Akt 4-6 (Reiseberichte)

Math5D, Samstag, 08.10.2022, 17:47 (vor 1258 Tagen) @ Math5D

Akt 4: Dresden-Aachen

Die Rücktour war noch einfacher geplant als die Hintour: IC2440 bis Hannover, dort 33min Umstieg auf den ICE1548, der heute hier startet statt in Berlin, und bis nach Aachen fährt.
Dabei geht es vielversprechend los: Über die oben genannte Umleitung über Elsterwerda verläuft alles wie geplant und die Wende braucht dann nur 4 statt 9min, die im RIS stehen. Obwohl Elsterwerda dabei eigentlich nicht als Halt eingetragen ist, verrät der dl-Trick die Zeiten, aber auch das Display im Zug zeigt den Zwischenhalt erstaunlicherweise an. Bis Leipzig, Halle und Magdeburg holen wir uns dann jeweils noch etwas Verspätung, aber die Fahrplanreserven auf dieser Linie sind dermaßen exorbitant, dass wir das jeweils an den Bahnhöfen direkt wieder raus haben.
Aber dann geht es doch los: In Magdeburg steht ein paar Gleise weiter der 52min verspätete IC144 nach Amsterdam, der nun gleichzeitig mit uns abfahren soll. Ich hätte jetzt uns vorgelassen, da wir nicht nur bisher fast pünktlich, sondern auch vor dem 144 abgefertigt sind. Außerdem habe ich es auf der Hinfahrt bei allen meinen verspäteten Zügen erlebt, dass man die anderen pünktlichen Züge lieber vorlässt und uns dafür nochmal +5 gibt, als umgekehrt. Leider sieht die Bahn das aber anders und lässt den 144 vor, der uns dann vor Braunschweig nochmal aufhält, da er unser Gleis besetzt. Alles aber kein Problem, die +10 verkraftet mein Umstieg ja locker. Nur geht es aus der Abstellung vor Braunschweig mal wieder nicht weiter, da, wie wir immerhin recht zügig erfahren, ein Blitz das Stellwerk in Lehrte lahmgelegt hat. Da frage ich mich natürlich, wie schlecht das gebaut sein muss, da ein anständiger Blitzableiter sowas ja vermeiden können sollte. Wie auch immer, als wir dann mit +10 in den Bahnhof fahren, heißt es, wir würden jetzt über Hildesheim umgeleitet, was uns nochmal 20min kosten würde. In das RIS hat derweil auch jemand diese +20 eingetragen, aber dabei nicht bedacht, dass wir schon +10 haben... So oder so ist mein Umstieg auf 3min geschmolzen, aber bahnsteiggleich (Gleis 11 auf 12) gut machbar. Bei der Ausfahrt aus Braunschweig wird dann sogar durchgesagt, die Strecke sei wieder befahrbar und wir führen jetzt wie geplant über Lehrte. Also alles wieder entspannt, bis wir auf freier Strecke zum Halt kommen, weil vor uns eine Westfalenbahn liegen geblieben ist - da wären wir doch mal lieber die Umleitung gefahren. So zuckeln wir nach einiger Wartezeit auf einen Gegenzug von Peine bis Hämelerwald auf dem Gegengleis vorbei an der WFB, die noch dazu bei einem Bahnübergang steht - im Übrigen direkt hinter Peine, aber auf den nächsten 10km gibt es keine Überleitstelle. Danach geben wir aber richtig Gas und erreichen das Gleisvorfeld des Bahnhofs um 15:54 - also noch 2min bis zum ICE. Damit ich den aber auch ganz sicher nicht erreiche, stehen wir nicht nur 1min vor dem Bahnhof rum, sondern werden auch noch auf das S-Bahn-Geis 13 umgelegt, weil auf 12 der verdammte 144 steht. Trotzdem sprinte ich raus aus dem Zug und renne dabei fast einen Vollidioten um, der beim Einsteigen nicht auf die aussteigenden Leute warten wollte. Wäre er nicht im letzten Moment zurückgewichen, hätte ich ihn ehrlich gesagt auch tatsächlich umgerannt, da ich bei meiner Laune auf so jemanden keine Rücksicht nehme. Dann schnell die verdammt lange Treppe runter, drüben wieder hoch, wo der Zug zwar noch steht, aber die Türen bis auf eine beim Schaffner ganz hinten schon verschlossen sind. Ich gebe ihm zwar ein Zeichen, er winkt aber nur ab, steigt ein, und der Zug fährt auf die Sekunde pünktlich ab - das war doch wirklich nicht notwendig. Spätestens jetzt bin ich wirklich auf 180. Zu allem Überfluss darf ich nun wieder die Treppe runter und rauf und zurück auf meinen alten Platz, der immerhin frei geblieben ist. Denn der 2440, der nach Fahrplan hier 17min steht, hätte aufgrund seiner Verspätung heute nach 1min Standzeit abfahren sollen, musste nun aber nicht nur den verpassten 1548 vorlassen, sondern natürlich auch wieder den 144. So habe ich noch etwas Zeit, die aufgrund der ungewollten sportlichen Betätigung hochgefahrenen Puls und Atemfrequenz wieder zu senken.
Bis Köln holen wir zwar nichts auf, aber bekommen immerhin auch keine nennenswerte weitere Verspätung. Dort wäre nun die nächste Verbindung der bahnsteiggleiche RE1, der durchs Ruhrgebiet nur +10 geholt hat. Wie üblich ist der Bahnsteig aber komplett voll mit Wartenden, außerdem habe ich ja eigentlich eine reine FV-Verbindung bezahlt. Folglich darf ich die auch nutzen, und warte so weitere 15min auf den ICE10 auf Gleis 5 - bei Verspätung des RE1 habe ich es selbst in dem sitztend zudem schon oft erlebt, dass der vor Aachen den ICE vorlässt. Auf dessen Gleis sollen allerdings vor uns noch ein Thalys nach Dortmund sowie ein ICE nach Berlin abfahren - wer hat das denn schon wieder geplant, dass hier drei Fernzüge innerhalb von 13min an einem Bahnsteig halten sollen? Das kann ja gar nicht klappen! Und so wird der verspätete Thalys kurz vor knapp immerhin bahnsteiggleich auf 4 verlegt, während der Berlin-ICE nach seiner geplanten Abfahrtszeit einfach von der Anzeige verschwindet, ohne da gewesen zu sein. Blöderweise sollte der nämlich aus einem ICE aus Berlin gebildet werden, der allerdings fast 2h Verspätung hat, und so ist kein Triebzug für den da. Fast pünktlich kommt also der 10 eingefahren und ich setze mich auf einen der wenigen nicht reservierten Plätze im ersten Wagen. Wie üblich ist der Zug an sich extrem voll, aber die vordersten Wagen sind etwas leerer als der Rest. Nur wie ich es jetzt schon gewohnt bin, fahren wir einfach nicht ab, da wir natürlich noch andere verspätete Züge abwarten, deren Reisende sonst heute nicht mehr nach Brüssel kämen. Ist ja auch klar, wenn ich einen Umstieg bekommen will, wird pünktlich abgefahren, aber wenn ich schon im Zug sitze, wird auf andere gewartet. Und zwar geschlagene 30min, bis es los geht und wir Aachen Rothe Erde schließlich um 20:35 erreichen. Meinen ursprünglich geplanten RE4 nach Aachen Schanz habe ich durch die Warterei eh schon verpasst, die darauffolgende RB20 auch, und damit wir auch die RB33 noch verpassen, warten wir hier die obligatorische Minute bis zur Einfahrt in den Hbf. Damit bleibt mir mal wieder nur der Weg zu Fuß, denn bis 21:02 auf die nächste RB20 zu warten, die um die Zeit auch nur noch mit einem Triebwagen unterwegs ist, der immer unnormal voll ist, habe ich definitiv keine Lust mehr.

Akt 5: Aachen-Viersen

Richtig gelesen, heute geht es nur um NV in der Größenordnung von 70km. Um 15:25 möchte ich den RE4 nach Gladbach nehmen, dort den RE42 nach Viersen. Schon morgens sehe ich, dass dieser Plan scheitern wird, da ein entgleister Güterzug für Chaos sorgt. Aber die RB20 ab 15:05 sollte mich rechtzeitig bis Herzogenrath bringen, wo heute der RE4 wendet.
So stehe ich rechtzeitig am Bahnsteig, wo zuerst eine RB20 in der falschen Richtung durchkommt, mit etwa +30. Das ist eigentlich mein Zug, der bis Stolberg fahren und dort wenden soll, heute aufgrund der Verspätung macht er aber eine Pofalla-Wende im Hbf und sollte daher gleich wieder hier sein. Aber Pustekuchen, zuerst kommt noch eine RB20 nach Stolberg, dieses Mal mit +10. Aufgrund des erwähnten Güterzugs ist die Strecke wohl nur eingleisig befahrbar und obwohl das schon seit 7h so ist, hat noch keiner die Gleise im RIS angepasst, sondern immer erst wenige Sekunden vor der Abfahrt kommt eine Durchsage, sodass beide RB20 auf die Fahrgäste warten müssen, die noch das Gleis wechseln. Als beide durch sind und die Gleise wieder anfangen zu singen, schöpfe ich Hoffnung, aber nein, dieses Mal kommt der RE18 nach Aachen durch, also der dritte Zug in derselben Richtung. Dem folgt normalerweise im Blockabstand die RB33, aber endlich beschließt der Disponent, auch mal einen Zug nach Hrath vorzulassen, und mit +20 geht es los - bei 19min Umstiegszeit dort. Noch dazu sollen beide Züge auf Gleis 1 halten, was natürlich unmöglich ist. Als wir dann vor Hrath noch 1min stehen, gehe ich also davon aus, dass der RE4 wohl schon abgefahren ist, was das RIS auch so bestätigt, aber auf Gleis 5/6 stehen noch zwei RRX Garnituren. Also gehe ich auf Verdacht dort rüber und erfahre vom Personal, dass die beide in nächster Zeit nicht abfahren sollen. Schade, also wieder zurück auf Gleis 1, wo in ein paar Minuten schon die RB33 kommen soll, die durch uns vorhin aber auch bei +10 ist. Dort angekommen steht auf den Displays plötzlich, dass der RE4 jetzt sofort auf Gleis 5 fahren soll, und so macht sich mit mir eine ganze Meute auf zurück dorthin, wo nun tatsächlich ein Tf ganz gemütlich einsteigt, einmal durch den ganzen Zug läuft, dann die Fahrgäste reinlässt, und schließlich mit +10 abfährt - bei 10min Umstiegszeit in Gladbach. Bis dort holen wir auch nichts auf, aber der Umstieg, der erst seit wenigen Jahren sinnvollerweise bahnsteiggleich ist, sollte trotzdem klappen. Denkste! Wie neulich in Hannover werden wir kurz vor knapp verlegt und der RE42 fährt dermaßen pünktlich ab, dass wir ihn nichtmal mehr sehen. Zum Glück muss ich nur bis Viersen, wohin 10min später ein RE13 fährt, dessen Eurobahn-FLIRT bis oben hin voll ist, dabei zwei kaputte Klos und drei kaputte Türen hat - wow!

Akt 6: Viersen-Aachen

Am Abend sollte es dann zurück gehen, und zwar sicherheitshalber mit einem durchgehenden Zug, also der RB33. Die fährt das letzte Mal um 00:13, aber aufgrund der Erfahrungen der letzten Monate nehme ich einen Zug früher. In Gladbach sehe ich dann plötzlich bei der Abfahrt, dass unser Zug nur noch bis Lindern angeschlagen ist - das hätte man ja auch mal durchsagen können, denn bis eben hätte man noch die Option gehabt, über Köln auszuweichen. Naja, in Rheydt geht das zur Not auch noch, und als ich im RIS den Grund "Streckensperrung" lese, bin ich kurz davor, auszusteigen. Dass bei den Zügen nach uns noch nichts steht, gibt dabei keinen Ausschlag, denn auch dort wird das ja erst kurz vor knapp eingetragen werden. Aber mit noch ein bisschen mehr Recherche erfahre ich, dass gar nicht unsere Strecke, sondern die von Lindern bis Heinsberg dicht ist - wieso endet dann unser Zug früher? In Lindern werden wir also rausgeschmissen und gebeten, den nachfolgenden RE4 zu nehmen - der hat allerdings 80min Verspätung und so kommt die nachfolgende RB33 noch vorher. Den vorherigen RE4 hätte ich übrigens auch nicht nehmen können, denn der ist gleich ganz ausgefallen. Die einstündige Wartezeit vertreibe ich mir damit, auf dem Bahnsteig auf und ab zu gehen, schließlich muss man irgendwas gegen das Auskühlen machen und zum Ende hin auch gegen die drückende Blase. Unser bisheriger Zug steht dabei gemütlich abgeschlossen auf Gleis 3 rum, während sich dessen Personal vorne unterhält. Auf Nachfrage erfahre ich, dass auf der Strecke nach Heinsberg ein Zug liegen geblieben ist und unser Zug diesen nun bald abschleppen muss - ist ja kein Problem, dafür kann man mal ein paar unwichtige Fahrgäste 60min in der kalten Nacht stehen lassen. Noch schlimmer als mich hat es allerdings die Fahrgäste nach Heinsberg erwischt, wo in dieser Nacht nun gar nichts mehr hin fährt, es aber auch keinen SEV gibt. Wenigstens fährt der letzte Zug des Tages dann fast pünktlich nach Aachen.


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