DB AG kann nicht "pleite" gehen - Bura Lf TV lässt grüßen (Allgemeines Forum)

ffz, Montag, 17.02.2025, 18:22 (vor 422 Tagen) @ Hustensaft

dass die EVG so einen Tarifvertrag für Ihre Mitglieder abschließt lässt sehr tief blicken.


Genau: Die doofe EVG hat erkannt, dass die DB kurz vor der Pleite steht - und deswegen schlauerweise eine Beschäftigungsgarantie vereinbart, was nutzt es, wenn es mehr Geld gibt, man aber seinen Job los ist?

Die DB AG kann nicht pleite gehen, da 100% der Aktien beim Bund liegen und außerdem hat die DB AG ein entsprechendes Rating um sich auf dem Kapitalmarkt ohne Probleme zu guten Konditionen Geld zu leihen. Zu Mal sollte ein Tochterunternehmen in die Insolvenz gehen, sprich Pleite sein, dann nützt die Beschäftigungsgarantie auch nichts mehr. Ein insolventes Unternehmen darf keine Löhne mehr bezahlen, sprich du bekommst Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit.

Eine Laufzeit von 33 Monaten in diesen Zeiten mit unvorhersehbarer Inflation und einem sich sehr dynamisch entwicklenden Krieg in Europa und eine Lohnsteigerung von gerade einmal 4,5% fest plus das EVG Zusatzgeld ab Ende des Tarifvertrages als jährliche Einmalzahlung sind einfach nur ein Witz.


Na ja, die Erhöhung für 2025 entspricht ziemlich genau der Inflationsrate, soooo witzig ist das also keineswegs. Und im Gegensatz zu anderen Branchen, die noch Nachholbedarf haben, waren die Abschlüsse bei der DB - auch wenn es unbequem ist: irgendwie doch öffentlicher Dienst - durchaus höher.

Du solltest nicht ungesehen irgendwelche Meldungen von AGV Move nachplappern. Es gibt durchaus Gründe warum so viele Züge wegen Personalmangel ausfallen und Stellwerke wegen Personalmangel nicht besetzt werden können. An der großartigen Bezahlung liegt das sicher nicht. Die wahrnehmbare Infaltion ist deutlich höher wie die Infaltionsrate die das Bundeswirtscahftsministerium berechnet und veröffentlicht.

Die Beschäftigungssicherung ist in meinen Augen völlig unnötig, da die DB AG massiven Personalmangel im Operativen Bereich hat. Dass jetzt die Operativen Mitarbeiter, die eh schon weniger Geld bekommen die evetnuell überflüssigen Administrativen Mitarbeiter, dann mit einem niedrigen Tarifabschluss mit durch füttern ist einfach nur unfair und unnötig.


Definitiv zu kurz gedacht:
Auch im operativen Bereich steht es alles andere als gut um die Bahn, insbesondere bei DB Cargo - aber auch für Cargo gilt der Vertrag. Es ist keineswegs ausgemachte Sache, dass DB Cargo sich nicht massiv gesundschrumpfen wird, auch im operativen Bereich. Ähnlich ist die Situation bei DB Regio, immerhin sieht sich die DB selbst genötigt, Tochtergesellschaften wie SÜWEX, Start und Co. zu gründen, um noch Ausschreibungen gewinnen zu können. Auch im Fernverkehr ist es keineswegs sicher, ob der nicht seine Leistungen schrumpfen wird, insbesondere in den eher verkehrsschwachen Zeiten ... Das alles betrifft also durchaus auch den operativen Bereich.

Für DB Cargo gibt es im Tarifvertrag ein Sonderkündigungsrecht, sollte ein Wirtschaftsprüfer feststellen, dass dies für eine Sanierung von DB Cargo erforderlich ist.
Bei den Operativen Mitarbeitern gelten bei fast allen EVU die Tarifverträge der GdL bzw der EVG, ob die für DB Start, Transdev, Abellio, National Express, SBB Cargo International, ... arbeitest ist vollkommen egal das Gehalt ist gleich.
Wenn DB Fernverkehr die Leistungen reduziert gibt es immerhin die Chance, dass nicht ständig IC und ICE wegen Personalmangel spontan ausfallen müssen. Keine Gefahr für die Operativen Mitarbeiter...

Schauen wir mal wie viele Instandhalter, Lokführer und Verwaltungsmitarbeiter jetzt freiwillig die Gewerkschaft wechseln, nachdem die Strukturanpassung der Instandhalter, Lokführer und Verwaltungsmitarbeiter erst im Dezember 2027 kommt. Könnte bei den nächsten Streiks der GdL, die wohl sicher kommen werden, durchaus spannend werden. Auch wenn die GdL für die Mitarbeiter erst mal keinen Tarifvertrag abschließen darf durch die Auslegung der DB AG des Tarifeinheitsgesetz, streiken dürfen sie trotzdem, wenn ihre Gewerkschaft sie dazu auffordert.


Mal abgesehen davon, dass der GdL-Vertrag noch bis 2026 läuft, wird auch bei den Verhandlungen mit der GdL mehr als deutlich werden, dass die Verteilspielräume mehr als begrenzt sind - und es ist damit zu rechnen, dass der DB dann durch eine neue Bundesregierung der Wind mehr als eiskalt ins Gesicht blasen wird.

Zumindest hat die GdL im Gegensatz zur EVG die Streiks auch tatsächlich mal durch gezogen und zumindest gezeigt, dass sie bereit ist für die Interessen ihrer Mitglieder zu kämpfen. Das was die EVG da als Tarifvertrag abgeschlossen hat wird eher nicht dafür sorgen, dass es der DB AG gelingen wird neue Mitarbeiter zu finden und an sich zu binden. Das dürfte also eher nicht dafür sorgen, dass zukünftig die Stellwerke besser besetzt werden können und damit einen hochwertigen Zugverkehr anbieten kann. Ich gehe davon aus dass dies der Geschäftszweck der DB AG ist.


Aber:
Warum beschleicht mich der Eindruck, dass ein Abschluss schlecht sein muss, weil nicht gestreikt wurde? Das erinnert mich sehr an die letzte GdL-Tarifrunde, da war mehr als deutlich, dass CW unbedingt erst einmal streiken wollte, ernsthaft verhandeln wollte der erst später.

Die EVG hat bei diesen Tarifverhandlungen meiner Meinung nach ohne Not vor auslaufen des aktuellen Tarifvertrages einen neuen Tarifvertrag abgeschlossen und die Mitglieder völlig unter Wert verkauft. Wenn die Mitarbeiter der DB AG sich Dank des Tarifabschlusses das Leben nicht mehr leisten können werden die sich früher oder später einen anderen Arbeitgeber suchen, bzw ihre Leistung eben an die Bezahlung anpassen. Ob das die wirtschaftliche Situation der DB AG deutlich verbessert möchte ich dann doch mal stark bezweifeln.


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