RB: Balkanreise im Februar (mit Bildern) Teil 2 (Reiseberichte)

ICE-Railjet, Samstag, 09.03.2013, 15:16 (vor 4762 Tagen) @ ICE-Railjet

Ich fand noch einen unreservierten Fensterplatz, doch bis zur Abfahrt füllte sich der Zug bis auf den Platz, man merkte den einsetzenden Wochenend-Heimreiseverkehr. Da es im Zug mollig warm war, rief das den fehlendes Schlaf der letzte Nacht schnell hervor und ich schlief ein wenig, während sich der Zug an den folgenden Halten bereits etwas leerte.

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Das Beograd-Spezial kostet für die einfache Fahrt 15€, hin- und zurück 26€

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Handgeschriebene internationale Fahrkarte Budapest – Belgrad

In Kelebia erfolgte die ungarische Grenzkontrolle, welche recht schnell von Statten ging und noch ausreichend Zeit bis zur Abfahrt blieb. Der Zug war grenzüberschreitend zu etwa 50% belegt. Zwischen Kelebia und Subotica beobachtete ich aufmerksam das Gelände und hab festgestellt, dass sich bis auf wenige Ausnahmen, wo man ausweichen müsste, fast durchgängig ``Feldwege`` bzw. begehbares Gelände neben den Gleisanlagen befindet. Da es gerade mal noch 2 grenzüberschreitende Züge auf der Strecke gibt, wäre es interessant mit Binnenzügen zu reisen und das Stück Kelebia-Subotica zu Fuß zurückzulegen. Mir fällt es jedoch schwer die Entfernung zeitlich einzuschätzen. 1,5 bis 2 Stunden zu Fuß ohne Gepäck, nur mit Rucksack, würde ich schätzen. Ausprobieren würde ich es gerne :) . Eine weiter interessante Beobachtung gab es bei der Einreisekontrolle in Subotica. Bisher war es mir nur so bekannt, das der Zug eine Zuglänge vor dem Bahnsteig in Subotica hält, die Grenzkontrolle stattfindet und der Zug erst kurz vor der planmäßigen Abfahrt an den Bahnsteig zum Fahrgastwechsel vorzieht. Wie üblich fand auch diesmal die Grenzkontrolle eine Zuglänge vor dem Bahnsteig statt, man durfte nicht aussteigen, die Grenzpolizisten arbeiten die Wagen von der Lok ausgehend ab und sobald ein Wagen komplett fertig war durfte man aussteigen und sich vom Zug entfernen. Wenn man also recht vorne sitzt hätte die Zeit locker gereicht, zum Aussteigen, Geldwechsel und Kauf eines Balkan-Flexi-Passes und sobald der Zug an den Bahnsteig vorgezogen ist wieder einzusteigen. Dies wäre in Kombination mit Europa-Spezial bis Kelebia und Streckenfahrschein Kelebia-Subotica günstiger als mit Beograd-Spezial. Außer das dies einen zusätzlichen Reisetag im Balkan-Flexi-Pass erfordert. Bei den dortigen Preisen ist diese Sparmaßnahme zwar nicht notwendig, aber es ist doch irgendwie erstrebenswert alle Tariftricks zu nutzen. Nachdem der Zug dann an den Bahnsteig vorgezogen war und die serbischen Binnenreisenden zugestiegen waren, füllte sich der Zug auch wieder auf fast 100%. Ab Subotica zog sich die Fahrt dann enorm, auf Grund der geringen Streckengeschwindigkeit. Außerdem war es bereits wieder dunkel geworden. Auffällig war nur noch, das wir die Halte Stara Pazova, Nova Pazova und Novi Beograd alle knapp 5 Minuten vor der planmäßigen Abfahrtszeit verließen, ehe wir den Belgrader Hbf. um 20:48 Uhr mit -4 erreichten.

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Der serbische Großraumwagen im EC273 nach seiner Ankunft in Belgrad

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EC273 nach der Ankunft in Belgrad

Zielgerichtet ging ich zur Wechselstube in der Bahnhofshalle, die einen fairen Wechselkurs anbietet und tauschte 60€ zum Fahrkartenkauf. Am internationalen Ticketschalter erwarb ich dann einen Balkan-Flexi-Pass für 5 frei wählbare Tage innerhalb eines Monats. Interessant hierbei war der neue günstigere Dinarpreis beim Balkan-Flexi-Pass. Letztes Jahr zahlte ich für das 53€ teure Ticket 6254 Dinar, diesmal kostete es bloß 5989 Dinar.

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Die Hülle des Balkan-Flexi-Passes

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Der Balkan-Flexi-Pass in der 5-Tage-Version

Im Bahnhofskiosk gab ich noch ein paar der übrig geblieben Dinare aus und begab mich dann zum Bahnsteig, an dem der D335 nach Skopje, mit seinem Zugteil D293 nach Sofia schon bereitstand. Die Sitzwagen waren bereits gut gefüllt. Ich hatte allerdings eine Reservierung im Liegewagen bereits in Deutschland vorgenommen, die auch in Deutschland mittlerweile für nur 6€ ausstellbar ist. Leider wurde diese vom Liegewagenbetreuer einbehalten und ich hatte noch kein Foto der Reservierung. Insbesondere wenn die Interrail-Saison wieder beginnt ist es ratsam bereits vorab in Deutschland zu reservieren.

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In Belgrad

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Der D293 ``Nusic`` Belgrad-Sofia

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Der Liegewagen im D293 von Belgrad nach Sofia

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Der Wagen ist nicht mehr in ganz einwandfreiem Zustand ;)

Während der Standzeit in Belgrad war der Wagen leider nicht beheizt, sodass auch im Wagen die Außentemperaturen um den Gefrierpunkt herrschten. Ich teilte mir das Abteil mit einer älteren Dame aus England, so saßen wir vorerst noch in dicker Jacke dort und unterhielten uns über den Balkan, die vielen Vorurteile und ums Reisen allgemein. Kurz nach der Abfahrt in Belgrad versuchte ich mich dann möglichst warm mit Jacke und Decke zuzudecken und schlief trotz der Kälte sehr bald ein. Nicht mal vom nächtlichen Stopp in Nis, wo unser Zug vom Trägerzug nach Skopje getrennt wurde, bekam ich etwas mit. Erst kurz vor Dimitrovgrad wurde ich durch das Klopfen des Liegewagenbetreuers geweckt. Die Passkontrolle stand an, verlief aber hier genauso unkompliziert und reibungslos, wie auf bulgarischer Seite in Kalotina Zapad. Nachdem ich meine Uhr um eine Stunde vorgestellt hatte, legte ich mich nochmal hin :).

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Beim Zwischenhalt in Dragoman bauten wir eine knapp 30-minütige Verspätung auf, da wir auf einen entgegenkommenden Güterzug warteten.

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Der 2-Wagen-Zug nach der Ankunft in Sofia mit +37 wegen des verspäteten Gegenzuges

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Auf dem Bahnsteig - Der Hauptstadtbahnhof in desolatem Zustand

Nach der Ankunft in Sofia machte ich mich auf den Weg zum Busbahnhof, die Fahrzeiten der Busse nach Bansko hatte ich mir bereits auf der informativen Internetseite des Busbahnhofes herausgesucht. Nachdem ich den Bahnhof verlassen hatte und auf den direkt nebenan liegenden Busbahnhof zusteuerte wurde ich bereits von einem Mitarbeiter mit offiziellem ``Eurolines``-Namensschild angesprochen, ich teilte ihm meinen Fahrtwunsch mit und er nahm mich mit zum Schalter und regelte alles für mich auf Bulgarisch, nach dem ich mein Ticket in den Händen hielt zeigte er mir noch den Abfahrtsort des Busses. Mit einer Daumen-auf-Zeigefinger-reibenden Geste machte er noch darauf aufmerksam, dass er seine Hilfe noch bezahlt haben möchte. Vorrausschauend hatte ich bereits am Schalter vom Rückgeld ein kleines Trinkgeld abgezweigt und unauffällig in meiner Jackentasche verschwinden lassen, sodass ich in dieser Situation nicht noch mal mein ganzes Portemonnaie herausholen muss und überreichte ihm 2 Lewa als Trinkgeld. Er antwortete darauf dass er aber gerne 5 Lewa möchte, ungeachtet hiervon, bedankte ich mich, verabschiedete mich und ging.

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Außenansicht des Busbahnhofes

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Im Gegensatz zum Bahnhof ist der Busbahnhof sehr modern und gut gepflegt

Die verbleibenden 2 Stunden bis zur Abfahrt nutzte ich um noch einmal zurück in den Bahnhof zu gehen. Ich setzte mich in die Haupthalle und beobachtete das Treiben im Bahnhof. Vor den Zugabfahrten füllte sich der Bahnhof auch immer wieder und es bildeten sich Schlangen vor den Fahrkartenschalter, denn in Bulgarien hat selbstverständlich keiner, wenn er den Bahnhof betritt, den vor 3 Monaten erworbenen Sparpreis oder das am Morgen ausgedruckte Online-Ticket schon in der Tasche. Für viele schwer vorstellbar ;) . Fortschrittlich ist man dennoch, im gesamten Bahnhof gibt es freies kostenlos W-LAN. Nachdem ich einige Zeit dort verbracht hatte, kaufte ich noch etwas für den Abend im Bahnhofssupermarkt ein und ging zurück zum Busbahnhof, wo ich auch nach kurzer weiterer Wartezeit in den Bus einsteigen konnte.

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Der Fahrschein für den Bus


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