Zugnummernsystematik - Antworten (Allgemeines Forum)

ICE-T-Fan, Freitag, 11.02.2011, 23:57 (vor 5579 Tagen) @ Ösi


Steckt da eine tiefere Systematik dahinter oder ist man nach dem Motto "schauen wir mal, wo die Züge noch reinpassen" vorgegangen?

Ja und Nein.

Also die Zugnummern werden in Bedarfsblöcke eingeteilt und sind für bestimmte Anwendungszwecke reserviert oder eben auch gesperrt.

Die Zugnummern 2-499 sind exklusiv für internationale Zugläufe reserviert. Früher war es so, dass diese Nummern nur dann verwendet werden durften, wenn der Zuglauf mindestens drei unterschiedliche Netzverwaltungen mit eigenen Zugnummern tangiert. Mittlerweile werden sie aber auch zwischen benachbarten Ländern ohne Durchlauf benutzt.

Sie werden quasi zwischen den Bahnverwaltungen ausgehandelt. Daher gibt es beispielsweise das Zugpaar 104/105 zwischen Basel und Amsterdam und das Zugpaar 108/109 zwischen Innsbruck und Berlin. Die Nummern gehören zwar einer Dekade an, werden aber für völlig verschiedene Korridore genutzt.

Die Nummern über 499 werden von der deutschen Netzaufsicht alleine (EBA, DB Netz AG, ka wer da konkret zuständig ist) vergeben.

Jedes Eisenbahnverkehrsunternehmen enthält je nach Zuggattung und Einsatzart die entsprechenden Nummern per Zuteilung. Der Fernverkehr bekommt in der Regel Nummern zwischen 500 und 2499. Die Regionalverkehrs- und Gütertransport-Unternehmen Nummern von 3000 bis 99.999.

Für besondere Zwecke reserviert sind beispielsweise die Nummern 2500 bis 2799 für Baustellenfahrpläne und die Nummern 2800 bis 2999 für AdHoc-Züge (kurzfristiger nicht fest im Fahrplan verankerter Ersatz- und Zusatzverkehr).
Die 28xx-Nummern werden meistens dann verwendet, wenn ein Zug eine besonders abweichende Fahrstrecke befährt oder aus einem anderen Zugmaterial gebildet wird, was unter eine neuen Zugart fällt. So ist es beispielsweise so, dass der Ersatz eines BR 403 von einem BR 406 keiner Nummernänderung bedarf, weil beide als ICE-W fahren, der Ersatz durch einen ICE-A (ICE 1 oder 2) oder durch einen ICE-T (BR 411 oder 415) eine neue Nummern mit sich bringt. Das hat was mit den Eigenschaften dieser Züge zu tun: A=Lademaßüberschreitung (für bestimmte Strecken gesperrt), T=Neigetechnik (Verändertes Zugprofil), W=Wirbelstrombremse (veränderte Bremshunderstel und damit Höchstgeschwindigkeiten auf Strecken ohne Wirbelstrombremsenzulassung)

Innerhalb der Blöcke haben die EVU quasi freie Hand, wodurch die Nummern manchmal nicht mehr mathematisch sinnvoll verwendet werden.

Beispiel:

So hat zum Beispiel der EB-Zug Ilmenau-Erfurt, welche um 23:32 in Ilmenau abfährt eine ungerade Nummer (80681), obwohl alle anderen Züge in dieser Richtung eine gerade Nummer haben. Ich gehe mal davon aus, dass die zugeteilten Nummern für die Erfurt Bahn nicht gereicht haben und man daher einfach eine Nummer des Gegenverkehrs verwendet hat.

Bei der DB Fernverkehr sagt die vorletzte Stelle in einer Nummer den groben Laufweg voraus. Da gibt es eine Tradition, die bis heute beibehalten wird.
Unter http://de.wikipedia.org/wiki/Zugnummer#Zuordnung_der_Zugnummern_nach_Fernverkehrslinie steht eine kurze von mir damals geschrieben Zusammenfassung.


Wie eindeutig sind die Nummern? Nehmen wir z.B. den ICE 109, der zwischen Deutschland und Österreich fährt. Kann dann ein IC 109 zwischen Frankreich und der Schweiz fahren oder ist die Nummer für ganz Europa "gesperrt"?

Grundsätzlich kann man keine Nummer europweit sperren. Aufgrund technischer Einschränkungen können Zugnummern nicht mehr als 5 oder 6 Stellen haben, je nach Hardware. Darum benutzt man in Detuschland beispielsweise keine Nummern über 99.999. Da es alleine in Deutschland täglich über 35.000 Zugfahrten gibt und man auch eine gewisse Ersatzzug-Reserve braucht, würden 100.000 Nummern nicht für ganz Europa reichen-

Die hohen Nummern werden in der Regel nur innerhalb jeweils einer Bahnverwaltung benutzt und können quasi in jedem Land neu benutzt werden. Die Nummern für grenzüberschreitenden Verkehr werden ausgehandelt und es wird halt drauf geachtet, dass in keinem Netz eine Nummern mehrmals verwendet wird, auch wenn es technisch m.W. möglich ist.


Eine letzte Frage noch, dann lasse ich euch in Ruhe ;-): Was waren die Zugpaare 1/2 und 3/4 oder gibt es einen speziellen Grund, dass es sie nie gab?

Laut älteren Fahrplänen aus Zeiten vor 1945 gab es mal einen D-Zug mit der Zugnummer 1, welcher durch Eisenach gefahren ist. Das war ein Schnellzug Frankfurt-Halle-Berlin.
Seit spätestens 1994 wird diese Nummer auf dieser Relation definitiv nicht mehr genutzt.

Heute wird die Nummer 1 nicht mehr vergeben, weil man Zugpaare (also Züge gleichen Laufwegs mit jeweils entgegen gesetzter Fahrtrichtung) immer aufsteigend von gerade nach ungerade nummeriert.
Darum ist die kleinst heute praktisch vergebene Nummer die 2, wobei das Zugpaar dann beispielsweise die Kombination 2/3 haben kann.


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