Abenteuer: Auslands-Bahnreise mit Kleinkindern buchen (Allgemeines Forum)

Ludo, Niedersachsen, Freitag, 20.05.2022, 23:35 (vor 1452 Tagen)

Hallo zusammen,

eigentlich passt die folgende Geschichte auch ein bisschen zu dem Thread "Bahn-Wirrwarr in Europa", den ich vor einiger Zeit hier reingestellt habe. Diesmal soll es aber nicht nach Kroatien gehen, sondern nach Frankreich, und das sogar mit dem deutsch-französischen ICE. So weit, so einfach? Weit gefehlt! Hier kommt meine kleine Odyssee:

Geplant ist im Oktober eine Fahrt mit 2 Erwachsenen und 2 Kleinkindern von Norddeutschland nach Paris, ab Hannover mit dem ICE 71 bis Karlsruhe und von dort aus mit dem ICE direkt nach Paris. Am Tag des Buchungsstarts setzte ich mich an den Computer und wählte bei der Reservierung natürlich die Wunschoption "Kleinkindabteil / -bereich" aus. Während das beim ICE 4 sofort danach mit einem Haken bestätigt wurde, stand beim Velaro D "Prüfung erst bei Buchung möglich". Nun ja, einen Kleinkindbereich gibt es ja auch in diesem Zug, bestehend aus zwei Vierern, die durch zwei Glastüren vom Rest des Wagens getrennt sind. Also, ich die Buchung also bis zum Ende durchgeführt und dann kam die nette Überraschung: Das Buchungssystem hat uns im Velaro D zwei normale nebeneinander liegende Zweier-Sitzreihen in Wagen 21 reserviert. Erst der Blick auf den Zugplan bei Fernbahn verriet, dass es sich hierbei um einen Ruhewagen handelt, was aber auf der Fahrkarte / Reservierung gar nicht ersichtlich ist. Lediglich der Hinweis "Nichtraucher" ist dort zu finden (sehr sinnvoll, wann gab es nochmal die letzten Raucher-Wagen? 2007?). Das finde ich schon echt ein starkes Stück, eine Familie mit zwei kleinen Kindern in den Ruhewagen zu setzten und das noch nicht mal auf die Fahrkarte zu schreiben. Da sind doch Konflikte vorprogrammiert! Aus Sicht eines Einzelreisenden würde ich mir in so einem Fall denken: "Warum buchen die mit kleinen Kindern ausgerechnet im Ruhewagen?"

Es musste also eine Lösung her, und zwar schnell, denn die Sofort-Storno-Option bestand ja noch. So bin ich also in das nächstgelegene Reisezentrum gegangen, das nicht von DB Vertrieb, sondern von der Rosenthal-Gruppe betrieben wird. Zunächst sah alles gut aus, ich nannte ihr meine Wunschsitzplätze im Kleinkindbereich, diese waren verfügbar. Die Mitarbeiterin strotzte nicht gerade mit Fachwissen - so fragte sie ihren Kollegen, warum der Kunde denn für die Reservierung im Paris-ICE nichts bezahlen müsse, woraufhin ich ihr das Prinzip der Reservierungspflicht erklärte. Nun ja, die Kreditkarte wurde reingesteckt, die Zahlung war erfolgreich - und dann passierte ... nichts! Es konnte keine Fahrkarte gedruckt werden. Ratlosigkeit, sie klickte minutenlang verschiedene Sachen an, der Kollege kam zur Hilfe, ebenfalls ratlos. Nach 10 Minuten Ratlosigkeit bestand ich darauf, mein Geld wieder zu bekommen und mit leeren Händen nach Hause zu gehen. Währenddessen war das Sofort-Storno bereits abgelaufen.

Nun probierte ich es bei der DB-Hotline, in der Hoffnung, hier auf etwas mehr Kompetenz zu treffen. Nach 20 Minuten Wartezeit bei der Comfort-Hotline kam ich durch, mit dem Ergebnis: "Nein, beim Fachbereich Ausland ist niemand mehr zu sprechen aufgrund einer Besprechung (das war gegen 14:30 Uhr...), man werde mich morgen zurückrufen. Der Rückruf kam dann wie versprochen, der Mitarbeiter wirkte kompetent, die Wunschplätze waren schnell gefunden. Dann ging es wieder ans Bezahlen und anschließend wieder die Nachricht des Mitarbeiters: "Nein, das scheint nicht zu funktionieren, ich frage mal beim Buchungsservice o.ä. nach." 5 Minuten später: "Das funktioniert leider nicht." Er erzählte irgendwas von einer Buchungsklammer und dass man Wunschsitzplätze in reservierungspflichtigen Zügen derzeit nicht buchen könne, das Problem sei wohl schon bekannt und man arbeite daran. "Aber dann kann es natürlich sein, dass der Sparpreis bis dahin wesentlich teurer ist." Schönen Dank auch...

Ein letztes Mal versuchte ich mein Glück. Zunächst entkoppelte ich die Reservierung im ICE 4 (Hannover-Karlsruhe) von meiner Fahrkarte, indem ich den Sparpreis stornierte und anschließend die Kleinkindabteil-Reservierung separat erwarb - etwas, was ich in Zukunft immer machen werde und was ich auch jedem empfehlen kann! Kostenpunkt: 10 Euro Storno + 8 Euro für die neue Reservierung. Einen Tag später buchte ich die Fahrkarte neu und gab als Wunsch im Velaro D "Familienbereich" an. Der Preis war glücklicherweise noch der gleiche wie zuvor, auch "Prüfung erst bei Buchung möglich" stand wieder da. Also wieder Buchung bis zum Ende durchgeführt, und mit welchem Ergebnis? Dass ich den ganzen Ärger hatte und 18 Euro on top dafür bezahlt habe, dass ich die exakt gleichen Sitzplätze im Ruhebereich habe wie auf der alten Fahrkarte... echt unglaublich!

Ich habe mein Bestes gegeben, aber nun werden wir auf exakt diesen Sitzplätzen reisen und im Konfliktfall muss eben das Zugpersonal vor Ort eine Lösung finden. Falls jemand hier mitliest, der im Oktober nach Paris reist, dann bitte ich die Person schon jetzt um ihr Verständnis ;-).

Dieses Beispiel zeigt mal wieder, wie irrsinnig kompliziert Bahnbuchungen ins europäische Ausland sein können und ich glaube nicht, dass eine Familie, die das einmal mitgemacht hat und unwissend mit den Kiddies im Ruhewagen gelandet ist, diese Auslandsreise nochmal mit der Bahn machen wird. Bei der Buchung über die SNCF bekommt man übrigens vor der Buchung exakt angezeigt, welche Sitzplätze man bekommt, auch im ICE. Die scheinen den Velaro D besser zu kennen als wir und können die Sitzplatzverfügbarkeit auch schon vor der Buchung prüfen - man schaue und staune! Nur können die natürlich keine durchgehenden Sparpreise ausstellen.

Ach ja, die Buchung der Rückfahrt stand ja auch noch an, zurück sollte es allerdings mit dem TGV Duplex gehen. Damit wir das ganze Gepäck nicht in die obere Ebene schleppen müssen, habe ich mir die "untere Ebene" für die Reservierung gewünscht. Dreimal dürft ihr raten, wo ich den Platz letztendlich erhalten habe...

Fazit: Die DB sollte ihrer zukünftigen Kundschaft und den dazugehörigen Eltern das Leben nicht unnötig schwer machen und ihnen eine stressfreie Fahrkartenbuchung ermöglichen. Der Kleinkindbereich im Velaro D ist - sofern man ihn denn überhaupt buchen kann - im Vergleich zum Kleinkindabteil des vorher verkehrenden ICE 3 ohnehin schon ein enormer Rückschritt.

Gruß, Ludo


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