Nur zwei Fäuste für ein Banitza - Eine Zugabe (19 Bilder) (Reiseberichte)

Bahne aus Leidenschaft, Donnerstag, 29.06.2023, 22:53 (vor 993 Tagen)

Bevor wir in meinem Reisebericht im kommenden sechsten Teil die Balkanhalbinsel verlassen werden, möchte ich als kleine Zugabe einen kleinen Bericht meines Freundes Thomas einstellen. Im Gegensatz zu Chris und mir ist er nach Istanbul gefahren und war so freundlich, dazu einen kleinen Bericht zu schreiben.
Eine Warnung vorweg: Erwartet nicht viele Bahnbilder. Bei Thomas lag der Fokus der Reise nicht auf den Zügen selbst und er hat deshalb nicht so viele Bilder davon gemacht.

Hier findet könnt ihr die bisherigen Teile meines Berichtes finden:
Teil 1: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681486
Teil 2: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681629
Teil 3: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681839
Teil 4: https://www.ice-treff.de/index.php?id=681841
Teil 5: https://www.ice-treff.de/index.php?id=682003

Damit gebe ich ab an Thomas:


Als kleines Schmankerl darf ich hier noch einen Teil meiner Interrail Reise präsentieren. Chronologisch ordnet er sich bei Erics Teil 2 (https://www.ice-treff.de/index.php?id=681629) ein .
Ich reiste überwiegend allein, da ich schon zwei Wochen früher aufbrach als Eric und Chris. Außerdem wollte ich das als neue Erfahrung unbedingt mal allein probieren. Meine Reiseroute führte mich über Zwischenhalt in Graz bei einer Freundin mittels Dacia weiter nach Rumänien. Weiter ging es mit Umwegen über Bulgarien nach Griechenland, wo ich die meiste Zeit meiner Reise verbrachte. Aufgrund diverser Doppelungen mit Eric spare ich mir hier die Details. Mein Bericht beginnt in Sofia, dem Ausgangspunkt des Nachtzuges nach Istanbul:
In Sofia kannte ich glücklicherweise einen Freund aus der Heimat, der in Sofia gerade sein Erasmus Semester verbrachte. Durch ihn konnte ich diverse andere Seiten abseits der touristischen Aktionen in Sofia kennenlernen. Vor allem die studentischen Bars und das Erasmus Leben. Am Tag meiner Abreise war eigentlich geplant im Unisport Ping Pong zu spielen, dieses Programm wurde aufgrund ungeplanten Feierns am Abend zuvor dann doch wieder verworfen – Gott sei Dank! – So wurde mir spontanerweise ein neues Kulturgut von Sofia präsentiert: Der Zhenski Pazar oder auch Markt der Frauen. Selten zuvor habe ich einen Markt gesehen der so viel Paprika, Walnüsse und Kürbisse anzubieten hat. Es erweckte den Anschein, als wird die Lebensmittelversorgung an diesem Ort nicht größtenteils durch Discounter vollbracht, sondern zu einem Teil auch von regionalem Beschickern.
Das Menü war dann schnell geplant: gefüllte Paprika mit Bulgur, mit bulgarischem Käse und Walnüssen überbacken und dazu gebackenen Kürbis. Es war sehr lecker und so konnte ich am Abend meine Reise über die bulgarische Landesgrenze nach Istanbul antreten. Als Getränk gab es das sofiatypische Thermalwasser, was angeblich der Gesundheit zutun soll. Meiner Meinung nach riecht es warm vor allem nach Ei.

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Die Tickets hatte ich 2 Tage zuvor am Schalter erworben, was relativ gut funktionierte, wenn man die Tatsache außer Acht lässt, dass sie nur Bargeld akzeptierten.

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Der Nachtzug war, auch für mitteleuropäische Verhältnisse, sehr gut ausgestattet und äußert komfortabel.
Mein Abteil wurde glücklicherweise nur von mir belegt. Das Bett war sehr bequem und im Kühlschrank befanden sich Knabbereien, Wasser und Kirschsaft. Auch die Klimaanlage funktionierte und die Toiletten waren sauber. Schmerzlich bemerkte ich allerdings, dass ich zwar sehr gut mit Banitza und den restlichen gefüllten Paprika vom Mitagessen versorgt war, das Feierabendbier hatte ich aber vergessen.

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Der Ärger verflog aber nach kurzer Zeit, als ich im Abteil neben mir einen Franzosen und Bulgaren kennenlernte, Ersterer hatte vorgesorgt und den Kühlschrank im Abteil mit 2 Flaschen Sauvignon Blanc beladen. Dies führte erwartbarerweise zu ausgelassener Stimmung und während der Zug sich der Grenze von Europa näherte, betrieben wir erfolgreich Völkerverständigung – ein sehr schöner Abend.

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Die Grenzkontrollen an der bulgarisch-türkischen Grenze liefen zügig und dank weniger Leute im Zug, sehr schnell ab. Einzig das Ein und Aussteigen mitten im Niemandsland an der türkischen Grenze war etwas anstrengend, da es mitten in der Nacht war und ich mich aus meinem Bettchen quälen musste. Die Einreise verlief aufgrund des deutschen Passes ohne Probleme.


So erreichten wir am Morgen des 14. Novembers den Bahnhof Halkali. Mein Bammel, dass die geplante Ankunft in Istanbul um 6:00 morgens mir den Schlaf rauben würde stellte sich als unbegründet heraus, wir hatten gute 2 h Verspätung und so konnte ich pünktlich zum Sonnenaufgang in Halkali aussteigen. Dort hatte ich etwas mit meiner Kreditkarte zu kämpfen, weswegen ich erstmal Euros in Lira tauschte, um mir das Rückticket für den Nachtzug zu besorgen. Dies funktioniert interessanterweise nur in der Türkei, da eine internationale Buchungsplattform anscheinend nicht existiert.

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In Istanbul erwartete mich neben des allgemeinen Großstadtchaos, herrliches Wetter und sehr gutes Essen. Die Stadt beeindruckt durch viele architektonische sowie kulturell imposante Highlights. Teilweise sind die Eintrittspreise für Ausländer jedoch um den Faktor 10 teurer, was mich anfangs etwas überraschte. Kulinarisch vereint die Stadt viele meiner Vorlieben und so ließ ich oftmals bei Chai und Börek die Seele baumeln.

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In meinem Stadtteil Kadiköy gab es sehr viele Frühstücksrestaurants. Diese nutze ich jeden Tag für ein oppulentes türkisches Frühstück-kulinarisch ein Traum.

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Ein weiteres Highlight war das Wiedersehen mit Choi, meinem koreanischen Kumpel, den ich im Dacia auf der Fahrt nach Rumänien kennenlernte. Choi nutze sein freies halbes Jahr nach dem Militärdienst, um die Welt zu erkunden. Da er eine ähnliche Reiseroute nahm wie ich, konnten wir uns so in Sighișoara, Buakrest, Athen und schlussendlich Istanbul zum Essen treffen. Von einem ehemaligen türkischen Mitbewohner bekam ich den Tip für ein Restaurant, in dem es eine vorzügliche Lammsuppe gab. Ein wahres Festmahl, bevor ich Choi dann für immer? verabschiedete.

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Zugtechnisch hat Istanbul, abseits des Mamaraytunnels und der Straßenbahn wenig zu bieten. Folgende Aufnahme der türkischen Velaro Züge habe ich am unaussprechlichen Bahnhof Söğütlüçeşme geschossen:

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Hier noch ein paar Bilder vom letzten Tag:
Knoblauch am Straßenrand

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Unterirdische römische Zisterne

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Werbeplakat des Dogu Express

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Fähre über den Bosporus

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Die Heimreise von Istanbul nach Plovdiv lief ähnlich wie die Hinreise ab. Dieses Mal waren wir im Schlafabteil zu weit, was ohne Probleme funktioniert hat.
Die türkische Grenzkontrolle dauerte dieses Mal deutlich länger, da der Zug deutlich besser gefüllt war. Das bat uns aber die Gelegenheit die Grenzstation etwas auszukundschaften. Hier entdeckten wir einen Imbiss, der wohl meist exklusiv die türkischen Grenzbeamten versorgt. Im Austausch gegen unsere letzten Liras konnten mein Zimmernachbar und ich dort ebenfalls eine Art türkisches Panino mit Sucuk erwerben. Sehr lecker und ein gelungener Abschluss des Türkeiurlaubes.

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Frühmorgens erreichte ich anschließend Plovdiv, wo ich dann auch Eric und Chris traf.

Ich hoffe der Reisebericht findet Anklang, wenn auch der Fokus mehr auf dem Essen als auf dem Kosmos Bahn liegt.
Danke fürs Lesen,

Thomas


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