Realsatire und keiner regt sich auf (Allgemeines Forum)

ICEwave, Donnerstag, 06.08.2026, 06:40 (vor 10 Stunden, 41 Minuten) @ Der Blaschke

Das, was täglich abgeht, ist schlimmer als jede Satire.

Und diese Nonchalance mit der einfach erwartet wird, dass man das akzeptiert, ist bemerkenswert. Zwischen Köln und Hagen (oder Hamburg - Berlin oder...) läuft nach der Generalsanierung nix? Ist halt so! Züge fallen bei jeder Witterung abweichend von 20 Grad und 60% Luftfeuchtigkeit aus? Hier ist ein Schienenersatzverkehr, kann man halt nicht ändern! Strecke gesperrt, weil irgendwas kaputt ist? "Wir bitten um Entschuldigung", also nehmt die Entschuldigung an und seit ruhig!

Und die ganzen Leute nehmen es mittlerweile hin mit Gleichmut. Früher (so bis vor Corona würde ich sagen), da haben die Leute noch wüst geschimpft, wenn der Zugchef die Hiobsbotschaften verkündet hat. Das schweißte auch zusammen. Man hat sich gemeinsam aufgeregt, der ganze Großraum war plötzlich eine Einheit und am Ende hatte man sogar noch tolle Menschen kennengelernt und eine Menge gelacht aufgrund wüster Bahngeschichten (und natürlich munter geschimpft beim nächsten Update des Zugchefs). Heute wird nicht mal ein Gesichtsmuskel verzogen, die leeren Gesichter reagieren nicht. Daher wird sich auch nichts ändern.

Ich gebe zu: Ich ärgere mich immer noch schwarz und schimpfe oder beschwere mich zuhause telefonisch. Das ist in unserer Gesellschaft nicht mehr gerne gesehen, ich weiß. Man soll sich ja "zusammenreißen". Aber ich erwarte mehr von unserem Bahnsystem bzw. denen, die es leiten. Ich erwarte mehr für die hohen Steuern und Abgaben. Wenn auf meinem Ticket steht Ankunft 13:17 möchte ich in der Regel dann auch ankommen. Und so habe ich schon des Öfteren überlegt, ob der hohe Blutdruck, den ich stets bekomme, als Körperverletzung durchgehen könnte und die Bahn strafrechtlich dafür gerade stehen müsste. Aber ich denke, dieses Gerichtsverfahren wäre aussichtslos, wenn auch vielleicht pressetauglich.

Auch das kleine "Schmerzensgeld" in Form von Tariftricks wird ja immer mehr eingedämmt. Früher konnte man durch eine Reservierungsbuchung von München nach München-Pasing über Berlin mit 40-stündigem Zwischenstopp dort dem Bahncomputer weiß machen, es wäre eine einfache Fahrt und jedes mal 4€ sparen. Und wenn auch nur eine Sache nicht klappte, sich die 4€ im Reisezentrum wiederholen ("Sowas können sie doch nicht buchen, das geht doch nicht!" - "Fragen Sie mal Ihren bahn.de-Computer, ob das geht. Und jetzt hätte ich gerne die 4€ zurück"). Aber das meiste ist ja Geschichte.

Ich möchte die Bahn lieben, wirklich. Ich liebe Züge. Aber ich hasse sie auch momentan. Und das müsste nicht sein.


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