Fußgänger sind das schwächste Glied, Zeit ist nicht alles (Reiseberichte)

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Mittwoch, 24.02.2016, 07:46 (vor 3732 Tagen) @ ES89

Fußgänger sind das "schwächste Glied" und werden auch so behandelt.

Mitleid?

Sie es beim Überqueren der Straßen (die Krönung sind Bettelampeln),

Wo genau ist der Unterschied, ob ich mit dem Auto an einer Kreuzung erst auf die Induktionsschleife fahren muß, um grün zu kriegen, oder ob ich als Fußgänger an einer Ampel einen Knopf drücken muß? Richtig angesch..en ist man da eh nur als Radfahrer, denn die Induktionsschleifen reagieren auf handelsübliche Alurahmen-Fahrräder nicht. Ich kenne eine Ampel, da wurde extra ein Taster für Radfahrer nachgerüstet, aber das ist die Ausnahme.

selbst in Fußgängerzonen wird von einem erwartet, dass man doch dem Lieferverkehr der Geschäfte Platz zu machen hat.

Zumindest da, wo ich es kenne, zeitlich begrenzt auf die Stunden am Morgen, wo eh noch nichts los ist. Sonst fährt da höchstens mal ein Fahrzeug der Stadtreinigung lang, um Mülleimer zu leeren (die sonst überquellen) oder für Sauberkeit zu sorgen. (Was in meinen Augen deutlich zu dem von Dir angesprochenen Punkt "Lebensqualität" gehört.)

Zudem der Faktor Lebensqualität: In meinem anderen Beitrag zum Thema hatte ich ja schon die Schadowstraße angesprochen. Die ist so ein typischen Beispiel: Zwei Fahrspuren pro Richtung für die Autos, in der Mitte die Straßenbahn und am Rande zwei Bürgersteige für Massen an Menschen. Das hat keinerlei Aufenthalts- und Lebensqualität.

Zugegeben, die Zuordnung "Schadowstraße" zu "Düsseldorf" ist mir sofort gelungen, und ich bin mit Sicherheit auch schon mal auf einer meiner Weihnachtsmarkttouren an den Rhein dort gewesen, aber die Verkehrssituation dort ist mir nicht geläufig.
Aufenthaltsqualität auf der Straße ist für mich nebensächlich, da die Straße kein Ort ist, wo ich mich aufhalte. Ich nutze sie nur, um dort hin zu kommen, wo ich mich aufhalten will. (Und wenn das draußen sein soll, dann ist das in der Regel im Grünen, aber definitiv nicht in der Stadt, wo "Massen an Menschen" (um Deinen Ausdruck aufzugreifen) sind.

Zeit ist nicht alles. Wir hetzen uns viel zu sehr, verbringen viel zu viel Zeit auf Arbeit und unterwegs (Pendelei zur Arbeit).

Tja... 40 Stunden Wochenarbeitszeit sind nun mal 40 Stunden Wochenarbeitszeit. Sollte es irgendwann mal klappen, daß ich einen nennenswerten Lottogewinn einfahre, kann ich darauf sicherlich leicht verzichten. Und die Pendelei - ich hätte meine Arbeit auch gerne näher an meiner Wohnung und nicht 25 km weit weg im Umland der Stadt auf der gegenüberliegenden Seite. Aber mein Arbeitgeber wird sicher nicht umziehen, und die Alternativen, näher zu wohnen, heißen entweder totes Dorf (ÖPNV = alle halbe Stunde mal eine Bimmelbahn) im Speckgürtel, was sicher teurer ist als meine jetzige Wohnung, und somit nicht zu bezahlen, oder eine Wohnung in einem der weniger empfehlenswerten Stadtteile von Frankfurt. Sicher billiger als jetzt und näher, aber... nein danke.

Das Zufußgehen kann, wenn es nicht zum Shoppingspaziergang verkommt, weit mehr als ein Fortbewegungsmittel sein.

Und was? Meditative Erfahrung? Sorry, Esotherik ist nicht mein Ding. Für mich ist es Mittel zum Zweck. Die Straßenbahn fährt nun mal nicht aus meinem Wohnzimmer (zum Glück), sondern von der Haltestelle ein Stück die Straße runter gegenüber. Da es vollkommen unsinnig wäre, dort mit dem Auto hin zu fahren und auch Fahrrad aus dem Keller holen und dort wieder abzustellen länger dauert, als hin zu laufen, laufe ich hin. Wenn ich in dem Kaff, in dem ich arbeite, aus der Bahn steige, habe ich keine andere Möglichkeit, als den letzten Kilometer ins Büro zu laufen, da ich ja kein anderes Beförderungsmittel dabei habe, und es keine feinere ÖPNV-Erschließung gibt. Gäbe es einen Bus, würde ich maximal vom Bahnsteig zum Bussteig laufen...

Shoppingspaziergänge übrigens auch nicht. Ich gehe einkaufen, sprich, ich steuere gezielt ein Geschäft an, das das verkauft, was ich kaufen möchte, und kaufe es. Shopping, ohne bestimmtes Ziel, ist für mich Zeit- und Geldverschwendung.

Im Übrigen: Für mich sind Fußgänger und ÖPNV gleichwertig, da sie zusammen eine lebenswert Stadt ermöglichen. Fahrradfahrer kommen erst danach (da sie im Herbst und Winter dann doch wieder die Kapazitäten des ÖPNV nutzen). Für dem motorisierten Individualverkehr müssen auch Lösungen geschaffen werden, diese können aber auch weitmaschiger sein und müssten sich daher an sich erst hier hinten einreihen.

"Lebenswerte Stadt" ist für mich eigentlich ein Widerspruch in sich. Ganz ehrlich, auch wenn die Zeil in Frankfurt komplett Fußgängerzone ist, also Deiner Definition nach lebenswert, dorthin verschlägt es mich nur, wenn es wirklich alternativlos ist. Wenn ich könnte, würde ich Frankfurt komplett den Rücken kehren, da ich große Städte im Grunde fürchterlich finde. Leider finde ich in meiner zweiten Heimat, die ich als Stadt deutlich angenehmer finde (auch bedingt durch die kleinere Größe, an der Schwelle zur Großstadt) keine Arbeit - womit wir wieder oben angekommen wären.

Deine Meinung respektierende aber nicht teilende Grüße,
der Colaholiker

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