Frühlingsreise zu Vermú, Mudéjares und Pat(it)os 1/6 (Reiseberichte)

Bahne aus Leidenschaft, Donnerstag, 23.11.2023, 23:32 (vor 849 Tagen)

Willkommen zu meinem nächsten Reisebericht! Dieser schließt nahtlos an das Ende der letzten Berichtreihe über Lyon an. In dessen letztem Teil war ich zwei Tage in Mailand (Lyon 11/11). Nach der Heimkehr in Lyon bleiben mir noch 3,5 Tage zum Aufräumen, Packen, Putzen und letzte Abschiedsrunden durch „meine“ Stadt. Am 31.1. geht es dann nach Tarragona los. Dort werde ich zwei Wochen lang Thomas besuchen, der Lesern meiner früheren Reiseberichte schon gut bekannt sein dürfte. Gleichzeitig mit meinem Auslandssemester in Lyon war er ebenfalls mit ERASMUS in Tarragona.

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Der tägliche AVE von Lyon nach Barcelona, damals noch in Kooperation mit der SNCF, fährt erst kurz nach halb drei Uhr nachmittags los. Das kam mir ganz gelegen, weil ich bis dahin am Vormittag noch gemütlich die Zimmerübergabe im Wohnheim machen konnte und noch Zeit für einen kleinen Plausch mit unserer netten Putzfrau und ein Abschiedsessen mit den Kollegen von der Uni hatte.
Von meinem AVE habe ich kein Außenbild gemacht, vermutlich weil ich ordentlich mit meinem Umzugsgepäck zu kämpfen hatte. Stellvertretend zeige ich ein Bild mit aus meinem letzten Reisebericht von dem AVE, mit dem Thomas gut drei Wochen zuvor von seinem Besuch in Lyon nach Spanien weitergefahren ist (Lyon 10/11).

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Da nur ein Umlauf benötigt wird, könnte es sogar gut der gleiche Triebzug gewesen sein. Von innen kann ich dafür einige Bilder liefern. Passend zu der eher mäßigen Auslastung war die Fahrt ein ziemliches Schnäppchen und ich fahre für nur knapp über 30 € in der 1. Klasse.

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Nachdem ich mein umfangreiches Gepäck abgestellt habe, gehe ich eine kleine Runde durch den Zug zur 1. Klasse und dem Stehbistro.

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Bei Nîmes verlässt der AVE die LGV und fährt über die Altstrecke die Stadtbahnhöfe von Nîmes und Montpellier an. Das ist mir sehr Recht, da bei meinem Wochenendausflug im September nach Perpignan, wo ich mich ebenfalls mit Thomas getroffen habe, die Befahrung dieser Strecke wegen Unwetterschäden scheiterte (Lyon 2/11). Bei Sète verläuft die Strecke zwischen Lagune und mehr.
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Etwas später passieren wir Béziers. Auch hier waren Thomas und ich im September.

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Nicht so schön an der späten Abfahrt ist, dass es während der Fahrt dunkel wird. Bei der Fahrt entlang der Salzseen mit den Flamingos zwischen Narbonne und Perpignan ist schon ein wenig Abendrot am Horizont.

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Bei der Fahrt durch die Pyrenäen ist es schon fast komplett dunkel.

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Nach Passage des Grenztunnels ist es komplett dunkel. Kurz vor 20 Uhr bin ich dann in Barcelona Sants. Dort muss ich noch schnell den richtigen Schalter für ein Regionalzugticket nach Tarragona finden und nach etwa einer weiteren Stunde bin ich dann nach 21 Uhr in Tarragona. Dort hat Thomas für uns einen Abendsnack mit der kalten spanischen Suppe Salmorejo und anderen Leckereien.

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Am nächsten Tag zeigt mir Thomas Tarragona. Da ich spät angekommen bin, schlafen wir erstmal gemütlich aus. Wir beginnen mit einem Frühstück in der Markthalle. Für mich gibt es als leichtes Frühstück die angeblich besten Calles (Kutteln) der Stadt und einen Rotwein. Es ist ja schon nach 10 Uhr …

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Tarragona war als Tarraco Provinzhaupstadt und somit eine der wichtigsten Römerstädte Spaniens. Mit einem Kombiticket für die römischen Baudenkmäler kommt man auch in den Torre de las Monges (Turm der Nonnen) der mittelalterlichen Stadtmauer.

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Von oben bietet sich uns ein schöner Blick über die Stadt. Besseres Wetter hatte ich an einem 1. Februar wohl noch nie.

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Auch eine gotische Kathedrale gibt es in Tarragona.

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Nach der Kathedrale wird es langsam Zeit fürs Mittagessen. Davor, so klärt mich Thomas auf, müssen wir noch in eine Bar zur Hora de Vermú einkehren. Vermú gibt es in ganz Spanien, die Region um Tarragona, vor allem die Nachbarstadt Reus ist aber ein Produktionszentrum.

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Danach suchen wir uns einen Mittagstisch. Ohje, kurz vor 14 Uhr und schon der nächste Rotwein! Naja, es ist ja Urlaub.

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Nach einer Bohnensuppe als Vorspeise gibt es als Hauptgang eine vorzügliche gefüllte Paprika.

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Am Nachmittag besichtigen wir dann das direkt am Meer gelegene Amphitheater. In der Mitte stehen die Reste einer christlichen Kirche, die wegen der in der Arena gestorbenen Märtyrer gebaut wurde.

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Aus Thomas‘ Wohnung im 6. Stock haben wir eine schöne Aussicht auf den Sonnenuntergang über den Bergen. Dort werden wir morgen früh mit dem AVE durchdonnern. Davor liegen noch die ausgehenden Industrieanlagen von Tarragona. Da war es dann auch erstmal von Tarragona. Am nächsten starten zu einer einwöchigen Rundreise. Gegen Ende des Berichts werde ich nochmal von dort berichten.

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Am nächsten Morgen müssen wir früh los. Diesmal müssen wir nicht zum Stadtbahnhof, sondern zu Camp de Tarragona an der LAV. Dieser liegt über 10 km vom Stadtzentrum entfernt. Deshalb starten wir unsere Reise am Busbahnhof. Den Großteil meines vielen Gepäcks kann ich zum Glück bei Thomas in der Wohnung parken.
Nachdem Thomas mir schon mehrfach fasziniert von dem Phänomen „Camp de Tarragona“ erzählt hat, darf ich ihn nun mit eigenen Augen erleben. Abgesehen von Limburg Süd, den ich 2020 wegen der Kesselzugentgleisung in Niederlahnstein am Tag nach dem Unfall kennenlernen durfte, ist dieser mein erster Schnellfahrstreckenbahnhof auf der grünen Wiese. Die Sicherheitskontrolle ist wenig motiviert, mein Taschenmesser liegt sicher in Thomas Wohnung und somit kommen wir schnell auf den Bahnsteig. Kurz vor unserem AVE hält der Euromed nach Valencia in Form eines „Entchens“ von Talgo.

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Kurz nach 9 Uhr kommt unser AVE Richtung Sevilla in Form einer Ente von Talgo. Dieser fährt ohne Halt an Madrid vorbei. Wir fahren aber nur zwei Stationen bis Zaragoza. Direkt nach Abfahrt passieren wir den damals noch ziemlich neuen Abzweig Richtung Valencia. Eine Verbindungskurve aus Richtung Zaragoza nach Valencia ist auch im Bau. Ob diese für die Relation Zaragoza – Valencia oder die Anbindung des Stadtbahnhofs Tarragonas an die LAV ist, bin ich mir nicht sicher. Danach passieren wir die weitläufigen Chemieanlagen des Camp de Tarragona, die ich gestern Abend im Sonnenuntergang aus Thomas‘ Wohnung fotografiert habe.

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Danach durchqueren wir die Berge im Hinterland der Küste. In der zweiten Urlaubswoche werde ich diese Gegend noch ausführlicher erkunden.

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Für den ersten Zwischenhalt verlassen wir in Lleida die LAV.

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Nach Lleida wandelt sich die Landschaft zu der kargen Hochebene Aragons.

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Bis ich ihn nach dem Ausstieg in Zaragoza fotografieren kann, beschleunigt unser AVE schon wieder aus dem Bahnhof raus.

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Der Bahnhof Zaragoza Delicias ist sehr imposant und bietet, positiv formuliert, noch viel freie Gleise für Mehrverkehre.

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Unser Tagesziel ist Teruel. Im Fahrplanjahr fahren drei Zugpaare zwischen Zaragoza und Teruel, zwei Interregios bis Valencia und ein Regionalzug, der abends in Tagesrandlage nur bis Teruel fährt und morgens früh nach Zaragoza zurück. Der erste Interregio ist uns zu früh und die Abfahrt des zweiten ist im Februar schon nach Sonnenuntergang. Deshalb entscheiden wir uns für den günstigeren Regionalzug nach 19 Uhr. Somit haben wir mehr als genug Zeit in Zaragoza.
Vom Bahnhof gehen wir zuerst zu dem modernen EXPO-Gelände am Ebro, das aber ziemlich ausgestorben wirkt.

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In der Innenstadt liegt die beeindruckende, teilweise rekonstruierte Burg Aljafería im Mudéjarstil. Hiermit wird der Baustil von muslimischen Baumeistern und Handwerkern in den christlichen Königreichen nach der Reconquista bezeichnet.

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Hier bewundert Thomas einen Raum in der Burg, der seine muslimischen Einflüsse nicht verbergen kann.

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Später gehen wir eine Runde über den Markt.

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Zum Mittag gibt es Tapas, auf dem Bild Patatas Bravas und frittierte Calamaresringe.

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Nach dem Abendessen besichtigen wir die imposante Wallfahrtskirche Santa Maria del Pilár, die heilige Muttergottes der Säule, am Ebro.

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Wenn ich übersetzen darf: Hier kann die Säule verehrt und geküsst werden.

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Maria Pilár oder kurz Pilár ist hier in der Region ein populärer Frauenvorname. Bei uns in Deutschland hat der schöne Vorname Säule leider noch nicht seinen verdienten Durchbruch geschafft.
Von einem der Kirchtürme haben wir eine hervorragende Aussicht über die ganze Stadt. Wenn ich richtig liege, ist das weiße Gebäude, das ein wenig nach Stadion aussieht, im Hintergrund etwas links von der Bildmitte der Bahnhof Delicias.

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Im Tunnelbahnhof Portillo eine Station vor Delicias steigen wir abends in den Zug nach Teruel.

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Thomas ist sichtlich begeistert. Zum Abendessen haben wir Brot und passend zu unserem Ziel Jamón de Teruel. Thomas ist sichtlich begeistert von unserem Zug.

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Lieber wäre mir die Fahrt bei Tageslicht gewesen, aber bei dem überschaubaren Fahrplan konnten wir nicht sehr wählerisch sein. Nach Ankunft in Teruel fotografiere ich noch unseren Zug, eine ehemalige Gumminase von CAF nach dänischem Vorbild.

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Vom Bahnhof müssen wir noch eine lange Treppe hinauf in die Altstadt zu unserem Hotel. Dann haben wir es für heute geschafft.
Im nächsten Teil werden wir in aller Ruhe Teruel erkunden und danach nach Valencia weiterfahren.


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