„Randgruppen“ vs. Digitalzwang (Allgemeines Forum)

Ludo, Niedersachsen, Dienstag, 12.12.2023, 19:39 (vor 874 Tagen) @ ds14

Moin,

es passt sehr gut zum Thema.

Gestern wollte ich spontan (Ich wollte noch bleiben, sie wollte nach Hause) meine 11-jährige Tochter mit dem IC von Verden nach Hannover fahren lassen. Es ist uns nicht gelungen aus dem Transdev-Automaten (DB-Automaten gibt es dort nicht) eine IC-Fahrkarte zu entlocken. Wir haben erfolgreich zwei Automaten zum Absturz gebracht, als wir den Erwachsenen zum Kind in der Auswahl wechseln wollten. Verkauf im Zug gibt es auch nicht mehr. Ich wollte nicht ausprobieren, ob eine Schülerfahrkarte zum Ausstellen einer FN reicht oder ob sie von der Bundespolizei in Hannover abgeholt wird. Zum Glück fährt 10 Minuten später ein RE, für den wir an dem dritten Automaten eine Fahrkarte kaufen konnten. Und wäre für den IC ein Sparpreis noch verfügbar, hätte ich überhaupt nicht versucht für den IC eine Fahrkarte zu kaufen. Sparpreise gibt es doch ab gestern nur Online.

Ein gutes Beispiel, das zeigt, dass die Bahn sich nur um ihre Mainstream-Kundschaft kümmert und die Randgruppen bei solchen Entscheidungen komplett vernachlässigt.

Und nein, sie hatte überhaupt kein mobiles Endgerät dabei. Ja ich weiß, sehr verantwortungslos von mir. Dann kann ich es noch steigern: es war ihre erste Fahrt allein mit dem Zug. Sie hatte es aber irgendwie überlebt und ist gut mit der Straßenbahn nach Hause gekommen.

Ganz und gar nicht verantwortungslos. Daumen hoch von mir! Ich würde mir wünschen, dass deutlich mehr Eltern ihren Kindern was zutrauen, anstatt sie permanent zu überwachen. Heutzutage wird in den Grundschulen den Kiddies oftmals der Schulranzen bis zum Eingang des Schulgebäudes getragen. Wie haben wir das damals nur überlebt, den Schulweg mit Ranzen komplett alleine zu gehen?

Ihre Bahncard hat sie in ihrer Schulfahrkartenmappe und somit beim Reisen immer dabei. Ihr Handy lässt sie oft zu Hause. Und wenn sie es dabei hat, ist manchmal der Akku fast leer. Und nein, wir decken uns nicht mit Akkupacks ein, wenn wir ein Tagesausflug machen.

Genau so soll es sein.

Warum kann es nicht eine Chipkarte sein? Ein Deutschlandstandart (ich weiß, hier scheitert es schon) auf die ich bei jedem Verkehrsunternehmen meine Fahrkarte draufladen kann.

Wenn es der Bahn darum ginge, Plastik zu sparen, könnte man ja einfach die „alte“ Jugendbahncardvariante wieder einführen, wo eine Plastikkarte für einmalig 10 € bis zu 13 Jahre gültig ist. Es geht aber wie immer nur um‘s Geld.
Wenn es der Bahn tatsächlich um Ressourcenschonung ging, hätte sie mich nicht gezwungen, mein tadellos funktionierendes iPhone 6 aufzugeben, nur damit ich ihre komische Bahnbonus-App installieren und die Goldstatus-Vorteile nutzen kann. Die Frage, warum die App analog zum DB Navigator nicht auch mit älteren Betriebssystemen nutzbar gemacht werden kann, hat sie mir bis heute nicht beantwortet.

Mein Schwiegervater ist eher analog unterwegs, er hat seit Jahren die Bahncard 50 und nutzt das Deutschlandticket als Chipkarte in der Hoffnung, dass das noch lange möglich sein wird. Er besitzt zwar ein abgelegtes Smartphone, wäre aber im Falle eines Digitalzwangs stets auf unsere Hilfe angewiesen.

In diesem Zusammenhang kann ich folgende Doku des NDR sehr empfehlen, die das Grundproblem recht treffend beschreibt:
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/Digitaler-Zwang-Was-geht-noch-ohne-Intern...

Gruß, Lufo


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