Schrecklich? (Reiseberichte)

J-C, In meiner Welt, Montag, 12.09.2022, 11:13 (vor 1286 Tagen) @ Der Blaschke

Huhu.

Salü!

Schlimm. Das würde mich ja schon meiner individuellen Begrüßung berauben. Und bestimmt geht das da alles ganz sachlich, streng nach Vorschrift kurz, knapp, prägnant vonstatten. Mich schaudert's förmlich dabei.

In meinem Fall hat der Kontrolleur im IR zwischen Luzern und Zürich nur die Details von der Fahrkarte eingetippt. Hab noch von mir aus gesagt, dass ich weiter nach Wien fahren würde, was er schmunzelnd zur Kenntnis nahm.

Ihm war anscheinend die am Automaten (ich war verzückt, dass die Geschenkkarte wie eine Bankkarte gelesen werden konnte) erworbene Fahrkarte genug von den Angaben her.

Wir hatten heute wieder Spaß. In der NWB-Bimmel nach Bad Zwischenahn. Einem Pärchen und einer Gruppe konnte ich noch Gutes tun: die hatten für die Fahrt von Bremen bis Bad Zwischenahn nämlich jeweils ein Niedersachsenticket gekauft. Das hinterfragte ich - und es stellte sich heraus, dass sie gar nichts von der VBN-Verbund-Tageskarte wußten, die viel günstiger ist. Bzw sie sich fragten, ob die denn im Bus zum Bf auch gültig ist. In der Schweiz gäbe es so viele Möglichkeiten sicher gar nicht erst - und wenn, würde man mich da bestimmt dann belehren, dass man schon wisse, was man tue und ich mir darüber nicht den Kopf zerbrechen muss. Brrrr. Schüttelfrost bekomme ich.

Bei Touristen könntest du vielleicht helfen. Ob jeder die SBB-Tageskarte kennt? Gerade Deutsche müssen sich vielleicht mit dem relativ leichten Tarif erst einmal zurecht finden können. Kein Fernverkehrstarif, kein „gilt das auch im Bus“?

Richtig grausig wäre das noch mit Fairtiq. Du wischst im Handy einmal nach rechts und hast einfach immer die korrekte Fahrkarte. Egal ob in Bus oder Bahn.

In der Hasenbahn-NWB Bremen Osnabrück traf ich 2 Damen auf dem Rückweg von Hamburg. "Ach, Sie schon wieder! Sie haben uns doch erst gestern befragt!" Ich schämte mich: Weil ich ihre Daten natürlich vergessen hatte. Aber da sie meine Art des Umgangs mit Menschen, Kunden, Bahnfahrern als sehr gut und vorbildlich empfanden, ließen sie das durchgehen und erteilten mir Absolution.

Awww

Und auch sonst hatten wir wieder viel Freude und angenehme Gespräche. Ein Pärchen mußten Schaffner und ich noch trösten. Auto gecrasht; Schrott. Und sie mußten jetzt nach Wuppertal. Ohne eine Ahnung zu haben, wo sie gerade sind und wie es weitergeht.

Es gibt doch Monitore, die sagen wo man ist…

Dass es in der Schweiz so zuginge - eine Mischung aus Anachronismus, Chaos, deutscher Ordnung und Vorschriften, Tarifirr- und -wahnsinn -, nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Und so unterhaltsam ist es bestimmt auch nicht.

Seit Ewigkeiten gibt es einen Tarifverbund für alles. Da ist es schwierig, ein Wirrwarr zu erzeugen.

Alles anders da. Ich sage nicht "unfreundlich", weil das falsch wäre und auch nicht treffen würde. Aber so eine gewisse Distanzierheit, Bräsigkeit im Sinne von Gefühlslosigkeit verbunden mit einem Schuß Überlegenheits- und Arroganzgehabe.

Hängt von der Region ab.

Herzlichkeit ist nicht das, was das Volk da auszeichnet. Das sind Geschäftemacher; Moral spielt noch sehr viel weniger eine Rolle als anderswo.

Du, das kann auch anders sein. Es gibt ja nicht nur die Nordostschweiz, sondern auch das Tessin, die Romandie, Graubünden…

Würd da nicht alle über einen Kamm scheren. Vor allem, was für ein Volk, sind doch alles Eidgenossen ;-)

Und auch so Schweizer Schaffner ... - nee ... Fahr mal anschließend direkt in die Niederlande - dann verstehst du den Unterschied und was ich meine, sich aber schwer erklären läßt.

Ich meine, ich seh den Unterschied schon, wenn ich in Zürich in den Railjet einsteige und der Schaffner von den ÖBB ist.

Nein, so wie das hier ist, ist das schon in Ordnung!

Ich weiß nicht, manchmal hab ich das Gefühl, ich passe gut hin in die Schweiz.

Nächste Woche nehme ich mir trotzdem wieder eine Erhebungsauszeit. Muss sein. Ich will nicht wie all die hier vertretenen Schaffner abdrehen - also nicht so; abgedreht bin ich schon lange.

Muss ja nicht negativ sein.

Wobei: die Nordwestbahn sucht auch am Standort Osnabrück gerade Zugbegleiter. Hm. Ob ich da mal ... Wobei ein Mitarbeiter von denen hier auch vertreten ist - da besteht jetzt Infarktgefahr ... Aber: als ich mir die Rippen brach, als ich stürzte, weil ich den Bengel schnappen wollte, der der Schaffnerin die Getränkedose ins Gesicht warf, interessierte das die NWB nicht wirklich. Meine Daten hatten sie. Sonst hätte die Polizei sie ja nicht - morgen früh muss ich da übrigens hin; Identifizierung, Zeugenaussage und so. Da hätte ich als NWB mich ja wenigstens mal kurz gemeldet und mich erkundigt und freundliche Grüße ausgerichtet. Aber es kam nun nichts. Sowas sagt einiges über die Firma und den Umgang mit dem Fußvolk aus. Man war da allerdings nicht allein. Das interessierte auch sonst keinen und die Haltung war eher: was mischt der Wichtigtuer sich auch wieder ein?; ist ja niemand gestorben und Verspätung gab es auch keine deswegen.

Schon arg…

Na ja, was ich sagen wollte: werde ich mich dann wohl nicht bewerben ... ;-). Aufatmen beim Forenkollegen. Aber da entgeht der NWB mehr als mir. Und ich sehe ja auch das generelle Problem ein: wer in der Plüschetage will schon selbstbewußtes Fußvolk, was auch noch Ahnung hat und die Dinge überblickt und vor allem mitdenkt.

Bei aller Polemik wird man da sicher einen Benefit draus ziehen. Dir müsste man schonmal nichts erklären.

Nachher kommt so einer noch auf die Idee, selbst in die Plüschetage zu wollen; Konkurrenz also. Die Gefahr besteht bei mir zwar nicht (allein schon, wenn dann hier im Forum ewig wer meine Großtaten bekritteln würde ...), aber man weiß ja nie - altes Motto der Eisenbahn: immer zur sicheren Seite hin. Und ins Peter-System passe ich auch nicht bzw will da auch nicht rein.

Was isn Peter-System?

Ach herrlich. Ich bin wieder ins Sabbeln gekommen. Du auch. Da ist das hier wieder eine "Sternstunde" für das restliche Forum (wenn sie jetzt heimlich doch wieder mitgelesen haben) *SCNR*

Mal schauen, ob sonstwer was zu bemerken hat.


Schöne Grüße von jörg

LG
J-C

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky


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