Vier Fäuste für ein Banitza 6/14 (50 Bilder) (Allgemeines Forum)

Bahne aus Leidenschaft, Samstag, 01.07.2023, 18:04 (vor 995 Tagen)

Nach dem Gastbeitrag von Thomas über Istanbul geht es heute mit Teil 6 meines Reisberichts weiter. Im letzten Teil sind wir bis Diakopto auf dem Peloponnes gelangt und haben die Zahnradbahn nach Kalavryta befahren. In diesem Teil werden wir uns nochmal der Zahnradbahn widmen und dann Griechenland mit der Fähre nach Bari verlassen.

Hier geht es zu den bisherigen Folgen des Reiseberichts:
Teil 1: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681486
Teil 2: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681629
Teil 3: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681839
Teil 4: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681841
Teil 5: https://www.ice-treff.de/index.php?id=682003
Zugabe von Thomas: https://www.ice-treff.de/index.php?id=682136


Tag 32 Diakopto – Mega Spileo
Heute am 1. Dezember erwandern wir die untere Hälfte der Bahntrasse. Zuerst führt der Wanderweg noch auf eigener Trasse. In der Schlucht wechselt er dann aber auf den Zahnradabschnitt der Bahnstrecke. Dies ist legal und offiziell so als Fernwanderweg ausgeschildert. Ich würde aber festes Schuhwerk empfehlen. Selbst mit Wanderstiefeln läuft es sich nicht besonders gut im Schotterbett. Man sollte nur den Fahrplan gut im Auge behalten. Die Züge fahren zwar nicht sehr schnell, aber in der Felswand kann man nicht immer ausweichen. Da der Fahrplan aber recht dünn ist, ist es kein großes Problem.

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Einen Krebs hätten wir so viele Höhenmeter und Kilometer vom Meer entfernt nicht erwartet.

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An einer Stelle wurde die Bahnstrecke verlegt. Der Wanderweg führt hier über die alte Brücke und mündet im Tunnel wieder in die Bahntrasse.

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Leider fängt gegen Ende starker Regen an. Wir waren zwar darauf vorbereitet, aber trotzdem sind wir froh als wir Megalo Spilaio erreichen und in den warmen Zug zurück steigen können. Das für den Bahnhof namensgebende Kloster liegt viele Höhenmeter oberhalb und ist vom Bahnhof nicht zu sehen. Anbetracht des Wetters gehen wir dort nicht mehr hin. Das Kloster galt mal als größtes Kloster Griechenlands und liegt spektakulär in einer Felswand. Der Bau selbst ist leider nicht besonders ansprechend. Als Deutscher sollte ich bei dem Thema aber eher kleinlaut sein. Der alte Klosterbau wurde nämlich 1943 von den deutschen Besatzern zerstört.
So groß kenne ich Weihnachtssterne von daheim nicht.

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An unserem letzten Abend in Griechenland gibt es Bifteki vom Grill.

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Tag 33 Diakopto – Patras
Heute nehmen wir Abschied von Griechenland. Bei gutem Wetter besuchen wir nochmal den kleinen Hafen von Diakopto am Golf von Korinth und genießen die Aussicht von der Dachterasse unserer Ferienwohnung.

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Dann geht es von Diakopto 21 mit dem Zug zur vorläufigen Endstation Aigio. In dem großen Bahnhof wirkt der kleine GTW ziemlich verloren.

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Der Bahnhof von Aigio liegt außerhalb der Stadt und wirkt für die aktuell 6 Zugpaare mit 7 Gleisen und seinen Marmortreppen stark überdimensioniert. In Zukunft sollen die Züge von hier nach Patras weiterfahren.
Neben unserem ersten Zug in Griechenland aus Teil 3 sind die Züge zwischen Kiato und Diakopto die einzigen unserer Reise, die die DB nicht kennt. Bis auf Diakopto ist auch keine der Zwischenstationen im System. Für Diakopto sind Busse und die Fahrten der Zahnradbahn bekannt.

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Die Frage, wo die Busse weiter nach Patras verkehren wird uns am Schalter und im Zug unterschiedlich beantwortet. Vor Ort finden wir dann raus, dass am Bahnhof keine Busse fahren und wir in die Stadt zum Busbahnhof müssen. Es gibt auch OSE-Busse, in denen der Interrailpass gilt. Für diese hätten wir aber nach Kiato zurückgemusst, da nur wenige in Diakopto halten. Unterwegs kommen wir an diesem Haus vorbei. Bewohnte „Bauruinen“ aus denen oben noch der Bewehrungsstahl rausschaut sind ein häufiger Anblick in Griechenland. Das ist wohl ein beliebter Trick zum Steuersparen ist, da die Häuser dann nicht als fertiggestellt gelten.

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Aigios erste schriftliche Erwähnung datiert schon auf Homers Illias, wo der Ort als Teil des Reichs König Agamemnons genannt wird. Das heutige Stadtbild bietet aber wenig Sehenswertes. Von Aigio Busbahnhof fahren stündlich Züge nach Patras. Wir fahren nur nach Rio und nehmen von dort die meterspurige Proastikos Patras. Viel Geld hat es nicht gespart und schneller war es natürlich auch nicht, aber rein aus Prinzip wollte ich den Zug nehmen.
Die Proastikos Patras ist einer von zwei Resten des ausgedehnten Meterspurnetzes auf der Peloponnes und wird im Stundentakt betrieben. Beinahe hätten wir den Zug verpasst, da am alten Bahnhof, der noch in Maps verzeichnet ist, keine Gleise mehr liegen. Der neue Bahnhof liegt einige hundert Meter weiter.

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Der Schmalspur-GTW ist in einem üblen Zustand und bei der kurzen Fahrt kracht es und quietscht es. Nach wenigen Minuten kommen wir schon in Patras an. Wir fahren noch eine Station weiter bis Agios Andreas.

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Seit 2020 geht es mit dem Proastiakos von hier sogar wieder 20 km weiter nach Süden bis Kato Achaia. Das sparen wir uns aber. Wir schauen uns lieber ein wenig Patras an und kümmern uns um unser leibliches Wohl für die Überfahrt heute Abend. Für das ehemals umfangreiceh Meterspurnetz auf dem Peloponnes sind das trotzdem nur spärliche Überreste.
Von der Burg Patras bietet sich ein schöner Blick über die Stadt.

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Nach einem letzten Gyrosteller gehen wir zum Fährterminal und betreten unsere Fähre von Superfast Ferries nach Bari.

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Bei der Ausfahrt vom Außendeck bieten sich nochmal schöne Blicke auf den Golf von Patras, während langsam die Sonne im Meer versinkt. Chris zensiert sich freundlicherweise wieder selbst mit seiner Sonnenbrille.

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Das Deck wird sich in Igoumenitsa noch weiter füllen. Inzwischen haben sowohl unsere Fähre als auch die nach Ancona unverkennbar ihre Motoren gestartet.

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Bei der Ausfahrt können wir nochmal auf Patras schauen. Links im Hintergrund versteckt sich die Río-Andírrio Brücke über den Golf von Korinth.

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Bei der Onlinebuchung hatten wir irgendein Problem und können eine Angabe nicht korrekt eingeben. Leider kann ich mich nicht mehr erinnern welches. Die Ausweisnummer hat das falsche Format oder so etwas ähnliches. Glücklicherweise ist der Hotline sehr gut. Der Mitarbeiter spricht hervorragend Englisch und kennt das Problem schon. Er ändert die Angaben und schickt uns neue Tickets zu.
Wir haben uns für den günstigsten Tarif, die reine Bordpassage entscheiden. Alternativ hätte es noch Flugzeugsitze und Kabinen gegeben. Im Vergleich mit dem Flugzeugsitz fand ich die Bordpassage die bessere Wahl. Man darf sich auf Bänke im Restaurant legen. Da stelle ich mir den Flugzeugsitz unbequemer vor. Viel voller hätte es aber nicht mehr werden dürfen.

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Tag 34 Bari – Brindisi – Bari
Heute Morgen betreten wir in Bari italienischen Boden.

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Da es noch zu früh für unser gebuchtes Zimmer ist, machen wir einen kleinen Ausflug nach Brindisi. Dorthin bringt uns eine Garnitur aus älteren Wägen, bespannt mit der omnipräsenten Baureihe E.464. Im Gegensatz zu den deutschen n-Wägen haben sie aber schon Niederflurbereiche. Links auf dem Nachbargleis steht einer der neuen Pop-Triebwägen, alias Alstom Coradia Stream. Mit diesen werden wir in den nächsten Tagen auch noch fahren.

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Felder mit einzelnen alten Olivenbäumen sind eine typische Landschaft in Apulien.

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In Brindisi gibt es zu Mittag für mich Pasta mit einem Krebs.

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Die staufische Burg von Bari nennt sich Castello Suevico, also schwäbsiche Burg, da der Stauferkaiser Friedrich II. und König von Sizilien aus Schwaben stammte.

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Als es dunkel wird gehen wir, wie so oft in den letzten Wochen ins archäologische Musuem. AUch in Bari siedelten die alten Griechen. Die Stadt selbst ist sogar älter.

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Bari ist bekannt für die Nudelsorte Orechiette („Öhrchen“), die in der Altstadt von vielen Frauen handgemacht und verkauft werden. Abends besichtigen wir das archäologische Museum.

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In der Basilika des hl. Nikolaus liegen die Gebeine des bekannten Heiligens. Seine Gebeine wurden im 1087 von Seefahrern aus Bari aus seiner anatolischen Heimatstadt Myra gestohlen.

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Tag 35 Bari – Trani – Bari

Heute machen wir einen kleinen Sonntagsausflug nach Trani. Eigentlich wollte ich nach Matera, musste aber feststellen, dass die schmalspurige FCL sonntags Betriebsruhe hat. Auf Bus hatten wir keine Lust, außerdem erkennt die FCL keine Interrailpässe an. Erstmal schauen wir uns aber noch bisschen um den Hafen von Bari um.
Nach Trani bringt uns ein neuer Alstom Coradia Stream, der von Trenitalia als Pop bezeichnet wird. Leider habe ich kein Foto gemacht. Trani hat eine schöne Altstadt am Hafen, eine normannische Basilika am Meer und wie in Bari ein Castello Suevico.

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Zu Mittag gibt es heute Orecchiette con Cozze.

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Im Gegensatz zu den Massakern in Griechenland gibt es hier in Trani mal eine Geschichte mit Happy End aus dem 2. Weltkrieg. 1943 bekam der Wehrmachtssoldat Friedrich Kurtz den Befehl, als Rache für 10 getötete Wehrmachtssoldaten 10 Zivilisten hinrichten zu lassen. Er widersetzte sich jedoch diesem Befehl und bekam von Trani später dieses Denkmal gesetzt. Obwohl er aus meiner Heimatstadt Pirmasens stammte, erfahre ich hier zum ersten Mal von dieser Geschichte.

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Zurück geht es mit einer der älteren Lok-Wagen-Garnituren. Zum Abendessen gibt es eine Pizza mit Salsiccia und Cime di Rapa, eine Kohlart und Spezialität Apuliens.

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Bevor wir morgen Apulien verlassen, höre ich für heute auf. Im nächsten Teil werden wir in Italien bleiben und in Neapel unseren Freund Thomas treffen.


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