Die Verbindung Berlin – Wien im Wandel der Zeit (Teil 3) (Allgemeines Forum)
Die Bahnverbindung Berlin – Wien: Auf Schienen durch die Geschichte
Teil 1: Die Zeit vor dem 1. Weltkrieg am Beispiel 1914
Teil 2: Die Zwischenkriegszeit am Beispiel 1939
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Der große Einschnitt für die Verbindung Berlin – Wien kam mit dem 2. Weltkrieg. Als Resultat lag zwischen den beiden Städten der eiserne Vorhang innerhalb Europas. Der Westteil Berlins war weitgehend abgeschnitten und vorwiegend aus der Luft zu erreichen, aus dem Ostteil konnte man nicht so ohne weiteres nach Österreich und Wien reisen. Eine große Nachfrage gab dementsprechend nicht mehr. Ab 1950 gab es wohl wieder Militärzüge der Alliierten zwischen den beiden 4-Zonen-Städten. Ab 1957 fuhr dann wieder ein Direktzug: der Vindobona. Über diesen „Zug der Agenten und Diplomaten“ ist – im Gegensatz zu den Vorkriegsverbindungen – sehr viel im Internet zu finden, deshalb soll es hier kurzgehalten werden. Der Zug fuhr die sowohl vor dem ersten als auch vor dem zweiten Weltkrieg eher untergeordnete Route über Dresden – Prag und Gmünd, die einerseits Prag mit einband anderseits dann auch sowohl zwischen Berlin und Prag als auch zwischen Prag und Wien den kürzesten Weg darstellte. Erstmals verkehrten Dieseltriebwagen auf der Strecke, immer abwechselnd von den beteiligten Bahnen aus Österreich, der Tschechoslowakei und der DDR. Ab 1979 wurde mit lokbespannten Zügen gefahren. Die Vorkriegsfahrzeiten wurden trotzdem nicht erreicht, unter anderem auf Grund sehr langer Grenzaufenthalte zwischen der CSSR und Österreich. Die Fahrzeiten schwankten über die Jahre, aber im Grunde blieb die Verbindung über 30 Jahre unverändert. Beispielhaft hier der Fahrplan von 1987, mit einer Fahrzeit von über 13 Stunden. In Berlin war inzwischen Berlin-Lichtenberg der Ausgangsbahnhof, in Wien wurde der Franz-Josephs-Bahnhof angefahren:
![[image]](https://www.dropbox.com/scl/fi/j7br7a4nemnhku41zrsl4/Berlin-Wien-historisch-1987-verb.png?rlkey=4kmshr7xrlq7yilvgz02fhe8c&raw=1)
Zudem hier noch die Darstellung in einer Karte, wie sie für die Verbindung von 1957-1990 gültig war:
Mit dem Mauerfall in Deutschland und ganz Europa änderte sich die Situation und es konnte wieder frei nicht nur zwischen Berlin und Wien gereist werden. Im Bahnverkehr dauerten die Veränderungen ein bisschen länger, auch wenn die Grenzaufenthalte schon bald gekürzt wurden.
1993 wurde der weiterhin verkehrende Vindobona schließlich in einen EC umgewandelt. In Berlin war inzwischen der (damalige) Hauptbahnhof Ausgangspunkt des Zuges, außerdem fuhr er zwischen Prag und Wien wieder auf der früher bedeutenderen Strecke über Brno/Brünn. Allerdings verkehrte der Zug nicht wie vor den Kriegen über Pardubice nach Brno, sondern über die erst 1953 errichtete Strecke über Havlickuv Brod. Diesen Ort durchfuhren vor dem ersten Weltkrieg bereits die Züge über Jihlava/Iglau, die damals Brünn außenvorließen. In Wien wurde nun der Südbahnhof angesteuert, mit dem der frühere Ostbahnhof inzwischen vereinigt war.
Nachdem inzwischen auch der Grenzübergang zwischen Deutschland und Tschechien, das 1993 unabhängig geworden war, elektrifiziert war, konnte der Zug nun durch die Führung über Brno komplett elektrische bespannt werden.
Außerdem gesellte sich zum Vindobona ab 1993 auch wieder ein Nachtzug, der den Namen Sanssouci trug und dieselbe Route nutzte wie der Vindobona. Die Züge erreichten bis daher nicht gekannte Fahrzeiten, so benötigte der Vindobona für die Strecke nun weniger als 10 Stunden, auch der Sanssouci schaffte die Strecke in 10 ½ Stunden.
Fahrplan- und Routendarstellung blieben dennoch übersichtlich:
![[image]](https://www.dropbox.com/scl/fi/mebghdkyfmi6o0vrnymhz/Berlin-Wien-historisch-1993-verb.png?rlkey=kxd7eqho07rez69fyjriarg2a&raw=1)
Neuerungen gab es dann wieder 1998. Im Berlin wurde die Stadtbahn wiedereröffnet und war nun erstmals elektrifiziert. Das ermöglichte dem EC nun am Bahnhof Zoo zu beginnen. Der Bahnhof Berlin Hauptbahnhof wurde wieder in Ostbahnhof umbenannt.
Veränderungen gab es beim Nachtzug. Er verkehrte nun auf der in der Zwischenkriegszeit schon benutzten Route über Leipzig, Regensburg und Linz, allerdings über die längere, dafür aber inzwischen wieder durchgehend elektrifizierten Strecke über Jena anstatt über Hof. Erstmal seit fast 60 Jahren erreichte damit wieder ein Zug aus Berlin den Wiener Westbahnhof.
Die Fahrzeit des Tageszugs hatte sich wieder auf 10 Stunden erhöht, der Nachtzug brauchte auf der wieder längeren Route fast 12 Stunden:
![[image]](https://www.dropbox.com/scl/fi/g9pdac1han5r2alz5lfe5/Berlin-Wien-historisch-1998-verb.png?rlkey=a9oxr4rbw6l7j9aiarnu00eol&raw=1)
gesamter Thread:
![[image]](https://www.dropbox.com/scl/fi/x8gk7tvujmjr29g2vg0no/Berlin-Wien-historisch-1987-kl.png?rlkey=3ffjt975l7lc825oi4r6r6qf6&raw=1)
![[image]](https://www.dropbox.com/scl/fi/dsaggt4sqqlg0a4aw316s/Berlin-Wien-historisch-1993-kl.png?rlkey=6s5sj6lftaaaorituo7n4ijmu&raw=1)
![[image]](https://www.dropbox.com/scl/fi/39bvwkfwttxi31x05h8g4/Berlin-Wien-historisch-1998-kl.png?rlkey=hje0280026xpyimqo3ickoyfo&raw=1)