Mhdrn-Affäre: Versuch einer sachlichen Betrachtung (Allgemeines Forum)

GUM, Sonntag, 29.03.2009, 22:10 (vor 6249 Tagen) @ heinz11

Hallo miteinander,

Servus,


Was haltet ihr von diesem ganzen Tamtam um die Spitzelaffäre?


Hallo,

ein schönes Spektakel für's Publikum.

Ich halte das Ganze weder für Tamtam noch für ein Spektakel zur Volksbelustigung. Die Bahn hat immerhin in den letzten drei (!) Jahren das Postgeheimnis, das Fernmeldegesetz, die Pressefreiheit, das Betriebsverfassungsgesetz und nicht zuletzt die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter systematisch verletzt.

Ich möchte (und muß) mich Heinz11 leider anschließen.

Das ist schlichtweg hochkrimell und es sind alles Straftatbestände. Mir jedenfalls ist das nicht egal, als Bahnmitarbeiter wäre es mir das erst recht nicht. Verschärfend kommt hinzu, das es ein hundertprozentiger Staatsbetrieb ist. Was für Betroffenheitsgesänge wären angestimmt worden, wenn ein Privatunternehmen Rechtsbrüche in diesen Volumina und Zeitrahmen begangen hätte.

Hartmut M*hdürn ist aber -leider- nur die Spitze des Eisberges und aus diesem Grunde hat er sich mit Wissen der (Noch-) Bundesregierung so lange halten können.

neben diesen Tatbeständen, die alleine schon eine fristlose Entlassung und auch Schadenersatzansprüche rechtfertigen hat Herr M*hdurn sicherlich seine Verdienste:

+ durch die neue Ausstattung seines Sicherheitsdienstes in den S-Bahnen der Großräume hat er zu einer weiteren Militarisierung unseres Landes beigetragen. Anfangs mit "roten Barretts" unterwegs wie Heeres-Soldaten, laufen diese nunmehr mit überlangen schlagstäcken und Handschellen durch die Züge.
So tritt man als Unternehmen seinen Kunden gegenüber nicht auf, wenn nicht noch weitere Persönlichkeitsdefizite (harmlos) oder auch eine politische Absicht (weniger harmlos) dahinterstehen.
Manche treten inzwischen auch kaugummikauend und schreiend den Kunden gegenüber. Welche Wohltat sind da die "normalen" Servicemitarbeiter der S-Bahn, die freundlich grüßen, ihren Kontrolleursausweis zeigen und keine Kunden anschreien.

Auf den ersten -dann von der Politik mit großem Bedauern zur Kenntnis genommenen- Übergriff der sog. Sicherheitsleute kann man leider nur warten.

+ das Versehen auch billigster Fahrausweise (z. B. Wochenendticket)mit Ausweispflicht führen zu einer (weiteren) psychologischen Aufwertung des Staates. Denn neben seinem Fahrausweis braucht man (zumindest den AGB's der Bahn folgend) auch noch ein staatliches Dokument, damit ein privatrechtlicher Fahrausweis gültig wird. Eigentlich Unsinn hoch 2, aber politisch gewollt. Paßt in eine Politik, die mißtrauisch dem Bürger gegenüber ist und den Staat überhöht. Ganz zu schweigen vom neuen Personalausweis 2.0.
Die "Ausweispflicht" wurde übrigens vom Regierungspräsidium Darmstadt genehmigt, zwei Mitarbeiter wurden wegen anderer Vergehen inzwischen wohl aus dem Verkehr gezogen.

http://www.faz.net/s/Rub8D05117E1AC946F5BB438374CCC294CC/Doc~E449B46EE15CF41E686EDED986...
(kann man auch googeln: Bahn Mitarbeiter Regierungspräsidium liefert einen Haufen Treffer)

+ die Einführung von Videoüberwachung in den Zügen soll die Bevölkerung weiter gefügig machen und Mißtrauen säen. Der angebliche anlaß (der sog. U-Bahn-Schläger), der als Rechtfertigung dienen sollte, konnte aber nicht durch die Videoüberwachung gefaßt werden, sondern weil er aus einem anderen Grudn am selben Tag bei der Polizei auffällig war.

Dies sind alleine schon drei Gründe, warum Hr. Mhdn sicherlich so lange gehalten wird, wie es überhaupt möglich ist. Ganz vergessen habe ich seine "Verdienste" um die Arbeitsmarktpolitik, als Billiglöhnerei über eine zwischengeschaltete Scheinfirma auch bei der Bahn Einzug hielt.

Und das ist das wirklich Problematische: Herr MN hat genau das Mißtrauen und die Kontrolle gegen die Bürger durchgesetzt und hoffähig gemacht, die eigentlich einer demokratischen Gesellschaft unwürdig sind.

Als "Bahnfan" und Kunde bleiben mir und uns allen nur "kleine" Gegenmaßnahmen:
+ Beim telefonischen Fahrkartenverkauf immer nach dem HInweis, dass Gespräche mitgehört werden könne sagen, dass man den Stasi-Schnüffler oder Mithörer ausschalten solle.
+ Wo immer möglich die Selbstbedienung vermeiden. Ein Unternehmen mit vielen Mitarbeitern ist besser als eines aus Automaten und einer womöglich nicht ganz rechtstreuen Führung.

Und für mich vielleicht auch ganz selbst wichtig:
Das Bahnfahren trotz allem nicht von solchen dubiosen Machenschaften versauen lassen. Und bei der Wahl an die möglichen Änderungen denken. Ich spreche immer von "Freiheitskoalition wählen", wenn ich persönlich zum Wählen der kleinen Parteien Grün, gelb oder auch dunkelrot aufrufe !!


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