Winterliche Abschiedstour zwischen Allgäu und Franken (Reiseberichte)

TD, Samstag, 17.10.2020, 23:37 (vor 10 Tagen) @ TD

Tag 2: München – Nürnberg – Aalen – Ulm – Friedrichshafen Stadt – Friedrichshafen Hafen - Konstanz

Heute drehen wir zur Rückfahrt an den Bodensee eine Runde durch Franken. Wir haben am Morgen noch etwas Zeit und so komme ich auf die Idee, ob sich vielleicht noch eine Mitfahrt in einem S-Bahnzug der Baureihe 420 ergeben könnte. Und es klappt auf Anhieb, gleich der erste einfahrende Zug ist der Wunschtyp. Nur fährt die S-Bahn in die falsche Richtung – aber egal, für eine Station reicht die Zeit für eine Mitfahrt in die Gegenrichtung.

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Die Züge wurden ursprünglich für die S-Bahn München konzipiert, aufgrund ihres Ersteinsatzes bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München werden sie auch ‚Olympiazüge‘ genannt. Der Einsatz der Züge in München endete 2004, dass sich nochmals ein solches Bild aus der bayerischen Landeshauptstadt ergeben würde, war damals kaum vorstellbar. 2014 kamen jedoch wieder erste Züge der Baureihe 420 nach München, anfangs nur auf den Außenästen oder in Randzeiten. Mittlerweile sind die modernisierten Züge häufiger anzutreffen.

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Nach diesem gelungenen Auftakt fahren wir zum Hauptbahnhof. Unser nächster Programmpunkt ist der München-Nürnberg-Express. Besonders und einzigartig macht diese Verbindung, dass die Regionalzüge mit Intercity-Wagen gefahren werden.

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Die Züge nutzen zwischen Ingolstadt und Nürnberg die Neubaustrecke. Da bei Auftragserteilung keine geeigneten Regionalzüge zur Verfügung standen, wurden druckertüchtigte Fernverkehrswagen samt Steuerwagen umgerüstet und haben ein Regio-rotes Farbkleid erhalten.

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Die Verbindung sollte ursprünglich mal FRESH heißen, etwas holprig abgeleitet von „FRanken-Express über die Schnellfahrstrecke in die LandesHauptstadt“. Der Name konnte sich jedoch nicht durchsetzen, heute heißt die Verbindung schlicht München-Nürnberg-Express.

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Damals bei der Mitfahrt im Februar 2019 war ich froh, dass das noch geklappt hatte, denn eigentlich sollte die Verbindung schon lange auf neue Züge umgestellt werden. Die Deutsche Bahn hat 2013 für diese Strecke Lokomotiven und Doppelstockwagen bei Škoda bestellt, ab 2016 sollten die neuen Züge rollen. Zunächst verzögerte sich die Auslieferung um mehrere Jahre, auch die Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt lies auf sich warten. Der aktuelle Stand ist wohl, dass die Bahn die Züge nicht abnimmt und Streit zwischen Škoda und Deutscher Bahn herrscht. Der derzeitige Verkehrsvertrag, der eigentlich die Škoda-Züge beinhaltet, läuft noch bis 2028. Ob die neue Züge bis dahin überhaupt noch zum Einsatz kommen?

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Wir fahren nun mit dem München-Nürnberg-Express nach Nürnberg. Ab Ingolstadt befährt der Zug die Schnellfahrstrecke, er ist damit der einzige Regionalzug, der eine Hochgeschwindigkeits-Neubaustrecke in Deutschland in ihrer vollen Länge befährt und mit bis zu 200 km/h ist er für einen Regionalzug auch sehr flott unterwegs.

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Der München-Nürnberg-Express benötigt für die Strecke 1 Stunde 44 Minuten, die schnellsten ICE schaffen die Strecke in 62 Minuten.

Nach der Ankunft in Nürnberg bleibt anschließend Zeit für einen kleinen Spaziergang durch die Innenstadt. Beim nächsten Bild stehen wir vor dem mittelalterlichen Wohnturm Nassauer Haus. Gegenüber befindet sich die Lorenzkirche, die Basilika wurde 1477 vollendet.

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Von der Lorenzer Altstadt machen wir noch einen Abstecher über die Pegnitz. Zum Teil über dem Bett der Pegnitz wurde 1339 das Heilig-Geist-Spital errichtet, es war die größte städtische Einrichtung zur Versorgung von Kranken und Alten in der Reichsstadt.
Das letzte Bild aus dem Zentrum zeigt die Frauenkirche am Hauptmarkt.

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Schließlich wird es Zeit für die Weiterfahrt. Und auch der Intercity von Nürnberg über Stuttgart nach Karlsruhe passt gut zu unserer Abschiedstour. Damals deutete sich schon die Umstellung auf IC 2 an, so dass die Mitfahrt im klassischen Intercity-Wagenzug ebenfalls Abschiedscharakter hatte. Auch der Einsatz der Baureihe 120 im Fernverkehr ist mittlerweile Geschichte.

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Die Strecke von Nürnberg nach Stuttgart gefällt mir recht gut, abseits der großen Metropolen fährt man durchs Grüne, die Landschaft ist nicht spektakulär, aber nett anzusehen. Besonders auch die Etappe über die Frankenhöhe zwischen Ansbach und Crailsheim.

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Hier fahren wir gerade am Ort Kloster Sulz vorbei. Die Kirche gehört zum ehemaligen Prämonstratenserinnenkloster, das Frauenstift wurde um 1200 gegründet.

Ich hatte eigentlich geplant, mit dem Intercity bis Stuttgart und dann über die Gäubahn zurück an den Bodensee zu fahren. Als ich während der Fahrt im DB Navigator spiele, sticht mir jedoch eine Alternativroute über Ulm und weiter mit dem IC 119 ins Auge. Spontan ändern wir den Reiseplan und verlassen in Aalen den Zug.

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Volltreffer! Mir war zwar bewusst, dass die Brenzbahn von Aalen nach Ulm ein letztes Refugium der Baureihe 611 war – ich hatte aber nicht ernsthaft damit gerechnet, nochmals einen der Neigetechnik-Züge anzutreffen. Nachdem ich diesen Fahrzeugen früher häufig am Bodensee oder zwischen Donau und Schwarzwald begegnet war, ist das nun tatsächlich unsere allerletzte Fahrt mit der Baureihe 611. Soviel Abschiedscharakter hatte ich bei der Tourplanung gar nicht im Sinn.

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Mein Verhältnis zu den Zügen war ambivalent – aber etwas Wehmut fährt nun doch mit. Und was die erste Klasse betrifft ist das schon ein himmelweiter Unterschied zum Nachfolger in Form der baden-württembergischen Züge der Baureihe 612.

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Der Zug fährt als Interregio-Express von Aalen nach Ulm. Die Brenzbahn führt zwischen Albuch und Härtsfeld am nordöstlichen Rand der Schwäbischen Alb zur Donau. Start- und Zielbahnhof liegen in Baden-Württemberg, unterwegs führt die Strecke für einige Kilometer durch Bayern. Parallel zur Bahnstrecke mäandriert die Brenz durch Talwiesen.

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Ab Ulm geht es mit dem IC 119 weiter zum Bodensee. Der Zug kommt aus Dortmund, in Stuttgart wurde er auf Dieselloks umgespannt. Fahrtziel des Zugs ist Innsbruck.
Ich bin mir nicht sicher, inwiefern auch das eine Abschiedsfahrt ist, die Baureihe 218 wird man nach der Elektrifizierung der Südbahn Ulm – Friedrichshafen – Lindau hier wahrscheinlich nicht mehr sehen. Welche Zukunft die Fernverbindung IC 118/119 hat, ist offen.

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Wir finden ein freies Abteil und genießen die Fahrt in der Wintersonne durch Oberschwaben. Ich bin zufrieden und freue mich über die spontane Entscheidung mit der geänderten Reiseroute.

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Hier sehen wir den Bahnhof Laupheim West. Jetzt bin ich mit der Entscheidung der geänderten Reiseroute nicht mehr so ganz zufrieden, denn dieses Bild vor dem Zugfenster hat sich schon länger nicht mehr geändert. Stellwerkstörung.
Da hilft nur Warten und Kaffeetrinken.

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Nach 50 Minuten Standzeit in Laupheim West können wir schließlich die Fahrt fortsetzen. Wir fahren jetzt weiter durch Oberschwaben bis nach Friedrichshafen am Bodensee. Der Bodensee – ach, lest selbst:

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Vom Stadtbahnhof in Friedrichshafen fahren wir mit einer Regionalbahn die paar Meter bis zum Hafenbahnhof. Zum Einsatz kommt ein Dieseltriebwagen der Baureihe 628.

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Aufgrund der Verspätung haben wir nun noch etwas mehr Zeit bis zur Abfahrt des Katamarans nach Konstanz. Nutzen wir die Zeit für einen Abstecher auf den stählernen Moleturm. Aus 22 Metern Höhe bietet sich ein Blick über die Uferpromenade von Friedrichshafen.

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Währenddessen verlässt unter uns eine Autofähre den Hafen und fährt dem schweizerischen Alpenpanorama entgegen. Vielleicht erinnert Ihr Euch an das zweite Bild oben im Reisebericht mit dem Pendant vom Fährhafen im schweizerischen Romanshorn.
Wir fahren nun mit dem Katamaran von Friedrichshafen nach Konstanz.

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Das vorletzte Bild zeigt die Begegnung mit dem Katamaran, der in Gegenrichtung von Konstanz nach Friedrichshafen unterwegs ist.

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Und mit der Silhouette der Altstadt von Konstanz mit Konzilgebäude, Münsterturm, Inselhotel und dem Fernmeldegebäude im Abendlicht beenden wir den Reisebericht.

Vielen Dank für das Interesse und fürs Mitkommen.


Viele Grüße und einen schönen Sonntag

Tobias

PS: meine bisherigen Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.

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www.bahnreisefuehrer.de - Deutschland aus der Fahrgastperspektive
Der Weg ist das Ziel: Meine Bahnreiseberichte.


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