Deutsch-französische Ostertour 1/3: Taunus und Pfalz (76 B.) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
da wir derzeit auf Reisen verzichten müssen, bleibt mehr Zeit zum Aufarbeiten vergangener Reisen. Nach einer längeren Pause kommen wir nun in den Frühling 2019. Eigentlich haben wir jetzt ja Weihnachten, aber in so einem außergewöhnlichen Jahr darf man auch mal an Weihnachten Osterbilder zeigen.
Es gibt ein Reiseziel, das man nur an einem Tag im Jahr mit dem Zug erreichen kann, nämlich den Ort Bouzonville in Lothringen. Anlässlich des dortigen Karfreitagsmarkts verkehren vom Saarland aus Sonderzüge über die Grenze. Da nur ein Ziel etwas wenig ist, basteln wir rundherum eine dreitägige Tour zur Königsteiner Bahn, einer Landpartie durch Rheinhessen, die Pfalz und das Elsass und fahren mit einem der letzten „Intercités 100% Éco“ auf der Altstrecke von Paris nach Saverne.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/097-Taunus-Saar-Elsass/97-000Karte.jpg)
Am ersten Reisetag fahren wir von Konstanz nach Frankfurt und erkunden dann die Königsteiner Bahn, anschließend geht es über Umwege nach Saarbrücken. Der zweite Reisetag steht im Zeichen des Karfreitagszugs nach Bouzonville, weiter geht es durch die Pfalz ins Elsass und am Abend vom Strasbourg mit dem TGV nach Paris. Für die Heimfahrt am dritten Tag wählen wir den Intercity über die Altstrecke, machen einen Zwischenhalt in Saverne, fahren mit der Straßburger Tram bis zur neuen Endhaltestelle in Kehl und über die Schwarzwaldbahn zurück.
Die Tour fand überwiegend im April 2019 statt, einige Bilder habe ich im Mai 2019 und im September 2020 nachgeholt.
Tag 1: Konstanz – Stuttgart – Frankfurt – Königstein – Frankfurt-Höchst – Wiesbaden – Mainz – Alzey – Monsheim – Grünstadt – Freinsheim – Neustadt – Kaiserslautern – Pirmasens - Saarbrücken
Am ersten Reisetag haben wir ein volles Programm. Wir starten kurz nach sechs Uhr morgens in Konstanz, unser erster Zug ist ein IC 2, das ist eine der Leistungen auf der Gäubahn, die von bzw. nach Konstanz umgebogen sind.
Ich lerne es wohl nie mehr: ich darf auf Bahnreisen keine karierten Hemden mehr tragen! Und schon habe ich gleich das erste Bild mit der schönen Morgenstimmung, als der Zug über die Rheinbrücke in Konstanz fährt, versaut. In zügiger Fahrt geht es nun nach Singen und dann auf die Gäubahn.
Entlang des Neckars geht es nun nach Norden, beim nächsten Bild queren wir den Fluss in Horb. Rechts die Altstadt mit der Stiftskirche, oben am Berg der Schütteturm.
Wenn man nur 8 Minuten Umsteigezeit hat, können die Wege in einem Kopfbahnhof ganz schön lang sein. Auf den Gang nur für ein Foto bis zur Spitze des ICE 4 verzichten wir deshalb und steigen gleich ein. Die Etappe von Stuttgart bis Frankfurt ist der letzte Fernverkehrsabschnitt für heute.
Dieses Bild entstand auf der Schnellfahrtstrecke zwischen Stuttgart und Mannheim. Später werfen wir noch einen Blick ins ICE-Portal, wo es schon sehr österlich zugeht. Für die Ankunft in Frankfurt wird eine Verspätung von 4 Minuten prognostiziert – das ist noch in der Toleranz.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/097-Taunus-Saar-Elsass/97-009ICE-Portal-Ostern.jpg)
Hier sehen wir schon unser nächstes Ziel: die RB 12 nach Königstein im Taunus. Das glaube ich zumindest zu dem Zeitpunkt als das Bild entstanden ist.
Das nächste Bild zeigt den Main. Wer schon mal versucht hat, aus fahrenden Zügen durch Gitterbrücken zu fotografieren, hat nun wahrscheinlich einen Verdacht. Und ja, zu diesem Zeitpunkt steht der Zug, die Einfahrt in den Hauptbahnhof von Frankfurt verzögert sich und die RB 12 fährt ohne uns ab.
Und so können wir nun in aller Seelenruhe das Bild des ICE 4 nachholen und eine Runde durch den Bahnhof drehen. Auf der Dachmitte des Empfangsgebäudes steht die Figurengruppe „Atlas, die Erdkugel tragend, unterstützt von Dampf und Elektrizität“.
Nun zu unserem eigentlichen Ziel: die Königsteiner Bahn. Ausgesucht hatte ich diese Strecke, weil hier mit den Dieseltriebzügen des Typs VT/VS 2E Fahrzeuge unterwegs sind, die für mich nicht alltäglich sind. Auf der Königsteiner Bahn sind sowohl die älteren VT/VS 2E als auch LINT im Einsatz. Besonders ärgerlich: der verpasste Zug war mit großer Wahrscheinlichkeit ein Umlauf mit dem begehrten Fahrzeugtyp. Aber es bleibt ja noch Hoffnung auf die Rückfahrt – und sehen wir es positiv: den LINT der HLB kann ich jetzt abhaken, irgendwann wird man wahrscheinlich auch diesem Fahrzeug mal nachrennen.
Die Fahrt geht zunächst nach Frankfurt-Höchst, wo die eigentliche Strecke der Königsteiner Bahn beginnt. Die Königsteiner Bahn wurde 1902 eröffnet, sie ist durchgehend eingleisig und nicht elektrifiziert. Anfangs führt die Strecke durch die Ebene des Rhein-Main-Gebiets, dann geht es entlang des Liederbachs in den Taunus.
Die Strecke ist knapp 16 Kilometer lang, auf der letzten Etappe führt sie in einem weiten Bogen nach Königstein. Schon von Weitem ist der Turm der Burgruine von Königstein zu sehen.
In Königstein legen wir die erste (geplante) Pause ein. Der Kurort Königstein im Taunus hat rund 17.000 Einwohner. Eingebettet in die waldreichen Hänge des Taunus hat sich der Ort zu einer teuren und begehrten Wohnlage vor den Toren Frankfurts entwickelt mit einem weit überdurchschnittlichen Kaufkraftindex.
Der Sage nach soll um das Jahr 500 König Chlodwig I. den Grundstein für die Burg Königstein gelegt haben, nachdem ihm am heutigen Burgberg eine Jungfrau erschienen war, die ihn zum Christentum bekehrt hat. Die Höhenburg ist eine der größten Burgruinen in Deutschland.
Vom Bergfried lassen wir den Blick über Königstein und den Taunus schweifen. Unter uns verläuft die Königsteiner Bahn. Nun wird es aber Zeit für den Abstieg, denn wenn ich richtig gerechnet habe, sollte demnächst die Chance auf einen der alten Triebwagen wieder steigen.
Perfekt! Die Königsteiner Bahn wurde ursprünglich als Kleinbahn konzessioniert, die sich dann zur Frankfurt-Königsteiner Eisenbahn (FKE) weiterentwickelt hat. Eine Zeit lang wurde Strecke auch als „K-Bahn“ bezeichnet, mit Gründung der Rhein-Main-Verkehrsverbunds wurde aus der „K-Bahn“ die Linie RB 12. Heute wird die Strecke von der Hessischen Landesbahn betrieben. Am Standort Königstein sind auch die Dieseltriebzüge des Typs VT/VS 2E (Baureihe 609) stationiert. Die Züge wurden in zwei Serien 1987 und 1992 von der Firma Linke-Hoffmann-Busch in den Taunus geliefert. Die Züge wurden 2006/2007 modernisiert und erhielten damals auch eine erste Klasse.
Die Triebzüge haben eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h, auf der kurvenreichen Strecke durch Wald und Wiesen kann die Geschwindigkeit jedoch nicht ausgefahren werden. Die Höchstgeschwindigkeit der Strecke liegt bei 80 km/h. Rund 250 Höhenmeter liegen zwischen Start- und Zielbahnhof der Königsteiner Bahn.
Unser heutigen Tagesziel ist Saarbrücken. Den Rest des Tages möchten wir dazu nutzen, um verschiedene Strecken in Rheinland-Pfalz zu erkunden. Dazu müssen wir nun irgendwie nach Mainz kommen. Deshalb wechseln wir in Frankfurt-Höchst auf einen Flirt von Vias nach Wiesbaden.
Wir fahren nun ein kurzes Stück auf der RheingauLinie in die hessische Landeshauptstadt. Wir passieren die Sankt Peter und Paul-Kirche von Hochheim, die spätbarocke Kirche thront als Wahrzeichen über den zum Main abfallenden Weinbergen.
Wiesbaden fehlt mir noch in meiner Liste der besuchten Landeshauptstädte – und auch heute soll es für einen Stadtbesuch nicht reichen. Nach einem kurzen Blick in die Bahnhofshalle geht es schon wieder weiter, mit der S 8 fahren wir über den Rhein hinüber nach Mainz.
An dieser Stelle fehlt nun ein Bild, eigentlich sollte hier ein LINT von vlexx im Hauptbahnhof Mainz zu sehen sein. Da es aber ein inoffizieller Übergang mit kurzer Übergangszeit von der S 8 auf den Zug nach Alzey ist, können wir nicht lang noch Bilder machen, sondern sind froh, dass wir noch rechtzeitig im Zug sitzen.
Die Bahnstrecke von Mainz nach Alzey verlässt den Hauptbahnhof von Mainz in nördlicher Richtung und führt dann in mehreren Bögen nach Süden. In Sichtweite zur Bahnlinie liegt die Opel Arena, das Fußballstadion von Mainz.
Im weiteren Verlauf führt die Strecke landschaftlich ganz nett durch das Rheinhessische Hügelland. Die eingleisige Bahnstrecke ist nicht elektrifiziert, in Armsheim trifft sie auf die Rheinhessenbahn aus Bingen. Eigens für die steigungsreiche Bahnstrecke von Mainz durch das Alzeyer Hügelland nach Alzey wurde seinerzeit die Baureihe 629 entwickelt aus einer Abwandlung der Baureihe 628.4, bei der beide Wagenteile motorisiert waren.
Nach der Ankunft in Alzey holen wir noch das Außenbild des LINT von vlexx nach, dann starten wir zu einem kleinen Rundgang in Richtung Innenstadt.
Alzey hat rund 19.000 Einwohner, Mittelpunkt der gut erhaltenen Altstadt ist der Rossmarkt, der von Fachwerkhäusern umgeben ist.
Am Rand der Altstadt liegt das Alzeyer Schloss, es ging vermutlich aus einer staufisches Reichsburg hervor und wurde im 16. Jahrhundert zu einem Schloss ausgebaut. Das Schloss wurde 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört und erst im 20. Jahrhundert wiederaufgebaut, es beherbergt heute das Amtsgericht sowie ein Mädcheninternat.
Doch nun zurück an den Bahnhof. Das ursprüngliche Bahnhofsgebäude von Alzey wurde 1944 bei einem Bombenangriff zerstört. Das heutige Gebäude wurde zwischen 1954 und 1961 etappenweise errichtet, den Abschluss bildete der zweigeschossige Kubus links.
Hier treffen wir nun auf den ersten rot-weißen LINT. Das Dieselnetz Südwest wird von DB Regio betrieben und wir werden im weiteren Verlauf noch häufiger auf die Dieseltriebwagen der Baureihen 622 und 623 treffen.
Wir fahren weiter auf der Rheinhessenbahn nach Süden. Die Strecke macht einen Bogen durch das Stadtgebiet von Alzey, so können wir noch einen Blick über die Stadt schweifen lassen bis zum Turm der Nikolaikirche. Weiter geht die Fahrt quer durch Rheinhessen mit seinen Weinbergen.
Die Rheinhessenbahn wurde zwischen 1864 und 1870 in Abschnitten eröffnet, sie war auch von militärstrategischer Bedeutung, da so eine Alternativverbindung zwischen Bingen und Worms entstand. Hier sind wir gerade in Nieder Flörsheim-Dalsheim.
Beim nächsten Halt in Monsheim verlassen wir den Zug. Wir wollen nämlich nicht nach Worms, sondern wollen auf der Pfälzischen Nordbahn weiter durch die Provinz reisen. Das Empfangsgebäude von Monsheim wurde 1885 errichtet, es steht unter Denkmalschutz. Monsheim ist ein Taktknoten des Rheinland-Pfalz-Taktes, für uns geht es nun im nächsten LINT weiter.
Wir verlassen jetzt Rheinhessen. Der Streckenabschnitt zwischen Monsheim und Bad Dürkheim war beim Bau der Strecke aufgrund des hügeligen Geländes sehr aufwändig, es mussten sechs Täler überwunden werden. 80 Kunstbauten wurden damals errichtet. Beim nächsten Bild fahren wir durch Albsheim an der Eis mit Blick auf die Protestantische Kirche. Der Streckenabschnitt von Monsheim nach Grünstadt, auf dem wir gerade fahren, verlor 1984 den Personenverkehr, er wurde 1995 reaktiviert.
Mit Ausnahme weniger Verbindungen kann man die Pfälzische Nordbahn nicht durchgehend befahren, da viele Abschnitte getrennt bedient werden. Und deshalb steht wenig später in Grünstadt schon der nächste Umstieg auf dem Programm. In Grünstadt zweigt die Eistalbahn von der Pfälzischen Nordbahn ab. Von der Straßenseite ist das Empfangsgebäude zunächst unauffällig…
…aber die Gleisseite ist mir ein zweites Foto wert. Der Bahnhof wurde zwischen 1999 und 2004 zum „Umweltbahnhof“ umgestaltet, dabei verlor der Bahnhof die Gleise 1 und 2, diese wurden zum Busbahnhof umgebaut. Der ehemalige Hausbahnsteig ist nun ein Bussteig, wobei die gusseisernen Bahnsteigüberdachungen erhalten blieben.
Und weiter geht es mit dem nächsten LINT, diesmal als Baureihe 623. Die Züge tragen das rheinland-pfälzische Farbschema mit roter Kopfpartie.
Wir sind nun unterwegs zwischen Weinstraße, Rheinebene und Pfälzerwald. Hier fahren wir durch Kirchheim an der Weinstraße, die spätgotische St.-Andreas-Kirche mit der barocken Turmhaube ist das Wahrzeichen des Orts. Dann fällt der Blick über die weite Rheinebene.
Der Zug aus Grünstadt fährt nach Frankenthal – wir wollen ja aber auf der Pfälzischen Nordbahn nach Neustadt. Und so heißt es nach 10 Minuten schon wieder umsteigen, diesmal in Freinsheim. Ok, was die Fahrzeugvielfalt betrifft, war die Pfälzische Nordbahn nicht die beste Wahl, es geht weiter mit dem nächsten LINT.
Und erneut geht die Fahrt durch die Weinlagen der Region – wobei das Gebäude hier einem anderen Getränk gewidmet ist. Bei Ruppertsberg steht ehemaliges Teehaus in den Weinbergen, es wurde 1844 nach dem Vorbild im Englischen Garten in München gebaut.
Die Pfälzische Nordbahn wurde von Neustadt her erbaut, der erste Streckenabschnitt von Neustadt bis Bad Dürkheim wurde 1865 eröffnet. Dann war Bad Dürkheim acht Jahre lang Endpunkt der Strecke. Die weitere Strecke nach Monsheim wurde dann auch von Osten her angebunden, so dass ein Kopfbahnhof entstand. Auf eine Verlegung des Bahnhofs verzichtete man, so dass heute alle Züge in Bad Dürkheim kopfmachen müssen. Wir erreichen nun bald Neustadt an der Weinstraße.
In Neustadt bleibt Zeit für eine kleine Pause, hier sind wir am Marktplatz angekommen. Die Stiftskirche mit den ungleichen Türmen ist ein Wahrzeichen der Stadt. Auch das Scheffelhaus am Marktplatz gehört zu den bekannten Gebäuden der Stadt.
Dann geht es zurück zum Hauptbahnhof von Neustadt an der Weinstraße. Der spätklassizistische Bau wurde 1866 fertiggestellt, er ist schon das zweite Empfangsgebäude, nachdem der erste Bau der Erweiterung der Gleisanlagen weichen musste.
Es geht gleich weiter...
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