Interessante ITinerarii im Immunisierungs-Impf-Iahr: Okt 1/2 (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Samstag, 03.12.2022, 15:05 (vor 1205 Tagen) @ Krümelmonster

Wenn ich an Caserta denke, denke ich immer zuerst an einen besoffenen Italiener im Henry-Speisewagen. Ich zitiere mal aus einem meiner früheren Reiseberichte: Im Restaurant saß ein dicker Italiener, der schon sichtlich einen sitzen hatte. Er bestellte regelmäßig für irgendjemand anderen im Speisewagen Bier und war jedes Mal ganz überrascht, dass derjenige es nicht haben wollte und trank es tapfer selbst.^^ […] Dann [am Brenner] kam der besoffene Italiener aus dem Speisewagen nach draußen und begann mich vollzulabern: „I come from Caserta, it‘s a bad place, many many Mafiosi people.“ Diesen bad place wollte ich mir mal ansehen. ;-)
Nach den beiden anstrengenden Tagen fuhr ich heute etwas später los.^^ Auf der Strecke über Aversa dauert die Fahrt nach Caserta 49 min. Im Zug kam eine automatische Durchsage, dass wegen der Seuchenregeln nur 80 % der Kapazität der Sitz- und Stehplätze belegt werden darf – in diesen Zug dürfen nur 672 Menschen rein. Klar, mal eben mal durchzählen. :D
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195 Napoli C.le im morgendlichen Berufsverkehr
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196 Hier kreuzt die Rennbahn
Die größte Sehenswürdigkeit von Caserta ist der Palast (Reggia di Caserta), eines der größten Schlösser Europas, mit einer weitläufigen Gartenanlage. Leider war das Ding ausgerechnet dienstags geschlossen. Ich kenne ja, dass Museen (siw weltweit) montags geschlossen sind. Aber mit Dienstag hatte ich nicht gerechnet, deshalb hatte ich im Vorfeld auch gar nicht nachgeschaut. -.- Anschließend lief ich weiter auf der Suche nach einem Eingang in dem Schlossgarten, welchen ich natürlich nicht fand (man darf wohl nur durch den Palast rein, und der war ja geschlossen). Überall, wo in der Karte Verbindungen durch den Garten eingezeichnet waren, waren es stets Brücken oder Unterführungen. -.-
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197 – 198 Der Palast von Caserta
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199 Der Eingangsbereich im Detail
Mittags fuhr ich mit der Bahn eine Station weiter nach Santa Maria Capua Vetere. Nun lief ich halt durch dieses Städtchen. Die eigentliche Attraktion von Santa Maria Capua Vetere ist das Amphitheater, das zweitgrößte in Italien. Daneben gab es ein kleines Gladiatoren-Museum (im Eintrittspreis inbegriffen), das mich aber sehr enttäuschte: außer ein paar lebensgroßen Figuren gab es nur einen Haufen erklärender Texte, alles nur auf Italienisch. Das Amphitheater selbst war durchaus eindrucksvoll! Im Untergeschoss gab es Erklärtafeln, diesmal auch auf Englisch. Die Geräuschkulisse der Gladiatorenkämpfe, die dort abgespielt wurde, war sicherlich nett gemeint, nach einigen Minuten ging sie einem aber doch auf den Geist.^^
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200 Jazz & EAV-Diesel in S. Maria Capua Vetere
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201 Duomo di Santa Maria Maggiore – sofern man in solch einem kleinen Ort überhaupt von einem Dom sprechen kann^^
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202 Dom & Justizpalast
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203 Das örtliche Schnellkochtopf-Theater
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204 – 206 Wir gehen zum Amphitheater
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207 – 208 Drumherum
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209 Gladiatoren
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210 Böse Katz!
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211 – 212 Blick über das Theater
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213 – 215 In den Katakomben

Nun war es bereits nachmittags und ich wollte zurück nach Neapel. Auf der Bahnstrecke, die Santa Maria Capua Vetere mit Piedimonte Matese verbindet, ist Anfiteatro (in der Nähe des Theaters) der erste Zwischenhalt. Hier ist ebenfalls EAV „aktiv“, die Zusammenfassung komischer Firmen, die auch die Opa-Züge Richtung Phlegräische Felder & Sorrent mehr oder weniger erfolgreich verschiebt.^^ Wenn ich hier einsteige, könnte ich noch 2 km unbekannte Strecke mitnehmen. Die Strecke ist eingleisig und nicht elektrifiziert. In der HVZ werden die Knatterschuhkartons von Santa Maria Capua Vetere teilweise bis nach Neapel durchgebunden.
Ich lief zum Haltepunkt Anfiteatro. Im nahen Tabak-Läden (wo man in Italien Bus- und Bahntickets erhält) war kein Ticket erhältlich, um weitere Läden zu finden, fehlte mir inzwischen die Zeit. Ich stellte mich an den Bahnsteig und hoffte, dass der Zug bezubt sein würde und/oder dass es auf der innerstädtischen Mini-Fahrt eh egal sein würde.^^
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216 „Dossi artificiali“ – hach wie schön das gleich klingt! :-) Wobei sich „poliziotti dormienti“ auch nicht schlecht anhört ;-)
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217 Der Hadriansbogen ist ebenfalls antiken Ursprungs
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218 – 219 Ein wenig Kohlepott-Flair, bloß mit besserem Wetter: die Haltestelle Anfiteatro
Gut, dass ich kein Ticket gekauft hatte. Denn zur Abfahrtszeit passierte: nichts. Rein gar nichts. Die 15 min danach ebensowenig. Anzeigen oder Lautsprecher gab es hier keine (der Halt befindet sich im geschlossenen Stadtgebiet einer Stadt mit gut 30.000 EW -.-) Mittlerweile wurde die Zeit zum nächsten Zug ab dem „normalen“ Bahnhof knapp, also lief ich schnell dorthin. Bevor mein Zug hielt, rauschte direkt neben mir mit viel Getöse eine Renne durch. Dann fuhr ich eine Station zurück nach Caserta und setzte mich in den nächsten Zug, der mich nach Neapel bringen sollte. Anders als am Vormittag sollte der Zug nicht die östliche Route (über Aversa) nehmen, sondern die westliche über Cancello. Hier fehlten mir noch deutlich mehr km.
Doch auch hier tat sich: nichts. Irgendwann ging Personal durch und fragte die Reisenden, ob sie wirklich direkt nach Neapel fahren wollten. Als der Zub damit durch war, hakte ich nochmal nach: Der Zug würde nonstop über Aversa nach Neapel fahren. Mist. Denn auf der Strecke via Cancello war irgendwas, was genau hab ich eben nicht verstanden. Ich hatte ja erst bloß + 60 dank Ausfall der EAV. -.- Irgendwann waren alle Regionalzüge mit Halt auf der Strecke via Aversa raus. (Wir sollten doch nonstop da langgurken, warum dürfen dann die anderen vor?) Wann wir weiterfahren, schien noch unklar. Fahrpreis unter 8 € – Schwaben hassen diesen Trick! Als nächste Möglichkeit, nach Neapel zu kommen, fuhr nun genau jene EAV mit ihrem versifften Knatterschuhkarton ein, deren Ausfall mich zuvor eine Stunde gekostet hatte. Beim Einstieg stellte ich fest, dass der Ticketkauf über App gar nicht funktioniert hatte. Das war aber egal, denn die hässliche EAV akzeptiert eh keine Tickets von Trenitalia.^^ Währenddessen fuhr „mein“ Zug nach Neapel tatsächlich ohne Ansage ab, als ich draußen stand. Das Zub war schon längst geflüchtet… Lt. Viaggiatreno kam der Zug nur bis Aversa, allerdings mit unplausiblen Zeiten, also wer weiß.^^ Der Kauf eines Tickets ist bei Trenitalia nur bis 5 min vor Abfahrt möglich, danach nicht mehr. So betrieb ich eine Art FGR-Selbstjustiz, als ich erst ab einer Station später lösen konnte. :p Nach über einer Stunde Aufenthalt in Caserta verließ ich den Bahnhof dann mit einer Ess-Bahn nach Neapel via Cancello. Wenn jetzt nichts mehr dazwischen kommt, würde ich für den Weg knapp doppelt so lange brauchen wie lt Google mitm Fahrrad.^^ Die Strecke führ vorbei am „Dreieck des Todes“ (so benannt wegen massiver Gesundheitsschäden durch illegale Müllentsorgung, die Haupteinnahmequelle der hiesigen Mafia). Immerhin, auf der Straße war auch Ste-Sti. :p In Cancello standen wir eine Weile rum. Dann wurde die Verspätungsbegründung dreisprachig – inkl. Deutsch – automatisch durchgesagt. :-O „Wir informieren die werten Fahrgaste, dass wir warten auf die Abfahrtserlaubnis.“ ^^ Der Gegenzug (ja, auch aus Neapel) traf ohne erkennbare Probleme ein. Mit + 7 ging dann für uns der wilde Ritt los. Im Schritttempo überquerte der Zug einen Bahnübergang, dessen Schranken aber unten waren. Anschließend fuhr er weiter genauso, wie sich Stachelschweine vermehren: gaaaanz vorsichtig. Plötzlich beschleunigte er ohne Passieren eines erkennbaren Hindernisses.^^ Ich dachte, wir hätten in Neapel Gianturco, der ersten Station auf der „Stammstrecke“ nochmal lange rumgestanden, doch bei Einfahrt in den Bahnhof realisierte ich, dass es nicht im Bahnhof war sondern davor, wo wir rumgestanden hatten. Das hinderte den Zug natürlich nicht daran, im Bahnhof Gianturco nochmal rumzustehen. Schließlich wurde Napoli Napoli Piazza Garibaldi (unter dem Hbf.) mit + 22 erreicht – für mich sogar schon mit + 124. Für 39 km (per Fahrrad; Bahnstrecke führt „außen rum“) hatte ich gut 3 h gebraucht. Hier noch ein Symbolbild vom Bahnfahren in Kampanien…
Endlich in Neapel angekommen gab’s bloß noch was zu futtern.
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220 Wenn die EAV keinen fahren lässt, latsche ich eben zum normalen Bahnhof von Santa Maria Capua Vetere
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221 Das Bahnhofsgebäude von der Gleisseite
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222 Die Corona-Renne rauschte direkt neben mir mit 130 Sachen durch
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223 Der Möchtegern-Absperrung gefällt das nicht
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224 Probieren wir mal die EAV.
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225 EAV sagt neeein! Dann eben zum farbenfrohen Gestühl von Trenitalia.
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226 Bäume auf dem Weg zum Dreieck des Todes
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227 Felder & Vesuv
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228 Vulkan müde. Vulkan schlafen. (Ich würde auch gern 77 Jahre schlafen.)
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229 I feel you, Vulkenitalia!
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230 – 231 Rennbahn & Vesuv
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232 Endlich am Ziel
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233 Om nom nom. „Uccello morto gratinato al formaggio” klingt doch gleich viel schöner als „toter Vogel mit Käse überbacken“. :p

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Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)

Meine alten Reiseberichte (inkl. Bildern) verschicke ich gern per Email - bitte per Direktnachricht melden!


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