Mehdorn-Affäre: Versuch einer sachlichen Betrachtung (Allgemeines Forum)

Blaschke, Montag, 30.03.2009, 17:46 (vor 6248 Tagen) @ BenjaRa

Wie geht's überhaupt mit dem Land weiter angesichts von sogenannten "Wirtschaftskrisen"?

Erst einmal sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise (das ist Fakt, die brauchst du nicht in " zu setzen) noch gar nicht beim Verbraucher angekommen, das stellt zumindest die letzte Ausgabe vom Politbarometer (ZDF, gestern) fest.
Der "Aufstand des Pöbels" ist also aufs Erste abgewendet.

Abgewendet? Deiner Theorie folgend ist er ja noch nicht da gewesen, sondern dürfte dann kommen, wenn die "Wirtschaftskrise" angekommen ist.

Außerdem bleiben die Anführungsstriche :-). Für mich ist die "Wirtschaftskrise" keinesfalls "Fakt"! Sondern ein völlig normaler, systemimmanenter Schrumpfungsprozeß nach all den Übertreibungen der letzten Zeit. Das System lebt vom auf- und ab, je schneller und steiler es aufwärts geht, desto "dramatischer" geht's auch wieder bergab. Früher gab's als Bremse für solche Extremkurve immer noch den Bereich "Soziales" - im Aufschwung wurde viel Geld für Soziales in die Hand genommen, was dann den Finanzspielern fehlte, im Abschwung schützte der Sozialbereich vor allzu heftigen Folgen. Nun ist "sozial" allerdings seit der Wende zu einem Schimpfwort mutiert. Und erst jetzt, 20 Jahre später, entsinnt man sich wieder, dass das Wort und das Füllen mit Inhalt vielleicht doch nicht so schlecht ist.


Zum anderen hätte eine Abkehr von den "Volksparteien" und Hinwendung zur LINKEN dramatische Auswirkungen: Neben wirtschaftlichem Komplettniedergang hätte auch die Bahn arg zu leiden: 10 Jahre Bahnreform wären dahin; mit ihr verschwunden sind Taktfahrpläne, Netzinvestitionen, Angebotsqualität, Verkehrszuwächse und Wettbewerb; Merkmale, die die Bahn von heute prägen und zum Vorzeige-Bahnunternehmen in Europa machen (jaja, die Schweiz ist besser, aber außer Attac weiß wohl jeder, dass man das nicht vergleichen kann). Wie das endet, sehen wir ja am Beispiel Reichsbahn.

Wieso hätte? Die Hinwendung zu "Radikalen", egal in welche Richtung, ist selten gut bekommen. Allerdings ist es mit denen wie mit der Wirtschaft an sich: Sie werden als Korrektor gebraucht. Nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt haben, können sie dann auch wieder verschwinden. Oder gut bürgerlich werden. Gefährlich wird es dann, wenn sie die Oberhand übernehmen oder zu viele Stimmenanteile bekommen. In ihrer Aufgabe als Korrektor tun die Linken dem Land gut. Solange sie nicht größer werden. Das aber hat die Politik und haben wir in der Hand, das zu verhindern.

So ist's mit dem "Mehdornismus" auch: Solange er genügend Aufmerksamkeit und Meldenswertes bietet, muss man ihn ja nicht beenden!


Was ich damit sagen will: Die aktuelle Diskussion ist wichtig und richtig und alles andere als Volksbelustigung.

Was ist daran wichtig, zu diskutieren, ob Mehdorn bleibt oder geht? Er würde, wenn er geblieben wäre, eh nix mehr ausrichten können für's Unternehmen. Politisch tot. Die Diskussion DAHINTER ist doch interessant. Wie verhindern wir derartige Datenmißbräuche, Ausspähaktionen - und vielleicht: Wie ist es denn in anderen Großfirmen? Alle ein Hort der Rechtsstaatlichkeit? Und nur bei der Bahn geht's zu wie im Wilden Westen? Wer bitte glaubt denn sowas?

Dass zur Zeit Themen wie Wirtschaftskrise (die bisher noch lange nicht jeden > erreicht hat),

Auch mal ne Theorie. Warten wir mit den Gedanken, bis es soweit ist.

Linksrutsch (was eigentlich gar kein Thema ist)

Aber hallo. Die Abkehr vom System der letzten 20 Jahre ist genaugenommen DAS Thema der Zukunft... Die Frage ist nämlich, was nun? Das eine System ist gescheitert, das andere jetzt auch. Und nu? Den "dritten Weg" suchen, wie schon 1990 von manchen geplant? (Ich behaupte, den gab es schon; man müßte ihn nur wiederbeleben)

in den Hintergrund rutschen, ist wohl selbstverständlich.

Deswegen ist's aber noch lange nicht vernünftig...

Schöne Grüße von

jörg


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