? Stettin: Grambow, Tantow – und zu welchem Preis? (Allgemeines Forum)

fahrgast, Mittwoch, 26.06.2024, 23:48 (vor 801 Tagen) @ JeDi

Da stellt sich natürlich die Frage, warum Deutsche Bahn und VBB (mitsamt Deutscher Bahn) nicht in der Lage sind, das vernünftig und für allem aus Kundensicht verstehbar und vollständig zu kommunizieren, sondern D-Ticket-Kunden für die Antwort auf die Standardfrage ("Wie viel kostet die Fahrt mit D-Ticket nach Stettin und welches Ticket brauche ich dazu?") erst mal stundenlang recherchieren und zum Bahntarif- und Strecken-Profi werden müssen, obwohl seitens Bahn und VBB extra Seiten/Flyer für die Verbindungen nach Polen existieren. (Ein Zusatzflyer/Webseite für D-Ticket-Kunden, die die hier diskutierten Möglichkeiten korrekt und vollständig auflistet, hätte wohl zu viele Bytes verbraucht.)

Auch inhaltlich erscheint das inakzeptabel. Pasewalk und Grambow sind 5-10 km von der brandenburgischen Grenze (VBB-Tarifgebiet) entfernt, so dass man die Verbindung nach Stettin via Pasewalk tariflich durchaus auch in den VBB hätte einbeziehen können, zumindest in Sachen Anerkennung der VBB-Tickets nach Stettin.

Und warum ist – im Gegensatz zu Salzburg, Kufstein, Basel etc. – nicht möglich, Stettin einen deutschen Tarifpunkt zu vergeben, so dass auch hier die Nahverkehrsfahrkarten bis zum Endbahnhof kurz hinter der Grenze gültig sind, obwohl es zur Förderung des Bahnverkehrs in die "Metropolregion Stettin" seit Jahren das Berlin-Stettin-Ticket gibt?

Vor allem aber: Die extreme Fahrzeit via Pasewalk ergibt sich nur, weil der "RE" nach Stettin in Pasewalk eine Minute vor Ankunft des RE3 aus Berlin abfährt, so dass alle Beförderungsfälle deswegen in Pasewalk zwei Stunden auf den nächsten Zug nach Stettin warten sollen. Von Stettin aus funktioniert es bei pünktlichen Zügen (5 Minuten Umsteigezeit), man braucht aber eben wieder andere Fahrkarten als via Angermünde, und die VBB-(Tages-)Tickets sind nicht gültig.

Die ganze Trudelei mit SEV-Bus, Ticketfragen usw. via Angermünde wäre also gar nicht nötig, wenn die Bahn ihren Fahrplan in Pasewalk um ein paar Minuten justiert hätte.

Wenn man dann noch den stündlichen RE3 bis Pasewalk verlängert und die von der RB66 frei gewordenen Züge als stündliche Verstärker zwischen Pasewalk und Stettin eingesetzt hätte – oder RB66 von Angermünde einfach via Pasewalk/Grambow statt Tantow nach Stettin fahren ließe –, bliebe die bisherige Beförderungskapazität erhalten, bei 2:30 langer Fahrzeit ab Berlin (40 min. mehr als ohne Baustelle und gleich lang wie jetzt der SEV-Express-Bus). Der langsame SEV-Bus müsste dann nur noch den Lokalverkehr zwischen den Dörfern abwickeln.

Unter dem Strich verbleibt die übliche Fassungslosigkeit über die Bahn: Da wird die Sperrung einer wichtigen Strecke mal eben um mindestens zwei Jahre verlängert, weil – ja, keine Ahnung, ist halt so, Fachkräftemangel und Naturschutz und Klimawandel und so, konnte man alles nicht wissen – und die vorhandene Ersatzstrecke wird offenbar nicht wirklich genutzt, die Kunden sollen stattdessen eineinhalb Stunden mit dem Bus über die Dörfer juckeln und raten, ob ihr Kinderwagen/Fahrrad wohl mitgenommen wird oder sie es zwei Stunden später noch mal probieren dürfen. "So muss Verkehrswende."

Wer noch mal bitter lachen möchte: Zur Begründung der Bauzeit-Verlängerung hieß es vor einem Jahr plötzlich und unerwartet:

Die Ausbaustrecke führt durch ein geschütztes Vogelgebiet mit bedrohten Arten wie Neuntöter, Heidelerche und Schreiadler. https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/panorama/2023/08/bahnausbau-angermuende-stettin-ei...

Nicht zu vergessen:

Die Verhandlungen über ein Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über den Streckenausbau begannen 2003. Nach mehreren Verzögerungen wurde das Abkommen am 20. Dezember 2012 unterzeichnet. Die damaligen Planungen sahen zwar weiterhin eine Elektrifizierung zwischen Passow und Grenze sowie eine Geschwindigkeitserhöhung auf 160 km/h vor, ein zweigleisiger Ausbau war jedoch damals nicht vorgesehen. Die Realisierung des Vorhabens war bis 2020 geplant. https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Berlin%E2%80%93Szczecin

Baustart war dann im November 2021, also vor knapp drei Jahren.

Ich behaupte mal: Unter polnischer Bauplanung und Bauaufsicht wären die 49 km zweites Gleis schon längst verlegt und die Strecke wie geplant ab Ende 2024 in Betrieb ...


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