Testbericht: Starbucks im Zug. (m.26B.) (Reiseberichte)

Twindexx, St. Gallen (CH), Sonntag, 24.11.2013, 21:46 (vor 4527 Tagen)

Hallo zusammen,

Zum Anfang ein wenig zum einstimmen ein aktueller Zeitungsbericht: http://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/kaffeekette-starbucks-will-weitere-zugcafe...

Die Deutsche Bahn beobachtet das Experiment der Schweizerischen BundesBahnen SBB mit Interesse. Man werde sich mit den Kollegen der SBB „natürlich zu den Erfahrungen mit dem Pilotprojekt Starbucks austauschen“, sagt eine Bahn-Sprecherin der WirtschaftsWoche.


Und damit ihr auch alle wisst, was euch da drin im Falle eines Falles erwartet, folgt hier nun ein Testbericht.


Heute, 24. November 2013, sollte der IC 718 um 09:11 Uhr mit dem Starbucks-Wagen in St. Gallen mit Ziel Genève-Aéroport starten. Zusammen mit caboruivo machte ich zwischen St. Gallen und Bern den Selbsttest des neuen Bahngastronomie-Angebotes auf Schweizer Schienen.

Der Zug erreichte St. Gallen pünktlich um 08:53 Uhr auf Gleis 1:

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Die insgesamt zehn IC2000-Doppelstockwagen sollten sich erst ab Winterthur und Zürich HB etwas mehr füllen:

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Ich riskiere einen ersten Blick in den Wagen hinein. Freunde von Fahrzeuganschriften kommen hier auch auf ihre Kosten. Der bereits im Umbau befindliche zweite Starbucks-Wagen, der im Frühling 2014 folgen wird, trägt die Nummer 003. Die bis Ende 2014 dauernde Pilotphase ist auf zwei Wagen beschränkt.

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Nun wollen wir aber unseren Test starten. Eine offene Tür empfängt uns:

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Als erstes wollen wir das Take-Away im Unterdeck testen und versuchen, wie man hier Zmorge essen kann.
Die Eingangstür ziert ein grosses Starbucks-Logo:

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Das Take-Away besteht aus aus zwei Tischen, ein paar Hockern und einer Theke. Die Hocker sind sehr rutschig. Bei einer Kurve oder beim abbremsen des Zuges muss man sich jeweils etwas festhalten, um wegen den Fliehkräften nicht vom Hocker zu rutschen.

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Trotz allem wurde mit hochwertigen Werkstoffen gearbeitet:

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Hinter der Theke ist noch der Bereich, wo Mahlzeiten und Getänke zubereitet werden:

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Nun wollen wir uns aber dem zuwenden, was viele am meisten interessieren dürfte: Dem Angebot auf der Karte:

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Es handelt sich hier um das gesamte Angebot. Ein Teil der Produkte ist auch in einer Vitrine ausgestellt:

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Die beiden Teile in der zweituntersten Reihe in der Mitte machten einen etwas unappetitlichen Eindruck.


Vorhin schrieb ich doch davon, dass wir etwas frühstücken wollten. Wir beide sind keine Fans von Kaffee und damit zusammengepanschten Getränken, die Kaffee-Produkte testeten wir also nicht.
caboruivo bestellte ein Croissant und ein Möhl. Ich bestellte so eine heisse Schokolade und da ich keine Lust auf Muffins, Cakes und Cookies hatte, bestellte ich gleich so ein warmes Tomaten-Mozzarella-Focaccia.
Im Take-Away muss man zur Theke laufen und bestellen. Auch abholen muss man die Ware selbst.

Die Becher werden jeweils mit den Vornamen des Kunden beschriftet:

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Um das etwas genauer einzuordnen: Das ist die Tall-Grösse, welche exakt 354 ml enthält. Die teurere Grande-Grösse enthält exakt 473 ml. Mit 6.90 CHF für 354 ml ist sie etwas gar teuer, zumal sie qualitativ an die in den SBB-WR ausgeschenkte heisse Cailler-Schokolade zu 4.80 CHF meiner Meinung nach nicht rankommt.


Das folgende ist nun die warme Tomaten-Mozzarella-Focaccia für 9.50 CHF:

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Sie schmeckt zwar recht gut, ist aber im Bezug zur Menge für meinen Geschmack zu teuer. Die Focaccia wurde in einem kleinen Ofen erwärmt.
Übrigens gut zu sehen am Deckel des Bechers, dass die Handhabung der Getränke nicht ganz einfach ist, wenn man den Deckel abmachen will. Bei mir wollte zuerst der gesamte Schlagrahm am Deckel haften bleiben und die Flüssigkeit allein im Becher zurücklassen.


Nachdem wir so kurz nach Winterthur im Unterdeck fertig waren, wollten wir natürlich auch das Oberdeck testen. Im Oberdeck hat es im Bereich der Treppen die normalen Sitze, nur mit einem anderen Bezug und kleinen Holztischen à la Starbucks:

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Die runde Sitzlounge über den Eingangstüren hat ebenfalls neue Sitzbezüge und einen neuen kleinen Tisch erhalten:

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Der eigentliche Restaurantbereich ist nun bei Zürich schon etwas voller geworden:

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Wenn man den Leuten etwas zugehört hatte, dann gab es diejenigen, die vom Starbucks-Wagen schon etwas gehört hatten und diejenigen, die zum ersten Mal davon erfuhren. Bei wenigen war etwas Unmut über Starbucks herauszuhören.


Der Gang am Thekenbereich vorbei. Hier einige Abfalleimer, welche auch bitter nötig sind, da die Getränke nur in Einwegbechern ausgegeben werden (auf beiden Stockwerken):

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Hinter der Theke herrschte gute Stimmung:

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Das Personal war allgemein sehr nett und recht auskunftsfreudig. Auffällig war, dass vier Personen gleichzeitig am arbeiten waren, zwei unten und zwei oben. Das ist mehr Personal als sonst im SBB-WR. Zusätzlich kommen noch die Mitarbeiter mit der Minibar, die durch den Zug fährt.


Die Einrichtung im Oberdeck im Detail. Die eine Reihe wurde mit grossen Tischen und festmontierten Zweiersitzbänken ausgestattet:

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Das Oberdeck richtet sich klar an Leute, die etwas mehr Zeit hier verbingen möchten.


In die Lederbezüge wurden die Logos von Starbucks und den SBB eingraviert:

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Auf der anderen Seite sind lose Einzelsitze mit einem kleineren Tisch, der sich gleich als recht unpraktisch herausstellen wird, da zu klein:

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Nun wollen wir auch noch das Speisenangebot testen. Es gibt zwei Suppen, eine Penne und eine Quiche. Insgesamt ein recht dürftiges Angebot.
Der Versuch, ein Bier oder sonst ein alkoholhaltiges Getränk zu bestellen, wäre zum Scheitern verurteilt gewesen. Auf die entsprechende Frage, was Leute machten, die ein Feierabendbier wollten, hiess es, dass das die erste Frage bei ihrem Vorstellungsgespräch gewesen sei.
Man erklärte uns dies so, dass Starbucks keine Lizenz für den Verkauf von alkoholischen Getränken hat. Wer ein Bier geniessen möchte, ist nun auf die reduzierte Auswahl in der Minibar angewiesen, welche ihre Produkte aber nicht im Restaurant verkaufen darf.

caboruivo bestellte schliesslich eine Penne und noch ein Möhl. Ich versuchte mich am Pot au Feu und bestellte ebenfalls einen Möhl.
Die Penne kam recht schnell:

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Man konnte es wohl essen, überragend war es aber nicht. Stutzig machte mich gleich die kurze Zeit, die bis zur Servierung verstrich. Wenn etwas in einem Steamer fertig gegart wird, dann dauert das ca. 15 Minuten. Die Antwort auf meine Frage, wie denn das warm gemacht wird, war der kleine Ofen, welcher auch schon meine Focaccia erwärmte. Steamer sind hier keine vorhanden.
Immerhin werden Mahlzeiten nicht mit Wegwerfgeschirr serviert.


Kurze Zeit später wurde dann auch mein Pot au Feu serviert:

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Man konnte es essen, aber wirklich satt wurde man dadurch nicht. Wir bestellten dann nochmals je einen Chicken Potpourri Salad mit einem Sweet-Chili-Dressing. Dazu nahm caboruivo auch noch eine heisse Schokolade, aber die Grande, und ich noch einen Granini-Multivitamin. Dabei stellten wir dann auch langsam fest, dass die normale Getränkeauswahl ziemlich mager ausfällt ohne Cola oder Rivella.


Die Chicken Potpourri Salads:

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Wie man sehen kann, ist der Platz auf den Tischen etwas begrenzt.


In Bern war dann unser Starbuckstest zu Ende. Als Fazit muss ich sagen, dass es beim Design und beim Personal nichts zu bemängeln gibt. Allerdings ist die Speisekarte, wenn man sie so nennen kann, aus meiner Sicht ein rechter Fehlgriff. Das Angebot an Speisen und normalen Getränken ist zu klein und die Snacks sowie die Getränke sind für die gebotenen Gefässgrössen und die gebotene Qualität aus meiner Sicht zu teuer. Das Fehlen eines richtigen Bieres ist aus meiner Sicht ein schwerer Verlust.


caboruivo erstellte ebenfalls schon einen separaten Bericht auf seiner Webseite: http://caboruivo.ch/2013/11/24/der-starbucks-wagen-der-sbb-im-test/


Via Konolfingen-Wolhusen-Luzern-Goldau-Rapperswil ging es dann für uns/mich wieder nach Hause. Damit war dann der Ausflug auch wieder beendet.


Ich hoffe, mein Bericht hat auch gefallen. Bei Fragen stehen wir natürlich gerne zur Verfügung.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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