Diskussion: Politik ist Selbstzweck, Bahn ein Mittel dazu? (Allgemeines Forum)
Hallo ICE-Fans,
als die Welt noch in Ordnung war, gab es staatliche Bahngesellschaften, welche für die Grundversorgung eines Bestandteils des öffentlichen Verkehrs versorgten: die Bahn. Sonstige Unternehmen kümmerten sich um die Stadtbahnen, die Straßenbahnen, die Stadtbusse, die Regionalbusse. Politische Instanzen (Gemeinden, Landkreise, Landesregierungen, Bundesregierung) kontrollierten die Gesellschaften, ob sie ihre Arbeit ordentlich leisteten.
Also: schienengebundene Grundversorgung als Ziel, Politik als kontrollierendes Mittel.
Wenn ich mir die 161 Folgen meiner HSL-Zuid Seifenoper betrachte, und auch die aktuellen deutschen Entwicklungen hier im ICE-Treff so durchlese, habe ich den Eindruck, dass die Welt andersrum steht. Die Politik ist das Ziel geworden und die Bahn ist ein Mittel geworden, um eine politische Karriere sicherzustellen. Denn eine tolle politische Karriere bedeutet viel Geld in der Privatkasse.
Als Musterbeispiel gilt das aktuelle Verhalten der NS und die NL-Regierung. NS hat mit dem V250-Debakel einen neunstelligen Betrag an Euros Verlust erlitten und rennt ihr Geld hinterher. Dass die Fahrgäste bis 2021 immer noch mit Surrogatzügen auskommen müssen, es sei so. Dass viele Fahrgäste der Bahn den Rücken ziehen und das Auto wählen, es sei so.
Man stellt sich jetzt die Frage: wieso greift die NL-Regierung nicht ein? Antwort: weil die NL-Regierung und NS gute Freunde sind. Die NL-Regierung sieht nicht gerne, dass ein ausländisches Unternehmen die HSL-Zuid betreibt, auch wenn das vielleicht für den Fahrgast besser wäre.
Aber es spielt noch was: die Regierungsparteien haben zusammen keine Mehrheit in der "Eerste Kamer" (NL-Version Bundesrat). Auch nimmt die Regierung im Moment impopuläre Einsparmaßnahmen. Bei einem Regierungsabsturz -> Wahlausschreibung werden sie auch ihre Mehrheit in der "Tweede Kamer" (NL-Version Bundestag) verlieren. Es ist den Ministern und Parlamentsmitgliedern also wichtig, dass sie "sitzen bleiben können" und die Geldströme zu ihren Privatkassen sichergestellt bleiben.
Also: Politik als Ziel, Bahn als Mittel dazu, Bahnfahrer als Beförderungsfall und kleiner Geldschieber, Autofahrer als großer Geldschieber.
Wie seht Ihr das in Deutschland? In der Schweiz? In Österreich? Geht's ähnlich? Oder steht NL alleine da?
@Daniel: is the Czech Republic government using the CD as a "vehicle" to secure private political careers (and hence cash money for the politicians), instead of controlling the CD (whose primary task should be providing a common basic offer for public transport)?
gruß,
Oscar (NL).
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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!
Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!
Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
gesamter Thread:
- Diskussion: Politik ist Selbstzweck, Bahn ein Mittel dazu? -
Oscar (NL),
02.10.2013, 12:47
- Diskussion: Bahn als Bestandteil einer Marktideologie - GUM, 02.10.2013, 13:05
- Diskussion: Politik ist Selbstzweck, Bahn ein Mittel dazu? -
Felix,
02.10.2013, 20:33
- Diskussion: Politik ist Selbstzweck, Bahn ein Mittel dazu? - Bahn-Auto-Flug, 04.10.2013, 13:46
- Diskussion: Politik ist Selbstzweck, Bahn ein Mittel dazu? -
GUM,
04.10.2013, 17:18
- Bahnlobby will nur trollen, Bahn ein Mittel dazu? -
Felix,
04.10.2013, 18:59
- Bahnlobby will nur trollen, Bahn ein Mittel dazu? - ICE-T-Fan, 04.10.2013, 19:30
- Bahnlobby will nur trollen, Bahn ein Mittel dazu? -
Felix,
04.10.2013, 18:59
- als die Welt noch in Ordnung war - war nicht alles besser .. - frank_le, 04.10.2013, 19:17
- Antwort an Twindexx aus dem Sechsländerreiseberichtsthema - Splittergattung, 04.10.2013, 21:08