Mehdorn-Affäre: Versuch einer sachlichen Betrachtung (Allgemeines Forum)

Blaschke, Montag, 30.03.2009, 17:58 (vor 6250 Tagen) @ heinz11
bearbeitet von Blaschke, Montag, 30.03.2009, 17:59

Hallo miteinander,

Servus,


Was haltet ihr von diesem ganzen Tamtam um die Spitzelaffäre?


Hallo,

ein schönes Spektakel für's Publikum.

Ich halte das Ganze weder für Tamtam noch für ein Spektakel zur Volksbelustigung. Die Bahn hat immerhin in den letzten drei (!) Jahren das Postgeheimnis, das Fernmeldegesetz, die Pressefreiheit, das Betriebsverfassungsgesetz und nicht zuletzt die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter systematisch verletzt.

Bis zu 150.000 (in Worten: einhundertfünfzigtausend) E-Mails pro Tag gefiltert, z.T. umgeleitet, gelöscht und gegen Mitarbeiter verwendet. Ziel: Kritische Journalisten, Gewerkschafter und Politiker ausschalten. 173.000 Mitarbeiter mehrfach rechtswidrig gerastert. Und das alles unter dem Deckmantel der Korruptionsbekämfung.

Das ist schlichtweg hochkrimell und es sind alles Straftatbestände.

Eben! Da hat aber nicht nur oben einer gesessen und alles selbst gemacht. Offenkundig muss es ja in der Plüschetage etliche "Mitmacher" gegeben haben, sonst funktioniert's nicht. Und DARÜBER müßte dann gesprochen werden.

So aber arbeitet sich alles an Mehdorn ab, er ist der Skalp, der der Öffentlichkeit hingehalten wird. Das ist auch völlig in Ordnung. Was ich nur beklage: I.d.R. ist die Diskussion nach einem Rücktritt dann beendet. Getreu dem Motto: Das Geschwür ist weg, alles in Butter. Nur über die Prophylaxe wird dann nicht mehr gesprochen: Warum konnte alles soweit gedeihen? Wie ist es möglich, dass das Ganze derartige Ausmaße angenommen hat? Wer hat alles mitgemacht? Und warum? Wie wollen wir das in Zukunft verhindern? DAS sind Fragen, die meines Erachtens gestellt werden müßten! Aber was wird passieren? Vermutlich nicht viel: Aufatmen, dass Mehdorn weg ist. Und gut ist's. Ein bißchen wenig.

Damit aber über die o.g. Fragen gar nicht erst groß nachgedacht wird und auch möglichst niemand auf die Idee kommt, sie zu stellen, gibt's eben in den Medien die "Mehdorn-Festspiele". Das garantiert Abwechslung und Unterhaltung. Und überlagert eine Diskussion um die wirklich wichtigen Dinge. Und genau DAS kritisiere ich.

Wie beim Krebskranken: Ab ins Krankenhaus, Geschwür raus, Aufatmen. Nachfragen nach Gründen der Erkrankung? Lieber nicht; könnten unangenehme Ergebnisse bei rauskommen. Dafür dann lieber auf dem Balkon die nächste Kippe anstecken. Dasselbe beim Herzinfarktpatienten - nur dass es dann die Pommes ist.

Schöne Grüße von

jörg


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