Halbvalide Sorge eines Bahnkunden/Bahnfans (Fahrkarten und Angebote)

ALR997, Dienstag, 17.05.2016, 16:15 (vor 3662 Tagen) @ GUM

Paladin schrieb:

Kommt das Gejammer jetzt in jedem Thema?

Deinen Beitrag finde ich nicht fair. Heineken hat durchaus eine valide Sorge vieler Bahnkunden/Bahnfans ausgedrückt! Inwieweit Fahrpreise, die entlang oder unterhalb der Vollkosten angesiedelt sind, wirklich sinnvoll sind.

Persönliche Meinung meinerseits: sinnvoll sind diese Angebotspreise auf jeden Fall, denn du gewinnst damit potentielle Neukunden - genauso wie es die Fernbusse ja aktuell auch tun. Was ich aber nun auch oft genug zum Besten gegeben habe: die Sparpreise dürfen nicht Tarifgrundlage werden. Es herrscht eine massive Lücke zwischen den (für meinen Geschmack) zu hohen Normalpreisen/Flexpreisen und den übermäßig niedrigen Sparpreisen.

Ich rufe mir den Beitrag von Heineken in Gedanken zurück.

Heineken schrieb:
"Ob das nun der richtige Weg für die Bahn resp. den Fernverkehr ist, die Züge nachhaltig voller und v.a. rentabler zu betreiben?"

Diese Frage stelle ich mir auch häufiger, insbesondere im Zusammenhang mit der Sportwetten-BahnCard (aka SiegerBahn Card) und der 1-monatigen Freifahrt im Fernverkehr!

Resultat wird ein Monat mit Passagierrekord, aber auch sehr niedrigen Einnahmen sein.

Ich glaube du überschätzt die Trefferquote bei solchen Wett-Aktionen. Die Chance auf einen Monat Freifahrt wird viele Nachfrager locken, wenn nun aber am Ende Albanien gewinnt und drei Leute einen Monat frei fahren können, dann bringt das der Bahn effektiv ein Plus.

So ist das eben bei einer Wette: mal gewinnst du und mal die Anderen. Die Bahn geht das Risiko ein, einen Monat eine gewisse Menge Menschen frei Haus zu transportieren, kann sich aber zuvor einer weitaus größeren Gruppe Menschen Einnahmen von 19-159 Euro pro Person sicher sein.

Fazit: weder wird das Angebot einen Monat mit übermäßig hoher Nachfrage mit sich bringen, noch mit übermäßig niedrigen Einnahmen - zumindest verglichen mit den Vorjahren, der August ist bekanntermaßen nicht unbedingt durch seine übermäßigen Verkehrsspitzen auf den Hauptrelationen bekannt (Stichworte: Sommerferien, Urlaubsverkehr, Deutschlandpass, Interrail, etc.).

Die Bahn muss endlich den Mut aufbringen, eine bestimmte Preisuntergrenze festzulegen. Unter der macht es keinen Sinn, Fahrkarten zu verkaufen.

Das wäre aus meiner Sicht absolut der falsche Ansatz! Wichtiger wäre es, dem Kunden (zur Not auch auf die harte Tour) zu vermitteln, dass die Dienstleistung, die er erwartet, eben einen bestimmten Preis hat. Dazu gehört eine transparente Preispolitik genauso wie ein moderates Preisniveau - nicht zu hoch, nicht zu niedrig.

Sich selbst mit einer fixen Preisuntergrenze zu geißeln wäre zwar gut, um die *Billigmentalität* (mittlerweile hasse ich das Wort richtig) abzudämpfen, um aber potentielle Nachfragelöcher zu füllen, könnte die Preisuntergrenze unter Umständen zum Verhängnis werden.
Hier geht es, um das nochmal zu betonen, nicht darum, den Markt zu überlisten, indem man Dauerniedrigpreise anwendet, sondern um eben die schwachen Monate zu überbrücken. Darum gibts im Sommer die "Supersparpreise", so dass man sich vielleicht doch nochmal überlegt, mit der Bahn in den Urlaub, oder auf Städtereise zu fahren.

Kunden, die das nicht zahlen wollen, müssen dann entweder mit einem Billig-Anbieter Bahn fahren (wie in Frankreich http://www.ouigo.com/) oder im Fernbus.

Da bin ich wieder bei dir. Billigbahnen haben sich in Deutschland nun noch nicht durchgesetzt, wohl auch weil die DB selbst alle Nutzersegmente in sich zu vereinen versucht. In Deutschland sitzen die Niedrigstpreiszahler neben Flexpreiszahlern in beiden Klassen in allen Zuggattungen. In Frankreich fängt man nun an, langsam die "unterste Schicht", die ganz Preissensiblen an die Bahn, aber an ein minderwertiges Produkt zu binden. Ein Vorgang der für das System Bahn so gut ist, wie er schlecht ist, für die nachhaltige Kundenbindung sein kann, wenn er richtig ausgeführt wird.

Ansonsten sinken die Durchschnittserträge weiter und dann muss noch eine Reihe in den Großraumwagen 2. Klasse.

Alternative: 2. Klasse "normal" mit früherem Sitzabstand und 2. Klasse "discounted" mit geringerem Sitzabstand oder gar Fernbusäquivalentem Komfort.

Eine dritte Klasse, auch wenn sie nicht so bezeichnet werden müsste (es fällt uns sicher auch ein netterer deutscher Begriff dafür ein ;-) ) ist keine schlechte Idee. Die Linken würden zwar den Herzkasper ihres Lebens kriegen, aber für das System Bahn könnte eine Klasse zwischen der aktuell ersten und aktuell zweiten Klasse eine gute Hilfe sein. Die Frage ist aber: wie gestaltet man dann das Komfortkonzept?
Bereits jetzt sind die Klassen 1 und 2 in vielen Bereichen nur noch marginal verschieden: im Regionalverkehr sieht man das ganz besonders, aber auch im Fernverkehr wird das immer deutlicher.

Wenn ich vergleiche, wie die Fahrt in der 1. Klasse im Thalys, im Frecciargento oder im ICE war, muss ich sagen, dass es mir das nicht zwingend wert ist, in Deutschland das 1,5-fache des Preises zu zahlen, nur um unter Umständen mehr Platz für meine Beine zu haben.

Hier bräuchten wir eine Reform.

Ich kann den Gedankengang und die Frage von Heineken mit etwas anderen Schwerpunkten also durchaus nachvollziehen.

Sorge mache ich mir -höflich gesprochen- eher um die Qualität der Beiträge von Paladin.

Och, da würde ich mir keine Sorgen machen. So lange die freie Meinungsäußerung noch erlaubt ist, darf Paladin Heinekens Beiträge als Gejammer bezeichnen, so wie ich das mit deinen tun dürfte ;-)

Gruss,
Lucas


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