Wilde Wüste, Wahnsinns-Wodka, Wunderlicher Winter: Kap. 4/4 (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Sonntag, 18.10.2020, 12:29 (vor 1979 Tagen) @ Krümelmonster

Normalerweise bin ich ja ganz nett, aber wenn man mich nicht schlafen lässt… (Man kann das Bild auch betiteln mit „Wenn 2020 ein Koala wäre…“)
Wir hatten im Hotel ein Zimmer direkt neben der Rezeption, und wenn der Nachtschicht-Mensch dort nicht gerade in sein Telefon schrie, war er damit beschäftigt, übelst laut Videos zu schauen. Irgendwann nach elf schlief ich tatsächlich ein, just während ich gerade versuchte herauszufinden, was „Stirb!“ auf Russisch heißt. (Falls es mal jemand braucht, es heißt Умри! [Umrí] bzw. in der Höflichkeitsform – Sterben Sie! – Умрите! [Umríte]. Gern geschehen! :-) ) Viertel vor zwei nachts klingelte der Wecker, da war es in Deutschland noch 21:45 Uhr des Vortages, doch wir waren schon vor dem Wecker wach…
Kurz vor drei stand das bestellte Taxi tatsächlich bereit. Zu unserer großen Überraschung hatte es einen eingeschalteten Taxameter. Die knapp 15-minütige Fahrt zum Flughafen kostete ca. 2,50 €, der Fahrer verstand erst gar nicht, dass wir ihm wirklich 3,50 € geben wollten.^^ Den Rest der beträchtlichen Differenz zum Touristenpreis löste ich am Flughafen in Russenkekse ein. ;-) Nach Silvester verzichtete ich ausnahmsweise auf den Kauf von Wodka. ;-) Das wollte ich eigentlich im Mai in Russland machen, aber dazu sollte es ja nicht kommen… -.-
Wir waren tatsächlich zu früh dran, es gab keinen allgemeinen Check-In, wie an Drehkreuzen einer Airline üblich, sondern jeder Flug wurde einzeln abgefertigt. Per Wüstenvogel ging es zurück, diesmal ohne Umweg über die Dönerdrehscheibe. Es war ein glücklicher Zufall, dass es ausgerechnet am Montagmorgen einen Direktflug nach Frankfurt gab: Luxi konnte von dort direkt ins Büro in NRW fahren und musste nicht mal einen Urlaubstag nehmen, und für mich war es Feiertag. ;-) Diesmal wurde tatsächlich wie geplant ein Dreamliner eingesetzt, auch dieser Flug war voll oder fast voll. Einige Touristen waren im Flieger, aber weit mehr als die Hälfte der Passagiere waren Usbeken, die offenbar im Ausland arbeiteten. Erst kurz vor der Landung merkte ich, dass auch der junge Usbeke auf dem Sitz neben mir Deutsch konnte. Ich wusste gar nicht, dass es so eine große usbekische Gemeinde in Deutschland gibt! Planmäßig war Abflug um 6:10 Uhr, gegen halb sieben erhob sich der Wüstenvogel in die Lüfte. Ich meinte zu Luxi, ich lasse ihn ans Fenster, bis es hell wird. Mein Plan ja, dass mindestens schummrig wird, sobald wir oben sind. Aber stattdessen war es die ersten zwei Stunden stockfinster, dann dämmerte es drei Stunden, erst eine Dreiviertelstunde vor Landung war das erste Mal die Sonne zu sehen.^^ Irgendwann tauchte der Wüstenvogel ein in den depressiven Nebel Frankfurts. Ich war völlig schockiert, dass es plötzlich mitten im Nebel RUMMS machte! Bei der Sicht konnte der Pilot doch unmöglich eine sichere Landung garantieren! Der Flug hatte nicht ganz sechs Stunden gedauert (planmäßig wäre 6:55 h), wir waren erheblich zu früh gelandet. Deutlich vor der geplanten Zeit erreichten wir das Gate neben einer Air Namibia – Treffen der Wüstenvögel im Nebel.^^
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377 Das IFE ist brandaktuell^^
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378 :-O (mit Link ;-) )
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379 Willkommen bei DB Fernverkehr!
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380 Die Route
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381 Man muss es tatsächlich dazu sagen: Das ist die Tragfläche des Wüstenvogels im Frankfurter Nebel. Bei dieser Sichtweite ist er tatsächlich gelandet… Das Bild wurde nach der Landung aufgenommen…
Die automatischen Gates für die Einreisekontrolle waren allesamt außer Betrieb – für den hier herrschenden Stand der Technik mussten wir uns nach den Eindrücken Usbekistans nicht umgewöhnen. :p An der Kontroll-Box saß ein einziger Beamter, der nun 270 Passagiere kontrollieren durfte. Erst kurz nach der planmäßigen Ankunftszeit bekam er von zwei Kollegen Verstärkung (da hatten wir schon eine halbe Stunde gestanden) – dass so ein Flugzeug auch mal zu früh landen kann, wird in den Dienstplänen deutscher Behörden natürlich nicht berücksichtigt… Mit dieser lustigen SkyTrain fuhren wir vom Terminal 2 (Non-StarAlliance) zum Terminal 1, wo der Fernbahnhof ist. Ich deckte mich erstmal mit Flüssig- und etwas Festnahrung ein und wartete noch etwas. Am späten Vormittag fuhr ich nach Frankfurt Downtown, um etwas zu tun, worauf ich mich schon tagelang ungemein freute: ein europäisches Essen essen. :D Es sah zwar mega komisch aus, aber ich war mega glücklich!
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382 Per Bahn weiter
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383 – 384 Traum-Wetter
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385 Man muss zwar dazusagen, dass das Lasagne sein soll.^^ Aber ich war so unendlich froh, wieder was Richtiges zu beißen zwischen die Zähne zu bekommen :D
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386 Die berühmte Skyline. Liebe Frankfurter, dauert dieses Depri-Wetter den ganzen Winter, und wenn ja, wie schafft ihr es dann, euch nicht in Scharen von diesen Türmen hinunter zu stürzen? :-s
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387 Letzter Blick auf die beeindruckende Skyline

Anschließend absolvierte ich die Rückreise nach München. Als ich abends kurz nach halb neun schlafen ging, war ich 23 h am Stück wach…
Zwar sind es „nur“ vier Stunden Zeitverschiebung, aber durch das frühe Aufstehen am letzten Tag hatten wir unsere innere Uhr quasi fünf Stunden in die falsche Richtung gestellt. Am nächsten Morgen war ich 4:15 Uhr wach. Und blieb wach. :D
Punkt 7 stand ich im Büro auf der Matte. Bei uns wird in den meisten Abteilungen um 9 angefangen, und ich bin dafür bekannt, dass es auch gern mal kurz nach neun ist (ist natürlich erlaubt, muss halt ausgeglichen werden). Deshalb gab es leider niemanden, der sich über mein frühes Erscheinen wundern konnte. :-( Eine griechischstämmige Kollegin kam an dem Tag etwas später in die Arbeit (direkt vom Flughafen) – als sie morgens in Griechenland losgeflogen ist, saß ich schon im Büro. :D
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388 Guten Morgen! Das helle rechts und links sind Treppenhäuser, keine Büros. :D


Zu guter Letzt natürlich noch die Statistik, nur die Fahrten in Usbekistan.
Unsere vier Fahrten dauerten zusammen 27:35 h, davon waren 2:46 h für Zwischenhalte. Dabei legten wir ca. 2.130 km zurück, das macht eine planmäßige Durchschnittsgeschwindigkeit von 86 km/h – gar nicht mal so übel!
Inkl. aller Agentur-Zuschläge zahlten wir 5,7 ct/km. Das ist auch nicht extrem teuer, zumal wir es vor Ort für ~ 2 ct/km bekommen hätten. ;-)
Abfahrtsverspätungen gab es keine, die höchste „Verspätung“ bei Ankunft waren 2 min in Buchara. =)


So, das war’s jetzt erstmal von mir.
Aktuell habe ich keine weiteren Berichte fertig (habe die letzten alle während des Lockdowns geschrieben). Vielleicht stelle ich dann im Winter noch ein paar ältere Berichte hoch, aber nagelt mich bitte nicht darauf fest. ;-)

Es grüßt
Das Krümelmonster

--
Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)

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