch ich enstprechend nur ein einiziges Stromsystem und fertig.


Tja, Europa... Warum auf Europa begrenzen...
Zur Sache mit dem Stromsystem kommt dann ja zum Beispiel auch noch die Spurbreite.

Wieso auf Europa begrenzen? Weil es aktuell auf Europa am besten Anwendbar ist dank der EU. Danach müsste man mit den Nachbaren jeweils Verträge abschließen. Ich glaube, dass es schwer ist, Russland beispielsweise davon zu überzeugen, dass 25 kV besser sind als das, was die gerade so haben...

Dadurch sinken die Produktionskosten für Loks, die auch außerhalb nationaler Grenzen und teilweise auch innerhalb der nationalen Grenzen fahren sollen. Zusammen mit ETCS und komplett einheitlichen Zulassungsrichtlinien für ganz Europa böten sich dadurch völlig neue Möglichkeiten an. Lokomotiven und Triebwagen lassen sich flexibler einsetzen, die einigerorts noch vorhandenen Lokwechsel entfallen gänzlich, was einerseits mehr Effizienz bringt und andererseits auch dafür sorgt, dass innereuropäische Verkehre nicht vor irgendwelchen willkürlichen Grenzen halt machen müssen, zumindest in Kombination mit dem, was ich schon zuvor erläuterte.


Das klingt alles schön und visionär - aber will das überhaupt jemand? Nachher muß der bayerische Lokführer aus München dann durchfahren bis Warschau oder Sofia oder Zagreb.

Abgesehen davon würden solch hochtrabenden Pläne dann sowieso in der Praxis an einem winzigen Detail scheitern. Im Zweifel paßt der Umlauf von Lok und Mensch nicht, so dass dann trotz aller Vereinheitlichung an der Grenze eh umgespannt wird - weil, was soll eine 182 im C.F.R.-Werk in Bukarest? Und in Eidelstedt kann niemand was mit einer portugischen LE 4700 anfangen, weil an der zwischenzeitlich die CP was verschlimmbessert hat. Dann muß erst wieder umständlich nachgefragt werden mittels Fernschreiber .... siehe oben ...

Schöne Grüße von

jörg

Was du beschreibst, ist ein rein personelles Problem, außerdem ein Problem der Bedienung. Hier wäre langfristig eine Vereinheitlichung möglich, sodass der, der eine 182 bedienen kann, auch eine 102 bedienen kann (102 ist die Škoda 109E, die zukünftig den RE auf der NIM bedient). Das ist kein Ding der Unmöglichkeit. Es muss nur ein Wille dazu sein und auch mehr Engagement seitens der EU und deren Mitglieder.

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

(OT:) Einheitsbrei...

Blaschke, Sonntag, 14.08.2016, 18:01 (vor 3521 Tagen) @ J-C

Hallohallo!

Man wird immer Informatiker brauchen. Informatik ist ja so schön universal. Wäre ganz schön schlecht, wenn die Informatik sich selbst abschaffen würde, sobald man einen Bereich vereinfacht hat, zumal man nicht immer alles so superduper vereinfachen kann.

Ähm, wieso denn nicht? Später im Beitrag willst Du doch z.B. Stromsysteme und Loks völlig vereinheitlichen! Europaweit! Von Schweden und Finnland bis Portugal und Griechenland. Übrigens, nebenbei, das Motto der Europäischen Unin lautet: "In Vielfalt geeint." Einig sollen wir uns also sein, dass Vielfalt bestehen soll... Guck... ;-)))

Klar wird man den Informatiker immer brauchen: Einer muß ja den Computer ölen ;-). Und die klemmende Taste reparieren... ;-)

Also, lieber Bald-Studierender: Merke Dir das folgende Prinzip. Je komplizierter, desto besser. Denn wenn Du der einzige Fachmann bist und durchsteigst, bist Du unkündbar. Und Dein Einkommen ist gerettet.

Aber das ist so gar nicht das Prinzip der Informatik, zumal das ziemlich die Innovationen hemmen würde.

Im Gegenteil: Jeder will das Rad neu erfinden, weil sein Produkt das bessere sein soll. Und dem anderen überlegen! Also wird noch ein Schräubchen mehr eingebaut. Und eine Programmzeile mehr geschrieben als beim Konkurrenten!

Es wird immer was geben. Zur Not werde ich Lokführer. :-P

In Ordnung. Da darf ich dann ja bestimmt verbotenerweise mal auf dem Führerstand mitfahren... ;-)

Sage also später mal nicht, ich hätte Dich nicht gewarnt!

Nö werde ich nicht, ich bin mir sicher, dass ich mit Informatik eine Zukunft habe.

Das sei Dir ja auch gegönnt!!!!! Aus tiefstem Herzen!!!!!

Ich mache mir um die Zukunft übrigens keine Gedanken, die kommt früh genug und von ganz allein. Und es kommt sowieso immer anders als man denkt. Da lasse ich das alles also gleich bleiben und lebe lieber im HEUTE und JETZT.


Wieso auf Europa begrenzen? Weil es aktuell auf Europa am besten Anwendbar ist dank der EU.

Die beerdigt sich ja gerade. Dauert zwar quälend lange, aber das Totenglöckchen ist geläutet. Und das ist auch nichts tragisches. Den "Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe" gibt's ja auch nicht mehr - die waren etwas schneller... ;-)

Hier wäre langfristig eine Vereinheitlichung möglich, sodass der, der eine 182 bedienen kann, auch eine 102 bedienen kann (102 ist die Škoda 109E, die zukünftig den RE auf der NIM bedient). Das ist kein Ding der Unmöglichkeit. Es muss nur ein Wille dazu sein und auch mehr Engagement seitens der EU und deren Mitglieder.


Ähm, ich weiß, was eine 102 ist!!!!! Und wo die eingesetzt werden soll!!!!! Das mußt Du dem alten Mann hier nicht noch im Klammern erklären!!!! Noch bin ich nicht völlig verkalkt!!!!! (und ansonsten würde ich auch trotz meines biblischen Alters mit Google umgehen können...)

;-)))))

Back to topic: Den Willen hat aber nunmal nicht jeder! Bzw. kaum einer. Nationalstaatliche Interessen wiegen oft höher als das große Ganze. Wirtschaftlich und kulturell. Und dann müßten auch noch die Menschen vor Ort und an der Basis so weltläufig sein. Das klappt vielleicht mit einem Syrer, der die halbe Welt umrundet hat, um hier zu landen, aber nicht mit jemanden aus dem Tal der Ahnungslosen, der es nicht mal bis nach Nürnberg zur Jobsuche geschafft hat. (bevor sich wieder einer aufregt: Die These stammt nichtmal von mir, sondern ist von einem Kabarettisten geklaut. Ich weiß nur nicht mehr von wem. Kann ja nicht ALLES behalten...)


Schöne Grüße von

jörg

(OT:) Einheitsbrei...

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 21:23 (vor 3520 Tagen) @ Blaschke

Hallohallo!

Man wird immer Informatiker brauchen. Informatik ist ja so schön universal. Wäre ganz schön schlecht, wenn die Informatik sich selbst abschaffen würde, sobald man einen Bereich vereinfacht hat, zumal man nicht immer alles so superduper vereinfachen kann.


Ähm, wieso denn nicht? Später im Beitrag willst Du doch z.B. Stromsysteme und Loks völlig vereinheitlichen! Europaweit! Von Schweden und Finnland bis Portugal und Griechenland. Übrigens, nebenbei, das Motto der Europäischen Unin lautet: "In Vielfalt geeint." Einig sollen wir uns also sein, dass Vielfalt bestehen soll... Guck... ;-)))

Weil die Informatik nicht nur von Loks und Stromsystemen handelt ;-) Außerdem hat die Informatik spätestens im Bereich des Supports eine ewige Zukunft, da ein Produkt nie hundertprozentig perfekt sein kann und es immer wieder was neues gibt, was man einbauen kann ;-)

Klar wird man den Informatiker immer brauchen: Einer muß ja den Computer ölen ;-). Und die klemmende Taste reparieren... ;-)

Ich denke nicht, zumindest nicht zu meiner Lebzeit ;-)

Also, lieber Bald-Studierender: Merke Dir das folgende Prinzip. Je komplizierter, desto besser. Denn wenn Du der einzige Fachmann bist und durchsteigst, bist Du unkündbar. Und Dein Einkommen ist gerettet.

Aber das ist so gar nicht das Prinzip der Informatik, zumal das ziemlich die Innovationen hemmen würde.


Im Gegenteil: Jeder will das Rad neu erfinden, weil sein Produkt das bessere sein soll. Und dem anderen überlegen! Also wird noch ein Schräubchen mehr eingebaut. Und eine Programmzeile mehr geschrieben als beim Konkurrenten!

Sagen wir es mal so, je einfacher ein Programm für den Nutzer ist, desto komplexer ist es unter de Haube und umgekehrt. Nur weil es jeder bedienen kann, muss es nicht heißen, dass auch jeder beispielsweise eine neue Funktion ins Programm einbauen kann, weil da so viel Code ist, dass ein Laie gar nicht mehr durchblickt.

Es wird immer was geben. Zur Not werde ich Lokführer. :-P


In Ordnung. Da darf ich dann ja bestimmt verbotenerweise mal auf dem Führerstand mitfahren... ;-)

In der Schweiz könntest du sogar legal auf den Führerstand. Nur müsstest du dafür zahlen... und du müsstest deine Schweiz-Phobie dir abgewöhnen ;-)

Sage also später mal nicht, ich hätte Dich nicht gewarnt!

Nö werde ich nicht, ich bin mir sicher, dass ich mit Informatik eine Zukunft habe.


Das sei Dir ja auch gegönnt!!!!! Aus tiefstem Herzen!!!!!

Ich mache mir um die Zukunft übrigens keine Gedanken, die kommt früh genug und von ganz allein. Und es kommt sowieso immer anders als man denkt. Da lasse ich das alles also gleich bleiben und lebe lieber im HEUTE und JETZT.

Tu ich doch auch, ich mach mir am liebsten Gedanken über die Zukunft, wenn es mir langweilig ist, da entsteht auch die eine oder andere Vision.

Wieso auf Europa begrenzen? Weil es aktuell auf Europa am besten Anwendbar ist dank der EU.


Die beerdigt sich ja gerade. Dauert zwar quälend lange, aber das Totenglöckchen ist geläutet. Und das ist auch nichts tragisches. Den "Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe" gibt's ja auch nicht mehr - die waren etwas schneller... ;-)

Das muss gar nichts heißen, ich glaube nicht, dass die EU so schnell den Geist aufgibt. Schließlich ist die EU vom Grundgedanken das beste, was je passieren konnte. Nur an der Umsetzung muss man feilen.

Hier wäre langfristig eine Vereinheitlichung möglich, sodass der, der eine 182 bedienen kann, auch eine 102 bedienen kann (102 ist die Škoda 109E, die zukünftig den RE auf der NIM bedient). Das ist kein Ding der Unmöglichkeit. Es muss nur ein Wille dazu sein und auch mehr Engagement seitens der EU und deren Mitglieder.

Ähm, ich weiß, was eine 102 ist!!!!! Und wo die eingesetzt werden soll!!!!! Das mußt Du dem alten Mann hier nicht noch im Klammern erklären!!!! Noch bin ich nicht völlig verkalkt!!!!! (und ansonsten würde ich auch trotz meines biblischen Alters mit Google umgehen können...)

Dann ist ja alles super ^^

;-)))))

( ͡° ͜ʖ ͡°)

Back to topic: Den Willen hat aber nunmal nicht jeder! Bzw. kaum einer. Nationalstaatliche Interessen wiegen oft höher als das große Ganze. Wirtschaftlich und kulturell. Und dann müßten auch noch die Menschen vor Ort und an der Basis so weltläufig sein. Das klappt vielleicht mit einem Syrer, der die halbe Welt umrundet hat, um hier zu landen, aber nicht mit jemanden aus dem Tal der Ahnungslosen, der es nicht mal bis nach Nürnberg zur Jobsuche geschafft hat. (bevor sich wieder einer aufregt: Die These stammt nichtmal von mir, sondern ist von einem Kabarettisten geklaut. Ich weiß nur nicht mehr von wem. Kann ja nicht ALLES behalten...)


Schöne Grüße von

jörg

Das ist tatsächlich das größte Problem, weswegen es eben ein harter und steiniger Weg wird, bis das sich mal vollständig durchsetzt... oder wir denken falsch und in Wahrheit sind gerade die osteuropäischen Länder eigentlich ganz bahnaffin und würden die Tragweite solcher einheitlicher Systeme verstehen und zu schätzen wissen? Schonmal auf openrailwaymap.org geschaut, mit welchem Sicherungssystem die Strecke Praha-Brno ausgestattet ist? ;-)

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

25 kV/50 Hz ist technisch weit überlegen

Alphorn (CH), Sonntag, 14.08.2016, 17:32 (vor 3521 Tagen) @ flierfy

Aus welchem Grund - ausser Kompatibilität - würde man heute noch ein Netz mit 15 kV/16.7 Hz aufbauen?

Die Frage stellt sich in Europa gar nicht, weil hier nirgends ein Netz aufgebaut wird. Jeder Neu- oder Umbau schliesst an eine bereits bestehende Infrastruktur an. Also ist die Kompatibilität das wichtigste Kriterium bei der Wahl der Parameter. Zumindest sollte es so sein.

Nein, sollte es nicht. Die weitaus meisten Züge überschreiten nie eine Landesgrenze. Es ist insgesamt billiger, die grosse Zahl der Inlandszüge mit dem billigeren (und besseren) Stromsystem zu betreiben und halt dann die wenigen internationalen Züge mehrsystemfähig zu machen.

Mein Verständnis ist zudem: Ein 15 kV-Fahrzeug kann mit relativ wenig Aufwand auch 25 kV unterstützen, umgekehrt hingegen nicht, weil 15 kV/16.7 Hz deutlich grössere Transformatoren erfordert.

Und in dieser Hinsicht ist 16,7 Hz das weit bessere System. Denn während die 16,7 Hz-Elektrifizierung grosse zusammenhängende Netze bilden, ist der 50-Hz-Standard nur auf kleine Inseln beschränkt.

Erstens nur bedingt wahr - 15 kV gibt es in gerade mal 5 Ländern, 25 kV in 16 ganz und 3 teilweise; neue Hochgeschwindigkeitsstrecken sind zudem überall ausser in DE (namentlich in GB, NL, BE, FR, IT und Spanien) durchgehend mit 25 kV ausgestattet und keine Inseln. Zweitens brauchen NL-Züge sowieso einen Gleichstromteil und können somit Lücken zwischen 25 kV-Strecken überbrücken.

Doch statt den Vorteil grosser zusammenhängender Netze zu nutzen, werden neue 50-Hz-Inseln geschaffen. Dänemark und die Betuwe-Route sind hier die gravierendsten Beispiele. Niemand würde auf die Idee kommen, Lindau-Geltendorf mit irgendwas anderem als 16,7 Hz zu elektrifizieren. Zwischen Lübeck und Malmö, wo die gleichen Voraussetzungen gegeben sind, wird das nicht gemacht und statt dessen ein inkompatibler Standard eingesetzt.

Persönlich hätte ich es weitsichtiger gefunden, wenn man bei Neubeschaffungen in DE/A/CH grundsätzlich nur noch Fahrzeuge bestellt hätte, welche mit 25 kV kompatibel sind. Dann hätte man irgendwann Projekte wie Lindau-Geltendorf wesentlich einfacher und billiger umsetzen können. Aber ja, da dies leider nicht gemacht wurde, waren 15 kV die richtige Wahl für die Strecke.

Dänemark hingegen verstehe ich. Warum sollen die ein teures, veraltetes Stromsystem installieren, nur damit die relativ wenigen internationalen Züge besser durchkommen? Man müsste dafür von Null ein landesweites Hochspannungsnetz mit 16.7 Hz und eigenen Kraftwerken oder (mechanischen) Umwandlungswerken aufbauen!

25 kV/50 Hz wird in Europa auf Insellösungen beschränkt blei

flierfy, Sonntag, 14.08.2016, 20:06 (vor 3521 Tagen) @ Alphorn (CH)
bearbeitet von flierfy, Sonntag, 14.08.2016, 20:09

Nein, sollte es nicht. Die weitaus meisten Züge überschreiten nie eine Landesgrenze. Es ist insgesamt billiger, die grosse Zahl der Inlandszüge mit dem billigeren (und besseren) Stromsystem zu betreiben und halt dann die wenigen internationalen Züge mehrsystemfähig zu machen.

Dann dürfte es aber innerhalb jedes Landes keine Systemgrenzen geben. In vielen Ländern gibt es die jedoch. Und das betrifft vor allem Länder, die ursprünglich mit Gleichstrom angefangen haben und nun mit 50 Hz weitermachen.

Des Weiteren gibt es mit der Betuwe-Route eine Bahnstrecken, auf der verkehren fast ausschliesslich Züge, die anschliessend eine Ländergrenze überqueren. Hier wäre man sehr viel besser gefahren, wenn man den 16,7-Hz-Standard für die Strecke inklusive Güterbahnhof Kijfhoek angewandt hätte. Das hätte für viele Fahrten die Notwendigkeit von Mehrsystemloks erspart.
Ähnliches gilt für die Strecke durch den Brennerbasistunnel. 16,7 Hz ist auch hier die bessere Wahl. Aber wie es aussieht, wird man auch hier der kurzfristig billigsten Lösung erliegen und sich dafür langfristig eine zusätzliche Systemgrenze einhandeln.


Mein Verständnis ist zudem: Ein 15 kV-Fahrzeug kann mit relativ wenig Aufwand auch 25 kV unterstützen, umgekehrt hingegen nicht, weil 15 kV/16.7 Hz deutlich grössere Transformatoren erfordert.

Erstens nur bedingt wahr - 15 kV gibt es in gerade mal 5 Ländern, 25 kV in 16 ganz und 3 teilweise; neue Hochgeschwindigkeitsstrecken sind zudem überall ausser in DE (namentlich in GB, NL, BE, FR, IT und Spanien) durchgehend mit 25 kV ausgestattet und keine Inseln. Zweitens brauchen NL-Züge sowieso einen Gleichstromteil und können somit Lücken zwischen 25 kV-Strecken überbrücken.

In den 5 16,7-Hz-Ländern gibt es aber praktisch nur diesen einen Elektrifizierungs-Standard. Von den 50-Hz-Ländern kann man das nur von Luxemburg und von Südosteuropa beginnend mit Ungarn behaupten. Der Rest fummelt mit zwei Standards rum und braucht entsprechende Speziallösungen für seine Fahrzeuge.
Und erzähle mir nicht, die SFSen wären keine Systeminseln. In Italien sind sie das alle mal. In Spanien gibt es auf Grund der unterschiedlichen Spurweite ohnehin zwei Netze. Die Zusammenhängigkeit des Netzes in den DACH-Ländern gibt es in westeuropäischen Ländern überhaupt nicht.


Persönlich hätte ich es weitsichtiger gefunden, wenn man bei Neubeschaffungen in DE/A/CH grundsätzlich nur noch Fahrzeuge bestellt hätte, welche mit 25 kV kompatibel sind. Dann hätte man irgendwann Projekte wie Lindau-Geltendorf wesentlich einfacher und billiger umsetzen können. Aber ja, da dies leider nicht gemacht wurde, waren 15 kV die richtige Wahl für die Strecke.

Damit plädierst du für eine Systemgrenze mitten in Deutschland, obwohl das deinem ersten Argument widerspricht, dass die wenigsten Züge keine Staatsgrenze überschreiten und sie daher nur für ein System ausgerüstet werden brauchen. Deine Argumentation ist an der Stelle nicht kohärent.


Dänemark hingegen verstehe ich. Warum sollen die ein teures, veraltetes Stromsystem installieren, nur damit die relativ wenigen internationalen Züge besser durchkommen? Man müsste dafür von Null ein landesweites Hochspannungsnetz mit 16.7 Hz und eigenen Kraftwerken oder (mechanischen) Umwandlungswerken aufbauen!

Wenn die paar internationalen Züge so unwichtig wären, würden die Däne nicht die teuren Tunnel und Brücken nach Schweden und Deutschland bauen. Daher gilt die Ausrede nicht. Zumal der 16,7-Hz-Standard so viel teurer nicht sein kann, wenn ihn sich selbst die DDR geleistet hat.
Und ein gänzlich eigenes Bahnstromnetz ist auch nicht unbedingt notwendig. Die Dänen können sich auch an die bestehenden Bahnstromnetze Schwedens und Deutschlands hängen.

Das ist kein Argument pro 15 kV

Alphorn (CH), Sonntag, 14.08.2016, 20:58 (vor 3521 Tagen) @ flierfy

Dann dürfte es aber innerhalb jedes Landes keine Systemgrenzen geben. In vielen Ländern gibt es die jedoch. Und das betrifft vor allem Länder, die ursprünglich mit Gleichstrom angefangen haben und nun mit 50 Hz weitermachen.

Fehlende Systemgrenzen sind wünschenswert. Aber die Frage ist, was billiger ist: Teure und veraltete 16.7 Hz überall - um Systemgrenzen zu vermeiden - oder ein bei internationalen Zügen Mehrsystemausrüstungen installieren - was bei 50 Hz zusätzlich zu 16.7 Hz ziemlich billig ist.

Zudem: In Gleichstromländern braucht man sowieso Mehrsystemausrüstungen, ob es jetzt Gleichstrom plus 16.7 Hz oder Gleichstrom plus 50 Hz sei. Daher weder ein Argument für noch gegen 50 Hz.

Des Weiteren gibt es mit der Betuwe-Route eine Bahnstrecken, auf der verkehren fast ausschliesslich Züge, die anschliessend eine Ländergrenze überqueren. Hier wäre man sehr viel besser gefahren, wenn man den 16,7-Hz-Standard für die Strecke inklusive Güterbahnhof Kijfhoek angewandt hätte. Das hätte für viele Fahrten die Notwendigkeit von Mehrsystemloks erspart.

Niemand, der nicht schon die Krücke 15 kV installiert hat, baut heute noch neue Strecken damit. Wenn das in NL geschehen wäre, hätte es dort auf lange Zeit drei Stromsysteme gegeben.

Ähnliches gilt für die Strecke durch den Brennerbasistunnel. 16,7 Hz ist auch hier die bessere Wahl. Aber wie es aussieht, wird man auch hier der kurzfristig billigsten Lösung erliegen und sich dafür langfristig eine zusätzliche Systemgrenze einhandeln.

Wer nach Italien will, wird langfristig sowieso 25 kV brauchen. Wenn man dort irgendwann Gleichstromstrecken aufrüstet, dann garantiert mit 25 kV.

In den 5 16,7-Hz-Ländern gibt es aber praktisch nur diesen einen Elektrifizierungs-Standard. Von den 50-Hz-Ländern kann man das nur von Luxemburg und von Südosteuropa beginnend mit Ungarn behaupten. Der Rest fummelt mit zwei Standards rum und braucht entsprechende Speziallösungen für seine Fahrzeuge.

Korrekt - bis auf weiteres. Aber wie gesagt, eine Speziallösung braucht es so oder so. Nur ist 25 kV, wenn man die Infrastruktur mitrechnet, billiger.

Und erzähle mir nicht, die SFSen wären keine Systeminseln. In Italien sind sie das alle mal. In Spanien gibt es auf Grund der unterschiedlichen Spurweite ohnehin zwei Netze. Die Zusammenhängigkeit des Netzes in den DACH-Ländern gibt es in westeuropäischen Ländern überhaupt nicht.

Nur Italien hat HGV-Strecken mit Gleichstrom. England, Frankreich, Belgien, Niederlande und Spanien haben durchgängig 25 kV.

Damit plädierst du für eine Systemgrenze mitten in Deutschland, obwohl das deinem ersten Argument widerspricht, dass die wenigsten Züge keine Staatsgrenze überschreiten und sie daher nur für ein System ausgerüstet werden brauchen. Deine Argumentation ist an der Stelle nicht kohärent.

Ich argumentiere nicht mit Systemgrenzen - ich argumentiere mit Kosten. Mehrsystemzüge sind etwas teurer, neue 15 kV-Infrastruktur ist deutlich teurer. Daher soll man sich beim Systementscheid an der Infrastruktur orientieren. Und wenn man in DE Mehrsystemzüge beschaffen würde, könnte man mit billigerer Elektrifizierung die Kosten wieder reinholen. Und in ferner Zukunft auf die schweren und inkompatiblen 15-kV-Trafos verzichten.

Wenn die paar internationalen Züge so unwichtig wären, würden die Däne nicht die teuren Tunnel und Brücken nach Schweden und Deutschland bauen.

Mit keinem Wort sagte ich unwichtig. Ich sagte nur wenige. Du kannst nicht bestreiten, dass in den meisten Ländern die meisten Züge im Inland bleiben. Und die Kosten hängen nicht mit der Wichtigkeit, sondern der Anzahl der Züge zusammen.

Zumal der 16,7-Hz-Standard so viel teurer nicht sein kann, wenn ihn sich selbst die DDR geleistet hat.

Wenn man mal mit 15 kV begonnen hat, ist der Wechsel schmerzhaft. Ich nehme an, die ersten solchen Strecken gab es schon vor dem Krieg.

Und ein gänzlich eigenes Bahnstromnetz ist auch nicht unbedingt notwendig. Die Dänen können sich auch an die bestehenden Bahnstromnetze Schwedens und Deutschlands hängen.

Das bedingt immer noch neue, separate Hochspannungsleitungen durch das ganze Land. Und wie einfach das heute durchsetzbar ist, solltest Du selber wissen.

Das ist kein Argument pro 15 kV

ICE-TD, Sonntag, 14.08.2016, 21:29 (vor 3520 Tagen) @ Alphorn (CH)
bearbeitet von ICE-TD, Sonntag, 14.08.2016, 21:30

Das bedingt immer noch neue, separate Hochspannungsleitungen durch das ganze Land. Und wie einfach das heute durchsetzbar ist, solltest Du selber wissen.

Bedingt es nicht wie die DDR gezeigt hat mit der dezentralen Netzversorgung und mit der heutigen Elektronik und statischen Umrichtern statt rotierenden Umformern sollte auch das Problem mit den vielen Ausschaltstrecken in den Griff zu bekommen sein.

aber auch keines für 50 Hz

flierfy, Montag, 15.08.2016, 19:31 (vor 3520 Tagen) @ Alphorn (CH)

Niemand, der nicht schon die Krücke 15 kV installiert hat, baut heute noch neue Strecken damit. Wenn das in NL geschehen wäre, hätte es dort auf lange Zeit drei Stromsysteme gegeben.

Drei Systeme im Land vielleicht, was aber praktisch für den Fahrbetrieb unbedeutend wäre, da kein Zug die Betuwe-Route und die HSL Zuid befährt. Mit 16,7 Hz hätte man dagegen weniger Systemgrenzen, die wirklich überfahren werden.

Ich finde es nicht sehr angemessen, den 15 kV/16,7 Hz Standard als Krücke zu bezeichnen. Es ist ein sehr gut funktionierendes System, das zum Einen sehr viel eher als die 50 Hz Technik verfügbar war und Zweitens auch heute noch diverse Vorteile hat. Nicht zu Letzt deswegen gehören die damit ausgerüsteten Streckennetze zu den Leistungsfähigsten ihrer Art.


Wer nach Italien will, wird langfristig sowieso 25 kV brauchen. Wenn man dort irgendwann Gleichstromstrecken aufrüstet, dann garantiert mit 25 kV.

Das ist eine sehr gewagte Prognose. Ich halte dagegen und behaupte, dass Italien die bestehende Elektrifizierung beibehalten wird. Die 3000 V DC reichten bis jetzt aus und werden auch in Zukunft ihren Dienst tun. Zumal mit dem Brenner-Aufstieg auch noch eine Strecke vom Güterverkehr befreit werden wird, wo man richtig viel Leistung braucht.


Nur Italien hat HGV-Strecken mit Gleichstrom. England, Frankreich, Belgien, Niederlande und Spanien haben durchgängig 25 kV.

Nur sind die SFSen nur in Spanien und weitgehend in Frankreich wirklich durchgehend.

Ich argumentiere nicht mit Systemgrenzen - ich argumentiere mit Kosten. Mehrsystemzüge sind etwas teurer, neue 15 kV-Infrastruktur ist deutlich teurer. Daher soll man sich beim Systementscheid an der Infrastruktur orientieren. Und wenn man in DE Mehrsystemzüge beschaffen würde, könnte man mit billigerer Elektrifizierung die Kosten wieder reinholen. Und in ferner Zukunft auf die schweren und inkompatiblen 15-kV-Trafos verzichten.

Ich glaube nicht, dass das Argument mit den Kosten wirklich stichhaltig ist. Die Errichtung der Elektrifizierungs-Infrastruktur ist eine ziemlich einmalige Sache. Dagegen werden Fahrzeuge immer und immer wieder neu beschafft. Langfristig dürfte da nicht viel für 50 Hz sprechen.

Sowohl in Österreich, in der Schweiz als auch in Deutschland wurden in den letzten Jahren neue Bahnstrecken in Betrieb genommen. Stockholm bekommt auch bald einen neuen Bahntunnel. All diese Strecke wurde und werden mit 16,7 Hz ausgerüstet. Wenn es wirklich so günstig wäre, neue Strecken mit 50 Hz auszurüsten, würde es ja mal jemand machen. Da jedoch 4 von einander unabhängige EIUs, mit der BLS sind es sogar 5, auch bei einer Neu-Elektrifizierung an 16,7 Hz festhalten, kann der Standard auch ökonomisch nicht so schlecht sein.


Mit keinem Wort sagte ich unwichtig. Ich sagte nur wenige. Du kannst nicht bestreiten, dass in den meisten Ländern die meisten Züge im Inland bleiben. Und die Kosten hängen nicht mit der Wichtigkeit, sondern der Anzahl der Züge zusammen.

Das bestreite ich auch nicht. Nur wenn man für die wenigen Grenz-überschreitenden Züge sehr viel Geld für den Fahrweg ausgibt, ist es sehr seltsam an der Bahnstromversorgung sparen zu wollen.

apropos gewagte Prognose

flierfy, Montag, 15.08.2016, 20:05 (vor 3520 Tagen) @ flierfy

Bei einer kleinen Internet-Recherche bin ich über diesen Artikel gestolpert: http://www.zeit.de/1954/10/elektrifizierung-weiter-im-vormarsch
Der ist schon ein Bisschen älter. Doch die darin geäusserte Prognose bestätigt mich darin, anzunehmen, dass Italien bei 3 kV DC bleibt. Nicht alles, was nach Zukunft aussieht, ist auch wirklich die Zukunft.

Stromsysteme: Frankreich macht's richtig

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Sonntag, 14.08.2016, 12:07 (vor 3521 Tagen) @ Alphorn (CH)

Hallo Alphorn (CH),

2. HSL-Zuid. Französischer Strom in den Niederlanden. Nur 12 Zugpaare pro Tag brauchen französischen Strom, sie heissen "Thalys". Dafür müssen aber 32 Zugpaare namens "IC Direkt" nachträglich für französischen Strom tauglich gemacht werden.

Wenn man die 1.5 kV in den Niederlanden irgendwann loswerden will - und das sollte man wollen - ...

Sehe ich auch so. Jetzt müssen Bahnunternehmen Sonderlösungen für die Niederlande bedenken. Auf der Stromsystem-Rangliste steht 1500 V DC erst auf Rang 4. Viele Güterspediteure bevorzugen für ihre Züge in die Niederlande dann auch Dieseltraktion; dabei wird manchmal bereits in Köln Gbf Traktion gewechselt, damit man ohne zu halten durch Venlo fahren kann. Nur schade, dass oberhalb der Strecke Oberleitung hängt, die nicht benutzt wird.
Sogar auf der Betuweroute wird mit Diesel gefahren; dann weiss man schon, dass der Zug nicht Richtung Maasvlakte verkehrt, sondern z.B. nach Amsterdam oder die Corus-Hochofenanlage in Beverwijk.

...dann sind 25 kV/50 Hz die richtige Wahl.

Sehe ich auch so und mit der Betuweroute und der HSL-Zuid hat man zumindest schon einen Anfang gemacht.
Nur schade, dass zuerst die BR189NL entwickelt wurde und man erst danach entschied, die 1500 V Insel Emmerich-Zevenaar auf 25kV umzustellen. Hätte man die Insel noch vor Freischaltung der Betuweroute umgestellt, dann hätte z.B. eine 185 (wovon z.B. DB Cargo zur Zeit schon 200-300 Stück hatte) schon die Maasvlakte erreichen können. Auch die österreichischen Containershuttle könnte man mit einer 1116 (Zweisystem) fahren, statt mit einer 1216 (Dreisystem).

Technisch sind sie den 15 kV/16.7Hz in jeder Hinsicht überlegen:

Die Wahl ist bei uns nicht 15kV oder 25kV, sondern 25kV oder 3000 V (belgischer Strom).
Von einer möglichen Umstellung auf deutschen Strom war bei uns niemals die Rede.
Es ist nur so, dass ich deutscher Strom sogar noch eine bessere Wahl finde als belgische.

Argumente für 25kV und gegen 3000 V:

+ Wechselstromfrequenz ist dieselbe wie der Haushaltstrom
+ man hat schon die Betuweroute und die HSL-Zuid
+ Stromabnahme kleiner als bei 3000 V
+ AC-Zweisystemfahrzeug leichter machbar als Viersystemfahrzeug
+ erwünschter 200 km/h leichter machbar als bei 3000 V

Das (in NL leider ausschlaggebende) Gegenargument sind die Kosten. Angeblich möchte man lieber die Insel vergrössern, statt dem Festland beitreten. Ich sage nur: lieber einmal richtig machen, als zweimal halbwegs. Hier sollten NL und BE gemeinsam die 25 kV Umstellung nachstreben und nicht jeder für sich. Und wird somit eine Reise Amsterdam-Marseille genauso selbstverständlich wie eine Reise Amsterdam-Maastricht.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

stark überbewertet

heineken, Sonntag, 14.08.2016, 12:51 (vor 3521 Tagen) @ Oscar (NL)

Sehe ich auch so und mit der Betuweroute und der HSL-Zuid hat man zumindest schon einen Anfang gemacht.
Nur schade, dass zuerst die BR189NL entwickelt wurde und man erst danach entschied, die 1500 V Insel Emmerich-Zevenaar auf 25kV umzustellen.

Wenn man erstmal 3 kV DC in die Maschine hineinbekommt, dann sind 1,5 kV DC kein großes Problem mehr. Und da die aus einer 1,5 kV Fahrleitung entnehmbare Leistung sowieso beschränkt ist, kann man auch wie bei der 189NL (ES64F4) geschehen mit ggü. AC- und 3 kV DC-Betrieb verminderter Leistung operieren.
In deinem Duktus wäre es da viel wichtiger, sowohl 1,5 als auch 3 kV DC komplett zu tilgen und nur noch AC zu fahren. Ob dann 15/16,7 oder 25/50 spielt kaum eine Rolle (sooo viel schwerer ist die Gesamteinheit Trafo auch nicht).

Hätte man die Insel noch vor Freischaltung der Betuweroute umgestellt, dann hätte z.B. eine 185 (wovon z.B. DB Cargo zur Zeit schon 200-300 Stück hatte) schon die Maasvlakte erreichen können. Auch die österreichischen Containershuttle könnte man mit einer 1116 (Zweisystem) fahren, statt mit einer 1216 (Dreisystem).

Rh 1216, Dreisystem, kann doch gar kein 1,5 kV DC?

Stromsysteme: Frankreich macht's richtig

SPFVG, Sonntag, 14.08.2016, 17:11 (vor 3521 Tagen) @ Oscar (NL)
bearbeitet von SPFVG, Sonntag, 14.08.2016, 17:16

Hallo Alphorn (CH),

2. HSL-Zuid. Französischer Strom in den Niederlanden. Nur 12 Zugpaare pro Tag brauchen französischen Strom, sie heissen "Thalys". Dafür müssen aber 32 Zugpaare namens "IC Direkt" nachträglich für französischen Strom tauglich gemacht werden.

Wenn man die 1.5 kV in den Niederlanden irgendwann loswerden will - und das sollte man wollen - ...


Sehe ich auch so. Jetzt müssen Bahnunternehmen Sonderlösungen für die Niederlande bedenken. Auf der Stromsystem-Rangliste steht 1500 V DC erst auf Rang 4. Viele Güterspediteure bevorzugen für ihre Züge in die Niederlande dann auch Dieseltraktion; dabei wird manchmal bereits in Köln Gbf Traktion gewechselt, damit man ohne zu halten durch Venlo fahren kann. Nur schade, dass oberhalb der Strecke Oberleitung hängt, die nicht benutzt wird.
Sogar auf der Betuweroute wird mit Diesel gefahren; dann weiss man schon, dass der Zug nicht Richtung Maasvlakte verkehrt, sondern z.B. nach Amsterdam oder die Corus-Hochofenanlage in Beverwijk.

Na und genau aus dem Grund wäre ich mit den 3kV DC schon zufrieden. Die 25kV-Taube auf dem Dache ist zwar schön zu bewundern, aber halt unerreichbar, da zu teuer.

Technisch ist es auch kein großes Problem mehr, man speist die 3kV DC einfach direkt in den Zwischenkreis.

Rein theoretisch wäre es noch interessant, ob 15 kV irgendwie machbar wären, v.a. ob genug Sicherheitsabstand bei den bestehenden Brücken bestünde, aber in der Praxis wird man sich ein extra 110kV 16,7 Hz Bahnstromnetz in NL dann auch nicht leisten wollen.
Bleibt nur 3 kV. Zwar nicht das Beste, aber allemal besser als 1,5. oder anders gesagt: Lieber ne große Insel als ein Einpalmen-Eiland. Neben Belgien gibts 3kV ja auch noch in (Spanien, da aber nur Breispur), Italien, Polen und Tschechien, das ist schon nicht wenig.

Das (in NL leider ausschlaggebende) Gegenargument sind die Kosten. Angeblich möchte man lieber die Insel vergrössern, statt dem Festland beitreten. Ich sage nur: lieber einmal richtig machen, als zweimal halbwegs. Hier sollten NL und BE gemeinsam die 25 kV Umstellung nachstreben und nicht jeder für sich. Und wird somit eine Reise Amsterdam-Marseille genauso selbstverständlich wie eine Reise Amsterdam-Maastricht.

Wäre schön, aber es ist halt verdammt teuer. Das kostet Milliardenbeträge und im Süden+Osten gibts wie oben erwähnt sowie so auch noch große 3kV Gebiete.

Grenzüberschreitender Bahnverkehr = Lachnummer?

Murrtalbahner, Sonntag, 14.08.2016, 12:31 (vor 3521 Tagen) @ Oscar (NL)

Dank Oscar, dass Du meine Aussage zu diesem Thema aufgegriffen hast.

Technik ist nicht so mein Ding, deswegen von mir nur ein paar einfache Überlegungen:
Ist es nicht eher so, dass die unterschiedlichen Stromsysteme ein lösbares Problem sind? Es gibt ja durchaus Lokomotiven, die rein vom Stromsystem her nahezu ganz Europa befahren können - wenn, ja wenn sie die Zulassung in den unterschiedlichen Ländern bekommen würden. Da fangen doch die Probleme an: Als viel schwierige empfinde ich die unterschiedlichen (teils lächerlichen) Vorschriften an den Eisenbahnbetrieb. Ebenso die unterschiedlichen Sicherungssysteme und nicht zuletzt vielleicht auch der politische (Un)Wille einen deutschen ICE im französischen TGV-Land zuzulassen.

Es ist ja nicht so, dass es nicht möglich wäre, Fahrzeuge mit vertretbarem Kostenaufwand für einen Grenzverkehr zwischen Deutschland, Frankreich, Schweiz, Belgien, Niederlander usw. zu bauen und in den Betrieb zu bringen. Ein regionales Nahverkehrsnetz mit grenzüberschreitendem Verkehr z.B. im Raum Karlsruhe/Straßburg, Basel, Konstanz, Aachen, Venlo, Emmerich, Frankfurt (O) oder Stettin scheitert doch nicht an der Technik sondern am Unwillen der Beteiligten. Teilweise wird/wurde das ja schon gemacht. Aber wenn man lieber monatelang die letzten 3km nach Stettin einen SEV mit 45 Minuten Verzögerung einrichtet, anstatt nochmal einen 628er vom Abstellgleis zu holen, dann hilft auch kein einheitliches Strom- und Signalisierungssystem mehr.

nationales Denken = Basisfehler?

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Sonntag, 14.08.2016, 13:10 (vor 3521 Tagen) @ Murrtalbahner
bearbeitet von Oscar (NL), Sonntag, 14.08.2016, 13:10

Hallo Murrtalbahner,

Ist es nicht eher so, dass die unterschiedlichen Stromsysteme ein lösbares Problem sind?

Klar ist das Problem lösbar. Aber...

Es gibt ja durchaus Lokomotiven, die rein vom Stromsystem her nahezu ganz Europa befahren können - wenn, ja wenn sie die Zulassung in den unterschiedlichen Ländern bekommen würden.

...hier beginnt schon das Elend. Diese unterschiedlichen Regularien sollen nicht sein.
Wenn Jan ein Auto kauft, kann er damit in ganz Europa fahren. Ja, er muss im Ausland abweichende Verkehrsregeln berücksichtigen. Genauso wie es abweichende Signalisierung entlang die Eisenbahnen gibt.

Was mich am meisten stört, ist dass man nicht über die Staatsgrenze hinweg schaut. Das durfte schon der Basisfehler sein.
Gut, man kann das Europa der 1950er nicht vorwerfen, dass das China der 2010er es längst überholt hat. Nicht nur mit Rennbahnen, sondern auch mit SPNV und Cargobahnen.
Aber man hätte vielleicht bei der Entwicklung der TEE-Fahrzeuge schon entscheiden können: wir verabschieden uns die Gleichstromnetze.

Als ICE-Fan bin ich geneigt zu sagen: wenn Europa damals so einverstanden und tatkräftig vorangetrieben hatte wie heute die Chinesen, hätte es vermutlich einen systemwechselfreien ICE International Amsterdam-Frankurt-Basel-Mailand gegeben. Oder, etwas pragmatischer: alle Städte Europas wären mit systemwechselfreien IC200-Zügen in Stundentakt bereisbar.

Wie ich schon oft schrieb:
Schienenstrangen enden nicht bei einer Staatsgrenze, sondern bei einem Prellbock.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Meine vollste Zustimmung!

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 14.08.2016, 16:55 (vor 3521 Tagen) @ Oscar (NL)

Besser kann ich es dann auch nicht ausdrücken, genau so und nicht anders sehe ich es auch :-)

Ich kann es auch irgendwie nicht nachvollziehen, wieso man Wert auf Grenzen legt, die völlig willkürlich sind, die meist keine geographischen Gründe haben, sondern eher geschichtliche und ganz ehrlich, es gibt Dinge, die sind alt, aber ganz sicher nicht bewährt und dazu gehören Grenzen in dieser Form. Klar, Grenzen trennen beispielsweise Sprachen auch ab, aber wie man es an der Schweiz sieht, sollte das doch das allergeringste Problem darstellen ;-)

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

grenzüberschreitender Bahnverkehr

lokuloi, Sonntag, 14.08.2016, 22:59 (vor 3520 Tagen) @ Oscar (NL)


Als ICE-Fan bin ich geneigt zu sagen: wenn Europa damals so einverstanden und tatkräftig vorangetrieben hatte wie heute die Chinesen, hätte es vermutlich einen systemwechselfreien ICE International Amsterdam-Frankurt-Basel-Mailand gegeben.

Aber gibt es für so eine vertaktete Linie überhaupt Bedarf? Vor allem beim derzeitigen Ausbauzustand der Infrastruktur? So eine Linie scheitert nicht an den Systemwechseln. Sie scheitert daran, dass es derzeit 12 Stunden dauert. Für diejenigen, die das fahren wollen, gibt es eine schöne Umsteigeverbindung, mit nur einem Umstieg in Basel.

Perspektivisch, wenn es dann den ein oder anderen EC Frankfurt - Mailand geben wird, werden es mehr Verbindungen mit nur einmal Umsteigen. Und mit Inbetriebnahme von GBT, Ceneri und den diversen Inbetriebnahmen der NBS/ABS im Oberrheingraben auch schneller.

Wie gesagt. Ich sehe hier das Problem nicht in den Systemwechseln. Sie behindern den Güterverkehr ja auch nicht, bzw. nicht entscheidend. Der grenzüberschreitende Güterverkehr in Europa scheint mir jedenfalls gut zu laufen. Genügend Mehrsystemloks vorhanden. Und irgendwo wird man ja immer die Lok wechseln müssen/wollen. Wird ja keine von Narvik bis Jerez durchlaufen ;-).

Oder, etwas pragmatischer: alle Städte Europas wären mit systemwechselfreien IC200-Zügen in Stundentakt bereisbar.

Ja.

Aus Eindhovner Sicht schaut das natürlich schlecht aus. Willst Du nach Köln musst du erst zurück nach Utrecht, willst Du nach Brüssel musst du zuerst zurück nach Rotterdam. Aber ich würde das jetzt nicht als repräsentativ für Europa sehen.Aus Münchner Sicht sieht manches schon ganz anders aus.

Natürlich kann man sich immer Verbesserungen vorstellen - das sowieso. Aber so schlecht ist es jetzt auch wieder nicht, vor allem nicht so viel schlechter als früher. Anders ja, nicht zwingend schlechter.

Die Langläufer gibt's nicht mehr, aber sind die wirklich (noch) wichtig?

Dafür gibt's vertakteten hochwertigen Verkehr im Bereich von 6-8 Stunden Fahrzeit, mit konkurrenzfähigen Geschwindigkeiten.

Von 2-Stunden-Takt-Linien wie

ICE Frankfurt - Wien
RJ München - Wien - Budapest
oder auch
ICE Frankfurt - Amsterdam
und
Thalys Amsterdam - Paris

konnte man in den 80er nur träumen (Takt und Fahrzeit und m.M.n. auch Komfort!)

Von

Kopenhagen - Stockhokm
oder
Wien - Prag

ganz zu schweigen.

Wie ich schon oft schrieb:
Schienenstrangen enden nicht bei einer Staatsgrenze, sondern bei einem Prellbock.

Ja. Und - wie gesagt - auch wenn's überall und bei allem Verbesserungsmöglichkeiten gibt: so schlecht ist's auch nicht.


gruß,

Oscar (NL).

Ciao,
Uli

grenzüberschreitender Bahnverkehr

J-C, In meiner Welt, Montag, 15.08.2016, 10:24 (vor 3520 Tagen) @ lokuloi


Als ICE-Fan bin ich geneigt zu sagen: wenn Europa damals so einverstanden und tatkräftig vorangetrieben hatte wie heute die Chinesen, hätte es vermutlich einen systemwechselfreien ICE International Amsterdam-Frankurt-Basel-Mailand gegeben.


Aber gibt es für so eine vertaktete Linie überhaupt Bedarf? Vor allem beim derzeitigen Ausbauzustand der Infrastruktur? So eine Linie scheitert nicht an den Systemwechseln. Sie scheitert daran, dass es derzeit 12 Stunden dauert. Für diejenigen, die das fahren wollen, gibt es eine schöne Umsteigeverbindung, mit nur einem Umstieg in Basel.

Wenn es daran scheitert, es gibt ja in der Relation eine Menge Ausbaubedarf, wobei ich denke, dass dort eher ein Transrapid hinsollte.


Perspektivisch, wenn es dann den ein oder anderen EC Frankfurt - Mailand geben wird, werden es mehr Verbindungen mit nur einmal Umsteigen. Und mit Inbetriebnahme von GBT, Ceneri und den diversen Inbetriebnahmen der NBS/ABS im Oberrheingraben auch schneller.

Das ist schonmal ganz nett, aber was ist beispielsweise mit Frankfurt-Prag?

Wie gesagt. Ich sehe hier das Problem nicht in den Systemwechseln. Sie behindern den Güterverkehr ja auch nicht, bzw. nicht entscheidend. Der grenzüberschreitende Güterverkehr in Europa scheint mir jedenfalls gut zu laufen. Genügend Mehrsystemloks vorhanden. Und irgendwo wird man ja immer die Lok wechseln müssen/wollen. Wird ja keine von Narvik bis Jerez durchlaufen ;-).

Aber wozu Mehrsystemloks, wenn man sich mit einem Stromsystem zufrieden geben kann?

Oder, etwas pragmatischer: alle Städte Europas wären mit systemwechselfreien IC200-Zügen in Stundentakt bereisbar.


Ja.

Aus Eindhovner Sicht schaut das natürlich schlecht aus. Willst Du nach Köln musst du erst zurück nach Utrecht, willst Du nach Brüssel musst du zuerst zurück nach Rotterdam. Aber ich würde das jetzt nicht als repräsentativ für Europa sehen.Aus Münchner Sicht sieht manches schon ganz anders aus.

Aber München ist auch eine ganz andere Liga. Ich lebe jetzt ja in der Nähe der Kleinstadt Hodonín und weiß es zu schätzen, dass ich ohne Umsteigen direkt durch nach Wien komme per EC oder Ex.

Natürlich kann man sich immer Verbesserungen vorstellen - das sowieso. Aber so schlecht ist es jetzt auch wieder nicht, vor allem nicht so viel schlechter als früher. Anders ja, nicht zwingend schlechter.

Aber es könnte besser sein.

Die Langläufer gibt's nicht mehr, aber sind die wirklich (noch) wichtig?

Ich würde da eh die Lösung Transrapid präferieren.

Dafür gibt's vertakteten hochwertigen Verkehr im Bereich von 6-8 Stunden Fahrzeit, mit konkurrenzfähigen Geschwindigkeiten.

Was auch sehr löblich ist.

Von 2-Stunden-Takt-Linien wie

ICE Frankfurt - Wien
RJ München - Wien - Budapest
oder auch
ICE Frankfurt - Amsterdam
und
Thalys Amsterdam - Paris

konnte man in den 80er nur träumen (Takt und Fahrzeit und m.M.n. auch Komfort!)

Von

Kopenhagen - Stockhokm
oder
Wien - Prag

ganz zu schweigen.

Das kann ich durchaus unterschreiben, auch wenn es immer Luft nach oben gibt. Berlin-Wien könnte beispielsweise projektiert werden, sobald die Streckenausbauten zwischen beiden Städten alle abgeschlossen sind.

Wie ich schon oft schrieb:
Schienenstrangen enden nicht bei einer Staatsgrenze, sondern bei einem Prellbock.


Ja. Und - wie gesagt - auch wenn's überall und bei allem Verbesserungsmöglichkeiten gibt: so schlecht ist's auch nicht.

Worauf man sich allerdings nicht ausruhen sollte. Denn wo Luft nach oben ist, muss man sich darum kümmern, dass man auch nach oben kommt.


gruß,

Oscar (NL).


Ciao,
Uli

Gruß

Jan-Christian

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

grenzüberschreitender Bahnverkehr

lokuloi, Montag, 15.08.2016, 21:14 (vor 3519 Tagen) @ J-C


Perspektivisch, wenn es dann den ein oder anderen EC Frankfurt - Mailand geben wird, werden es mehr Verbindungen mit nur einmal Umsteigen. Und mit Inbetriebnahme von GBT, Ceneri und den diversen

Inbetriebnahmen der NBS/ABS im Oberrheingraben auch schneller.

Das ist schonmal ganz nett, aber was ist beispielsweise mit Frankfurt-Prag?

Das ist doch ein gutes Beispiel:

Es gibt es Abfahrten im Zweistundentakt um 6:18 und von 8:22 bis 16:22 in 7 Stunden und 6 Minuten, allerdings mit 2 zweimal Umsteigen in Leipzig und Dresden. Aber eine halbe Stunde schneller als der durchgehende EC in den 90ern.

Die Verkehre wurden eben systematisiert. Die Züge Dresden - Prag kommen jetzt grundsätzlich aus Berlin. Man muss in Dresden umsteigen. Optimieren könnte man noch die Umsteigezeit in Dresden (derzeit 30 Minuten). Zudem wäre es natürlich schöner, wenn man in Leipzig nicht auch umsteigen müsste. Mit der Inbetriebnahme der NBS Ebensfeld - Erfurt wird aber eh der Fahrplan neu geordnet. Auch der Ausbau Berlin - Dresden könnte Einfluss auf die Zeitlage der ECs Dresden - Prag haben. Mal schauen was sich dann ergibt. Der Anschluss aus Frankfurt und Leipzig scheint mir einer der wichtigeren der ECs nach Prag zu sein. Vielleicht lässt sich der noch besser gestalten. 20 Minuten wären da schon drin.

Infrastrukturmäßig ist die Strecke erstmal weitgehend ausgebaut. Ein paar Minuten kommen noch zwischen Eisenach und Erfurt (Ende 2017). Auch zwischen Coswig und Riesa soll noch ausgebaut werden.

Ausbauten zwischen Hanau und Eisenach sind geplant, aber das wird noch dauern. Ein Ausbau Dresden - Prag liegt in weiter Ferne und ist m.M.n. unrealistisch.

Zwischen Frankfurt und Prag gibt es außerdem um 8:19, 12:21 und 14:21 Verbindungen mit 2x Umsteigen in Nürnberg und Cheb in ca. 7:20 und damit eine Viertel Stunde schneller als der durchgehende EC in den 90ern.

Um 10:18 dauert es sogar nur 6:58 (und damit 40 Minuten schneller als der EC in den 90ern). Da verkehrt von Cheb nämlich der SC nach Prag. Das dürfte derzeit das Optimum sein.

Auch hier wurden die Verbindungen sysematisiert. Insbesondere gibt es grenzüberschreitend Nürnberg - Cheb im Zweistundentakt mit Neigetechnik in 1:45.


Eine Elektrifizierung Nürnberg - Cheb ist zwar nicht völlig unrealisitisch dürfte aber fahrzeitmäßig nichts bringen.Die wäre eher für den Güterverkehr wichtg. Verbesserungen sollten dann da unternommen werden, wo es vielen etwas bringt. Da wäre insbesondere in Tschechien der Abschnitt Prag-Pilsen zu nennen. Da im Speziellen Prag-Beroun. Da war schon vor 10 Jahren was geplant (http://www.praha-beroun.cz/?f_lng=en). Nur hört man davon nicht mehr allzuviel. Aber der würde nicht nur die Verkehre von Prag nach Süddeutschland sondern insbesondere auch die innertschechischen Verkehre nach Pilsen und darüberhinaus beschleunigen. Dazu würde es die Strecke Prag - Beroun entlasten und Platz für den Vorort-Verkehr schaffen. Hier würde eine sinnvolle nationale Maßnahme auch den internationalen Verkehr um ca. 20 Minuten beschleunigen.


Ob die angebotenen Verbindungen Frankfurt - Prag jetzt gut oder schlecht sind, liegt natürlich im Auge des Betrachters. Jedenfalls liegt es auch hier nicht an den verschiedenen Stromsystemen, dass sie nicht besser sind, und sie sind auch nicht schlechter als in den 90ern -nur anders.

Wie gesagt. Ich sehe hier das Problem nicht in den Systemwechseln. Sie behindern den Güterverkehr ja auch nicht, bzw. nicht entscheidend. Der grenzüberschreitende Güterverkehr in Europa scheint mir jedenfalls gut zu laufen. Genügend Mehrsystemloks vorhanden. Und irgendwo wird man ja immer die Lok wechseln müssen/wollen. Wird ja keine von Narvik bis Jerez durchlaufen ;-).

Aber wozu Mehrsystemloks, wenn man sich mit einem Stromsystem zufrieden geben kann?

Weil Mehrsystemloks wesentlich günstiger sind, als 10.000e Kilometer Strecke neu zu elektrifizieren. Der Nutzen steht einfach in keinem Verhältnis zum Aufwand.


Ja. Und - wie gesagt - auch wenn's überall und bei allem Verbesserungsmöglichkeiten gibt: so schlecht ist's auch nicht.

Worauf man sich allerdings nicht ausruhen sollte. Denn wo Luft nach oben ist, muss man sich darum kümmern, dass man auch nach oben kommt.

Klar.

Es wird ja z.B.

- Geltendorf - Lindau elektrfiziert und ausgebaut. Fahrzeitverkürzung: fast 30 Minuten für München - Zürich.

Weitere zukünftige und absehbare internationale Ausbauten wären:
- Emmerich - Oberhausen
- Feste Fehrmanbeltquerung
- Brennerbasistunnel

Und auch z.B. die Verbindung "deutsches Inntal - Kundl" als Teil der neuen Unterinntalbahn zwischen Rosenheim und Innsbruck und die Elektrifzierung Markt Schwaben - Freilassing im Zuge der Verbindung München - Salzburg wird früher oder später kommen. Letzters dürfte für München - Wien nochmals 20 Minuten bringen. Es tut sich schon was, wenn auch langsam. Und mit den neuen Infrastrukturen kommen dann auch passende Fahrzeuge.

Gruß

Jan-Christian

heute etwas länger,
Uli

grenzüberschreitender Bahnverkehr

J-C, In meiner Welt, Montag, 15.08.2016, 21:35 (vor 3519 Tagen) @ lokuloi
bearbeitet von J-C, Montag, 15.08.2016, 21:36


Perspektivisch, wenn es dann den ein oder anderen EC Frankfurt - Mailand geben wird, werden es mehr Verbindungen mit nur einmal Umsteigen. Und mit Inbetriebnahme von GBT, Ceneri und den diversen

Inbetriebnahmen der NBS/ABS im Oberrheingraben auch schneller.

Das ist schonmal ganz nett, aber was ist beispielsweise mit Frankfurt-Prag?


Das ist doch ein gutes Beispiel:

Es gibt es Abfahrten im Zweistundentakt um 6:18 und von 8:22 bis 16:22 in 7 Stunden und 6 Minuten, allerdings mit 2 zweimal Umsteigen in Leipzig und Dresden. Aber eine halbe Stunde schneller als der durchgehende EC in den 90ern.

Die Verkehre wurden eben systematisiert. Die Züge Dresden - Prag kommen jetzt grundsätzlich aus Berlin. Man muss in Dresden umsteigen. Optimieren könnte man noch die Umsteigezeit in Dresden (derzeit 30 Minuten). Zudem wäre es natürlich schöner, wenn man in Leipzig nicht auch umsteigen müsste. Mit der Inbetriebnahme der NBS Ebensfeld - Erfurt wird aber eh der Fahrplan neu geordnet. Auch der Ausbau Berlin - Dresden könnte Einfluss auf die Zeitlage der ECs Dresden - Prag haben. Mal schauen was sich dann ergibt. Der Anschluss aus Frankfurt und Leipzig scheint mir einer der wichtigeren der ECs nach Prag zu sein. Vielleicht lässt sich der noch besser gestalten. 20 Minuten wären da schon drin.

Aber attraktiv ist es nimmer. Ich bin selber jemand, der eigentlich nicht soooo gerne umsteigt, ich mag es am liebsten, meine Reise ohne Umstiegen durchführen zu können, das ist bequem, einfach streicht sämtliche Risiken weg, die beim Umstieg auftreten könnten. In sofern ist zwingend erforderlich, dass Frankfurt-Prag wenigstens ein Mal am Tag eine Direktverbindung hat. Kann man dann ja auch zur Not durchbinden, damit ein Schuh draus wird.

Infrastrukturmäßig ist die Strecke erstmal weitgehend ausgebaut. Ein paar Minuten kommen noch zwischen Eisenach und Erfurt (Ende 2017). Auch zwischen Coswig und Riesa soll noch ausgebaut werden.

Das ist natürlich erfreulich.

Ausbauten zwischen Hanau und Eisenach sind geplant, aber das wird noch dauern. Ein Ausbau Dresden - Prag liegt in weiter Ferne und ist m.M.n. unrealistisch.

Ich halte es für sehr realistisch, es ist nur eine Frage des Willens... ich wiederhole mich...

Zwischen Frankfurt und Prag gibt es außerdem um 8:19, 12:21 und 14:21 Verbindungen mit 2x Umsteigen in Nürnberg und Cheb in ca. 7:20 und damit eine Viertel Stunde schneller als der durchgehende EC in den 90ern.

Wooow, aber damit sollte man sich nicht zufrieden geben und schauen, dass es weniger wird.

Um 10:18 dauert es sogar nur 6:58 (und damit 40 Minuten schneller als der EC in den 90ern). Da verkehrt von Cheb nämlich der SC nach Prag. Das dürfte derzeit das Optimum sein.

Derzeit. Aber das ist nicht in Stein gemeißelt. Ein Transrapid beispielsweise würde dann völlig neue Möglichkeiten eröffnen. Ist zwar etwas aus dem Thema, aber ich finde, auf lange Sicht wird ein Transrapid unentbehrlich.

Auch hier wurden die Verbindungen sysematisiert. Insbesondere gibt es grenzüberschreitend Nürnberg - Cheb im Zweistundentakt mit Neigetechnik in 1:45.

Das ist schön, aber wieso nicht elektrisch?


Eine Elektrifizierung Nürnberg - Cheb ist zwar nicht völlig unrealisitisch dürfte aber fahrzeitmäßig nichts bringen.Die wäre eher für den Güterverkehr wichtg.

Aber wenn man dabei eine Neubaustrecke baut, wird in Kombination mit einer Elektrifizierung wieder ein Schuh draus und die Chancen stehen gar nicht so schlecht. Extra dafür haben sich Sobotka und Seehofer mal getroffen, damit das mal forciert wird.

Verbesserungen sollten dann da unternommen werden, wo es vielen etwas bringt. Da wäre insbesondere in Tschechien der Abschnitt Prag-Pilsen zu nennen. Da im Speziellen Prag-Beroun. Da war schon vor 10 Jahren was geplant (http://www.praha-beroun.cz/?f_lng=en). Nur hört man davon nicht mehr allzuviel. Aber der würde nicht nur die Verkehre von Prag nach Süddeutschland sondern insbesondere auch die innertschechischen Verkehre nach Pilsen und darüberhinaus beschleunigen. Dazu würde es die Strecke Prag - Beroun entlasten und Platz für den Vorort-Verkehr schaffen. Hier würde eine sinnvolle nationale Maßnahme auch den internationalen Verkehr um ca. 20 Minuten beschleunigen.

Dann hoffe ich, dass die Tschechen mal da Vorbild werden für Deutschland ;-)


Ob die angebotenen Verbindungen Frankfurt - Prag jetzt gut oder schlecht sind, liegt natürlich im Auge des Betrachters. Jedenfalls liegt es auch hier nicht an den verschiedenen Stromsystemen, dass sie nicht besser sind, und sie sind auch nicht schlechter als in den 90ern -nur anders.

Aber mit gleichem Stromsystem wäre eine flexiblere Nutzung des Lok- und Wagenmaterials möglich, beziehungsweise auch des Triebwagenmaterials.

Wie gesagt. Ich sehe hier das Problem nicht in den Systemwechseln. Sie behindern den Güterverkehr ja auch nicht, bzw. nicht entscheidend. Der grenzüberschreitende Güterverkehr in Europa scheint mir jedenfalls gut zu laufen. Genügend Mehrsystemloks vorhanden. Und irgendwo wird man ja immer die Lok wechseln müssen/wollen. Wird ja keine von Narvik bis Jerez durchlaufen ;-).

Aber wozu Mehrsystemloks, wenn man sich mit einem Stromsystem zufrieden geben kann?


Weil Mehrsystemloks wesentlich günstiger sind, als 10.000e Kilometer Strecke neu zu elektrifizieren. Der Nutzen steht einfach in keinem Verhältnis zum Aufwand.

Du siehst das viel zu kurz. Die Investition in ein einheitliches Stromsystem wird vielleicht Geld kosten, aber diese Investition ist nur einmal zu tätigen und dann kommen nur noch die üblichen Instandhaltungskosten.

Neue Eloks hingegen wird man auch in Zukunft wieder und wieder beschaffen müssen, die entfallenen Kosten würden auf lange Sicht die Investition in eine Vereinheitlichung rechtfertigen.


Ja. Und - wie gesagt - auch wenn's überall und bei allem Verbesserungsmöglichkeiten gibt: so schlecht ist's auch nicht.

Worauf man sich allerdings nicht ausruhen sollte. Denn wo Luft nach oben ist, muss man sich darum kümmern, dass man auch nach oben kommt.


Klar.

Es wird ja z.B.

- Geltendorf - Lindau elektrfiziert und ausgebaut. Fahrzeitverkürzung: fast 30 Minuten für München - Zürich.

Weitere zukünftige und absehbare internationale Ausbauten wären:
- Emmerich - Oberhausen
- Feste Fehrmanbeltquerung
- Brennerbasistunnel

Und auch z.B. die Verbindung "deutsches Inntal - Kundl" als Teil der neuen Unterinntalbahn zwischen Rosenheim und Innsbruck und die Elektrifzierung Markt Schwaben - Freilassing im Zuge der Verbindung München - Salzburg wird früher oder später kommen. Letzters dürfte für München - Wien nochmals 20 Minuten bringen. Es tut sich schon was, wenn auch langsam. Und mit den neuen Infrastrukturen kommen dann auch passende Fahrzeuge.

Gruß

Jan-Christian


heute etwas länger,
Uli

Das ist lobenswert, wobei anderswo zwischen Stuttgart und Zürich wiederum es ziemlich mau aussieht mit der Optimierung...

Es ist heutzutage eine durchwachsene Geschichte. Einerseits haben Neubaustrecken immense Fahrtzeitverkürzungen gebracht. Andererseits gibt es Regionen, da geschieht... nichts.

Ich bin allgemein auch für mehr Willen zur Bahn, was auch willen mitbringen muss, die Bahn als Verkehrsträger zukunftsfähig zu machen und dazu gehört langfristig ein neues A-Netz in Form von Transrapid. Der Transrapid ist am ehesten fähig, die umwelttechnisch höchst fragwürdigen innereuropäischen Flüge völlig zu substituieren, dank einer viel höheren Geschwindigkeit, die man planmäßíg sinnvoll erreichen kann als beim konventionellen Schienenverkehr.

Und ich finde, das ist auch passend, wenn wir über Bahnverkehr in Europa reden. Denn ein Transrapid lohnt sich nicht vom Hauptbahnhof in zum Flughafen. Weder in Shanghai, noch in Stoibers München. Nein, wenn es von München Hauptbahnhof nach München Flughafen gehen soll, dann als Teil einer Verbindung Paris-Frankfurt-München-Wien-Budapest!

In diesem Sinne

Liebe Grüße

Jan-Christian

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

grenzüberschreitender Bahnverkehr

lokuloi, Dienstag, 16.08.2016, 17:01 (vor 3519 Tagen) @ J-C


Die Verkehre wurden eben systematisiert. Die Züge Dresden - Prag kommen jetzt grundsätzlich aus Berlin. Man muss in Dresden umsteigen. Optimieren könnte man noch die Umsteigezeit in Dresden (derzeit 30 Minuten). Zudem wäre es natürlich schöner, wenn man in Leipzig nicht auch umsteigen müsste. Mit der Inbetriebnahme der NBS Ebensfeld - Erfurt wird aber eh der Fahrplan neu geordnet. Auch der Ausbau Berlin - Dresden könnte Einfluss auf die Zeitlage der ECs Dresden - Prag haben. Mal schauen was sich dann ergibt. Der Anschluss aus Frankfurt und Leipzig scheint mir einer der wichtigeren der ECs nach Prag zu sein. Vielleicht lässt sich der noch besser gestalten. 20 Minuten wären da schon drin.

Aber attraktiv ist es nimmer. Ich bin selber jemand, der eigentlich nicht soooo gerne umsteigt, ich mag es am liebsten, meine Reise ohne Umstiegen durchführen zu können, das ist bequem, einfach streicht sämtliche Risiken weg, die beim Umstieg auftreten könnten. Insofern ist zwingend erforderlich, dass Frankfurt-Prag wenigstens ein Mal am Tag eine Direktverbindung hat. Kann man dann ja auch zur Not durchbinden, damit ein Schuh draus wird.


Das ist halt der Nachteil von stark systematisierten und vertakteten Netzen: man muss öfters mal umsteigen.

Ich würde einen Zweistundentakt mit einmal Umsteigen in Dresden und einer Fahrzeit von ca. 6:30 für ein gutes Angebot halten. Das ist auch das was in Zukunft realistisch sein könnte. Mit dieser Fahrzeit erreichst Du durchaus noch einen guten Teil der potentiellen Kunden.

Ein durchgehender Zug scheitert nicht wirklich am Fahrzeugmaterial. Mit dem Railjet gibt es einen Zug, der in allen Ländern zugelassen ist und dort auch fährt, der sogar ETCS an Bord hat (anscheinend scheinen ja das österreichische ETCS und das zwischen Leipzig und Erfurt verbaute kompatibel zu sein – siehe ICE-T.) und in DE auch auf die NBSen darf. Wenn Bedarf wäre, könnte man ab „morgen“ einen RJ Frankfurt – Dresden – Prag in ca. 6:40 verkehren lassen…

. Ein Ausbau Dresden - Prag liegt in weiter Ferne und ist m.M.n. unrealistisch.

Ich halte es für sehr realistisch, es ist nur eine Frage des Willens... ich wiederhole mich...


Na dann sag das mal den Tschechen (oder Tschechieern ;-)?). Aber nachdem es in Tschechien noch keine Neubaustrecke gibt, nicht einmal die, die nun wirklich für alle Beteiligten einen großen Nutzen hätte, gebaut wird (s.u.), sehe ich da für Prag – Dresden schwarz. Wegen einem EC alle 2 Stunden eine sicherlich extrem teure NBS? Da gibt’s auch in Tschechien vorher noch viel weiteres Sinnvolleres.

Ja da würde ich sogar eine vollständige Umelektrifizierung auf 25 kV in Tschechien sinnvoller finden ;-). Aber nicht mal das wird gemacht, weil zu aufwändig…

Ein wirklich sinnvolles Projekt zur Vereinfachung des – nicht nur internationalen – Zugverkehrs wäre die automatische Kupplung. Aber auch da konnte man sich nicht einigen.

Deshalb gibt es auch jetzt viele verschiedene Triebzüge, unveränderliche Zugverbände, die untereinander nicht kompatibel sind. Und im Güterverkehr lädt man lieber wieder die Ware (sprich: Container) um, anstatt die Wägen zu rangieren, um den Kuppelaufwand zu reduzieren. Das wäre viel wichtiger gewesen als ein einheitliches Stromsystem.

Um 10:18 dauert es sogar nur 6:58 (und damit 40 Minuten schneller als der EC in den 90ern). Da verkehrt von Cheb nämlich der SC nach Prag. Das dürfte derzeit das Optimum sein.

Derzeit. Aber das ist nicht in Stein gemeißelt. Ein Transrapid beispielsweise würde dann völlig neue Möglichkeiten eröffnen. Ist zwar etwas aus dem Thema, aber ich finde, auf lange Sicht wird ein Transrapid unentbehrlich.

Auf lange und kurze Sicht ist der Transrapid völlig überflüssig. Im Bereich bis 500 oder sogar 1.000 km ist die herkömmliche Rad-Schiene-Technik mindestens ebenbürtig. Dafür wesentlich günstiger und vor allem mit der bestehenden Infrastruktur kompatibel, bzw. die entsprechende Infrastruktur schon aufgebaut und im Entstehen.

Im höheren Bereich wird er erst recht unwirtschaftlich, da ist der Flugverkehr mit seiner nur punktuell notwendigen Infrastruktur einfach sinnvoller. Für den brauche ich nicht nochmals zusätzliche 10-Tausende Kilometer Stecke in die Landschaft zu bauen. Und vor allem, wenn ich mal in der Luft bin, komme ich überall hin, nicht nur dahin, wo gerade eine Transrapidstrecke führt. Und selbst energetisch dürfte das langsam gleichwertig sein. Den auf Höhe 0 habe ich wesentlich mehr Luftwiderstand als in 10.000 Metern. Und bei diesen hohen Geschwindigkeiten ist der Luftwiderstand das Entscheidende.

Diese Nische zwischen Bahn- und Flugverkehr, die von Transrapid-Fans angeführt wird, gibt es – offensichtlich – nicht.

Auch hier wurden die Verbindungen sysematisiert. Insbesondere gibt es grenzüberschreitend Nürnberg - Cheb im Zweistundentakt mit Neigetechnik in 1:45.

Das ist schön, aber wieso nicht elektrisch?


Eine Elektrifizierung Nürnberg - Cheb ist zwar nicht völlig unrealisitisch dürfte aber fahrzeitmäßig nichts bringen.Die wäre eher für den Güterverkehr wichtg.


Aber wenn man dabei eine Neubaustrecke baut, wird in Kombination mit einer Elektrifizierung wieder ein Schuh draus und die Chancen stehen gar nicht so schlecht. Extra dafür haben sich Sobotka und Seehofer mal getroffen, damit das mal forciert wird.

Wie gesagt, Neubaustrecken sollten da gebaut werden, wo wirkliche Nachfrage herrscht. Das ist nicht zwischen Nürnberg und Eger.

Elektrifizierung wird vmtl. kommen, aber es kann gut sein, dass diese über Neukirchen – Weiden kommt. Das nutzt dem Güterverkehr, dem Personenverkehr dagegen nur wenig. Diesel-NT übers Pegnitztal wird trotzdem schneller bleiben.

Verbesserungen sollten dann da unternommen werden, wo es vielen etwas bringt. Da wäre insbesondere in Tschechien der Abschnitt Prag-Pilsen zu nennen. Da im Speziellen Prag-Beroun. Da war schon vor 10 Jahren was geplant (http://www.praha-beroun.cz/?f_lng=en). Nur hört man davon nicht mehr allzuviel. Aber der würde nicht nur die Verkehre von Prag nach Süddeutschland sondern insbesondere auch die innertschechischen Verkehre nach Pilsen und darüberhinaus beschleunigen. Dazu würde es die Strecke Prag - Beroun entlasten und Platz für den Vorort-Verkehr schaffen. Hier würde eine sinnvolle nationale Maßnahme auch den internationalen Verkehr um ca. 20 Minuten beschleunigen.

Dann hoffe ich, dass die Tschechen mal da Vorbild werden für Deutschland ;-)

Eher umgekehrt, oder?

Tschechien schafft es hier nicht einmal eine Mini-NBS mit hohem Nutzen zu bauen. Das entspricht gerademal einem NBS-Teilstück wie Stuttgart – Vaihingen.

Eine NBS Prag – Beroun würde die Strecke verkürzen, Kapazitäten für alle Verkehrsarten (FV, GV; NV) schaffen, Fahrzeiten verkürzen für alles von Prag nach Westen.

Wenn nicht mal das zu Stande kommt, dann sehe ich für weitere Neubauvorhaben schwarz. Also sollte sich hier vielmehr Tschechien mal die anderen (westlichen) Europäer zum Vorbild nehmen, und ihre Infrastruktur ausbauen.

Aber gefühlsmäßig ist Eisenbahn nicht weit oben auf der politischen Prioritätenliste der Tschechischen Republik.

Ciao,
Uli

Teil 1 der Antwort

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 18:15 (vor 3519 Tagen) @ lokuloi


Die Verkehre wurden eben systematisiert. Die Züge Dresden - Prag kommen jetzt grundsätzlich aus Berlin. Man muss in Dresden umsteigen. Optimieren könnte man noch die Umsteigezeit in Dresden (derzeit 30 Minuten). Zudem wäre es natürlich schöner, wenn man in Leipzig nicht auch umsteigen müsste. Mit der Inbetriebnahme der NBS Ebensfeld - Erfurt wird aber eh der Fahrplan neu geordnet. Auch der Ausbau Berlin - Dresden könnte Einfluss auf die Zeitlage der ECs Dresden - Prag haben. Mal schauen was sich dann ergibt. Der Anschluss aus Frankfurt und Leipzig scheint mir einer der wichtigeren der ECs nach Prag zu sein. Vielleicht lässt sich der noch besser gestalten. 20 Minuten wären da schon drin.

Aber attraktiv ist es nimmer. Ich bin selber jemand, der eigentlich nicht soooo gerne umsteigt, ich mag es am liebsten, meine Reise ohne Umstiegen durchführen zu können, das ist bequem, einfach streicht sämtliche Risiken weg, die beim Umstieg auftreten könnten. Insofern ist zwingend erforderlich, dass Frankfurt-Prag wenigstens ein Mal am Tag eine Direktverbindung hat. Kann man dann ja auch zur Not durchbinden, damit ein Schuh draus wird.

Das ist halt der Nachteil von stark systematisierten und vertakteten Netzen: man muss öfters mal umsteigen.

Zumindest kann man dies mittels alternierender Takte umgehen, die sich dann wieder zu einem guten Takt zusammenfügen. Zum Beispiel Hamburg-Budapest alle 2 Stunden und Hamburg-Wien via Prag alle 2 Stunden, ist bis Breclav ein Stundentakt und dort kann man beispielsweise mittels Zweistundentakten Budapest-Warschau und Wien-Warschau auch die Relation Budapest-Breclav und Wien-Breclav mit einem durchgehenden Stundentakt belegen.

Ich würde einen Zweistundentakt mit einmal Umsteigen in Dresden und einer Fahrzeit von ca. 6:30 für ein gutes Angebot halten. Das ist auch das was in Zukunft realistisch sein könnte. Mit dieser Fahrzeit erreichst Du durchaus noch einen guten Teil der potentiellen Kunden.

Das kann ich gerne dir glauben.

Ein durchgehender Zug scheitert nicht wirklich am Fahrzeugmaterial. Mit dem Railjet gibt es einen Zug, der in allen Ländern zugelassen ist und dort auch fährt, der sogar ETCS an Bord hat (anscheinend scheinen ja das österreichische ETCS und das zwischen Leipzig und Erfurt verbaute kompatibel zu sein – siehe ICE-T.) und in DE auch auf die NBSen darf. Wenn Bedarf wäre, könnte man ab „morgen“ einen RJ Frankfurt – Dresden – Prag in ca. 6:40 verkehren lassen…

Aber kannst du mit einer Metropolitan-Garnitur auch diese Relation bedienen? Oder mit einem ICE?

. Ein Ausbau Dresden - Prag liegt in weiter Ferne und ist m.M.n. unrealistisch.

Ich halte es für sehr realistisch, es ist nur eine Frage des Willens... ich wiederhole mich...

Na dann sag das mal den Tschechen (oder Tschechieern ;-)?). Aber nachdem es in Tschechien noch keine Neubaustrecke gibt, nicht einmal die, die nun wirklich für alle Beteiligten einen großen Nutzen hätte, gebaut wird (s.u.), sehe ich da für Prag – Dresden schwarz. Wegen einem EC alle 2 Stunden eine sicherlich extrem teure NBS? Da gibt’s auch in Tschechien vorher noch viel weiteres Sinnvolleres.

Du solltest den Status quo nicht als in Stein gemeißelt betrachten. Perspektivisch wird ein Stundentakt nach Prag mit Verdichtern zu einem Halbstundentakt beispielsweisei nicht ganz unrealistisch sein ;-)

Ja da würde ich sogar eine vollständige Umelektrifizierung auf 25 kV in Tschechien sinnvoller finden ;-). Aber nicht mal das wird gemacht, weil zu aufwändig…

Wahrscheinlich ist das dort so eine komplizierte Geschichte, würden alle Länder an einem Strang ziehen, würde Tschechien sich dem sicher nicht verweigern.

Ein wirklich sinnvolles Projekt zur Vereinfachung des – nicht nur internationalen – Zugverkehrs wäre die automatische Kupplung. Aber auch da konnte man sich nicht einigen.

Deshalb gibt es auch jetzt viele verschiedene Triebzüge, unveränderliche Zugverbände, die untereinander nicht kompatibel sind. Und im Güterverkehr lädt man lieber wieder die Ware (sprich: Container) um, anstatt die Wägen zu rangieren, um den Kuppelaufwand zu reduzieren. Das wäre viel wichtiger gewesen als ein einheitliches Stromsystem.

Das ist natürlich auch ein wichtiger Schritt, aber wenn man das große Ganze sieht, wird es irgendwann doch nötig, auf ein einheitliches Stromsystem zu setzen. Oder zumindest sinnvoll.

Um 10:18 dauert es sogar nur 6:58 (und damit 40 Minuten schneller als der EC in den 90ern). Da verkehrt von Cheb nämlich der SC nach Prag. Das dürfte derzeit das Optimum sein.

Derzeit. Aber das ist nicht in Stein gemeißelt. Ein Transrapid beispielsweise würde dann völlig neue Möglichkeiten eröffnen. Ist zwar etwas aus dem Thema, aber ich finde, auf lange Sicht wird ein Transrapid unentbehrlich.


Auf lange und kurze Sicht ist der Transrapid völlig überflüssig. Im Bereich bis 500 oder sogar 1.000 km ist die herkömmliche Rad-Schiene-Technik mindestens ebenbürtig. Dafür wesentlich günstiger und vor allem mit der bestehenden Infrastruktur kompatibel, bzw. die entsprechende Infrastruktur schon aufgebaut und im Entstehen.

Aber der Verschleiß ist bei Rad-Schiene eher kontraproduktiv. Nicht ohne Grund beschränkt man beispielsweise in China die Höchstgeschwindigkeit bei Hochgeschwindigkeitsstrecken und die DB hat auch mal gesagt, dass 250 wirtschaftlich besser sind als 300.

Im höheren Bereich wird er erst recht unwirtschaftlich, da ist der Flugverkehr mit seiner nur punktuell notwendigen Infrastruktur einfach sinnvoller. Für den brauche ich nicht nochmals zusätzliche 10-Tausende Kilometer Stecke in die Landschaft zu bauen. Und vor allem, wenn ich mal in der Luft bin, komme ich überall hin, nicht nur dahin, wo gerade eine Transrapidstrecke führt. Und selbst energetisch dürfte das langsam gleichwertig sein. Den auf Höhe 0 habe ich wesentlich mehr Luftwiderstand als in 10.000 Metern. Und bei diesen hohen Geschwindigkeiten ist der Luftwiderstand das Entscheidende.

Was aber dann wieder dadurch kompensiert wird, dass die Umweltbilanz beim Transrapid besser ausfällt und dass ein Transrapid dafür weitaus weniger Platz verbraucht in der Station. Flughäfen verbrauchen riesige Flächen an Platz und platzen teils trotzdem aus allen Nähten. Die Transrapid-Infrastruktur, idealerweise auf Stelzen geständert ist weitaus flexibler einzubauen, als dass man einen Flughafen erweitern könnte.

Diese Nische zwischen Bahn- und Flugverkehr, die von Transrapid-Fans angeführt wird, gibt es – offensichtlich – nicht.

Doch sie gibt es. Das Flugzeug würde viel Zeit verbrauchen, wenn es an einem Zwischenstop landet, dort ans Dock kommt, Gepäckwechsel ist und man dann irgendwann wieder startet. Beim Transrapid wird dazu viel weniger Zeit gebraucht, wodurch man schnell von Hamburg nach Zürich kommt, auch wenn man in Hannover, Frankfurt, Karlsruhe und Basel hält. Zumal der Transrapid das sein kann, was ein ICE nicht sein kann, eine schnelle Verbindung über weite Distanzen, die es mit dem Flugzeug gut aufnehmen kann.

Auch hier wurden die Verbindungen sysematisiert. Insbesondere gibt es grenzüberschreitend Nürnberg - Cheb im Zweistundentakt mit Neigetechnik in 1:45.

Das ist schön, aber wieso nicht elektrisch?


Eine Elektrifizierung Nürnberg - Cheb ist zwar nicht völlig unrealisitisch dürfte aber fahrzeitmäßig nichts bringen.Die wäre eher für den Güterverkehr wichtg.


Aber wenn man dabei eine Neubaustrecke baut, wird in Kombination mit einer Elektrifizierung wieder ein Schuh draus und die Chancen stehen gar nicht so schlecht. Extra dafür haben sich Sobotka und Seehofer mal getroffen, damit das mal forciert wird.


Wie gesagt, Neubaustrecken sollten da gebaut werden, wo wirkliche Nachfrage herrscht. Das ist nicht zwischen Nürnberg und Eger.

Aber spätestens zwischen Praha und Cheb wird es notwendig, dort ist ja selbst der Fernbus schneller (!)

Elektrifizierung wird vmtl. kommen, aber es kann gut sein, dass diese über Neukirchen – Weiden kommt. Das nutzt dem Güterverkehr, dem Personenverkehr dagegen nur wenig. Diesel-NT übers Pegnitztal wird trotzdem schneller bleiben.

Aber Diesel ist nicht umweltfreundlich.

Verbesserungen sollten dann da unternommen werden, wo es vielen etwas bringt. Da wäre insbesondere in Tschechien der Abschnitt Prag-Pilsen zu nennen. Da im Speziellen Prag-Beroun. Da war schon vor 10 Jahren was geplant (http://www.praha-beroun.cz/?f_lng=en). Nur hört man davon nicht mehr allzuviel. Aber der würde nicht nur die Verkehre von Prag nach Süddeutschland sondern insbesondere auch die innertschechischen Verkehre nach Pilsen und darüberhinaus beschleunigen. Dazu würde es die Strecke Prag - Beroun entlasten und Platz für den Vorort-Verkehr schaffen. Hier würde eine sinnvolle nationale Maßnahme auch den internationalen Verkehr um ca. 20 Minuten beschleunigen.

Jetzt schlägt die Zeichenbeschränkung zu... und das ist noch nichtmal ein Reisebericht...!

Nungut, im zweiten Teil geht's weiter

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Teil 2 der Antwort - grenzüberschreitender Bahnverkehr

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 18:15 (vor 3519 Tagen) @ J-C

Dann hoffe ich, dass die Tschechen mal da Vorbild werden für Deutschland ;-)


Eher umgekehrt, oder?

Tschechien schafft es hier nicht einmal eine Mini-NBS mit hohem Nutzen zu bauen. Das entspricht gerademal einem NBS-Teilstück wie Stuttgart – Vaihingen.

Eine NBS Prag – Beroun würde die Strecke verkürzen, Kapazitäten für alle Verkehrsarten (FV, GV; NV) schaffen, Fahrzeiten verkürzen für alles von Prag nach Westen.

Wenn nicht mal das zu Stande kommt, dann sehe ich für weitere Neubauvorhaben schwarz. Also sollte sich hier vielmehr Tschechien mal die anderen (westlichen) Europäer zum Vorbild nehmen, und ihre Infrastruktur ausbauen.

Aber gefühlsmäßig ist Eisenbahn nicht weit oben auf der politischen Prioritätenliste der Tschechischen Republik.

Ciao,
Uli

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=tschechien-hat-mehr-geld-fu...

SChau dir mal diesen Link an, am besten du klickst auf diesen.

Wieso werfe ich diesen Link rein? Weil da erstmal steht, dass in Tschechien sehr wohl Geld in die Hand genommen wird, umgerechnet fast eine Milliarde Euro und dass man sehr wohl auch über Neubaustrecken denkt. Was mich selbst überrascht ist, dass sogar Prag-Brno aufgeführt ist, wovon ich zuvor noch gar nichts las.

Außerdem las ich anderswo, dass man schonmal Breclav-Praha, eine zwar kleine, aber nicht unbedeutende Strecke um 15 Minuten beschleunigt werden soll, zum Beispiel, indem man Breclav-Brno auf 200 ausbauen will.

Und Ustí-Prag macht erst Sinn, wenn die Strecke Dresden-Ústi steht.

Und wo du behauptest, die Tschechischen Politiker würden sich wenig für ihre Bahn interessieren, dann ist das interessant. Die SuperCity-Pendolinos und die CD-Railjets haben schon jetzt in beiden Klassen gratis WLAN mit Onboard-Portal, Zugbetrieb und Infrastruktur sind im Gegensatz zu Deutschland getrennt worden, dadurch ergibt sich ein Wettbewerb in Tschechien, der schon eine Klasse ist, da konkurrieren 2 Mitbewerber mit der Staatsbahn, von denen mindestens einer ursprünglich mit Fernbussen anfing.

Warst du schonmal in Tschechien?

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

grenzüberschreitender Bahnverkehr

lokuloi, Dienstag, 16.08.2016, 20:25 (vor 3519 Tagen) @ J-C

Das ist halt der Nachteil von stark systematisierten und vertakteten Netzen: man muss öfters mal umsteigen.

Zumindest kann man dies mittels alternierender Takte umgehen, die sich dann wieder zu einem guten Takt zusammenfügen. Zum Beispiel Hamburg-Budapest alle 2 Stunden und Hamburg-Wien via Prag alle 2 Stunden, ist bis Breclav ein Stundentakt und dort kann man beispielsweise mittels Zweistundentakten Budapest-Warschau und Wien-Warschau auch die Relation Budapest-Breclav und Wien-Breclav mit einem durchgehenden Stundentakt belegen.

Und immer ist noch nichts für Frankfurt - Dresden - Prag dabei...

Ein durchgehender Zug scheitert nicht wirklich am Fahrzeugmaterial. Mit dem Railjet gibt es einen Zug, der in allen Ländern zugelassen ist und dort auch fährt, der sogar ETCS an Bord hat (anscheinend scheinen ja das österreichische ETCS und das zwischen Leipzig und Erfurt verbaute kompatibel zu sein – siehe ICE-T.) und in DE auch auf die NBSen darf. Wenn Bedarf wäre, könnte man ab „morgen“ einen RJ Frankfurt – Dresden – Prag in ca. 6:40 verkehren lassen…

Aber kannst du mit einer Metropolitan-Garnitur auch diese Relation bedienen? Oder mit einem ICE?


Nö. Muss ich das? Es gibt jedenfalls einen Zug der in DE, AT, CZ, SK und HU fahren kann und 230 km/h schnell ist. Damit kann ich _sehr_ viele sinnvolle Relationen abdecken. Ich würd' sogar sagen alle.

Das reicht doch. Vielfalt ist (auch) was gutes. Spezielle Loks/Züge für spezielle Bedürfnisse. Eine muss nicht alles können. Ich kann auch nicht mit'm ICE durch die Münchner Stammstrecke, oder mit 'ner 145er ICs ziehen, trotz identischem Stromsystem und Sicherungstechnik - muss ich auch nicht können.

Vielfalt ist kein Problem. Es giibt ja auch nicht ein "Einheitsauto" und ein "Einheitsflugzeug". Verschiedene Lösungen für verschiedene Probleme.

Du solltest den Status quo nicht als in Stein gemeißelt betrachten. Perspektivisch wird ein Stundentakt nach Prag mit Verdichtern zu einem Halbstundentakt beispielsweisei nicht ganz unrealistisch sein ;-)

Wer soll da mitfahren!?

Diese Nische zwischen Bahn- und Flugverkehr, die von Transrapid-Fans angeführt wird, gibt es – offensichtlich – nicht.

Doch sie gibt es. Das Flugzeug würde viel Zeit verbrauchen, wenn es an einem Zwischenstop landet, dort ans Dock kommt, Gepäckwechsel ist und man dann irgendwann wieder startet. Beim Transrapid wird dazu viel weniger Zeit gebraucht, wodurch man schnell von Hamburg nach Zürich kommt, auch wenn man in Hannover, Frankfurt, Karlsruhe und Basel hält. Zumal der Transrapid das sein kann, was ein ICE nicht sein kann, eine schnelle Verbindung über weite Distanzen, die es mit dem Flugzeug gut aufnehmen kann.

Je weiter die Distanz, desto vielfältiger die Verbindungen. Wie komm ich mit dem Transrapid von Porto nach Edinburgh, von Innsbruck nach Bergen, von Tirana nach Turin? Ist dir klar was du da für ein Netz bräuchtest, das am Ende doch langsamer ist als das Flugzeug und dabei wesentlich mehr Infrastruktur benötigt?

Aber spätestens zwischen Praha und Cheb wird es notwendig, dort ist ja selbst der Fernbus schneller

Meine Rede. Erstmal muss in Tschechien Prag - Pilsen auf ein höheres Niveau gebracht werden, was auch für innertschechische Verkehre sinnvoll ist. Dann kann man weiter sehen.

Elektrifizierung wird vmtl. kommen, aber es kann gut sein, dass diese über Neukirchen – Weiden kommt. Das nutzt dem Güterverkehr, dem Personenverkehr dagegen nur wenig. Diesel-NT übers Pegnitztal wird trotzdem schneller bleiben.

Aber Diesel ist nicht umweltfreundlich.

Nun ja. Ob Strom aus Temelin umweltfreundlicher ist, darüber kann man streiten.

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=tschechien-hat-mehr-geld-fu...

Danke. Das ist doch mal ein Stück Information, mit dem man was anfangen kann.


Wieso werfe ich diesen Link rein? Weil da erstmal steht, dass in Tschechien sehr wohl Geld in die Hand genommen wird, umgerechnet fast eine Milliarde Euro und dass man sehr wohl auch über Neubaustrecken denkt.

Genau über Neubaustrecken "denkt man nach". Die Milliarde wird ins Bestandsnetz investiert. Das ist in Ordnung, aber jetzt auch keine "Sensation".


Außerdem las ich anderswo, dass man schonmal Breclav-Praha, eine zwar kleine, aber nicht unbedeutende Strecke um 15 Minuten beschleunigt werden soll, zum Beispiel, indem man Breclav-Brno auf 200 ausbauen will.

Ja. Klingt sinnvoll, allein mir fehlt der Glaube.


Und Ustí-Prag macht erst Sinn, wenn die Strecke Dresden-Ústi steht.

Nö. Ich sollte vom hohen Aufkommen zum niedrigen bauen. Also bau ich von Prag aus. In z.B. Frankreich entstanden die NBSen ja auch von Paris aus.

Und wo du behauptest, die Tschechischen Politiker würden sich wenig für ihre Bahn interessieren, dann ist das interessant. Die SuperCity-Pendolinos und die CD-Railjets haben schon jetzt in beiden Klassen gratis WLAN mit Onboard-Portal, Zugbetrieb und Infrastruktur sind im Gegensatz zu Deutschland getrennt worden, dadurch ergibt sich ein Wettbewerb in Tschechien, der schon eine Klasse ist, da konkurrieren 2 Mitbewerber mit der Staatsbahn, von denen mindestens einer ursprünglich mit Fernbussen anfing.

Wir waren eigentlich beim Thema Infrastrukturausbau...

Warst du schonmal in Tschechien?

Ja. Und, da hab ich dir was voraus: ich war sogar schonmal in der Tschechoslowakei.

Ciao,
Uli

grenzüberschreitender Bahnverkehr

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 21:06 (vor 3518 Tagen) @ lokuloi

Das ist halt der Nachteil von stark systematisierten und vertakteten Netzen: man muss öfters mal umsteigen.

Zumindest kann man dies mittels alternierender Takte umgehen, die sich dann wieder zu einem guten Takt zusammenfügen. Zum Beispiel Hamburg-Budapest alle 2 Stunden und Hamburg-Wien via Prag alle 2 Stunden, ist bis Breclav ein Stundentakt und dort kann man beispielsweise mittels Zweistundentakten Budapest-Warschau und Wien-Warschau auch die Relation Budapest-Breclav und Wien-Breclav mit einem durchgehenden Stundentakt belegen.


Und immer ist noch nichts für Frankfurt - Dresden - Prag dabei...

Ach wenn es sich mit der Auslastung ausgeht, kann man das als Flügelverbindung verkaufen :-P Oder man macht den Zug nach Frankfurt als Dritte Alternierung. Erster Zug also Hamburg-Wien, zweiter Zug Hamburg-Budapest, dritter Zug Frankfurt-Wien.

Je nachdem, wie es sich mit dem Bedarf ausgeht.

Ein durchgehender Zug scheitert nicht wirklich am Fahrzeugmaterial. Mit dem Railjet gibt es einen Zug, der in allen Ländern zugelassen ist und dort auch fährt, der sogar ETCS an Bord hat (anscheinend scheinen ja das österreichische ETCS und das zwischen Leipzig und Erfurt verbaute kompatibel zu sein – siehe ICE-T.) und in DE auch auf die NBSen darf. Wenn Bedarf wäre, könnte man ab „morgen“ einen RJ Frankfurt – Dresden – Prag in ca. 6:40 verkehren lassen…

Aber kannst du mit einer Metropolitan-Garnitur auch diese Relation bedienen? Oder mit einem ICE?

Nö. Muss ich das? Es gibt jedenfalls einen Zug der in DE, AT, CZ, SK und HU fahren kann und 230 km/h schnell ist. Damit kann ich _sehr_ viele sinnvolle Relationen abdecken. Ich würd' sogar sagen alle.

Wenn es nur noch diese Züge dann gibt, ist es ja super, Mehrsystemfähigkeit kostet ja nichts, kann man in jeden Zug einbauen, dann kann er auch überallhin.

Das reicht doch. Vielfalt ist (auch) was gutes. Spezielle Loks/Züge für spezielle Bedürfnisse. Eine muss nicht alles können. Ich kann auch nicht mit'm ICE durch die Münchner Stammstrecke, oder mit 'ner 145er ICs ziehen, trotz identischem Stromsystem und Sicherungstechnik - muss ich auch nicht können.

Aber mit einer 146er kann man wieder ICs ziehen ;-) Es könnte aber effizienter sein, wenn man eben mit Universalloks arbeitet. An sich ist eine einheitliche Plattform, wie sie der Taurus beispielsweise ist, das Ziel, wodurch man nicht für den Personenverkehr etwas komplett anderes produzieren muss als im Güterverkehr. Und im Sinne der Vereinfachung, was auch den Preis durchaus senken kann, Lokomotiven nach einem möglichst einheitlichen Prinzip konstruiert. Wenn in ganz Europa beispielsweise ein Standard herrscht, was die ganzen Zulassungsnormen betrifft, dann hat der Hersteller es viel leichter, die Fahrzeuge für den europäischen Markt zu konstruieren, da jene Fahrzeuge von vornherein überall hinkönnen, wo Fahrdraht hängt in Europa.

Vielfalt ist kein Problem. Es giibt ja auch nicht ein "Einheitsauto" und ein "Einheitsflugzeug". Verschiedene Lösungen für verschiedene Probleme.

Einheitsautos würden sich garantiert nicht durchsetzen, Stichwort Individualverkehr. Flugzeuge hingegen sind dann auch was anderes. Es ist vielleicht nicht sinnvoll, einen Jumbojet für eine Handvoll Passagiere oder eine Antomov-Frachtmaschine für eine Passagierverbindung einzusetzen.

Das wäre so, als würdest du von meinem Wunsch nach Vereinheitlichung ableiten, ich würde Zuggattungen komplett vereinheitlichen wollen und Güterverkehr und Personenverkehr mit identischem Material fahren lassen wollen, das ist was völlig anderes. Nein, es geht darum, dass eine Lok prinzipiell in jedem Land einen Personen- oder auch Güterzug fahren kann und das nicht aufgrund irgendwelcher Regularien nicht geht. Da gehen Österreich und Tschechien mit gutem Beispiel voran. Deren Loks lassen sich sowohl vor Personen- als auch vor Güterzügen beobachten.

Du solltest den Status quo nicht als in Stein gemeißelt betrachten. Perspektivisch wird ein Stundentakt nach Prag mit Verdichtern zu einem Halbstundentakt beispielsweisei nicht ganz unrealistisch sein ;-)


Wer soll da mitfahren!?

So genannte Menschen.

Diese Nische zwischen Bahn- und Flugverkehr, die von Transrapid-Fans angeführt wird, gibt es – offensichtlich – nicht.

Doch sie gibt es. Das Flugzeug würde viel Zeit verbrauchen, wenn es an einem Zwischenstop landet, dort ans Dock kommt, Gepäckwechsel ist und man dann irgendwann wieder startet. Beim Transrapid wird dazu viel weniger Zeit gebraucht, wodurch man schnell von Hamburg nach Zürich kommt, auch wenn man in Hannover, Frankfurt, Karlsruhe und Basel hält. Zumal der Transrapid das sein kann, was ein ICE nicht sein kann, eine schnelle Verbindung über weite Distanzen, die es mit dem Flugzeug gut aufnehmen kann.


Je weiter die Distanz, desto vielfältiger die Verbindungen. Wie komm ich mit dem Transrapid von Porto nach Edinburgh, von Innsbruck nach Bergen, von Tirana nach Turin? Ist dir klar was du da für ein Netz bräuchtest, das am Ende doch langsamer ist als das Flugzeug und dabei wesentlich mehr Infrastruktur benötigt?

Für richtig weite Strecken ist das Flugzeug perspektivisch gesehen natürlich besser. Aber es geht beispielsweise darum, dass man mit dem Transrapid recht leicht Inlandsflüge substituieren kann durch etwas umweltfreundlicheres, welches auch noch sich gut mit der Schiene verknüpfen lässt. Gerade bei hohen Geschwindigkeiten wird ein Transrapid wirtschaftlicher als ein schienengebundener Hochgeschwindigkeitszug.

Aber spätestens zwischen Praha und Cheb wird es notwendig, dort ist ja selbst der Fernbus schneller


Meine Rede. Erstmal muss in Tschechien Prag - Pilsen auf ein höheres Niveau gebracht werden, was auch für innertschechische Verkehre sinnvoll ist. Dann kann man weiter sehen.

Wobei Prag-Brno glaube ich mehr Perspektiven hat.

Elektrifizierung wird vmtl. kommen, aber es kann gut sein, dass diese über Neukirchen – Weiden kommt. Das nutzt dem Güterverkehr, dem Personenverkehr dagegen nur wenig. Diesel-NT übers Pegnitztal wird trotzdem schneller bleiben.

Aber Diesel ist nicht umweltfreundlich.


Nun ja. Ob Strom aus Temelin umweltfreundlicher ist, darüber kann man streiten.

Aber es ist leichter, stattdessen Ökostrom einzuführen, als dass man beispielsweise die Dieselfahrzeuge alle auf Brennstoffzelle umrüstet.

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=tschechien-hat-mehr-geld-fu...


Danke. Das ist doch mal ein Stück Information, mit dem man was anfangen kann.

Gerne doch :-)

Wieso werfe ich diesen Link rein? Weil da erstmal steht, dass in Tschechien sehr wohl Geld in die Hand genommen wird, umgerechnet fast eine Milliarde Euro und dass man sehr wohl auch über Neubaustrecken denkt.


Genau über Neubaustrecken "denkt man nach". Die Milliarde wird ins Bestandsnetz investiert. Das ist in Ordnung, aber jetzt auch keine "Sensation".

Man muss denen halt etwas Zeit geben, dort wurde man nicht wiedervereinigt mit einem wirtschaftsstarken Nachbarn ;-)


Außerdem las ich anderswo, dass man schonmal Breclav-Praha, eine zwar kleine, aber nicht unbedeutende Strecke um 15 Minuten beschleunigt werden soll, zum Beispiel, indem man Breclav-Brno auf 200 ausbauen will.


Ja. Klingt sinnvoll, allein mir fehlt der Glaube.

Ich bin da optimistischer.


Und Ustí-Prag macht erst Sinn, wenn die Strecke Dresden-Ústi steht.


Nö. Ich sollte vom hohen Aufkommen zum niedrigen bauen. Also bau ich von Prag aus. In z.B. Frankreich entstanden die NBSen ja auch von Paris aus.

Ja, aber wenn nicht sicher ist, ob man überhaupt die Anschlussstrecke baut, ist dann eine 300-km/h Hochgeschwindigkeitsstrecke vielleicht überdimensioniert?

Und wo du behauptest, die Tschechischen Politiker würden sich wenig für ihre Bahn interessieren, dann ist das interessant. Die SuperCity-Pendolinos und die CD-Railjets haben schon jetzt in beiden Klassen gratis WLAN mit Onboard-Portal, Zugbetrieb und Infrastruktur sind im Gegensatz zu Deutschland getrennt worden, dadurch ergibt sich ein Wettbewerb in Tschechien, der schon eine Klasse ist, da konkurrieren 2 Mitbewerber mit der Staatsbahn, von denen mindestens einer ursprünglich mit Fernbussen anfing.


Wir waren eigentlich beim Thema Infrastrukturausbau...

Und ich beim Thema Bahnen in Tschechien.

Warst du schonmal in Tschechien?


Ja. Und, da hab ich dir was voraus: ich war sogar schonmal in der Tschechoslowakei.

Naja, so viel voraus hast du mir nicht, denn das Tschechien jetzt ist anders als das Tschechien früher. Es dauert zwar schon erheblich, dass man da etwas mehr aus sich macht, aber perspektivisch denke ich, dass da gute Aussichten bestehen.

Ciao,
Uli

Liebe Grüße

Jan-Christian...

...den es ganz generell etwas langweilt, die ganze Zeit diskutieren zu müssen und überlegt, es lieber sein zu lassen. Aus Faulheit...

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

grenzüberschreitender Bahnverkehr

lokuloi, Dienstag, 16.08.2016, 21:39 (vor 3518 Tagen) @ J-C

Ach wenn es sich mit der Auslastung ausgeht, kann man das als Flügelverbindung verkaufen :-P Oder man macht den Zug nach Frankfurt als Dritte Alternierung. Erster Zug also Hamburg-Wien, zweiter Zug Hamburg-Budapest, dritter Zug Frankfurt-Wien.

Je nachdem, wie es sich mit dem Bedarf ausgeht.

Der Bedarf wird sich vorerst für 2-Stunden-Takt Prag- Berlin ausgehen. Dann wird man weitersehen. Die nächste logische Linie wäre dann schon nach Frankfurt.


Nö. Muss ich das? Es gibt jedenfalls einen Zug der in DE, AT, CZ, SK und HU fahren kann und 230 km/h schnell ist. Damit kann ich _sehr_ viele sinnvolle Relationen abdecken. Ich würd' sogar sagen alle.

Wenn es nur noch diese Züge dann gibt, ist es ja super, Mehrsystemfähigkeit kostet ja nichts, kann man in jeden Zug einbauen, dann kann er auch überallhin.


Nein, es reicht sie in die Züge einzubauen, die zwischen diesen Ländern fahren sollen.


Das wäre so, als würdest du von meinem Wunsch nach Vereinheitlichung ableiten, ich würde Zuggattungen komplett vereinheitlichen wollen und Güterverkehr und Personenverkehr mit identischem Material fahren lassen wollen, das ist was völlig anderes. Nein, es geht darum, dass eine Lok prinzipiell in jedem Land einen Personen- oder auch Güterzug fahren kann und das nicht aufgrund irgendwelcher Regularien nicht geht. Da gehen Österreich und Tschechien mit gutem Beispiel voran. Deren Loks lassen sich sowohl vor Personen- als auch vor Güterzügen beobachten.

Die meisten anderen machen es anders.

Außerdem: die "Plattformen" der großen Hersteller können ja für verschiedene Anforderungen ausgerüstet werden. Ob dass jetzt eine Vectron ist, eine Traxx oder die Prima (?) von Alstom. Sie können bei allen europäischen Bahnen und vor allen Zuggattungen fahren. Aber je nach Anforderungen werden die Plattformen anders ausgerüstet.

Du solltest den Status quo nicht als in Stein gemeißelt betrachten. Perspektivisch wird ein Stundentakt nach Prag mit Verdichtern zu einem Halbstundentakt beispielsweisei nicht ganz unrealistisch sein ;-)


Wer soll da mitfahren!?

So genannte Menschen.

Und die wollen plötzlich alle von Dresden nach Prag!?

Für richtig weite Strecken ist das Flugzeug perspektivisch gesehen natürlich besser. Aber es geht beispielsweise darum, dass man mit dem Transrapid recht leicht Inlandsflüge substituieren kann durch etwas umweltfreundlicheres, welches auch noch sich gut mit der Schiene verknüpfen lässt. Gerade bei hohen Geschwindigkeiten wird ein Transrapid wirtschaftlicher als ein schienengebundener Hochgeschwindigkeitszug.

Dass man Inlandsflüge gut durch Schienengebundenen HGV ersetzten kann beweisen Frankreich, Spanien und Italien jeden Tag aufs neue. Und auch in DE gibt's keinen Grund mehr Frankfurt - München, Hamburg - Berlin, Frankfurt - Hamburg oder Köln - Stuttgart zu fliegen.

Aber spätestens zwischen Praha und Cheb wird es notwendig, dort ist ja selbst der Fernbus schneller


Meine Rede. Erstmal muss in Tschechien Prag - Pilsen auf ein höheres Niveau gebracht werden, was auch für innertschechische Verkehre sinnvoll ist. Dann kann man weiter sehen.

Wobei Prag-Brno glaube ich mehr Perspektiven hat.

Prag - Brno ist für tschechische Verhältnisse schon recht schnell.

Warst du schonmal in Tschechien?


Ja. Und, da hab ich dir was voraus: ich war sogar schonmal in der Tschechoslowakei.

Naja, so viel voraus hast du mir nicht, denn das Tschechien jetzt ist anders als das Tschechien früher.

Hab ich was anderes behauptet? Ja: insbesondere Prag hat sich extrem weiterentwickelt. Während man Ende der 90er noch "deutlich" den Ostblock gespürt hat, merkt man jetzt fast keinen Unterschied mehr zu Wien oder München.

Nicht umsonst ist Prag die wirtschaftsstärkste Region der ehem. RGW-Staaten. Ich glaube mit einem BIP pro Kopf von 160% des EU-Durchschnitts. Durchaus beeindruckend die Entwicklung.


Jan-Christian...

...den es ganz generell etwas langweilt, die ganze Zeit diskutieren zu müssen und überlegt, es lieber sein zu lassen. Aus Faulheit...

Du musst diskutieren;-)? Steht jemand mit der Peitsche hinter Dir? Auch in Hodonín ist' schön Wetter, oder? Geh raus, mach was. Lern Tschech(inn)en kennen ;-). Du musst nicht vorm Computer sitzen. Ein bisschen Pause kann sicherlich nicht schaden..

Ciao,
Uli

grenzüberschreitender Bahnverkehr

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 22:23 (vor 3518 Tagen) @ lokuloi

Ach wenn es sich mit der Auslastung ausgeht, kann man das als Flügelverbindung verkaufen :-P Oder man macht den Zug nach Frankfurt als Dritte Alternierung. Erster Zug also Hamburg-Wien, zweiter Zug Hamburg-Budapest, dritter Zug Frankfurt-Wien.

Je nachdem, wie es sich mit dem Bedarf ausgeht.


Der Bedarf wird sich vorerst für 2-Stunden-Takt Prag- Berlin ausgehen. Dann wird man weitersehen. Die nächste logische Linie wäre dann schon nach Frankfurt.

Weil beispielsweise auch die Fahrtzeiten Berlin-Dresden eher unpraktisch sind. Doch der Ausbau auf 200 wird es etwas richten.


Nö. Muss ich das? Es gibt jedenfalls einen Zug der in DE, AT, CZ, SK und HU fahren kann und 230 km/h schnell ist. Damit kann ich _sehr_ viele sinnvolle Relationen abdecken. Ich würd' sogar sagen alle.

Wenn es nur noch diese Züge dann gibt, ist es ja super, Mehrsystemfähigkeit kostet ja nichts, kann man in jeden Zug einbauen, dann kann er auch überallhin.

Nein, es reicht sie in die Züge einzubauen, die zwischen diesen Ländern fahren sollen.

Und was, wenn in einem Land ein Zug nun dauerhaft nicht mehr gebraucht wird, im anderen aber schon? Könnte ja sein, aber aktuell ist das kompliziert, wenn es ein Einsystemer ist, der dann auf's andere Stromsystem umgerüstet werden muss und dann auch noch neu zugelassen werden muss. Also aktuell nicht praktikabel, wenn man hingegen sieht, wie es beispielsweise in Deutschland ist, wo es recht problemfrei ist, einen Zug gar vom einen Betreiber zum anderen zu holen...


Das wäre so, als würdest du von meinem Wunsch nach Vereinheitlichung ableiten, ich würde Zuggattungen komplett vereinheitlichen wollen und Güterverkehr und Personenverkehr mit identischem Material fahren lassen wollen, das ist was völlig anderes. Nein, es geht darum, dass eine Lok prinzipiell in jedem Land einen Personen- oder auch Güterzug fahren kann und das nicht aufgrund irgendwelcher Regularien nicht geht. Da gehen Österreich und Tschechien mit gutem Beispiel voran. Deren Loks lassen sich sowohl vor Personen- als auch vor Güterzügen beobachten.


Die meisten anderen machen es anders.

Nur weil es die meisten machen, muss es nicht gut sein.

Außerdem: die "Plattformen" der großen Hersteller können ja für verschiedene Anforderungen ausgerüstet werden. Ob dass jetzt eine Vectron ist, eine Traxx oder die Prima (?) von Alstom. Sie können bei allen europäischen Bahnen und vor allen Zuggattungen fahren. Aber je nach Anforderungen werden die Plattformen anders ausgerüstet.

Durchaus. Aber trotzdem gibt es immer wieder Fälle, wo es dann doch hilft, wenn eine Lok nicht auf ein Anwendungsgebiet beschränkt bleibt. Zumal es die Anzahl notwendiger Spezifikationen reduziert, wenn man nur ein Stromsystem und einen einzigen Vorschriftenkatalog für ganz Europa benötigt.

Du solltest den Status quo nicht als in Stein gemeißelt betrachten. Perspektivisch wird ein Stundentakt nach Prag mit Verdichtern zu einem Halbstundentakt beispielsweisei nicht ganz unrealistisch sein ;-)


Wer soll da mitfahren!?

So genannte Menschen.


Und die wollen plötzlich alle von Dresden nach Prag!?

Also die ganze Weltbevölkerung wird zum Glück nicht dahin wollen, aber wieso sollte die Auslastung es nicht hergeben? Praha-Ostrava wird offenbar auch gut genutzt.

Für richtig weite Strecken ist das Flugzeug perspektivisch gesehen natürlich besser. Aber es geht beispielsweise darum, dass man mit dem Transrapid recht leicht Inlandsflüge substituieren kann durch etwas umweltfreundlicheres, welches auch noch sich gut mit der Schiene verknüpfen lässt. Gerade bei hohen Geschwindigkeiten wird ein Transrapid wirtschaftlicher als ein schienengebundener Hochgeschwindigkeitszug.


Dass man Inlandsflüge gut durch Schienengebundenen HGV ersetzten kann beweisen Frankreich, Spanien und Italien jeden Tag aufs neue. Und auch in DE gibt's keinen Grund mehr Frankfurt - München, Hamburg - Berlin, Frankfurt - Hamburg oder Köln - Stuttgart zu fliegen.

Aber Hamburg-München beispielsweise wird eher weiterhin mit dem Flugzeug gefahren. Oder Hamburg-Frankfurt. Oder Hamburg-Zürich. Per Transrapid könnte das den Flugverkehr auf den Relationen wegnehmen. Und seien wir uns mal ehrlich, Köln-Frankfurt, München-Frankfurt, Hamburg-Berlin. Man braucht da tatsächlich nicht mehr als 230, wenn man den Flugverkehr rauswerfen will, schließlich ist zur reinen Flugzeit die Zeit für Checkin-Checkout und die meist längeren An- und Rückfahrten dazuzurechnen und zack ist der Zug doch attraktiver. Das zeigt sich eben bei solchen kurzen Distanzen. Frankreich hat dann eben tatsächlich so schnelle Züge, dass diese durchaus ebenso das Flugzeug rauswerfen können. Aber je länger die Distanz, desto weniger wird das passen. Zumal wie gesagt der Verschleiß der Schienen und in gewisser Weise auch der stromverbrauch beim Transrapid im Vergleich zum ICE sinkt. Der größte Vorteil ist, dass ein Transrapid eine hohe Geschwindigkeit schneller erreicht als ein ICE oder auch TGV. Beim Schauen auf die Wikipedia fiel mir jedoch gleichzeitig auf, dass man da einen Unterschied zwischen Transrapid und Magnetschwebebahn macht... und die Magnetschwebebahn könnte da noch wirtschaftlicher sein. Wie auch immer ist die Magnetschwebebahn, wenn man diese Idee an sich gut umsetzt und weiterentwickelt (oder erst weiterentwickelt und dann umsetzt, was an sich praktikabler ist) doch eine zukunftsfähige Sache, wie ich finde.

Aber spätestens zwischen Praha und Cheb wird es notwendig, dort ist ja selbst der Fernbus schneller


Meine Rede. Erstmal muss in Tschechien Prag - Pilsen auf ein höheres Niveau gebracht werden, was auch für innertschechische Verkehre sinnvoll ist. Dann kann man weiter sehen.

Wobei Prag-Brno glaube ich mehr Perspektiven hat.


Prag - Brno ist für tschechische Verhältnisse schon recht schnell.

Praha-Ostrava ist für tschechische Verhältnisse eher recht schnell. Praha-Brno mach eschon einen ziemlichen Schwenker, früher war die direktere Route jedoch auch noch langsamer...

Warst du schonmal in Tschechien?


Ja. Und, da hab ich dir was voraus: ich war sogar schonmal in der Tschechoslowakei.

Naja, so viel voraus hast du mir nicht, denn das Tschechien jetzt ist anders als das Tschechien früher.


Hab ich was anderes behauptet? Ja: insbesondere Prag hat sich extrem weiterentwickelt. Während man Ende der 90er noch "deutlich" den Ostblock gespürt hat, merkt man jetzt fast keinen Unterschied mehr zu Wien oder München.

Nicht umsonst ist Prag die wirtschaftsstärkste Region der ehem. RGW-Staaten. Ich glaube mit einem BIP pro Kopf von 160% des EU-Durchschnitts. Durchaus beeindruckend die Entwicklung.

Tjaa, wenn die Tschechen was neu machen, ist das gaar nicht so schlecht.


Jan-Christian...

...den es ganz generell etwas langweilt, die ganze Zeit diskutieren zu müssen und überlegt, es lieber sein zu lassen. Aus Faulheit...


Du musst diskutieren;-)? Steht jemand mit der Peitsche hinter Dir? Auch in Hodonín ist' schön Wetter, oder? Geh raus, mach was. Lern Tschech(inn)en kennen ;-). Du musst nicht vorm Computer sitzen. Ein bisschen Pause kann sicherlich nicht schaden..

Ciao,
Uli

Dazu ist es nun etwas spät. Morgen bin ich aber wieder auswärts.

Ich meinte allgemeien, dass ich in dem Thread hier im Grunde nur noch argumentiere und das wird mir langsam etwas fad. Da kann man quasi eine endlose Diskussion führen...

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

CN: Bahn auch >1000 km noch interessant

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Dienstag, 16.08.2016, 22:31 (vor 3518 Tagen) @ J-C
bearbeitet von Oscar (NL), Dienstag, 16.08.2016, 22:31

lokuloi:

Im Bereich bis 500 oder sogar 1.000 km ist die herkömmliche Rad-Schiene-Technik mindestens ebenbürtig. Dafür wesentlich günstiger und vor allem mit der bestehenden Infrastruktur kompatibel, bzw. die entsprechende Infrastruktur schon aufgebaut und im Entstehen.

Aber der Verschleiß ist bei Rad-Schiene eher kontraproduktiv. Nicht ohne Grund beschränkt man beispielsweise in China die Höchstgeschwindigkeit bei Hochgeschwindigkeitsstrecken und die DB hat auch mal gesagt, dass 250 wirtschaftlich besser sind als 300.

In China ist die Bahn angeblich auch bei Reisen über 1000 km noch interessant. Die 300 km/h Zügen erreichen Schnitte annähernd 250 km/h; bei einer 6-7 Stunden Reise (typisch Amsterdam-Berlin, Amsterdam-München oder Amsterdam-Basel) kommt man dann 1600-1700 km weit. Entspricht Amsterdam-Barcelona.

Zudem haben die Chinesen 250 km/h schnelle HGV-Nachtzüge (CRH1E, CRH2E). Dann knackt man sogar die 2000 km Marke. Hier ein Video einer Fahrt mit so einem Zug.

Kurzfassung HGV-Geschichte China.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

CN: Bahn nich ebenbürtig

Henrik, Dienstag, 16.08.2016, 22:59 (vor 3518 Tagen) @ Oscar (NL)

lokuloi:

Im Bereich bis 500 oder sogar 1.000 km ist die herkömmliche Rad-Schiene-Technik mindestens ebenbürtig. Dafür wesentlich günstiger und vor allem mit der bestehenden Infrastruktur kompatibel, bzw. die entsprechende Infrastruktur schon aufgebaut und im Entstehen.

Aber der Verschleiß ist bei Rad-Schiene eher kontraproduktiv. Nicht ohne Grund beschränkt man beispielsweise in China die Höchstgeschwindigkeit bei Hochgeschwindigkeitsstrecken und die DB hat auch mal gesagt, dass 250 wirtschaftlich besser sind als 300.

In China ist die Bahn angeblich auch bei Reisen über 1000 km noch interessant. Die 300 km/h Zügen erreichen Schnitte annähernd 250 km/h; bei einer 6-7 Stunden Reise (typisch Amsterdam-Berlin, Amsterdam-München oder Amsterdam-Basel) kommt man dann 1600-1700 km weit. Entspricht Amsterdam-Barcelona.

interessant ja..
ebenbürtig nein.

selbst das ideologisch sehr verblendete chinesische Eisenbahnministerium (also alles andere als Transrapid-Fan) kam in umfangreicher Studie zu dem Fazit, dass die Bahn mittel- bis langfristig dem Transrapid gegenüber nicht ebenbürtig sei. Der Transrapid in der langfristigen Betrachtung vorzuziehen sei.
Grade die Chinesen bekommen das ja grade ganz gut mit dem Verschleiß zu spüren.

grenzüberschreitender Bahnverkehr

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Montag, 15.08.2016, 11:47 (vor 3520 Tagen) @ lokuloi

Hallo lokuloi,

Als ICE-Fan bin ich geneigt zu sagen: wenn Europa damals so einverstanden und tatkräftig vorangetrieben hatte wie heute die Chinesen, hätte es vermutlich einen systemwechselfreien ICE International Amsterdam-Frankurt-Basel-Mailand gegeben.

Aber gibt es für so eine vertaktete [1] Linie [2] überhaupt Bedarf [3]?

Zu [1]: ich kann im von Dir zitierten Textbaustein das Wort "Takt" nicht finden.

Zu [2]: ich kann in meinem Post das Wort "Linie" nicht finden.

Zu [3]: Mailand-Amsterdam gab es am 30. August 2004 20:33 umsteigefrei. Am besagten Zeitpunkt habe ich ein Bild aus diesem (Nacht-)zug gemacht. Und ich war nicht alleine im Zug; er war sogar ausgebucht.

EC-Zugfahrten von 12 oder mehr Stunden waren in den 1980ern und 1990ern normal. Man hätte mit Rennzügen im gleichen Zeitraum noch weiter fahren können. Gut, man hat das nicht getan, dafür gibt es dann Tageszugfahrten von 7-8 Stunden im Takt. So ist es gelaufen, es hätte auch anders laufen können, deswegen auch der Konjunktiv in meinem Textbaustein.

Wie gesagt. Ich sehe hier das Problem nicht in den Systemwechseln. Sie behindern den Güterverkehr ja auch nicht, bzw. nicht entscheidend. Der grenzüberschreitende Güterverkehr in Europa scheint mir jedenfalls gut zu laufen. Genügend Mehrsystemloks vorhanden.

Dennoch besteht bei mir das Gefühl, dass diese Mehrsystemloks nicht nötig wären (oder zumindest nicht die Drei- und Viersystemmaschinen) wenn man in den 1950ern über 1-2 definitive Stromsysteme entschieden hatte. Das wäre dann 15kV und 25kV. Aber nur, weil NL Gleichstrom hat, auf Dieseltraktion setzen, das soll nicht sein.

Und irgendwo wird man ja immer die Lok wechseln müssen/wollen. Wird ja keine von Narvik bis Jerez durchlaufen ;-).

Am Ende ist der Lokführer Limitfaktor. Der braucht 3x pro Tag Essen und muss auch mal ausschlafen.

So, jetzt kommen wir zum Takt.

Oder, etwas pragmatischer: alle Städte Europas wären mit systemwechselfreien IC200-Zügen in Stundentakt bereisbar.


Ja.

Aus Eindhovener Sicht schaut das natürlich schlecht aus. Willst Du nach Köln musst du erst zurück nach Utrecht, willst Du nach Brüssel musst du zuerst zurück nach Rotterdam. Aber ich würde das jetzt nicht als repräsentativ für Europa sehen.

Darüber kann man diskutieren. Eindhoven fünfte Stadt der Niederlande (und die grösste Nicht-Randstad-Stadt), Köln vierte Stadt von Deutschland. Reisegeschwindigkeit 55 km/h. Mehr braucht man, zumindest in diesem Thema, nicht mehr zu sagen.

Nach Brüssel brauche ich 2:55 für 102 km Luftlinie, 173 Streckenkilometer. Sogar nach Paris ist die Autofahrt schneller als die Bahnfahrt, trotz 300 km/h Thalys.

Aus Münchner Sicht sieht manches schon ganz anders aus.

Aus Amsterdamer Sicht auch. Obwohl... wirklich?

Gut, nach Osnabrück kommt man inzwischen zweistündlich. Das war mal 4x pro Tag.
Aber nach Köln geht nur etwa zweistündlich. Noch erstmal kein sauberer Zweistundentakt. Da fuhr in den 1980ern mehr über die Grenze bei Emmerich. Die Fahrplanliebhaber möchten das gerne mal auflisten, wenn sie Zeit haben.
Nach Lüttich komme ich stündlich, allerdings ab Maastricht mit einer Bummelbahn.
Der Thalys nach Brüssel und Paris verkehrt 12x pro Tag.
Der Amsterdam-Brüssel-IC verkehrt stündlich aber in einer Zeit die eine deutsche Bummelbahn bei gleichem Abstand auch schaffen würde.

Ich glaube, ein internationaler Stundentakt ist heutzutage zu viel gefragt.
Ich lasse mich aber gerne korrigieren.

Die Langläufer gibt's nicht mehr, aber sind die wirklich (noch) wichtig?
Dafür gibt's vertakteten hochwertigen Verkehr im Bereich von 6-8 Stunden Fahrzeit, mit konkurrenzfähigen Geschwindigkeiten.

Kokurrenz zum Auto oder Konkurrenz zum Flugzeug?
Ich gehe mal von Konkurrenz zum Auto aus. Die Fliegerkonkurrenz ist relativ klein verglichen mit der Autofahrergemeinde.

Die Langläufer sind in der Tat überflüssig geworden, seit Ryanair & Co das Fliegen bezahlbar gemacht haben. Zwar boten die Langläufer bestimmte Direktverbindungen, vor allem für Touristen, aber Fernbusse können die Touristen sogar vor die Hoteltür statt auf den Bahnhofsvorplatz bringen.

Wenn ich 2h-Takt auf 1h-Takt verdichte, gewinne ich als Bahnfahrer 30 Minuten. Ein Autofahrer kann ja jederzeit losfahren, also muss ich einen halben Takt zur Fahrzeit hinzurechnen.
Nachteil ist allerdings, dass eine Taktverdichtung in unüberschaubaren Zahlen versteckt ist, während eine neue Bahnstrecke oder ein neuer Zug für das menschliche Auge sofort erkennbar ist.


gruß,

Oscar (NL).

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grenzüberschreitender Bahnverkehr

lokuloi, Montag, 15.08.2016, 21:44 (vor 3519 Tagen) @ Oscar (NL)

Hallo lokuloi,

Als ICE-Fan bin ich geneigt zu sagen: wenn Europa damals so einverstanden und tatkräftig vorangetrieben hatte wie heute die Chinesen, hätte es vermutlich einen systemwechselfreien ICE International Amsterdam-Frankurt-Basel-Mailand gegeben.

Aber gibt es für so eine vertaktete [1] Linie [2] überhaupt Bedarf [3]?


Zu [1]: ich kann im von Dir zitierten Textbaustein das Wort "Takt" nicht finden.

Zu [2]: ich kann in meinem Post das Wort "Linie" nicht finden.


Da hast Du wohl recht ;-). Aber für einen Einzelzug lohnt es sich doch erst recht nicht, alles umzuelektrifizieren.


Zu [3]: Mailand-Amsterdam gab es am 30. August 2004 20:33 umsteigefrei. Am besagten Zeitpunkt habe ich ein Bild aus diesem (Nacht-)zug gemacht. Und ich war nicht alleine im Zug; er war sogar ausgebucht.


2004 war das Billigfliegen noch lange nicht so verbreitet wie heute. Aber ja: ich sagte ja. Langläufer gibt's weniger, dafür mehr vertaktete Kurzläufer.

In einem nicht ganz unrealistischen "Zielzustand" gibt's in diesem Korridor folgende "HGV"-Zwei-Stunden-Takte:

- Amsterdam - Frankfurt
- Köln - Basel
- Frankfurt - Mailand

Damit sollte eigentlich fast allen gedient sein. Wer wirklich Amsterdam - Mailand durchfahren will muss umsteigen. _Mir_ wäre ein durchgehender Zug auch lieber, denke aber der wäre zu aufwändig. Und ja, auch das Umelektrifizieren wäre aufwändig.

EC-Zugfahrten von 12 oder mehr Stunden waren in den 1980ern und 1990ern normal. Man hätte mit Rennzügen im gleichen Zeitraum noch weiter fahren können. Gut, man hat das nicht getan, dafür gibt es dann Tageszugfahrten von 7-8 Stunden im Takt. So ist es gelaufen, es hätte auch anders laufen können, deswegen auch der Konjunktiv in meinem Textbaustein.

Die Frage ist, ob es anders wirklich besser wäre. Ich gestehe, noch nie einen 12-Stunden-Tagzug genutzt zu haben (auf ganzer Länge). Mit Teilstrecken-Linien im Bereich 8 Stunden Fahrzeit fährt man m.M.n besser, es deckt die Verkehrsbedürfnisse ab und ist im Handling leichter.

So, jetzt kommen wir zum Takt.

Oder, etwas pragmatischer: alle Städte Europas wären mit systemwechselfreien IC200-Zügen in Stundentakt bereisbar.


Ja.

Aus Eindhovener Sicht schaut das natürlich schlecht aus. Willst Du nach Köln musst du erst zurück nach Utrecht, willst Du nach Brüssel musst du zuerst zurück nach Rotterdam. Aber ich würde das jetzt nicht als repräsentativ für Europa sehen.


Darüber kann man diskutieren. Eindhoven fünfte Stadt der Niederlande (und die grösste Nicht-Randstad-Stadt), Köln vierte Stadt von Deutschland. Reisegeschwindigkeit 55 km/h. Mehr braucht man, zumindest in diesem Thema, nicht mehr zu sagen.

Ja. Ist schlecht. Aber hier fehlt's mehr am Willen.

Die Verbindung München - Prag z.B. hatte vier Lokwechsel, inzwischen drei. Es hat drei verschiedene Stromsysteme und dazwischen sogar gar keines. Dazu noch 2 Fahrtrichtungswechsel. Und ermöglicht eine nicht gerade berauschende Durchschnittsgeschwindigkeit von 78 km/h. Trotzdem verkehren hier vier Züge am Tag, perspektivisch sogar evtl. ein Zweistundentakt. Hier ist der Wille dazu vorhanden. Da stören auch die diversen Systemwechseln nicht.

Wenn der (politische) Wille da wäre, könnte man problemlos die ICs Den Haag - Venlo nach Mönchengladbach - Köln verlängern. Das würde ich sogar sehr sinnvoll finden. Hier würde das ein nicht vorhandener Systemwechsel sicherlich vereinfachen. Aber trotzdem ist der Systemwechsel viel wirtschaftlicher, als eine Umelektrifzierung der Strecken.

Aber nach Köln geht nur etwa zweistündlich. Noch erstmal kein sauberer Zweistundentakt. Da fuhr in den >1980ern mehr über die Grenze bei Emmerich. Die Fahrplanliebhaber möchten das gerne mal auflisten, wenn >sie Zeit haben.

Link

Ich bin mir nicht sicher, ob es mehr war, auf jeden Fall unsystematischer. Das ist jetzt nichts, was ich zurück haben möchte. Vor allem, da eben die langlaufenden Züge keiner mehr so nutzen würde. Es hat ja gute Gründe warum es heute anders gemacht wird. Für Amsterdam - Köln gibt's vielleicht auch eines Tages einen Stundentakt.

Ich glaube, ein internationaler Stundentakt ist heutzutage zu viel gefragt.
Ich lasse mich aber gerne korrigieren.

Kommt darauf an. Zwischen London, Brüssel und Paris gibt es durchaus Stundentakte. Prinzipell ist doch aber auch ein internationaler Zweistundentakt was schönes. Besser als unsystematische und anfällige Langläufer.

Die Langläufer gibt's nicht mehr, aber sind die wirklich (noch) wichtig?
Dafür gibt's vertakteten hochwertigen Verkehr im Bereich von 6-8 Stunden Fahrzeit, mit konkurrenzfähigen Geschwindigkeiten.


Kokurrenz zum Auto oder Konkurrenz zum Flugzeug?
Ich gehe mal von Konkurrenz zum Auto aus.

In dem Fall dachte ich ans Auto, ja. Wobei Fahrzeiten von unter 4 Stunden für München - Wien und Amsterdam - Frankfurt oder Paris - Frankfurt und Nahe 3 Stunden für Stuttgart - Paris, Frankfurt - Brüssel oder Köln -Paris schon auch sehr konkurrenzfähg zum Flugzeug sind.


gruß,

Oscar (NL).

Ciao,
Uli

15kV 16,7 Hz vs. 25 kV 50 Hz ist relativ irrelevant

ACS64, Sonntag, 14.08.2016, 15:03 (vor 3521 Tagen) @ Oscar (NL)

Hallo,

vom Kostenpunkt der Fahrzeuge ist es relativ unwichtig, ob man ein oder zwei Wechselstromsysteme einbaut. Richtig teuer wird es erst, wenn Gleichstrom dazu kommt. Gleichzeitig kann man in den Gleichstromnetzen in der Regel nicht die Leistung abrufen, die unter Wechselstrom geht.

Wenn irgendwann mal die ganzen 1,5 kV und 3 kV Strecken erledigt sind, kann man weiter reden. Vorher ist 15kV vs. 25kV ein Luxusproblem.

--
[image]

15kV 16,7 Hz vs. 25 kV 50 Hz ist relativ irrelevant

JW, Sonntag, 14.08.2016, 17:11 (vor 3521 Tagen) @ ACS64

Hallo,

vom Kostenpunkt der Fahrzeuge ist es relativ unwichtig, ob man ein oder zwei Wechselstromsysteme einbaut.

ganz so ist es nicht, denn ein 16,7Hz Trafo ist größer und schwerer, dies muss man durch teuren Leichtbau an anderer Stelle einsparen.
Es ist so, dass die Kosten für eine zusätzliche 25kV/50Hz Ausrüstung bei einem Fahrzeug für 15kV/16,7Hz vernachlässigbar sind, aber umgekehrt ist dies nicht der Fall.

Ich denke dies wird sich in den nächsten 10 Jahren relativieren wenn die Trafos durch Schaltnetzteile mit SiC-Halbleitern ersetzt werden können. Dann wird die Netzfrequenz irrelevant und nur noch die Spannung wird von Interresse sein.

Gruß Jörg

Oh ja, das möcht' ich sehen

heineken, Sonntag, 14.08.2016, 17:19 (vor 3521 Tagen) @ JW

Ich denke dies wird sich in den nächsten 10 Jahren relativieren wenn die Trafos durch Schaltnetzteile mit SiC-Halbleitern ersetzt werden können.

Störströme rein und Netzrückwirkungen raus wird da richtig lustig.
Sieht man ja schon im ganz kleinen Stil, in 230V Netzen.

So ein bißchen aktives Eisen ist zwar nervend von der Masse. Aber es hat eben auch seine Vorteile.
Und, äh, wie war das nochmal mit dem PETT Projekt bei ABB? Mausetot.
Ähnlich wie Alst(h)oms eTransformer eine Dedake zuvor.

Die Begründung zur Einstellung des PETT Projekts war erhellend.

15kV 16,7 Hz vs. 25 kV 50 Hz ist relativ irrelevant

guru61, Arolfingen, Montag, 15.08.2016, 08:54 (vor 3520 Tagen) @ JW

Hallo,

vom Kostenpunkt der Fahrzeuge ist es relativ unwichtig, ob man ein oder zwei Wechselstromsysteme einbaut.


ganz so ist es nicht, denn ein 16,7Hz Trafo ist größer und schwerer, dies muss man durch teuren Leichtbau an anderer Stelle einsparen.
Es ist so, dass die Kosten für eine zusätzliche 25kV/50Hz Ausrüstung bei einem Fahrzeug für 15kV/16,7Hz vernachlässigbar sind, aber umgekehrt ist dies nicht der Fall.

Ich denke dies wird sich in den nächsten 10 Jahren relativieren wenn die Trafos durch Schaltnetzteile mit SiC-Halbleitern ersetzt werden können. Dann wird die Netzfrequenz irrelevant und nur noch die Spannung wird von Interresse sein.

Gruß Jörg

Hallo
Oder dass die PETT Technologie zum Zug kommt, bei der ein Umrichter vor dem Trafo ist, der eine Mittelfrequenzspannung erzeugt, und damit den Trafo sehr leicht macht:

Spätestens dann wird die Frequenz keine massgebliche Grösse mehr sein.
https://library.e.abb.com/public/aec90fdb150c7c2fc1257abd00362972/ABB-Bahn_eb08-09_12.pdf

Gruss Guru

Liest du eigentlich andere Threadbeiträge? ;-)

heineken, Montag, 15.08.2016, 08:57 (vor 3520 Tagen) @ guru61

- kein Text -

ja!

guru61, Arolfingen, Montag, 15.08.2016, 09:08 (vor 3520 Tagen) @ heineken

ja, aber ich hätte gerne ein Quelle. Solange die nicht angegeben ist, ist es nur heisse Luft!

Gruss Guru

Dann blase mal die Backen auf ;-)

heineken, Montag, 15.08.2016, 09:43 (vor 3520 Tagen) @ guru61
bearbeitet von heineken, Montag, 15.08.2016, 09:44

bspw. SER /ERI /EBÖ 2014/12, S. 629 »ABB stoppt PETT«

Lesen kannst du aber selber, oder?

15kV 16,7 Hz vs. 25 kV 50 Hz ist relativ irrelevant

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Dienstag, 16.08.2016, 08:15 (vor 3519 Tagen) @ JW

ganz so ist es nicht, denn ein 16,7Hz Trafo ist größer und schwerer, dies muss man durch teuren Leichtbau an anderer Stelle einsparen.

Jetzt mal von einer anderen Seite gefragt - was bringt es, Lokomotiven auf Teufel komm raus auf Leichtgewicht zu optimieren? Natürlich sollte das Gewicht in einem Rahmen liegen, wo es den Oberbau nicht übermäßig beansprucht. Aber ein gewisses Gewicht muß eine Lok einfach auf die Räder bringen, sonst kmmt der Zug nicht mehr voran, weil man die Antriebsleistung einfach nicht auf die Schiene bekommt. (Zumindest wenn man vom klassischen Konzept des angetriebenen Fahrwerks ausgeht. Mit Rückstoßantrieben sieht das wieder anders aus... ;-) )

Hinterher zu sagen "Jaaaa, unser Trafo ist X Tonnen leichter" und im gleichen Zuge X Tonnen Ballast auf den Rahmen laden zu müssen bringt's ja auch irgendwie nicht.

Das Gewichtsargument daher für weniger gewichtig haltende Grüße (hihi)
der Colaholiker

--
[image]

Auf Infrastrukturseite sehr relevant

Alphorn (CH), Montag, 15.08.2016, 11:00 (vor 3520 Tagen) @ ACS64

Wie schon in meinen anderen Beiträgen erklärt: Selbst wenn es bei den Fahrzeugen keinen grossen Unterschied machen würde (was es aber tut) - allein die viel teurere Infrastruktur für 15 kV/16.7 Hz (man muss ein separates Hochspannungsnetz aufbauen) rechtfertigt 25 kV/50 Hz, was die existierenden Hochspannungsleitungen mitbenutzen kann.

Muß man das?

heineken, Montag, 15.08.2016, 11:10 (vor 3520 Tagen) @ Alphorn (CH)

Wie schon in meinen anderen Beiträgen erklärt: Selbst wenn es bei den Fahrzeugen keinen grossen Unterschied machen würde (was es aber tut) - allein die viel teurere Infrastruktur für 15 kV/16.7 Hz (man muss ein separates Hochspannungsnetz aufbauen) rechtfertigt 25 kV/50 Hz, was die existierenden Hochspannungsleitungen mitbenutzen kann.

Muß man ein separates Hochspannungsnetz aufbauen? Dir wurde in diesem Thread doch bereits entgegnet, daß das auch mit Umformung aus dem Landesnetz funktioniert. Und heute auch notwendigerweise nicht mehr mit rotierenden Umformern. Gucke dich mal bei Spezialisten wie ABB um, was die an statischen Umrichtern inzwischen bauen! Wenn das nicht wirtschaftlich wäre, gäbe es bis heute bspw. keine HGÜ!

Also liefe es am Ende darauf hinaus, bestehende Gleichrichter-Unterwerke durch Umformwerke, in weit größerem Abstand als bei DC notwendig, zu ersetzen.

Im Übrigen – das gilt primär für zusätzliche /Neu-Elektrifizierung – muß ein Landesnetz, welches man »mal eben mitbenutzt« auch die Kapazität haben. Welcher Netzbetreiber fährt hier denn unwirtschaftliche Vorratspolitik? Im Zweifelsfall müssten also sowieso neue Trassen gebaut werden.

Was bleibt nun von diesem Diskurs? PETT ist tot, Zusatzmasse durch 16,7 Hz Traktionstransformatoren selbst bei xEMU scheinbar in erträglichem Bereich, Betrieb von Zweifrequenzfahrzeugen im Grunde kein Problem (und hier haben ABB /Stadler sogar Vorteile mit ihren NV-Stromrichtern).
So what?

Noch ergänzend dazu …

heineken, Montag, 15.08.2016, 11:44 (vor 3520 Tagen) @ heineken
bearbeitet von heineken, Montag, 15.08.2016, 11:45

Mich würde mal interessieren, wie sich die 50 Hz Apologeten eigentlich die Symmetrie vorstellen? Das Landesnetz ist dreiphasig, entnommen für Bahnens wird aber nur eine Phase. Bedeutet im Grunde Trennstellen im Bahnnetz ohne Ende (bei dennoch schiefhängendem Landesnetz). Aufwand, Fehlerrisiken, Folgekosten. Mal abgesehen vom auch noch auszugleichenden, bei 50 Hz Netzfrequenz dreifach größerem Blindwiderstand. Die Kupferbarone würde es freuen, die Isolatorenhersteller auch.

Scheint alles keine Rolle zu spielen.

15KV/25KVAC, 1.5KV/3KVDC

MartinN, Fricktal, Schweiz, Montag, 15.08.2016, 13:37 (vor 3520 Tagen) @ heineken

Hallo zusammen

Meine Meinung ist es auch: Zukünftige Trassees/ Hochgeschwindigkeitsstrecken sollte man mit 25KV/50Hz bauen, aber den Bahnstrom vereinheitlichen in Europa ist schlicht weg nicht möglich. So ein Umbau würde, denke ich, sicher mindestens 60 Jahre brauchen und eine so lange Zeit nach vorne zu schauen, dass traue ich mich nicht, denn wer weiss schon was dann ist? In Europa kriegen wir ja nicht einmal eine einheitliche Bahnsteighöhe hin, also vergesst das mit dem Bahnstrom. Die Bahninfrastrukturhersteller kriegen es aber doch hin und das schon sehr lange. Der schweizer TEE konnte bereits in den 60er Jahren durch ganz Westeuropa düsen(ausgenommen Spanien und Portugal). Der ICE 3 macht es schon über zehn Jahre, der TGV schon 30 Jahre, der ETR610 auch schon ein paar Jährchen. Das Bahnnetz ist nun mal ein wachsendes Netz wo man immer wieder Anpassungen machen muss und Entscheidungen treffen muss bezüglich Ausbau, Fahrzeuge etc. und manchmal langt man in die Scheisse. Es gibt andere Dinge die besser und schneller zu vereinheitlichen sind als der Bahnstrom.

Muß man das?

Alphorn (CH), Montag, 15.08.2016, 22:37 (vor 3519 Tagen) @ heineken

Muß man ein separates Hochspannungsnetz aufbauen? Dir wurde in diesem Thread doch bereits entgegnet, daß das auch mit Umformung aus dem Landesnetz funktioniert. Und heute auch notwendigerweise nicht mehr mit rotierenden Umformern. Gucke dich mal bei Spezialisten wie ABB um, was die an statischen Umrichtern inzwischen bauen! Wenn das nicht wirtschaftlich wäre, gäbe es bis heute bspw. keine HGÜ!

Jein... bei HGÜ werden sehr grosse Strommengen über sehr grosse Distanzen transportiert. Ich weiss nicht, ob viele relativ kleine Umformer mit simplen Transformatoren preislich konkurrieren können.

Unabhängig davon verbleibt der kleinere Vorteil, dass bei 25 kV die Unterwerke weiter auseinander sein dürfen als bei 15 kV.

Im Übrigen – das gilt primär für zusätzliche /Neu-Elektrifizierung – muß ein Landesnetz, welches man »mal eben mitbenutzt« auch die Kapazität haben. Welcher Netzbetreiber fährt hier denn unwirtschaftliche Vorratspolitik? Im Zweifelsfall müssten also sowieso neue Trassen gebaut werden.

Der Ausbau einer existierenden Hochspannungsleitung, wenn er denn nötig ist, ist einfacher und billiger als der Neubau einer weiteren.

Mich würde mal interessieren, wie sich die 50 Hz Apologeten eigentlich die Symmetrie vorstellen?

Im Detail kenne ich die Lösungen nicht, sie scheinen aber in anderen Ländern gut zu funktionieren.

Was bleibt nun von diesem Diskurs? PETT ist tot, Zusatzmasse durch 16,7 Hz Traktionstransformatoren selbst bei xEMU scheinbar in erträglichem Bereich, Betrieb von Zweifrequenzfahrzeugen im Grunde kein Problem (und hier haben ABB /Stadler sogar Vorteile mit ihren NV-Stromrichtern).

Ich habe ja nur auf eine Aussage von Oscar geantwortet, welche die Notwendigkeit der 25 kV-Ausrüstung von NL-Zügen bedauerte, und auf firefly's Voten für 15 kV.

Muß man das?

JW, Montag, 15.08.2016, 23:09 (vor 3519 Tagen) @ Alphorn (CH)

Hallo,

Unabhängig davon verbleibt der kleinere Vorteil, dass bei 25 kV die Unterwerke weiter auseinander sein dürfen als bei 15 kV.

Ist das wirklich so? Die magnetischen Verluste hängen von der der Frequenz ab, da ist DC im Vorteil, 16,7Hz in der Mitte und 50Hz das Schlusslicht. Alles andere hängt vom Querschnitt der (Feeder-)Leitung ab und den akzeptierten Verlusten ab.

Viele Grüße
Jörg

Muß man das?

SPFVG, Montag, 15.08.2016, 23:38 (vor 3519 Tagen) @ JW

Hallo,

Unabhängig davon verbleibt der kleinere Vorteil, dass bei 25 kV die Unterwerke weiter auseinander sein dürfen als bei 15 kV.


Ist das wirklich so? Die magnetischen Verluste hängen von der der Frequenz ab, da ist DC im Vorteil, 16,7Hz in der Mitte und 50Hz das Schlusslicht. Alles andere hängt vom Querschnitt der (Feeder-)Leitung ab und den akzeptierten Verlusten ab.

So siehts aus, wegen der Impedanz ist 15 kV mit 16,7 Hz bei den Einspeisepunkten genauso gut wie 25/50Hz. Da herrscht Gleichstand.

Und bei den Stromnetzen ist ein extra Bahnstromnetz zwar teuer, hat aber auch gewichtige Vorteile, allen Voran bei der Ausfallsicherheit z.B. bei Stromausfällen im 50 Hz Netz. Selbige werden in Zeiten von knappen Stromtrassen für Ökostrom samt der sehr schwankenden Strommengen immer wahrscheinlicher. Ne ne, da bin ich froh, dass die Bahn was Eigenes hat.

Anfangs war ich auch einmal 25kV/50Hz Fan, aber wenn man sich mal mit den Details befasst, dann wird 15kV/16,7 Hz immer besser.

Rein von der Fläche her wäre NL auch schnell mit nem 16,7 Netz ausgerüstet. Das Land ist ja nicht gerade groß. Stellt sich halt nur die Frage ob man auf der anderen Seite dafür genügend Geld bei den Ingenieursbauwerken einsparen würde.

Muß man das?

telemaxx, Bremen, Hannover, Dienstag, 16.08.2016, 08:24 (vor 3519 Tagen) @ SPFVG

Bei welchen Punkten hat denn 15 kV jetzt Vorteile? Die Ausfallsicherheit ist für mich jetzt nicht das überragende Argument, das passiert so selten. Außerdem plant die DB ja ebenfalls mit 100 % Ökostrom mittelfristig.

Ausfallsicherheit

Alphorn (CH), Dienstag, 16.08.2016, 14:17 (vor 3519 Tagen) @ telemaxx

Bei welchen Punkten hat denn 15 kV jetzt Vorteile? Die Ausfallsicherheit ist für mich jetzt nicht das überragende Argument, das passiert so selten.

In der Schweiz ist 2005 landesweit der Bahnstrom ausgefallen. Auslöser war, dass die einzige verbliebene Leitung über den Gotthard überlastet wurde. Sehr gut möglich, dass das nicht passiert wäre, wenn man auf das normale Hochspannungsnetz hätte zurückgreifen können - man hätte viel mehr Redundanz gehabt.

Ausfallsicherheit

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Dienstag, 16.08.2016, 14:28 (vor 3519 Tagen) @ Alphorn (CH)

In der Schweiz ist 2005 landesweit der Bahnstrom ausgefallen. Auslöser war, dass die einzige verbliebene Leitung über den Gotthard überlastet wurde.

Doof, das. :(

Sehr gut möglich, dass das nicht passiert wäre, wenn man auf das normale Hochspannungsnetz hätte zurückgreifen können - man hätte viel mehr Redundanz gehabt.

Ich bin zwar nur Schwachstromer, aber ich halte bei Verwendung des 50Hz-Hochspannungsnetzes ein anderes Szenario für denkbar - die plötzliche Aufschaltung der kompletten Last des Bahnstromnetzes hätte dort vermutlich für einen Spannungseinbruch gesorgt, der seinerseits dafür gesorgt hätte, daß das Netz ebenfalls mit zusammenbricht. Dann wäre nicht nur die Bahn dunkel gewesen, sondern auch der kleine Teil der Schweiz, der nicht Bahn ist. Und mit Pech hätte sich das lawinenartig durch das europäische Verbundnetz gezogen. Das hätte also noch deutlich böser ins Auge gehen können. Ob es wirklich so gekommen wäre, oder ob das Netz es hätte abfedern können, können Experten sicher berechnen, ich kann es nur als in meinen Augen mögliches Szenario beschreiben.

Zwei Cent in die Kaffeekasse werfende Grüße,
der Colaholiker

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Muß man das?

SPFVG, Dienstag, 16.08.2016, 15:20 (vor 3519 Tagen) @ telemaxx

Bei welchen Punkten hat denn 15 kV jetzt Vorteile? Die Ausfallsicherheit ist für mich jetzt nicht das überragende Argument, das passiert so selten.

Tja, "selten" ist relativ. Ich würde mal sagen mind. alle 5 Jahre:
http://www.3sat.de/page/?source=/nano/glossar/stromausfaelle_d.html

Man stelle sich vor damals 2011 beim Stromausfall in Hannover wäre auch noch die Eisenbahn ausgefallen.

Die Extremwetterlagen nehmen zu, damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit das irgendwo ein Mast abknickt.

Außerdem plant die DB ja ebenfalls mit 100 % Ökostrom mittelfristig.

In welchem Zusammenhang meinst Du das? Wegen der von mir erwähnten Windkraft? Das war nicht aus Ökogründen sondern aus Netz-Stabilitätsgründen. Ökostrom belastet die Netze über Gebühr, weil je nach Windstärke oder Sonneneinstrahlung starke Überkapazitäten ins Netz gepresst werden oder bei Flaute irgendwelche Ersatzkraftwerke hochgefahren müssen. Das ist im Vergleich zur guten, alten Zeit, wo Kohle-, Kernkraft oder sonstige Großkraftwerke eine stabile, gleichmäßige Leistung lieferten deutlich schwieriger zu managen.

Deshalb steigt mit diesen Anforderungen ans Stromnetz auch die Ausfallwahrscheinlichkeit in Zukunft.

In NL wäre es noch interessant, ob die Masten der aktuellen 380kV Starkstromleitungen vielleicht noch Platz auf einer unteren Ebene für 2 Paar Bahnstromleitungen mit 110kV hätten. Falls ja wäre die Umrüstung ggf. billiger zu haben, als gedacht.

Die Ausfallsicherheit bei Unwettern ist dann zwar nicht größer, aber wenigstens bestünde noch die elektrische Trennung.

Muss man das?

Henrik, Dienstag, 16.08.2016, 17:49 (vor 3519 Tagen) @ SPFVG

Bei welchen Punkten hat denn 15 kV jetzt Vorteile? Die Ausfallsicherheit ist für mich jetzt nicht das überragende Argument, das passiert so selten.

Tja, "selten" ist relativ. Ich würde mal sagen mind. alle 5 Jahre:
http://www.3sat.de/page/?source=/nano/glossar/stromausfaelle_d.html

Man stelle sich vor damals 2011 beim Stromausfall in Hannover wäre auch noch die Eisenbahn ausgefallen.

nun, grade dort würde man den Strom nicht aus dem selben Netz beziehen.
Betroffen war der Bahnverkehr dennoch, zumindest im Umland,
dort mussten aus Sicherheitsgründen die Züge die Bahnhöfe ohne Notstromversorgung mit verminderter Geschwindigkeit passieren.
zu der Uhrzeit damals nachts zwischen 11 & 12 waren die Auswirkungen eh marginal.

ein solchen Vorfall wie damals wird es erstmal in Hannover nicht mehr geben, nicht in nächsten 20 Jahren.

Stromausfall rein nur im Hauptbahnhof Hannover gabs erheblich häufiger..
zuletzt vor 4 Monaten,
http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Stromausfall-im-Hauptbahnhof-Hannover3

Die Extremwetterlagen nehmen zu, damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit das irgendwo ein Mast abknickt.

unwesentlich und ist nicht der relevante Punkt

Außerdem plant die DB ja ebenfalls mit 100 % Ökostrom mittelfristig.

In welchem Zusammenhang meinst Du das? Wegen der von mir erwähnten Windkraft? Das war nicht aus Ökogründen sondern aus Netz-Stabilitätsgründen. Ökostrom belastet die Netze über Gebühr, weil je nach Windstärke oder Sonneneinstrahlung starke Überkapazitäten ins Netz gepresst werden oder bei Flaute irgendwelche Ersatzkraftwerke hochgefahren müssen. Das ist im Vergleich zur guten, alten Zeit, wo Kohle-, Kernkraft oder sonstige Großkraftwerke eine stabile, gleichmäßige Leistung lieferten deutlich schwieriger zu managen.

Deshalb steigt mit diesen Anforderungen ans Stromnetz auch die Ausfallwahrscheinlichkeit in Zukunft.

ja..
..wenn nicht entschieden ausgebaut wird.

Muss man das?

SPFVG, Dienstag, 16.08.2016, 20:31 (vor 3519 Tagen) @ Henrik

Bei welchen Punkten hat denn 15 kV jetzt Vorteile? Die Ausfallsicherheit ist für mich jetzt nicht das überragende Argument, das passiert so selten.

Tja, "selten" ist relativ. Ich würde mal sagen mind. alle 5 Jahre:
http://www.3sat.de/page/?source=/nano/glossar/stromausfaelle_d.html

Man stelle sich vor damals 2011 beim Stromausfall in Hannover wäre auch noch die Eisenbahn ausgefallen.


nun, grade dort würde man den Strom nicht aus dem selben Netz beziehen.

Woher soll er dann kommen?

Betroffen war der Bahnverkehr dennoch, zumindest im Umland,
dort mussten aus Sicherheitsgründen die Züge die Bahnhöfe ohne Notstromversorgung mit verminderter Geschwindigkeit passieren.

Richtig, aber die Züge fuhren.

zu der Uhrzeit damals nachts zwischen 11 & 12 waren die Auswirkungen eh marginal.

Ja da hatte man ziemlich viel Glück.

ein solchen Vorfall wie damals wird es erstmal in Hannover nicht mehr geben, nicht in nächsten 20 Jahren.

Möglich, aber wie siehts in Berlin, Frankfurt, Ruhrgebiet, Nürnberg aus?

Stromausfall rein nur im Hauptbahnhof Hannover gabs erheblich häufiger..
zuletzt vor 4 Monaten,
http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Stromausfall-im-Hauptbahnhof-Hannover3

Ja unschön, aber auf der Oberleitung gabs Strom. Damit ist das unerheblich.

Die Extremwetterlagen nehmen zu, damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit das irgendwo ein Mast abknickt.


unwesentlich und ist nicht der relevante Punkt

Wieso?

Außerdem plant die DB ja ebenfalls mit 100 % Ökostrom mittelfristig.

In welchem Zusammenhang meinst Du das? Wegen der von mir erwähnten Windkraft? Das war nicht aus Ökogründen sondern aus Netz-Stabilitätsgründen. Ökostrom belastet die Netze über Gebühr, weil je nach Windstärke oder Sonneneinstrahlung starke Überkapazitäten ins Netz gepresst werden oder bei Flaute irgendwelche Ersatzkraftwerke hochgefahren müssen. Das ist im Vergleich zur guten, alten Zeit, wo Kohle-, Kernkraft oder sonstige Großkraftwerke eine stabile, gleichmäßige Leistung lieferten deutlich schwieriger zu managen.

Deshalb steigt mit diesen Anforderungen ans Stromnetz auch die Ausfallwahrscheinlichkeit in Zukunft.


ja..
..wenn nicht entschieden ausgebaut wird.

Selbst dann gibts bei Bahnens normale Schwankungen plus/minus 300 MW:
https://tu-dresden.de/bu/verkehr/ibb/eb/ressourcen/dateien/dateien/gutachten_bahnstromt...

Ein eigenes Netz ist da schon sehr vorteilhaft.

Muss man das?

Henrik, Dienstag, 16.08.2016, 23:20 (vor 3518 Tagen) @ SPFVG

Bei welchen Punkten hat denn 15 kV jetzt Vorteile? Die Ausfallsicherheit ist für mich jetzt nicht das überragende Argument, das passiert so selten.

Tja, "selten" ist relativ. Ich würde mal sagen mind. alle 5 Jahre:
http://www.3sat.de/page/?source=/nano/glossar/stromausfaelle_d.html

Man stelle sich vor damals 2011 beim Stromausfall in Hannover wäre auch noch die Eisenbahn ausgefallen.

nun, grade dort würde man den Strom nicht aus dem selben Netz beziehen.

Woher soll er dann kommen?

aus anderen mehreren Quellen.. und sicher nicht von den Stadtwerken Hannover.. nicht in Hannover.

Betroffen war der Bahnverkehr dennoch, zumindest im Umland,
dort mussten aus Sicherheitsgründen die Züge die Bahnhöfe ohne Notstromversorgung mit verminderter Geschwindigkeit passieren.

Richtig, aber die Züge fuhren.

ja, im Hbf auch wie ebenso im ESTW.

zu der Uhrzeit damals nachts zwischen 11 & 12 waren die Auswirkungen eh marginal.

Ja da hatte man ziemlich viel Glück.

eher Pech, dass der Doppel-Fehler überhaupt auftraf.

ein solchen Vorfall wie damals wird es erstmal in Hannover nicht mehr geben, nicht in nächsten 20 Jahren.

Möglich, aber wie siehts in Berlin, Frankfurt, Ruhrgebiet, Nürnberg aus?

da natürlich ebenso bzw. natürlich noch viel mehr erst recht nicht.

Stromausfall rein nur im Hauptbahnhof Hannover gabs erheblich häufiger..
zuletzt vor 4 Monaten,
http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Stromausfall-im-Hauptbahnhof-Hannover3

Ja unschön, aber auf der Oberleitung gabs Strom. Damit ist das unerheblich.

Die Extremwetterlagen nehmen zu, damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit das irgendwo ein Mast abknickt.

unwesentlich und ist nicht der relevante Punkt

Wieso?

weil das nicht für Stromausfälle verantwortlich is..

Außerdem plant die DB ja ebenfalls mit 100 % Ökostrom mittelfristig.

In welchem Zusammenhang meinst Du das? Wegen der von mir erwähnten Windkraft? Das war nicht aus Ökogründen sondern aus Netz-Stabilitätsgründen. Ökostrom belastet die Netze über Gebühr, weil je nach Windstärke oder Sonneneinstrahlung starke Überkapazitäten ins Netz gepresst werden oder bei Flaute irgendwelche Ersatzkraftwerke hochgefahren müssen. Das ist im Vergleich zur guten, alten Zeit, wo Kohle-, Kernkraft oder sonstige Großkraftwerke eine stabile, gleichmäßige Leistung lieferten deutlich schwieriger zu managen.

Deshalb steigt mit diesen Anforderungen ans Stromnetz auch die Ausfallwahrscheinlichkeit in Zukunft.

ja..
..wenn nicht entschieden ausgebaut wird.

Selbst dann gibts bei Bahnens normale Schwankungen plus/minus 300 MW:
https://tu-dresden.de/bu/verkehr/ibb/eb/ressourcen/dateien/dateien/gutachten_bahnstromt... pdf - 7 MB

Ein eigenes Netz ist da schon sehr vorteilhaft.

eben.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/-zwoelf-minuten-ohne-strom-1.2615185

Europa wird immer gespalten bleiben

ICETreffErfurt, Eisenach, Dienstag, 16.08.2016, 03:00 (vor 3519 Tagen) @ Alphorn (CH)

Für Neubauvorhaben wird sich sicherlich 25 kV 50 Hz in weiten Teilen Europas als Standard durchsetzen, alleine wegen der TSI und der Förderung durch die EU-Bürokratie.

Die Länder, welche jedoch 15 kV 16,7 Hz als Standard haben, werden ihre Neubaustrecken und elektrischen Lückenschlüsse auch weiterhin mit diesem System ausrüsten. Ein Umbau von 15 kV auf 25 kV steht in keinem Verhältnis, da gibt es keinen Nutzen-Kosten-Faktor über 1.

Dänemark hat sich für 25 kV entschieden und Tatsachen geschaffen, damit müssen die EVU leben.

Europa wird immer gespalten bleiben

JW, Dienstag, 16.08.2016, 07:27 (vor 3519 Tagen) @ ICETreffErfurt

Für Neubauvorhaben wird sich sicherlich 25 kV 50 Hz in weiten Teilen Europas als Standard durchsetzen, alleine wegen der TSI und der Förderung durch die EU-Bürokratie.

Die TSI beschreibt alle 4 Systeme, entsprechend gibt es auch für alle 4 Systeme gefördert.

Europa wird immer gespalten bleiben

ICETreffErfurt, Eisenach, Dienstag, 16.08.2016, 09:46 (vor 3519 Tagen) @ JW

Für Neubauvorhaben wird sich sicherlich 25 kV 50 Hz in weiten Teilen Europas als Standard durchsetzen, alleine wegen der TSI und der Förderung durch die EU-Bürokratie.


Die TSI beschreibt alle 4 Systeme, entsprechend gibt es auch für alle 4 Systeme gefördert.

Bei grenzüberschreitenden Neubauvorhaben oder TEN-Korridor-Vorhaben wird seitens der EU nur 25 kV 50 Hz gefördert. Nationale Förderungen mal außen vor.

Das ist Schmarrn. Lecker, aber Schmarrn.

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 08:52 (vor 3519 Tagen) @ ICETreffErfurt

Wie kann man das nur kurzsichtig angehen? Stromsysteme muss man nur einmal umstellen, es ist also eine einmalige Investition. Danach können die Instandhaltungskosten, soweit ich es richtig verstand, sogar aufgrund längerer Distanzen, die der Strom ohne nennenswerte. Verluste zurücklegen kann, gesenkt werden. Außerdem wird es in den meisten Fällen nicht mehr notwendig sein, Mehrsystemloks anzuschaffen.

Auf lange Sicht wird es sich also noch mehr lohnen, besonders wenn wir die neu gewonnene Flexibilität berücksichtigen.

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Das ist Schmarrn. Lecker, aber Schmarrn.

Paladin, Hansestadt Rostock / Güstrow, Dienstag, 16.08.2016, 08:57 (vor 3519 Tagen) @ J-C

Das wäre vermutlich eine Jahrhundertaufgabe. Und in diesen 100 Jahren, wo das umgebaut wird, braucht man dennoch Mehrsystemloks. Und jetzt versetz dich mal in die Lage eines BWLers ...

Wat? Hundert Jahre? xD

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 09:03 (vor 3519 Tagen) @ Paladin
bearbeitet von J-C, Dienstag, 16.08.2016, 09:06

Das wird im 21. Jahrhundert ja wohl mal erheblich schneller gehen! Wo ein Wille, da auch ein Weg. Am besten dann alle entsprechenden Elemente gleichzeitig und nicht nacheinander fertigstellen und das systematisch.

Und soo schlimm müssen BWLer auch nicht sein. Es sei denn, die Bundesregierung schreit die ganze Zeit Wirtschaftlichkeit durch die Gegend ;-)

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Womöglich noch mehr

Paladin, Hansestadt Rostock / Güstrow, Dienstag, 16.08.2016, 09:34 (vor 3519 Tagen) @ J-C

Es gibt garantiert Umwelt- und Interessenverbände, die Klagen und alles hinauszögern. Auch beim Austausch von Stromleitungen über Schienen.

In solchen Situationen wünsche ich mir einen Putin...

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 09:40 (vor 3519 Tagen) @ Paladin
bearbeitet von J-C, Dienstag, 16.08.2016, 09:44

...der erstmal diese Interessensverbände auf wundersame Weise verstummen lässt und das Ding wider der Schickeria durchsetzt *träum*

Oder auch: Put in the Putin, put out the problem.

Aber was sollen Umweldverbände dagegen haben, wenn man die Bahn effizienter und damit umweltfreundlicher macht?

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

100 Jahre sind es wohl nicht, aber Jahrzehnte

ICETreffErfurt, Eisenach, Dienstag, 16.08.2016, 09:56 (vor 3519 Tagen) @ J-C

Das Problem ist, dass die zugelieferten Komponenten erst einmal hergestellt werden müssen und das dauert entsprechend lange.

Es müssen alleine an den Bahnstrecken Millionen von Isolatoren getauscht, zehntausende Kilometer Fahrdraht neu gespannt werden.

Hinzu kommt das Ersetzen von einigen Hundert Transformatoren, zumal Weichenheizungen & Co. auch mit am Bahnstromnetz hängen. Die Überlandleitungen müssen neu geplant und verlegt werden, da sich die Abstände der Unterzentralen ändern. Man braucht neue Umformer, neue Schaltstationen für Bahnhöfe.

Eine Strecke umzurüsten dürfte an sich nur einige Wochen Arbeitszeit benötigen. Aber das ganze Netz umzubauen, dauert Jahre.

In der Zeit stehen die Strecken dann auch für den elektrischen Verkehr nicht voll zur Verfügung, da man ja immer nur einige Dutzend Kilometer pro Monat umrüsten kann. Denn die Lieferzeiten von Isolatoren, Kabeln und insbesondere Transformatoren sind sehr lange. Zwischen Bestellung und Lieferung können da gut Monate vergehen, insbesondere bei den Umrichtern für die Unterwerke. So ein Transformator ist nicht mal in 5 min gebaut. ;-)

Wenn wir 2020 mit anfangen, könnte man vielleicht 2060 fertig sein.

Kosten wird das ganze 10 Mrd Euro aufwärts.

Auch wenn, besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken..

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 10:02 (vor 3519 Tagen) @ ICETreffErfurt
bearbeitet von J-C, Dienstag, 16.08.2016, 10:03

... ohne Ende. Dann wird das Zeit und Geld veranschlagen, aber das nur einmal und dann nie wieder.

Mehrsystemloks lindern die Folgen des Problems, lösen es aber nicht auf Dauer, da Einsystemloks auf Dauer günstiger sind.

Und die neue Flexibilität tut ihr übriges.

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Du willst es nicht verstehen oder?

heineken, Dienstag, 16.08.2016, 11:08 (vor 3519 Tagen) @ J-C

- kein Text -

Nee, solche Fragen verstehe ich nicht.

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 11:13 (vor 3519 Tagen) @ heineken

Vor allem, weil sie einfach gar nicht konstruktiv sind.

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Antwort auf: Nee, solche Fragen verstehe ich nicht.

heineken, Dienstag, 16.08.2016, 12:33 (vor 3519 Tagen) @ J-C
bearbeitet von heineken, Dienstag, 16.08.2016, 12:38

Ja, weil es scheinbar auch beim Lesen mangelt: (;-)

In diesem Thread findest du genügend Sachargumente (!), die mehr als nahelegen, eben nicht davon sprechen zu können, 25 kV /50 Hz sei »das bessere System«. Und genau aus diesem Grund ist ein Spruch wie der von dir herausgehauene – »besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken…« – eben mehr als flüssig.

Gut, okay, als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme kann man das natürlich in Erwägung ziehen. Ganz nach dem Motto: »Hier entsteht ein zugeschüttetes Loch«. ;-)

Antwort auf: Nee, solche Fragen verstehe ich nicht.

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Dienstag, 16.08.2016, 12:39 (vor 3519 Tagen) @ heineken

In diesem Thread findest du genügend Sachargumente (!), die mehr als nahelegen, eben nicht davon sprechen zu können, 25 kV /50 Hz sei »das bessere System«. Und genau aus diesem Grund ist ein Spruch wie der von dir herausgehauene – »besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken…« – eben mehr als flüssig.

Ohne Werbung machen zu wollen, empfehlen wir J-C doch einfach mal diesen Beitrag, in dem ich versucht habe, die im Thread genannten Vor- und Nachteile der jeweiligen Systeme zusammenzufassen. Selbst wenn die Aufzählung nicht vollständig ist, zeigt sie auf den ersten Blick, daß es kein "das bessere System" in dieser Frage gibt. Es gibt zwei Systeme mit ihren spezifischen Vor- und Nachteilen. Inwiefern man einen eventuell vorhandenen kleinen technischen Vorteil des einen System einem definitiv vorhandenen wirtschaftlichen Aufwand einer Umrüstung abwägt, ist dann die Frage. Aber eine Rechtfertigung für "besser ein Ende mit Schrecken..." sehe ich da nicht.

Ein Berühren der Oberleitung während man guten Kontakt zur Erde hat übrigens in beiden Fällen nicht empfehlende Grüße,
der Colaholiker

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Antwort auf: Nee, solche Fragen verstehe ich nicht.

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 13:14 (vor 3519 Tagen) @ Colaholiker

Bloß es gibt auch bei 25 kV zumindest im Südosten ein großes zusammenhängendes Netz, zumal es mir auch völlig egal ist, wie man es genau macht, sondern dass man am Ende ein einziges Stromsystem in Europa hat. Wie schon zuvor gesagt, es ist mir egal, welches Stromsystem es ist, selbst wenn es die 3kV sein sollten, die man beispielsweise in Polen, Weißrussland und Russland selber hat. Ich denke, wenn ich fordere, dass man ein einheitliches Stromsystem hat, brauche ich nicht zu sagen, welches es ist, denn da gibt es welche, die mehr über die Materie Bescheid wissen als ich. Das ist aber auch dann wiederum die Frage, wie man es umsetzt und nicht ob es prinzipiell möglich wäre. ;-)

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Wozu Einheitsbrei?

heineken, Dienstag, 16.08.2016, 13:43 (vor 3519 Tagen) @ J-C

Haben wir in diesem Thread nicht gelernt, daß es aufwandsmäßig keinen großen Aufriss macht, mit ein und demselben Fahrzeug unter 25 kV /50 Hz und 15 kV /16,7 Hz zu operieren?

Was DC angeht: 1,5 /1,8 kV scheidet schon mal aufgrund der begrenzten Leistungsfähigkeit von vornherein aus. Und auch 3 kV hat, nicht zuletzt aufgrund des großen Leitungsaufwands und des Dauerthemas der Rekuperation in DC-Netzen, nicht wirklich gute Karten.

Weil es langfristig besser ist.

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 13:49 (vor 3519 Tagen) @ heineken

Haben wir in diesem Thread nicht gelernt, daß es aufwandsmäßig keinen großen Aufriss macht, mit ein und demselben Fahrzeug unter 25 kV /50 Hz und 15 kV /16,7 Hz zu operieren?

Ich bin da skeptisch.

Was DC angeht: 1,5 /1,8 kV scheidet schon mal aufgrund der begrenzten Leistungsfähigkeit von vornherein aus. Und auch 3 kV hat, nicht zuletzt aufgrund des großen Leitungsaufwands und des Dauerthemas der Rekuperation in DC-Netzen, nicht wirklich gute Karten.

Meinetwegen kann man es mit 15 kV machen, es sollte halt die praktikabelste Lösung genommen werden.

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Weil es langfristig besser ist.

heineken, Dienstag, 16.08.2016, 13:51 (vor 3519 Tagen) @ J-C

Haben wir in diesem Thread nicht gelernt, daß es aufwandsmäßig keinen großen Aufriss macht, mit ein und demselben Fahrzeug unter 25 kV /50 Hz und 15 kV /16,7 Hz zu operieren?

Ich bin da skeptisch.

Dann unterlege deine artikulierte Skepsis doch einfach mal mit Argumenten.

Weil es langfristig besser ist.

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 13:54 (vor 3519 Tagen) @ heineken

Erstmal benötigt man die ganze Ausrüstung für das jeweils andere Stromsystem und das nicht in einer Lok, sondern in vielen Loks. Wenn man nicht vereinheitlicht, wird man für immer und ewig Mehrsystemloks für Europa bauen müssen, was die Kosten einer Vereinheitlichung aufwiegen wird.

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Das gibt es (fast) umsonst

heineken, Dienstag, 16.08.2016, 14:11 (vor 3519 Tagen) @ J-C
bearbeitet von heineken, Dienstag, 16.08.2016, 14:12

Erstmal benötigt man die ganze Ausrüstung für das jeweils andere Stromsystem und das nicht in einer Lok, sondern in vielen Loks. Wenn man nicht vereinheitlicht, wird man für immer und ewig Mehrsystemloks für Europa bauen müssen, was die Kosten einer Vereinheitlichung aufwiegen wird.

Die zusatzliche Ausrüstung, sowohl unter 15 kV /16,7 Hz als auch 25 kV /50 Hz verkehren zu können, beschränkt sich auf:
– etwas größerer Isolationsaufwand auf der Primärseite
– umschaltbare Abgriffe in den Trafo-Sekundärwicklungen
– umschaltbarer Saugkreis (jeweils doppelte Netzfrequenz 33,3 /100 Hz)*

Das wars. Mehr ist nicht.

*Kann entfallen bei ausreichend großer Zwischenkreiskapazität. Sowas ist realistisch bisher aber nur in »Niedervolt«-Zwischenkreisen machbar (–> Elektrolyt-Knalltüten). Was man sich bei ABB /Stadler bei den meisten ihrer xEMU zu Nutze macht. (Ja, es gibt auch 3 kV Zwischenkreisdesigns bei Stadler, bspw. bei reinen 3 kV DC FLIRT.)

Im Übrigen – um mal mit dem Märchen der bei 16,7 Hz ach so viel schwereren Traktions-Tansformatoren aufzuräumen: Leistungsgewicht!
DB BR 101, reines 16,7 Hz Tfz: Ca. 1,8 kg/kVA
DSB EA 3000, reines 50 Hz Tfz: Ca. 1,58 kg/kVA

Jetzt zufrieden? ;-)

Ps.:

Wenn man nicht vereinheitlicht, wird man für immer und ewig Mehrsystemloks für Europa bauen müssen, was die Kosten einer Vereinheitlichung aufwiegen wird.

Auf diese deine Rechnung bin ich mal gespannt. Immer her mit den Zahlen!

Das gibt es (fast) umsonst

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 16:22 (vor 3519 Tagen) @ heineken

Erstmal benötigt man die ganze Ausrüstung für das jeweils andere Stromsystem und das nicht in einer Lok, sondern in vielen Loks. Wenn man nicht vereinheitlicht, wird man für immer und ewig Mehrsystemloks für Europa bauen müssen, was die Kosten einer Vereinheitlichung aufwiegen wird.


Die zusatzliche Ausrüstung, sowohl unter 15 kV /16,7 Hz als auch 25 kV /50 Hz verkehren zu können, beschränkt sich auf:
– etwas größerer Isolationsaufwand auf der Primärseite
– umschaltbare Abgriffe in den Trafo-Sekundärwicklungen
– umschaltbarer Saugkreis (jeweils doppelte Netzfrequenz 33,3 /100 Hz)*

Das wars. Mehr ist nicht.

*Kann entfallen bei ausreichend großer Zwischenkreiskapazität. Sowas ist realistisch bisher aber nur in »Niedervolt«-Zwischenkreisen machbar (–> Elektrolyt-Knalltüten). Was man sich bei ABB /Stadler bei den meisten ihrer xEMU zu Nutze macht. (Ja, es gibt auch 3 kV Zwischenkreisdesigns bei Stadler, bspw. bei reinen 3 kV DC FLIRT.)

Im Übrigen – um mal mit dem Märchen der bei 16,7 Hz ach so viel schwereren Traktions-Tansformatoren aufzuräumen: Leistungsgewicht!
DB BR 101, reines 16,7 Hz Tfz: Ca. 1,8 kg/kVA
DSB EA 3000, reines 50 Hz Tfz: Ca. 1,58 kg/kVA

Jetzt zufrieden? ;-)

Nicht ganz, denn da hätte ich noch einen Ass im Ärmel. Wie bei Nachtzügen kann man so etwas nicht für sich alleine sehen. Denn, wenn man mit der Vereinheitlichung des Stromsystems auch perspektivisch die Zulassungsanforderungen vereinheitlicht und das Sicherungssystem vereinheitlicht, dann haht man einen riesigen Vorteil: Lokomotiven und Waggons sind nicht mehr an ein oder mehrere Länder gebunden, sondern können mit einer einzigen Zulassung in ganz Europa beliebig eingesetzt werden. Loks könnten am besten gleich als Universalloks eingesetzt werden, die alle Disziplinen des Schienenverkehrs problemlos beherrschen. Das kann zu Einsparungen führen, da damit auch jede Lok flexibel dorthin gebracht werden, wo man sie braucht. Mehrsystemloks braqucht man fortan nur noch, wenn man einen Nachtzug nach Moskau oder einen Güterzug nach China bringen will.

Wenn man nicht vereinheitlicht, wird man für immer und ewig Mehrsystemloks für Europa bauen müssen, was die Kosten einer Vereinheitlichung aufwiegen wird.


Auf diese deine Rechnung bin ich mal gespannt. Immer her mit den Zahlen!

Leider kann ich nicht mit exakten Zahlen dienen, es geht aber nicht nur um dieses Teilfeld sondern darum, dass allgemein die Standards im Schienenverkehr europäisch so einheitlich wie möglich sein sollen.

Denn durch eine entsprechende Flexibilität können wieder Kosten eingespart werden.

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Phantasien und unbewiesene Behauptungen

heineken, Dienstag, 16.08.2016, 16:50 (vor 3519 Tagen) @ J-C

Leider gibt es keine belastbaren Aussagen von dir, auch nicht auf Nachfrage. Nur neue Sprüche 'hätte, könnte, sollte'.
Deshalb muß man deine Aussagen wie 'wird alles besser, wenn wir erstmal nur ein Tfz für alles und jeden haben' als das sehen was sie sind: Fabeln.

Mensch, so heiß isses doch heute gar nicht! ;-)

Mal im Ernst: Wer in Gottes Namen will einen Zug mit ein und denselben MS-Tfz nach Moskau oder China bringen?
(BTW: Willst du dann gleich auch noch den Bereich der ehemaligen Sowjetunion umgespurt sehen? Oder hat dein MS-Tfz gleich noch Spurwechselfähigkeit an Bord? ;-)

Ganz generell fürchte ich, du überschätzt die Skaleneffekte bei weitem. Wie du die Notwendigkeit, an der LST Hand anzulegen – auch und gerade außerhalb der ETCS-'Korridore'! – um hier endlich mal die europäischen Vielsprachigkeit durch ein Esperanto, pardon ERTMS /ETCS – und das möglichst dialektfrei (!) – zu ersetzen, kolossal unterschätzt.
Hast dich schon einmal unter eine MS-Lok gelegt, die mehr als zwei Länderzulassungen hat? Viel Spaß …

Phantasien und unbewiesene Behauptungen

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 17:44 (vor 3519 Tagen) @ heineken

Leider gibt es keine belastbaren Aussagen von dir, auch nicht auf Nachfrage. Nur neue Sprüche 'hätte, könnte, sollte'.
Deshalb muß man deine Aussagen wie 'wird alles besser, wenn wir erstmal nur ein Tfz für alles und jeden haben' als das sehen was sie sind: Fabeln.

Fabeln? Wieso das? Du willst nicht sagen, dass so etwas nicht realisierbar ist, oder? Zumal ich von Anfang an das ganze im größeren Kontext sah. Es ist wahr, eine kostspielige Umstellung des Stromsystemes alleine ist eher unsinnig, wenn nicht auch die Vorschriften vereinheitlicht werden, der Zugang zur Infrastruktur einheitlich ist, eine Koordinierung der Verkehre hin zu einem integralen Taktfahrplan... und da wird ein einheitliches Stromsystem über kurz oder lang dann auch dazu gehören.

Und bevor man mir Realitätsferne vorwirft, es geht zunächst darum, ob man so etwas umsetzen kann und nicht darum, ob die Politiker in der EU das hinbekämen. Denn wenn man etwas von vornherein ausschließt, weil ja die Politiker voll doof sind, kommt man nicht weiter.

Mensch, so heiß isses doch heute gar nicht! ;-)

Mal im Ernst: Wer in Gottes Namen will einen Zug mit ein und denselben MS-Tfz nach Moskau oder China bringen?

Jemand, der beispielsweise seine Ware schneller dorthin transportiert haben will als wenn er sie auf's Containerschiff verlädt, welches auch in Russland noch langsamer ist als die Bahn? Wer europäisch denken kann, wird auch hin und wieder global denken können ;-)

(BTW: Willst du dann gleich auch noch den Bereich der ehemaligen Sowjetunion umgespurt sehen? Oder hat dein MS-Tfz gleich noch Spurwechselfähigkeit an Bord? ;-)

Die Technologie dazu wäre schon vorhanden und wenn man die Ware schneller von Europa nach China und zurück transportieren kann als mit dem Schiff, dann wird dort auch eine Nachfrage entstehen.

Ganz generell fürchte ich, du überschätzt die Skaleneffekte bei weitem. Wie du die Notwendigkeit, an der LST Hand anzulegen – auch und gerade außerhalb der ETCS-'Korridore'! – um hier endlich mal die europäischen Vielsprachigkeit durch ein Esperanto, pardon ERTMS /ETCS – und das möglichst dialektfrei (!) – zu ersetzen, kolossal unterschätzt.

Was für eine Vielsprachigkeit? Man spricht einfach die Sprache, die in dem Land, in dem man fährt, gesprochen wird. Zur Not kann man sich mit Englisch behelfen. Oder verstehe ich da was falsch?

Hast dich schon einmal unter eine MS-Lok gelegt, die mehr als zwei Länderzulassungen hat? Viel Spaß …

Nee, da wäre es mir zu dunkel drunter.

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

ok, träume weiter. Ich bin aus dem Teilfaden raus.

heineken, Dienstag, 16.08.2016, 18:02 (vor 3519 Tagen) @ J-C
bearbeitet von heineken, Dienstag, 16.08.2016, 18:04

Deine Zeilen erinnern doch stark an diesen 'Rollo' bei DSO. Dessen Ideen und v.a. die 'Antworten' auf Rückfragen waren auch von der Sorte: Vom Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln.

Aber, das muß hier gesagt sein: Du schreibst charmanter.
;-)

Cross Acceptance ist Status Quo

Henrik, Dienstag, 16.08.2016, 17:55 (vor 3519 Tagen) @ J-C

Erstmal benötigt man die ganze Ausrüstung für das jeweils andere Stromsystem und das nicht in einer Lok, sondern in vielen Loks. Wenn man nicht vereinheitlicht, wird man für immer und ewig Mehrsystemloks für Europa bauen müssen, was die Kosten einer Vereinheitlichung aufwiegen wird.


Die zusatzliche Ausrüstung, sowohl unter 15 kV /16,7 Hz als auch 25 kV /50 Hz verkehren zu können, beschränkt sich auf:
– etwas größerer Isolationsaufwand auf der Primärseite
– umschaltbare Abgriffe in den Trafo-Sekundärwicklungen
– umschaltbarer Saugkreis (jeweils doppelte Netzfrequenz 33,3 /100 Hz)*

Das wars. Mehr ist nicht.

*Kann entfallen bei ausreichend großer Zwischenkreiskapazität. Sowas ist realistisch bisher aber nur in »Niedervolt«-Zwischenkreisen machbar (–> Elektrolyt-Knalltüten). Was man sich bei ABB /Stadler bei den meisten ihrer xEMU zu Nutze macht. (Ja, es gibt auch 3 kV Zwischenkreisdesigns bei Stadler, bspw. bei reinen 3 kV DC FLIRT.)

Im Übrigen – um mal mit dem Märchen der bei 16,7 Hz ach so viel schwereren Traktions-Tansformatoren aufzuräumen: Leistungsgewicht!
DB BR 101, reines 16,7 Hz Tfz: Ca. 1,8 kg/kVA
DSB EA 3000, reines 50 Hz Tfz: Ca. 1,58 kg/kVA

Jetzt zufrieden? ;-)

Nicht ganz, denn da hätte ich noch einen Ass im Ärmel. Wie bei Nachtzügen kann man so etwas nicht für sich alleine sehen. Denn, wenn man mit der Vereinheitlichung des Stromsystems auch perspektivisch die Zulassungsanforderungen vereinheitlicht und das Sicherungssystem vereinheitlicht, dann haht man einen riesigen Vorteil: Lokomotiven und Waggons sind nicht mehr an ein oder mehrere Länder gebunden, sondern können mit einer einzigen Zulassung in ganz Europa beliebig eingesetzt werden. Loks könnten am besten gleich als Universalloks eingesetzt werden, die alle Disziplinen des Schienenverkehrs problemlos beherrschen. Das kann zu Einsparungen führen, da damit auch jede Lok flexibel dorthin gebracht werden, wo man sie braucht. Mehrsystemloks braqucht man fortan nur noch, wenn man einen Nachtzug nach Moskau oder einen Güterzug nach China bringen will.

Wenn man nicht vereinheitlicht, wird man für immer und ewig Mehrsystemloks für Europa bauen müssen, was die Kosten einer Vereinheitlichung aufwiegen wird.


Auf diese deine Rechnung bin ich mal gespannt. Immer her mit den Zahlen!


Leider kann ich nicht mit exakten Zahlen dienen, es geht aber nicht nur um dieses Teilfeld sondern darum, dass allgemein die Standards im Schienenverkehr europäisch so einheitlich wie möglich sein sollen.

Denn durch eine entsprechende Flexibilität können wieder Kosten eingespart werden.

liest sich nach einer ziemlich teuren und eben vor allem völlig unnötigen Lok an - wozu das?

Cross Acceptance nicht bekannt?

http://www.eba.bund.de/DE/HauptNavi/FahrzeugeBetrieb/Fahrzeuge/Zulassung/Inbetriebnahme...

Status quo hat Luft nach Oben.

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 18:21 (vor 3519 Tagen) @ Henrik

Wieso sind die Zulassungskriterien der verschiedenen Länder unterschiedlich?

Das hat für mich so das Gefühl, dass während für das eine Land die Lok auf jeden Fall eine Bedrohung für die Menschheit wäre, sie für das andere Land völlig harmlos ist.

Das ist überspitzt, aber Unterschiede in den Zulassungskriterien sind völlig absurd. Ich fordere deswegen ganz zentral, dass es künftig nur noch einen einzigen Katalog an Zulassungskriterien für ganz Europa gibt, der fest macht, dass eine Lok in ganz Europa zugelassen ist und nichts mehr weiter braucht.

Dafür müssen aber die Randbedingungen geschaffen sein, also einheitliches Sicherungssystem und in letzter Konsequenz ein einheitliches Stromsystem.

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Sinnlosigkeit hat Luft nach Oben.

Henrik, Dienstag, 16.08.2016, 18:36 (vor 3519 Tagen) @ J-C

Wieso sind die Zulassungskriterien der verschiedenen Länder unterschiedlich?

EU gibs nicht seit tausend Jahren..

Das hat für mich so das Gefühl, dass während für das eine Land die Lok auf jeden Fall eine Bedrohung für die Menschheit wäre, sie für das andere Land völlig harmlos ist.

..und fängt beim Feuerlöscher an, für den Österreich was forderte, was genau im Gegensatz zu dem allen anderen Ländern stand.
oder der Kaffeebecherhalter in Dänemark.

Das ist überspitzt, aber Unterschiede in den Zulassungskriterien sind völlig absurd.

das aber nun auch wieder nicht.
Eine sozialistische Einheitslok zu fordern, die sämtliche Anforderungen für Norwegen, GB, Spanien, Portugal, sowie Griechenland, Ungarn, Schweiz und Polen gerecht wird, klingt reichlich absurd.

Ich fordere deswegen ganz zentral, dass es künftig nur noch einen einzigen Katalog an Zulassungskriterien für ganz Europa gibt, der fest macht, dass eine Lok in ganz Europa zugelassen ist und nichts mehr weiter braucht.

Dafür müssen aber die Randbedingungen geschaffen sein, also einheitliches Sicherungssystem und in letzter Konsequenz ein einheitliches Stromsystem.

letztgenanntes Thema sollte spätestestens seit vorgestern hier im Thread absolut durch sein - rechnet sich vorne & hinten nicht, sinnlos
vgl.
http://www.bahnstatistik.de/Stromsysteme.htm

ETCS & TSI sollten ein Begriff sein.

Sinnlosigkeit hat Luft nach Oben.

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 18:40 (vor 3519 Tagen) @ Henrik
bearbeitet von J-C, Dienstag, 16.08.2016, 18:42

Wieso sind die Zulassungskriterien der verschiedenen Länder unterschiedlich?


EU gibs nicht seit tausend Jahren..

Aber vermutlich in tausend Jahren und ich rede über die mittlere bis ferne Zukunft. Leider, ich hätte es gerne gesehen, wenn man so etwas sschneller angehen könnte.

Das hat für mich so das Gefühl, dass während für das eine Land die Lok auf jeden Fall eine Bedrohung für die Menschheit wäre, sie für das andere Land völlig harmlos ist.


..und fängt beim Feuerlöscher an, für den Österreich was forderte, was genau im Gegensatz zu dem allen anderen Ländern stand.
oder der Kaffeebecherhalter in Dänemark.

Das ist überspitzt, aber Unterschiede in den Zulassungskriterien sind völlig absurd.


das aber nun auch wieder nicht.
Eine sozialistische Einheitslok zu fordern, die sämtliche Anforderungen für Norwegen, GB, Spanien, Portugal, sowie Griechenland, Ungarn, Schweiz und Polen gerecht wird, klingt reichlich absurd.

Ist aber besser, als wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht. Außerdem muss das nichts mit Sozialismus zu tun haben, sondern damit, dass das Ziel ist, es so einfach wie möglich zu gestalten, sodass man nicht mehrere nationale Besonderheiten kennen muss, was am Ende irgendwann auch billiger sein könnte.

Ich fordere deswegen ganz zentral, dass es künftig nur noch einen einzigen Katalog an Zulassungskriterien für ganz Europa gibt, der fest macht, dass eine Lok in ganz Europa zugelassen ist und nichts mehr weiter braucht.

Dafür müssen aber die Randbedingungen geschaffen sein, also einheitliches Sicherungssystem und in letzter Konsequenz ein einheitliches Stromsystem.


letztgenanntes Thema sollte spätestestens seit vorgestern hier im Thread absolut durch sein - rechnet sich vorne & hinten nicht, sinnlos
vgl.
http://www.bahnstatistik.de/Stromsysteme.htm

ETCS & TSI sollten ein Begriff sein.

Wenn man nur darüber redet, ob es in wenigen Jahren seine Wirkung entfaltet, ist man auf dem Holzweg. Manchmal muss man über seeeehr lange Zeiträume schauen und auch das große und Ganze sich ansehen. Nicht immer in einem Teilbereich sich festsetzen und es kategorisch verweigern. Finde ich zumindest.

Vor allem, irgendwann wird es sich über kurz oder lang rechnen und die EU wird auch nach 100 oder 200 Jahren bestehen. Wenn es wirklcih so sein sollte, dass es länger braucht, bis es seine vollständige Wirkung entfaltet, dann braucht man halt die Geduld.

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Sinnlosigkeit hat Luft nach Oben.

Henrik, Dienstag, 16.08.2016, 19:01 (vor 3519 Tagen) @ J-C

Wieso sind die Zulassungskriterien der verschiedenen Länder unterschiedlich?

EU gibs nicht seit tausend Jahren..

Aber vermutlich in tausend Jahren

ein bisschen sehr arges Fettnapf.. :/


das alles andere als vermutlich.

und ich rede über die mittlere bis ferne Zukunft. Leider, ich hätte es gerne gesehen, wenn man so etwas sschneller angehen könnte.

Daran kannst allein nur Du selbst was ändern - niemand sonst.

Das hat für mich so das Gefühl, dass während für das eine Land die Lok auf jeden Fall eine Bedrohung für die Menschheit wäre, sie für das andere Land völlig harmlos ist.

..und fängt beim Feuerlöscher an, für den Österreich was forderte, was genau im Gegensatz zu dem allen anderen Ländern stand.
oder der Kaffeebecherhalter in Dänemark.

Das ist überspitzt, aber Unterschiede in den Zulassungskriterien sind völlig absurd.


das aber nun auch wieder nicht.
Eine sozialistische Einheitslok zu fordern, die sämtliche Anforderungen für Norwegen, GB, Spanien, Portugal, sowie Griechenland, Ungarn, Schweiz und Polen gerecht wird, klingt reichlich absurd.

Ist aber besser, als wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht. Außerdem muss das nichts mit Sozialismus zu tun haben, sondern damit, dass das Ziel ist, es so einfach wie möglich zu gestalten, sodass man nicht mehrere nationale Besonderheiten kennen muss, was am Ende irgendwann auch billiger sein könnte.

das was Du grundlos einfach so forderst, ist eine sozialistische Einheitslok.
Wo sollte der Sinn hinter einer Lok für Norwegen stehen, sämtliche südeuropäischen Anforderungen zu erfüllen?

ansonsten s.o.

Ich fordere deswegen ganz zentral, dass es künftig nur noch einen einzigen Katalog an Zulassungskriterien für ganz Europa gibt, der fest macht, dass eine Lok in ganz Europa zugelassen ist und nichts mehr weiter braucht.

Dafür müssen aber die Randbedingungen geschaffen sein, also einheitliches Sicherungssystem und in letzter Konsequenz ein einheitliches Stromsystem.


letztgenanntes Thema sollte spätestestens seit vorgestern hier im Thread absolut durch sein - rechnet sich vorne & hinten nicht, sinnlos
vgl.
http://www.bahnstatistik.de/Stromsysteme.htm

ETCS & TSI sollten ein Begriff sein.

Wenn man nur darüber redet, ob es in wenigen Jahren seine Wirkung entfaltet, ist man auf dem Holzweg. Manchmal muss man über seeeehr lange Zeiträume schauen und auch das große und Ganze sich ansehen. Nicht immer in einem Teilbereich sich festsetzen und es kategorisch verweigern. Finde ich zumindest.

über ETCS & TSI redet man seit Jahrzehnten, aber handelt eben auch ebenso lang,
von Holzweg wahrlich keine Rede.

Vor allem, irgendwann wird es sich über kurz oder lang rechnen

den Ansatz bist Du vorne & hinten schuldig, bislang fressen Dich die Zinsen seit paar Tagen kräftig auf.. Sekunde für Sekunde..

und die EU wird auch nach 100 oder 200 Jahren bestehen.

das erscheint äußerst unwahrscheinlich, und ist vor allem irrelevant.

Das gibt es (fast) umsonst

ICE-TD, Dienstag, 16.08.2016, 19:04 (vor 3519 Tagen) @ J-C

Das Stromsystem stellt doch europaweit überhaupt kein Problem mehr dar, vielleicht abgesehen von den etwas leistungsschawchen holl. 1,5 kV DC, es gibt für den grenzüberschreitenden Verkehr 4-Systemloks. Und trotzdem sind auch diese oft nur für 2-3 Länder zugelassen, zu groß sind nämlich die Unterschiede in der restlichen Ausrüstung der Lokomotiven, wie z.B. Zugbesy, Signalflaggen, Radvorleger, Knallkapseln, Kurzschließer, Feuerlöschanlagen u.a. Das beruht zum einen auf unterschiedl. Vorschriften die man sicher mittelfristig angleichen kann, zum anderen aber auch auf unterschiedl. Technik, z.B. Gleisfreimeldetechnik, Signalsysteme u.a., solche Sachen lassen sich nicht so einfach angleichen. Hinzu kommt das je mehr unterschiedl. Elektronik auf den Fahrzeugen gibt, die Gefahr größer wird das es zu Beeinflussungen zwischen diesen kommt durch Störströme u.a.

Weil es langfristig besser ist.

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Dienstag, 16.08.2016, 14:13 (vor 3519 Tagen) @ J-C
bearbeitet von Colaholiker, Dienstag, 16.08.2016, 14:14

Erstmal benötigt man die ganze Ausrüstung für das jeweils andere Stromsystem und das nicht in einer Lok, sondern in vielen Loks. Wenn man nicht vereinheitlicht, wird man für immer und ewig Mehrsystemloks für Europa bauen müssen, was die Kosten einer Vereinheitlichung aufwiegen wird.

Aber wenn es sich erst mal nur um das Stromsystem handelt, und auch nur um die Varianten, die wir hier für AC diskutieren, hält sich der Mehraufwand bei den Loks in Grenzen. Man baut die Trafos für 16 2/3 Hz, dann kommen sie auch mit höherer Frequenz klar. Und um die beiden unterschiedlichen Spannungen zu verarbeiten, braucht's salopp gesagt nur 'ne Anzapfung in der Primärwicklung und einen passenden Umschalter. Da ist die Ausstattung mit verschiedenen Zugsicherungssystemen bis zur flächendeckenden Ausrollung von ETCS (die wir wohl nicht mehr erleben werden) deutlich mehr Aufwand.

Daher zu-sich-selbst-kompatibles ETCS als deutlich wichtiger Sehende Grüße,
der Colaholiker

Edit: Okay, ich nehm die Silbermedaille. heineken war schneller. :)

--
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Das ist Schmarrn. Lecker, aber Schmarrn.

ICETreffErfurt, Eisenach, Dienstag, 16.08.2016, 09:47 (vor 3519 Tagen) @ J-C
bearbeitet von ICETreffErfurt, Dienstag, 16.08.2016, 09:48

Ein ganzes Netz umzurüsten kostet einen zweistelligen Mrd-Betrag. Den holt man in 100 Jahren nicht mehr durch eingesparte Betriebskosten rein.

Das ist Schmarrn. Lecker, aber Schmarrn.

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 09:48 (vor 3519 Tagen) @ ICETreffErfurt

Es wird sich rechnen. Früher oder später. Besser auf jeden Fall als dieses Trauerspiel an unterschiedlichen Stromsystemen fortzuführen. Das ist einfach nur lächerlich, was man sich an Stromsystemen gibt...

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Dann aber bitte 15 kV und nicht 25 kV.

ICETreffErfurt, Eisenach, Dienstag, 16.08.2016, 10:03 (vor 3519 Tagen) @ J-C
bearbeitet von ICETreffErfurt, Dienstag, 16.08.2016, 10:05

Erst einmal wird es mindestens 20 Jahre einen politischen Streit und einen Streit unter Ingenieuren geben, ob die DACH-Länder ihr 15 kV-System aufgeben sollen oder die anderen Länder ihr System an das DACH-Netz angleichen.

Ich bezweifle, dass die DB Energie eine staatliche Förderung für ein Projekt erhält, dass einen NK-Faktor von weniger als 1 hat. Denn die DB Energie spart durch die Umrüstung erst einmal keine Kosten und müsste sich im Mrd-Bereich verschulden.

Denn zu Lebzeiten der heutigen Bahnvorstände und Bundestagsabgeordneten wird sich die Umrüstung nicht amortisieren. Es bleiben erst einmal nur Kosten.

Ich als deutscher Steuerzahler sehe jedenfalls nicht ein, für ein Projekt zu bezahlen, das primär den anderen Länder nützt, die ihr Netz nicht umbauen müssen.

Dann doch lieber Frankreich, Dänemark und die BeNeLux-Ländern zu 15 kV überreden, zumal bei ihnen die 25 kV-Teilnetz deutlich kleiner als das DACH-Netz ist und somit weniger Kosten entstehen. Ihre Gleichstromnetze werden sie so oder so irgendwann umrüsten müssen und da macht 25 kV vs. 15 kV keinen riesigen Unterschied in den Kosten.

Am deutschen Wesen soll Europa genesen?

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 11:10 (vor 3519 Tagen) @ ICETreffErfurt
bearbeitet von J-C, Dienstag, 16.08.2016, 11:11

Ob das die anderen Länder so cool finden, wegen deutscher Interessen sich umstellen zu müssen...

...man sollte das Stromsystem nehmen, welches am besten ist. Wenn 25 kV besser sind als 15 kV, dann ist das so und dann muss sich Deutschland auch daran anpassen.

Hier kann man nochmal in aller Ruhe sich die Situation ansehen.

Da haben Deutschland, Österreich, die Schweiz, Schweden und Norwegen 15 kV,

dagegen Griechenland, die Türkei, der ganze Balkan, Ungarn, Slowkei, die Hälfte von Tschechien, Finnland, Litauen und ein Großteil der Ukraine sowie Teile von Frankreich und der größte Teil von Großbritannien (weil in Nordirland und Schottland gar kein elektrisches Bahnnetz ist) 25kV.

Ach und das flächenmäßig größte System ist mit Russland, Weißrussland, Polen, Spanien und Italien bytheway das 3-kV-Netz.

Die Mehrheit der europäischen Länder hat jedenfalls schon 25 kV und nur weil die deutschsprachigen Länder anderer Meinung sind, muss es nicht heißen, dass 25 kV schlechter wären als 15 kV.

Aber egal ob 15 kV, 25 kV oder 3 kV. Hauptsächtlich, es gibt ein einheitliches Stromsystem für ganz Europa.

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Am deutschen Wesen soll Europa genesen?

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Dienstag, 16.08.2016, 11:24 (vor 3519 Tagen) @ J-C

Hier kann man nochmal in aller Ruhe sich die Situation ansehen.

Da haben Deutschland, Österreich, die Schweiz, Schweden und Norwegen 15 kV,

dagegen Griechenland, die Türkei, der ganze Balkan, Ungarn, Slowkei, die Hälfte von Tschechien, Finnland, Litauen und ein Großteil der Ukraine sowie Teile von Frankreich und der größte Teil von Großbritannien (weil in Nordirland und Schottland gar kein elektrisches Bahnnetz ist) 25kV.

Angesichts der (geringen) Dichte und Elektrifizierungsquote des Bahnnetzes in zumindest einigen der hier gezeigten Staaten, ist die Frage doch wohl eher, wieviele Kilometer elektrifizierte Strecke es mit den jeweiligen Stromsystemen gibt. Ein (achtung, leicht überspitzt) flächenmäßig großes Land, das aber nur eine einzige elektrifizierte Strecke von vielleicht 50 Kilometern hat, "wiegt" im Falle einer Interessensabwägung nachvollziehbarerweise weniger als ein Land wie Deutschland mit einem dichten Bahnnetz mit hoher Elektrifizierungsquote. Du schreibst ja beispielsweise selbst, daß Schottland und Nordirland bislang nicht elektrisch fahren, somit darf man diese Eisenbahnnetze bei der Frage der Elektrifizierung nicht in die Waagschale werfen. Sollte man dort irgendwann anfangen, Strippen zu hängen, kann man sich ja einfach an das anschließen, was der Rest macht.

Denkanstoßende Grüße,
der Colaholiker

--
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Entscheidend ist wohl eher …

heineken, Dienstag, 16.08.2016, 12:04 (vor 3519 Tagen) @ Colaholiker

… die Verkehrsleistung auf einem Netz /einer Strecke /einem Streckenabschnitt.

Sinnvollerweise auch nicht mit Zügen, die aus Selbstzweck verkehren. Sondern solchen mit »Nutzlast«.


Unter Leistungsdruck (nicht Leidensdruck) stehende Grüße,

heineken

Entscheidend ist wohl eher …

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Dienstag, 16.08.2016, 12:13 (vor 3519 Tagen) @ heineken

… die Verkehrsleistung auf einem Netz /einer Strecke /einem Streckenabschnitt.

Richtig. Wobei ich da zumindest in gewissem Maße eine Relation sehe. Natürlich könnte man auf einem Netz wie beispielsweise in der Schweiz nur einen einzelnen elektrischen Triebwagen im Quartal fahren lassen und auf der von mir genannten 50 km-Strecke im 27/7-Betrieb auf Sichtabstand. Aber das ist dann doch etwas unrealistisch. ;-)

Sinnvollerweise auch nicht mit Zügen, die aus Selbstzweck verkehren. Sondern solchen mit »Nutzlast«.

Wie definierst Du das? Ist für Dich ein Zug zum Selbstzweck jeer nicht ausgelastete Zug? Weil "nur daß sich was bewegt" fhrt man ja keine Züge. Die Zumindest hierzulande ergeben ich einfach durch Taktkonzepte auch mal notwendige, weniger ausgelastete Fahrten. Oder auch Randabschnitte einer Fahrt, die bedient werden, um hinterher den richtigen Zug zur richtigen Zeit am richtigen Ort für eine andere Leistung zu haben. Möglicherweise mit weniger Nutzlast, dafür aber nicht weniger wichtig.

Ich denke, wir sind uns jedoch einig (kommt ja selten vor ;-) ), daß die Fläche alleine kein Maßstab ist. Meines Wissens beschränkt sich in Russland der elektrische Eisenbahnverkehr auf eine überschaubare Zahl von Ballungsräumen und einige wenige Korridore, die für sich genommen zwar lange Strecken sind, aber im Bezug auf die Verkehrsleistung eher weniger relevant sind.

Enspannt in die Mittagspause hinein langweilende Grüße,
der Colaholiker

--
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15 kV ist keine deutsche Eigenart, siehe Skandinavien

ICETreffErfurt, Eisenach, Dienstag, 16.08.2016, 11:47 (vor 3519 Tagen) @ J-C
bearbeitet von ICETreffErfurt, Dienstag, 16.08.2016, 11:50

Wenn die anderen Länder die Kosten für die Umstellung der DACH-Netze und skandinavischen Netze mittragen, wird sich sicherlich ein Kompromiss finden lassen.

Es wäre nur unfair, wenn die DACH-Länder sowie Schweden und Norwegen die Kosten für die Umstellung alleine tragen sollten, immerhin haben sie ja von der Umstellung nur einen geringen Nutzen und dafür große Betriebserschwernisse in der Umbauzeit und hohe Kosten für Fahrweg und Fahrzeuge.

Momentan gibt es aber eh keine politische Mehrheit für einen derartigen Umbau und die DB wird ganz sicherlich nicht von sich aus diese Idee in den Raum stellen.

So oder so wird das von der EU gefordert und gefördert...

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 13:19 (vor 3519 Tagen) @ ICETreffErfurt

...werden müssen, damit es überhaupt irgendeinen Sinn ergibt.

Und ganz ehrlich, mir ist es Jacke wie Hose, was es für ein Stromsystem am Ende ist, ich will nur, dass es ein einziges Stromsystem gibt für Europa und ob 3 kV, 15 kV oder 25 kV ist dabei völlig unerheblich.

Das wird erst in der Umsetzung die Frage sein.

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

So oder so wird das von der EU gefordert und gefördert...

ICETreffErfurt, Eisenach, Dienstag, 16.08.2016, 15:18 (vor 3519 Tagen) @ J-C

Wie schon gesagt, würde eine solche Forderung nach Vereinheitlichung erst einmal eine nicht unerhebliche Diskussion auslösen, ob die DACH-Länder und Skandinavien sich den anderen Ländern anpassen sollen oder umgekehrt.

Alleine dafür werden Jahre ins Land gehen, bis irgendeiner der Beteiligten nachgeben wird.

Eine Umsetzung vor 2060 halte ich für eher unwahrscheinlich.

Und da fängt auch schon die Realität an.

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 16.08.2016, 16:12 (vor 3519 Tagen) @ ICETreffErfurt

Das ist das leidige Problem, woran meine zugegeben idealistischen Ansätze leider scheitern:

Der Unwille, etwas zu bewegen in Europa. Ich fürchte auch, dass dazu der Unwille gehört, über den eigenen Tellerrand zu schauen.

Und vor allem der Unwille, sich konstruktiv zu einer gemeinsamen Linie zu einigen...

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

15 kV 16 2/3 Hz vs 25 kV 50 Hz - Zusammenfassung

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Dienstag, 16.08.2016, 08:23 (vor 3519 Tagen) @ Oscar (NL)

Da hier schon einige Argumente für und gegen die beiden möglichen AC-Systeme vorgebracht wurden, habe ich mir erlaubt, einfach mal die Argumente pro und contra zusammenzufassen. Es darf gerne ergänzt werden, jedoch sollte die Diskussion um die Wichtigkeit der Argumente in einem anderen Teil des Threads geführt werden, um die Übersicht zu wahren.

15 kV 16 2/3 Hz
+ Großes zusammenhängendes bestehendes Netz
+ Einphasige Erzeugung im separaten Netz, daher keine Schieflast im Allgemeinnetz

- Umformer bei Versorgung aus Allgemeinnetz nötig, heute aber ohne rotierende Masse möglich, Leistungshalbleitertechnik macht's möglich

± Früherer Vorteil für Motoren mit Kommutator heute weitestgehend hinfällig, betrifft nur Altfahrzeuge


25 kV 50 Hz
+ Kann über Trafo ans Allgemeinnetz angeschlossen werden, kein Umformer nötig
+ Kleinere Fahrzeugtrafos möglich
+ Höhere Spannung -> kleinerer Strom bei gleicher Leistungsaufnahme

- Bei Nutzung des Allgemeinnetzes sind Trennstellen in regelmäßigen Abständen nötig, um alle drei Phasen möglichst gleich zu belasten.
- Größerer Isolationsabstand nötig
- Größerer Blindwiderstand bei 50 Hz

Man sieht auf jeden Fall, daß beide Varianten ihre Vor- und Nachteile haben. Die Patentlösung gibt es da wohl nicht.

Zusammenfassende Grüße,
der Colaholiker

--
[image]

15 kV 16 2/3 Hz vs 25 kV 50 Hz - Zusammenfassung

MartinN, Fricktal, Schweiz, Dienstag, 16.08.2016, 10:42 (vor 3519 Tagen) @ Colaholiker

Hallo
Gut zusammengefasst.

Da hier schon einige Argumente für und gegen die beiden möglichen AC-Systeme vorgebracht wurden, habe ich mir erlaubt, einfach mal die Argumente pro und contra zusammenzufassen. Es darf gerne ergänzt werden, jedoch sollte die Diskussion um die Wichtigkeit der Argumente in einem anderen Teil des Threads geführt werden, um die Übersicht zu wahren.

15 kV 16 2/3 Hz
+ Großes zusammenhängendes bestehendes Netz
+ Einphasige Erzeugung im separaten Netz, daher keine Schieflast im Allgemeinnetz

- Umformer bei Versorgung aus Allgemeinnetz nötig, heute aber ohne rotierende Masse möglich, Leistungshalbleitertechnik macht's möglich

± Früherer Vorteil für Motoren mit Kommutator heute weitestgehend hinfällig, betrifft nur Altfahrzeuge


25 kV 50 Hz
+ Kann über Trafo ans Allgemeinnetz angeschlossen werden, kein Umformer nötig
+ Kleinere Fahrzeugtrafos möglich
+ Höhere Spannung -> kleinerer Strom bei gleicher Leistungsaufnahme

- Bei Nutzung des Allgemeinnetzes sind Trennstellen in regelmäßigen Abständen nötig, um alle drei Phasen möglichst gleich zu belasten.
- Größerer Isolationsabstand nötig
- Größerer Blindwiderstand bei 50 Hz

Man sieht auf jeden Fall, daß beide Varianten ihre Vor- und Nachteile haben. Die Patentlösung gibt es da wohl nicht.

Zusammenfassende Grüße,
der Colaholiker

Noch eine Ergänzung: Bei 25KV ist bei gleicher Leistung der Strom geringer und der Spannungsabfall prozentual kleiner und daher die Verluste geringer.

Es steht weiter oben von den Vorteilen eines Inselbetriebes respektive nicht mit dem Allgemeinnetz verbunden zu sein. Diese Annahme ist falsch überlegt, denn wenn es ein Stromausfall gibt, ist es von Vorteil wenn man ihn auch von woanders beziehen kann. Ich arbeite in der Energiebranche und um die Versorgungssicherheit zu erhöhen schafft man am Besten mehrere Einspeisungen von verschiedenen Seiten.

Ein Umbau von 15KV auf 25KV ist trotzdem nicht zu empfehlen weil er zeitlich einfach zu lange braucht. Der Energiekonzern Axpo(CH) hat sein Hochspannungsnetz von 50KV auf 110KV umgebaut. Dauer des Umbaus 40Jahre. Also vergesst es, die Kosten für so einen Umbau von bestehenden, funktionierenden Netzen kostet unheimlich viel und der Gewinn ist minim und der Zeitaufwand mehrere Jahrzehnte. 100Jahre sind da gar nicht so unrealistisch. Klar würde es einiges vereinfachen aber noch lange nicht alles. Auch heute ist es immer noch so das zwischen der Schweiz und Deutschland der Stromabnehmer gewechselt werden muss, Spannung und Frequenz sind zwar identisch, die Wippenbreite aber unterschiedlich.

15 kV 16 2/3 Hz vs 25 kV 50 Hz - Zusammenfassung

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Dienstag, 16.08.2016, 11:18 (vor 3519 Tagen) @ MartinN

Gut zusammengefasst.

Danke. :)

25 kV 50 Hz
(...)
+ Höhere Spannung -> kleinerer Strom bei gleicher Leistungsaufnahme

Noch eine Ergänzung: Bei 25KV ist bei gleicher Leistung der Strom geringer und der Spannungsabfall prozentual kleiner und daher die Verluste geringer.

Abgesehen vom Spannungsabfall stand das schon da. ;-) (Kalauer: Ist Spannungsabfall als Elektroschrott zu entsorgen?)

Es steht weiter oben von den Vorteilen eines Inselbetriebes respektive nicht mit dem Allgemeinnetz verbunden zu sein. Diese Annahme ist falsch überlegt, denn wenn es ein Stromausfall gibt, ist es von Vorteil wenn man ihn auch von woanders beziehen kann. Ich arbeite in der Energiebranche und um die Versorgungssicherheit zu erhöhen schafft man am Besten mehrere Einspeisungen von verschiedenen Seiten.

Richtig. Die Erhöhung der Betriebssicherheit durch Redundanz findet man ja in vielen Bereichen, wo die hohe Verfügbarkeit wichtig ist. Als greifbareres Beispiel: Während der handelsübliche Schreibtischcomputer in der Regel nur ein Netzteil hat, haben Server in der Regel (mindestens) zwei, von denen man jeweils eines auch während des Betriebs entfernen und austauschen kann, ohne daß es zu einer Betriebsunterbrechung kommt. Am Arbeitsplatz ist es hinnehmbar, wenn mal ein Computer für 'ne Viertelstunde ausfällt, wenn ein Netzteil verreckt. Bei einem Server sind davon unter Umständen gleich etliche Benutzer betroffen.

Auch heute ist es immer noch so das zwischen der Schweiz und Deutschland der Stromabnehmer gewechselt werden muss, Spannung und Frequenz sind zwar identisch, die Wippenbreite aber unterschiedlich.

Ja, und wenn das Profil der Tunnel und das damit verbundene engere Zickzack der Oberleitung schon unter 15 kV ein limitierender Faktor sind, bedeutet ein Umbau auf 25 kV auch ein Erweitern der Tunnel, um den notwendigen Abstand der Leitung vom Berg zu bekommen. (Zumal die Leitung vermutlich auch noch höher gehängt werden müßte, um den Abstand zu den Fahrzeugdächern zu erhöhen.

Ich persönlich sehe jedenfalls eine Umstellung der Bahnnetze in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf 25 kV als wirtschaftlich nicht machbar und daher utopisch an. Das Geld kann man in der gleichen Branche wesentlich sinnvoller ausgeben.

Elektrifizierte Grüße,
der Colaholiker

--
[image]

Genau

MartinN, Fricktal, Schweiz, Dienstag, 16.08.2016, 11:34 (vor 3519 Tagen) @ Colaholiker

... und da gibt es nichts mehr hinzuzufügen

15 kV 16 2/3 Hz vs 25 kV 50 Hz - Zusammenfassung

Alphorn (CH), Dienstag, 16.08.2016, 10:43 (vor 3519 Tagen) @ Colaholiker

Man sieht auf jeden Fall, daß beide Varianten ihre Vor- und Nachteile haben. Die Patentlösung gibt es da wohl nicht.

Gute Zusammenfassung, die Entscheidung ist wie immer eine Frage der Gewichtung der Argumente. Auffällig finde ich aber, dass meines Wissens kein einziges Land, welches Wechselstrom spät einführte, 15 kV/16.7 Hz verwendet. Die Vorteile schon 25 kV/50 Hz scheinen also die Nachteile zu überwiegen.

Betriebserschwernis durch Umbau sollte diskutiert werden

ICETreffErfurt, Eisenach, Dienstag, 16.08.2016, 11:00 (vor 3519 Tagen) @ Alphorn (CH)
bearbeitet von ICETreffErfurt, Dienstag, 16.08.2016, 11:01

Von 0 auf oder mit Gleichstrom als Anfang hätte die DB Energie sicherlich auch auf 25 kV 50 Hz gesetzt. Hat auch damit zu tun, dass man für 25 kV aufgrund der größeren Gesamtnachfrage mehr Zulieferer findet und somit mehr Wettbewerb herrscht. Komponenten für 15 kV 16,7 Hz werden ja fast ausschließlich in Deutschland produziert und verkauft, da hat man weniger internationalen Wettbewerb.

Wenn man aber schon ein großes Netz hat, ist die Umstellung viel zu teuer und zu aufwändig. Das wäre so, wie wenn man das gesamte Landesnetz jetzt plötzlich von 230 auf 300 V umstellen wollte. Alle Hausverkabelungen müssten neu gemacht werden. Und zwar auf Kosten der Eigentümer und nicht der Energieversorger oder der Politiker, die das entschieden haben.

Das ist ja das grundlegende Problem in dieser Diskussion. Egal für welche Variante man sich entscheidet, die Kosten und die Betriebserschwernis hat erst einmal nur eine Seite und die fühlt sich dann zurecht benachteiligt.

Apropos Betriebserschwernis - das wurde in dieser Diskussion ja noch überhaupt nicht berücksichtigt. In der Zeit des Umbaus fehlt ja dann eine funktionsfähige Oberleitung, sodass elektrische Fahrzeuge die entsprechenden Strecken gar nicht befahren können. Und man kann kaum eine Strecke mit einem Schlag umbauen, weil die Lieferzeiten der Bauteile dafür zu lange sind und man ja auch eine gewisse Arbeitszeit benötigt.

Zudem muss man temporär während des Umbaues Trennstellen in das Netz einbauen und Mehrsystemzüge beschaffen. Zudem können Einsystemtriebzüge nicht ohne komplette Neuzulassung mit einem zweiten Stromsystem ausgestattet werden, sodass die ICE-Triebzüge, welche nur 15 kV beherrschen, über Nacht wertlos werden. Beim Nahverkehr ist es nicht ganz so kritisch, da man den Umbau terminlich mit Neuausschreibungen und somit Fahrzeugwechseln zusammenlegen kann. Man rüstet also immer nur ein gerade neu ausgeschriebenes und mit neuen Mehrsystemfahrzeugen bestücktes Teilnetz um. Im Fernverkehr müsste man aber fast die komplette Flotte innerhalb weniger Jahre ersetzen oder die Bedienung von Teilnetzen zeitweise einstellen.

Ohne Zwang von oben und ohne staatliche Subventionen im zweistelligen Mrd-Bereich wird kein nationales EIU auch nur darüber nachdenken ein ganzes Netz in ein anderes Stromsystem umzurüsten.

Vorteile? Ja, höhere Betriebskosten! ;-)

heineken, Dienstag, 16.08.2016, 11:05 (vor 3519 Tagen) @ Alphorn (CH)

Und, bei gegebenem Bauraum (vulgo Lichtraum), ein kleineres nutzbares Fahrzeugprofil.
(-> bspw. französische Dostos. Oder P/C-Profile im KV.)
Nicht eben triviale Rekuperation (nicht wg. der Technik, eher administrativ).
Bei 25 kV/50 Hz.

Ansonsten halte ich das für einen Diskurs, der von einem viel größeren Problem ablenkt: Trotz ETCS /ERTMS wird es noch Jahrzehnte dauern, bis wirkliche Interoperabilität bei der LST herrscht. Wenn überhaupt jemals - denn bislang spricht man nur von ETCS-'Korridoren'.

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