weil DB Fern nunmal völlig abgewrackt ist ... (Allgemeines Forum)

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Mittwoch, 23.09.2026, 15:07 (vor 9 Stunden, 33 Minuten) @ Dampflokgaudi
bearbeitet von Der Blaschke, Mittwoch, 23.09.2026, 15:09

Hallo!

Jeder Mitarbeiter auf dem Zug hat bei DB Fern mein Mitgefühl und verdient höchste Anerkennung. Wer sich den Laden noch antut (oder das muss) ist ein wahrer Held.

Wie sagte mal eine Mitarbeiterin zu mir: mittlerweile bin ich froh, wenn der Dienst wenigstens planmäßig beginnt. Mehr erwarte sie gar nicht mehr.


Praktisches Beispiel: der ICE Hamburg - Köln - Stuttgart hat in Bremen Personalwechsel. Abfahrt ist zur Min xx:47. Das abzulösende Team kommt aus einem Rollbahn-ICE aus der Schweiz, Ankunft xx:15. Es sind also ca 30 Minuten Übergang. Jeder, der nicht in einer fernen Plüschetage sitzt, kennt die STÄNDIGEN Verspätungen der Rollbahn-ICE, die aus der Schweiz/München kommen. Wie kann man da ernsthaft 30 Min Wendezeit einplanen? In meiner Firma würde ein solcher Planer noch am selben Tag entlassen. Und den Betriebsrat, der sowas absegnet, würde ich amtsentheben lassen.

Im erlebten Fall hatte der ICE aus dem Süden ca 80 Min Verspätung; nix besonderes hier. Das Personal ging schnurstraks rüber zum Stuttgarter ICE. Der jetzt in Bremen ca 50 Min herumstand, ein Gleis blockierte, die Kundschaft sich am Kopf fasst und das Bremer Personal etwas angefasst ist, weil man wieder mal eine Std später Feierabend hat (man konnte den Zug ja nicht einfach so stehen lassen).

Ab Bremen ging es also mit +50 weiter trotz pünktlicher Ankunft. Das Personal hatte dazu nicht mal eine Pause. Glaubt jetzt ernsthaft jemand, dass die jetzt hochmotiviert ab Bremen durch den Zug laufen und kontrollieren? So weltfremd kann man nur sein, wenn man selbst nie an der Basis gearbeitet hat, aber meint, in einem fernen Büro Ahnung zu haben.

Und das alles ist ja kein Einzelschicksal, sondern dutzendfach TÄGLICH erlebter Alltag.

Wo soll in dem Laden Motivation herkommen? Die Zahl der Schaffner wird ständig gekürzt. Sie sollen aber Aufpasser spielen, Tickets kontrollieren, Service am Platz bieten und die Kundschaft fröhlich unterhalten und durchs Chaos lotsen. 2 Mitarbeiter für 650 Fahrgäste. Dazu menschenverachtende Dienstpläne und Anerkennung gleich Null.

Wie geschrieben: wer das da jeden Tag aushält ==> höchster Respekt. Wer kann, der flieht. Ein guter Kumpel hat sich in ein Stellwerk verkrümelt. Da ist zwar auch regelmäßig Chaos - aber wenigstens ist der pünktliche Feierabend garantiert. Wobei die Bettelanrufe vor freien Tagen mittlerweile ausbleiben - er sagt zwar stets fröhlich "Ja!", erwähnt dann aber, dass er mangels Alternative zur Aufbewahrung aber seinen kleinen Sohn mitnehmen muss. Danach war dann stets Ruhe auf der anderen Seite der Leitung; mittlerweile hat man's begriffen. Und den Vorwurf der Unkollegialität sitzt er als im Dienst eh Einzelkämpfer ganz entspannt aus.


Was ganz anderes: wie krank ist übrigens das Volk, dass es auf eine Kontrolle so unendlich viel Wert legt. Wie oft höre ich "Kein Schaffner - da hab ich das Ticket ja ganz umsonst gekauft!". Irgendwie kapiert das keiner, dass der Fahrschein einfach der Preis für Inanspruchnahme einer Dienstleistung ist. Und man den nicht nur aus Angst vorm Schaffner kauft. Völlig kaputte Denkweise. Aber unausrottbar.

Und deswegen ist es doch auch völlig logisch, vor Nutzung der Dienstleistung und damit vor Einstieg in den Zug ein Ticket haben zu müssen. Im Kino und im Schwimmbad kommt auch nicht erst nach 30 Min wer zum Kassieren vorbei. Im Zoo und im Freizeitpark auch nicht. Dieser Unfug mit dem Automaten im Zug, wie es hier nebenan noch üblich ist, gehört abgeschafft.

Ich persönlich brauche jedenfalls keine Kontrolle. Ich habe ja ein Ticket - und wenn nicht, frage ich vorher höflich nach.


Schöne Grüße von jörg

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"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)


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