Die ZEIT über Investitionen in das Schienennetz (Allgemeines Forum)
Hallo Joachim, hallo Oscar,
erst einmal herzlichen Dank für diesen Artikel.
Im Großen und Ganzen muss ich ihm leider recht geben.
In Deutschland fehlen Schienen, auf denen Äpfel aus Neuseeland, T-Shirts aus Vietnam oder für den Export nach China bestimmte Maschinen transportiert werden könnten – statt auf der Straße.
Luftfracht? Binnenschifffahrt? Sollen wir mehr Lokalprodukte kaufen?
Wenn man will, geht einiges - wobei man immer aufpassen muss, dass man den Teufel nicht mit Beelzebub austreibt. Die FR hatte heute einen Artikel, nach dem der ganze ökologische Effekt von direkt beim Bauern gekaufter Ware dahin ist, wenn man zum Bauern mit dem Auto fährt.
Grundsätzlich heißt es halt immer: Güter gehören auf die Schiene. Das fordern im Grunde alle, aber keiner tut etwas dafür.
Die Bahn, obwohl im Durchschnitt deutlich umweltverträglicher als der Lkw...
Das muss man auch relativ sehen.1. Viele Strecken sind elektrifiziert, das stimmt, und die Bahn kann dann elektrisch fahren. Aber woher kommt die Energie? Nur teilweise aus Wind, Wasser und Biomasse. Meistens aus Kohlekraftwerken.
Dazu hat das Umweltministerium Niedersachsen (FDP-geführt, also sicher keine "Öko-Spinner" am Werk) auf seiner Website eine hübsche Grafik veröffentlicht: Vergleich von Verkehrsträgern
Demnach wäre in allen Kategorien die Bahn vorne - jedenfalls im innerdeutschen Verkehr.
2. Wenn ein Speditionsunternehmen eine Menge Güter 1000 km transportieren muss, und bei lediglich den ersten 2 und den letzten 3 Kilometern fehlt die Fahrdraht, wird 995 Kilometer unter Fahrdraht gedieselt. Lok wechseln ist ja teurer und umständiger.
Für die Umwelt ist es also mehr bestrebenswert, alle Rangierfelder zu elektrifizieren als "deutschlandweit Betuwerouten zu bauen".
Absolut richtig. Ich habe den Artikel auch durchaus so verstanden, dass er mehr auf viele kleine Verbesserungen als auf Großprojekte à la Betuweroute hinauswollte. Elektrifizierung "kleiner" Zulauf-Gleise, aber auch modernste Signaltechnik, reichlich Überholgleise, dreigleisiger Ausbau, das alles bewirkt eine Menge.
Allerdings: Wo wirklich Mischverkehr mit stark unterschiedlichen Geschwindigkeiten herrscht, geht irgendwann nichts mehr. Die Riedbahn ist so ein Beispiel - deshalb ja die Idee zur NBS Frankfurt-Mannheim.
Eine kostenlose Idee von mir: nicht nur Fern- und Regionalverkehr, sondern auch Gütertrassen vertakten.
Das wird i.W. jetzt schon gemacht, jedenfalls auf den Hauptstrecken: Da muss DB Netz ausdrücklich Takttrassen für Güterzüge freihalten, die dann kurzfristig belegt werden.
Leider lässt sich im Güterverkehr halt oft kaum planen, wer wann von wo aus wieviele Wagen wohin fahren will.
Obendrein ist das größte und teuerste Einzelbauwerk der Strecke, der 9,4 Kilometer lange Katzenbergtunnel südlich von Freiburg, exklusiv dem Personenfernverkehr vorbehalten.
Ist das bautechnisch so oder sind erstmal keine Güterzüge durch den Tunnel geplant?
Der Wiki-Artikel behauptet das Gegenteil:
"Zukünftig soll der schnelle Personenfernverkehr durch den Tunnel verkehren, während der Güterverkehr überwiegend auf der Altstrecke verbleibt. Nachts, sowie bei freien Fahrplantrassen sollen auch Güterzüge durch den Tunnel verkehren." Als Quelle wird auf die Eisenbahntechnische Rundschau verwiesen, allerdings schon von 2007.
Aber es würde dem Güterverkehr hier auch schon helfen, wenn er auf der Altstrecke keine Trassenkonflikte mehr mit dem Personen-Fernverkehr hätte.
2. Die Regelgebung der NL (Stichwort: ERTMS Level 2) war so kompliziert, dass es für viele Unternehmen billiger war, über Venlo zu fahren.
Das könnte sich langfristig ändern, wenn ERTMS Level 2 zum Standard wird.
3. Unternehmen, die über die Betuweroute fahren möchten, brauchen zumindest Dreisystemloks: 25 kV für die Betuweroute, 15 kV für Deutschland sowie 1500 V für den Abschnitt Zevenaar-Emmerich. Die gibt es nicht so viele: nur 189, ES64-F4 und SNCF 447000. 15kV/25kV Loks dagegen schon: 182, 185, ES64-U2.
Warum hat man das so gemacht? Was hätte dagegen gesprochen:
a) die Betuweroute auch mit 1500 V zu elektrifizieren,
oder b) den Abschnitt Zevenaar-Emmerich auf 25 kV umzustellen? Der ICE 3M kann das sowieso.
Allerdings muss ich die Verfasser recht geben: die Strecke ist noch nicht voll in Betrieb, weil an deutscher Seite die benötigte Infra fehlt.
Exakt. Und leider ist da noch keine Änderung in Sicht.
Hier soll es Schluß sein mit dem staatlichen Denken. Gütermagistralen sollten mit Europa-Geld finanziert werden und unter EU-Gesetz gebaut und betrieben werden.
Absolut richtig!
Und ich meine: Wenn es der EU ernst ist mit der Förderung des Schienen-Güterverkehrs, dann soll sie dafür nicht nur die Bahnen mit Regeln belasten, sondern auch finanziell nachhelfen. Siehe diesen Thread.
Tja, dann wird man neidisch / eifersüchtig (?) auf Italien, wo die "Schienenautobahnen" für HGV und Cargo gebaut werden.
Das wurden die deutschen SFS Hannover-Würzburg und Mannheim-Stuttgart auch. Dort ist nachts der Güter-Teufel los. Tagsüber sorgt aber der drastische Geschwindigkeitsunterschied dafür, dass man Güterzüge vergessen kann. Und das dürfte in Italien nicht anders sein - oder?
Die Y-Trasse kostet laut Bundesverkehrswegeplan 1,3 Milliarden Euro, wird aber vermutlich deutlich teurer; von bis zu 4 Milliarden Euro ist die Rede. Dafür verkürzt sich die Reisezeit nach Hamburg um ganze 13 Minuten, die nach Bremen um 8 Minuten.
????? War da nicht etwa die Rede von 30 Minuten?
Nein, 13 Minuten sind schon korrekt: von 69 auf 56 Minuten. Quelle
Nach dieser Quelle ist aber auch gerade die Kapazität ein Hauptzweck der Y-Trasse, um insbesondere den stark gemischten Verkehr auf der Stammstrecke Hamburg-Hannover zu entlasten. Ich habe aber schon oft die Behauptung gehört, so, wie die Y-Trasse geplant sei, würde sie dieses Problem nur verschieben. Ich kann das nicht beurteilen, habe mich nie im Detail mit der Strecke beschäftigt.
Dabei sieht es im internationalen Vergleich mit dem Schienengüterverkehr in Deutschland sogar noch recht gut aus. Nach dieser Tabelle bei Eurostat lag 2007 nicht nur der Marktanteil mit 21,9 Prozent deutlich über dem EU-Schnitt von 17,8 Prozent, auch die Tendenz zeigt nach oben, im Gegensatz zu den meisten EU-Ländern.
Schöne Grüße
Daniel (aka Sappiosa)
gesamter Thread:
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Joachim,
23.09.2009, 09:06
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Oscar (NL),
23.09.2009, 10:52
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sappiosa,
25.09.2009, 17:48
- Die ZEIT über Investitionen in das Schienennetz - Oscar (NL), 25.09.2009, 20:44
- Die ZEIT über Investitionen in das Schienennetz - Jörg, 27.09.2009, 16:56
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sappiosa,
25.09.2009, 17:48
- Die ZEIT über Investitionen in das Schienennetz - Irgendware, 25.09.2009, 08:59
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Oscar (NL),
23.09.2009, 10:52