Diskussion: Politik ist Selbstzweck, Bahn ein Mittel dazu? (Allgemeines Forum)
So sollte es eigentlich sein, auch meiner Meinung nach. Den Grund, warum das in Deutschland nicht so ist, sehe ich darin, daß die Politik sich seit jeher um die Beantwortung der Frage gedrückt hat, wieviel Bahn konkret (genauer: was? wo? zu welcher Qualität? usw.) der Bahnsektor anbieten soll. Man wollte und will sich hier vor der Verantwortung drücken. Das Problem wird dadurch noch verschärft, daß die Ökoreligion verlangt, daß der Bahnsektor ungeheure Leistungen erbringen soll, für die es nicht die erforderlichen Finanzmittel gibt.
Interessante Perspektive!
Ich gehe aber noch einen Schritt weiter: In jedem Wahlkampf wird betont, wie viele Steuereuro und wie viele Arbeitsplätze von der Automobilindustrie und deren Zuliefereren abhängen. Da der Aufbau eines noch hochwertigeren Bahnsystems aber zuerst einmal eine Menge Steuereinnahmen frisst und Arbeitsplätze der Vergangenheitsindustrie Automobilbau zerstört, traut sich niemand ran.
Zumal die Erträge in der Automobilindustrie pyramidal sehr stark verteilt sind. Einige wenige Familien (Quandt, Piech etc.) haben große Aktienmehrheiten an den marktführenden Unternehmen. Darüberhinaus geht in einigen Regionen das Licht aus, wenn die Autozulieferer über Nacht nicht mehr da sind.
Deshalb lautet die Kernfrage:
Wie schaffe ich eine neue, wertschöpfende Bahn ohne zu viel Autoarbeitsplätze zu zerstören. Aufgrund des praktisch vorhandenen Gleichstands zwischen beiden politischen Lagern wird kein Lager den Mut aufbringen, einen echten Übergang zu verantworten.
Überspitzt gesprochen: Die Bahn darf nicht zu gut werden, um die Wertschöpfungsströme nicht nachhaltig zu verändern.
Eine zu starke Bahn würde auch den Nimbus eines ganz bestimmten Bundeslandes zerstören, welches auch gegen den Länderfinanzausgleich klagt.
Der richtige Schritt wäre also ein kontinuierlicher Aufbau einer hervorragenden Bahn ohne die Möglichkeit Fahrscheine in Selbstbedienung zu erwerben und mit schätzungsweise 7 Zubs pro ICE.
Dann die Fahrgäste umlenken, Bahnhersteller stärken und dann die Konversion der ehemaligen Verbrennungsmotorindustrie einleiten.
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- Diskussion: Politik ist Selbstzweck, Bahn ein Mittel dazu? -
Oscar (NL),
02.10.2013, 12:47
- Diskussion: Bahn als Bestandteil einer Marktideologie - GUM, 02.10.2013, 13:05
- Diskussion: Politik ist Selbstzweck, Bahn ein Mittel dazu? -
Felix,
02.10.2013, 20:33
- Diskussion: Politik ist Selbstzweck, Bahn ein Mittel dazu? - Bahn-Auto-Flug, 04.10.2013, 13:46
- Diskussion: Politik ist Selbstzweck, Bahn ein Mittel dazu? -
GUM,
04.10.2013, 17:18
- Bahnlobby will nur trollen, Bahn ein Mittel dazu? -
Felix,
04.10.2013, 18:59
- Bahnlobby will nur trollen, Bahn ein Mittel dazu? - ICE-T-Fan, 04.10.2013, 19:30
- Bahnlobby will nur trollen, Bahn ein Mittel dazu? -
Felix,
04.10.2013, 18:59
- als die Welt noch in Ordnung war - war nicht alles besser .. - frank_le, 04.10.2013, 19:17
- Antwort an Twindexx aus dem Sechsländerreiseberichtsthema - Splittergattung, 04.10.2013, 21:08