Winterliche Abschiedstour zwischen Allgäu und Franken (90 B) (Reiseberichte)

TD, Samstag, 17.10.2020, 23:35 (vor 10 Tagen)

Hallo zusammen,

nachdem ich Euch zuletzt auf eine Reise zur Alpen-U-Bahn und durch 100 Täler aus dem Herbst 2018 mitgenommen hatte, starten wir nun mit der Aufbereitung der Reisen aus dem Jahr 2019.

Im Februar lag im Allgäu Schnee und es wollte noch eine BahnBonus-Prämie verfahren werden. Als frühe Abschiedsfahrt sollte es nochmals mit dem Panoramawagen durchs Allgäu gehen, außerdem war ich der Annahme, dass Eile geboten wäre für eine Mitfahrt mit dem alten München-Nürnberg-Express. Rund um diese beiden Fixpunkte hatte ich eine Wochenendtour gebastelt, bei der es auch die Kochelseebahn, der ICE Wetterstein sowie eine allerletzte Mitfahrt mit einem Zug der Baureihe 611 in den Tourplan geschafft haben.

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Wir fahren von Konstanz nach St. Gallen und von dort mit dem Eurocity durchs Allgäu. Von München geht’s weiter nach Kochel, im Anschluss mit dem ICE auf der Mittenwaldbahn nach Innsbruck und von dort zurück nach München. Am zweiten Tag steht der München-Nürnberg-Express auf dem Programm, von Nürnberg geht es weiter über Aalen und Ulm nach Friedrichshafen und mit dem Katamaran nach Konstanz.


Tag 1: Konstanz – St. Gallen – München – Kochel – Tutzing – Innsbruck – München

Wir beginnen die Tour morgens um sieben Uhr am Bahnhof von Konstanz. Zunächst fahren wir mit einem RegioExpress nach St. Gallen, zum Einsatz kommt ein GTW von Thurbo. Ich weiß gar nicht mehr, warum ich kein Startbild aus Konstanz habe, wahrscheinlich standen Raucher auf dem Bahnsteig im Bild.

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Bei der Fahrt entlang des Bodensees ist es noch recht dunkel, aber am Hafen von Romanshorn gibt es die Möglichkeit für ein Bild aus dem Zug auf eine ausfahrende Fähre. Anschließend fährt der Zug durch das Bodensee-Hinterland hinauf nach St. Gallen.

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Nach der Ankunft in St. Gallen holen wir das Bild des GTW nach, die RegioExpress-Züge von Konstanz nach St. Gallen sind durchgebunden bis Herisau. Bis zur Weiterfahrt können wir noch eine Runde um und durch den Bahnhof St. Gallen drehen. Das imposante Hauptgebäude wurde 1913 fertiggestellt. Die alte Schalterhalle präsentiert sich seit 2018 ansprechend renoviert.

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Jetzt wird es aber Zeit für den EC 191 von Zürich nach München. Nach der Elektrifizierung der Strecke durch das Allgäu werden ab dem Fahrplanwechsel im Dezember Triebzüge des Typs ETR 610 ‚Astoro‘ eingesetzt. Die Zeit von Lok und Wagen geht damit auf dieser internationalen Fernverbindung zu Ende – und damit auch die Möglichkeit, im Panoramawagen durch das Allgäu zu reisen.

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Wir fahren nun wieder hinab an den Bodensee und erreichen bald die Grenze zwischen der Schweiz und Österreich. Hier sind wir schon in Vorarlberg und blicken auf das im Jahr 1570 erbaute Wasserschloss Mittelweiherburg. Erhalten blieb nur ein Nebentrakt mit einem Treppenturm, auch der namensgebende Weiher ist im Laufe der Zeit verschwunden. Zwischen Bregenz und Lindau fährt der Zug direkt an der Uferpromenade des Bodensees entlang.

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Auf dem Bodenseedamm fährt der Zug dann in den Kopfbahnhof von Lindau. Hier findet ein Lokwechsel statt und zwei Loks der Baureihe 218 übernehmen den Eurocity. Ab der neuen Fahrplanperiode werden die Züge in Lindau nicht mehr auf die Insel fahren, sondern auf dem Festland am neuen Fernbahnhof Lindau-Reutin halten. Der bisherige Hauptbahnhof Lindau heißt dann Lindau Insel. Und der Eurocity wird in Deutschland zum EuroCity-Express (ECE).

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Auf dem Bodenseedamm geht es zurück aufs Festland und dann hinauf ins Allgäu. Der Zug befährt die klassische Allgäubahn über Kempten. Elektrifiziert wird die Alternativstrecke über Memmingen; über die landschaftlich schönere Strecke via Kempten wird man mit dem grenzüberschreitenden Fernzug dann nicht mehr fahren. Hier oben zieht nun eine reizvolle Winterlandschaft am Zugfenster vorbei.

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Und wenn wir schon wehmütig in Abschiedsstimmung sind: das gibt’s auch nicht mehr. Nein, nicht den Kaffee, den wird’s im ECE auch geben. Aber das Faltblatt ‚Ihr Reiseplan‘ ist bereits Geschichte.

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Diese schneebedeckte Fläche ist eigentlich ein Gewässer, die Strecke führt hier am Nordufer des Großen Alpsees entlang. Die Strecke gewinnt anschließend wieder an Höhe, bei Günzach nördlich von Kempten erreicht die Strecke mit 825 Metern Meereshöhe den höchsten Punkt zwischen Zürich und München.

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Je näher wir München kommen, desto weniger Schnee ist vor dem Zugfenster zu sehen. Nachdem der Zug Lindau mit rund 5 Minuten Verspätung verlassen hat, sind wir in München wieder weitgehend pünktlich. Für die Fahrt von St. Gallen bis München hat der Zug 3 Stunden 40 Minuten gebraucht, ab Dezember werden es 2 Stunden 58 Minuten sein.

Obwohl wir nur mit minimaler Verspätung in München ankommen, meint der DB Navigator, dass der Anschluss nach Kochel 11 Minuten später voraussichtlich nicht erreichbar sei. Das System nimmt es wohl sehr ernst mit den hinterlegten 10 Minuten bis zum Starnberger Flügelbahnhof…

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…dabei reicht die Zeit sogar noch, um für ein Foto an die Zugspitze zu laufen. Die Züge nach Kochel werden bis Tutzing gemeinsam mit den Zügen nach Weilheim geführt, zum Einsatz kommen Talent 2 von DB Regio.

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Warum ausgerechnet Kochel? Nun, die Strecke kenne ich noch nicht und es bietet sich an, diese Stichstrecke jetzt mitzunehmen. Die Kochelseebahn gehört zum Werdenfelsnetz. Wir fahren zunächst nach Kochel, später dann zurück nach Tutzing und über Garmisch-Partenkirchen nach Innsbruck. Am Abend geht es dann von Innsbruck „außenrum“ wieder zurück nach München.

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Von München fahren wir zunächst zum Starnberger See, dann biegt der Zug auf die Kochelseebahn ab. Die Kochelseebahn ist gut 35 Kilometer lang, sie ist eingleisig und seit 1925 elektrifiziert. Die Strecke führt anfangs weiter am Starnberger See entlang und erreicht dann die Gruppe der Osterseen sowie die umgebenden Verlandungs- und Moorgebiete.

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Der erste Teil der Strecke bis Penzberg wurde 1865 von den Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahnen eröffnet, sie diente insbesondere der Anbindung des Penzberger Kohlenbergwerks. 1898 wurde die Verlängerung der Strecke bis Kochel in Betrieb genommen. Das Bahnhofsgebäude von Benediktbeuern wird heute privat genutzt, es ist als „typischer Bahnhof aus Bayern“ als Bausatz für die Modelleisenbahn erhältlich.
Die Strecke führt weiter durch das Bayerische Oberland, östlich der Strecke erheben sich die Bayerischen Voralpen.

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70 Minuten nach der Abfahrt in München erreicht der Zug die Endstation Kochel.
Der Ort Kochel am See hat gut 4.000 Einwohner, in Oberbayern ist der Ort für den ‚Schmied von Kochel‘ bekannt. Als Soldat soll er im Großen Türkenkrieg nur mit einer Stange bewaffnet das Stadttor von Belgrad eingerammt haben und später als mutiger Anführer des Bauernaufstands gegen die österreichischen Besatzer 1705 gefallen sein. Im Zentrum von Kochel erinnert ein Denkmal an die Sagenfigur.

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Wenn wir schon mal hier sind, unternehmen wir noch einen Spaziergang zum Kochelsee. Der See liegt am Übergang zwischen dem flachen Voralpenland zu den Voralpen, am gegenüberliegen Ufer erheben sich die schneebedeckten Gipfel rund um den Jochberg.

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Vorbei an der Pfarrkirche St. Michael laufen wir zurück zum Bahnhof. Eine erste St.-Michaels-Kirche wurde im Jahr 1071 eingeweiht, der Kern der heutigen Kirche entstand um 1521, die Kirche wurde später barockisiert und erweitert.

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Nach dem Rückgang des Güterverkehrs und aufgrund sinkender Fahrgastzahlen unternahm die Bundesbahn in den 1970er und 1980er Jahren mehrere Versuche zur Stilllegung der Strecke, was jedoch am Widerstand des Freistaats Bayern scheiterte. Mit der Einführung des Stundentakts gelang eine Trendwende, mittlerweile sind die Haltepunkt barrierefrei ausgebaut. Dank des Flügelkonzepts gibt es umsteigefreie Verbindungen in die Landeshauptstadt.

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Mit dem Kloster Benediktbeuern liegt eine bekannte Sehenswürdigkeit direkt an der Strecke. Die Basilika wurde im 17. Jahrhundert im Stil des italienischen Frühbarocks erbaut, sie gilt als eine der ersten bedeutenden Barockkirchen auf dem Land in Oberbayern. Die Klosterkirche wurde 1972 zur Basilica minor erhoben.
Im weiteren Verlauf quert die Kochelseebahn die Loisach, dem Fluss werden wir später wieder begegnen.

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Am Bahnhof Tutzing verlassen wir den Zug, das Empfangsgebäude stammt aus dem Jahr 1865. Das Gebäude wurde wie die Nachbarbahnhöfe im Maximilianstil erbaut, es beherbergte einst Schalter, Wartesäle, Gepäckaufgabe und Diensträume, später eine Bahnhofsgaststätte. Die für den Bahnbetrieb erforderlichen Einrichtungen wurden mittlerweile in einen Anbau verlegt, das historische Empfangsgebäude ist seither seiner originären Funktionen beraubt.

Auf Gleis 3 steht mittlerweile schon der ICE 1297 „Wetterstein“. Die touristische Verbindung verkehrt samstags von Hamburg über die Mittenwaldbahn bis Innsbruck und sonntags retour. Dass Fahrgäste an den Zwischenhalten aussteigen und frische Luft schnappen, kommt auf dieser Verbindung an mehreren Bahnhöfen vor, aber dazu gleich mehr. Wir steigen jetzt erstmal ein in den Zug der Baureihe 411.

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Auf der Fahrt Richtung Garmisch-Partenkirchen queren wir erneut die Loisach, dann geht es hinauf in das winterliche Werdenfelser Land. Die Strecke folgt nun dem Tal der Loisach, auf der gegenüberliegenden Talseite erhebt sich das Estergebirge.

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In Garmisch-Partenkirchen liegt ganz ordentlich Schnee, wir sind hier auf 708 Meter Meereshöhe. Garmisch-Partenkirchen ist Ausgangspunkt der eigentlichen Mittenwaldbahn, die von hier nach Innsbruck führt. Die Bahnstrecke gewinnt auf dem nächsten Abschnitt weiter deutlich an Höhe, es geht hinauf nach Klais.

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Der Bahnhof Klais liegt auf 933 Meter Meereshöhe. Er trug früher die Aufschrift „Deutschlands höchstgelegener Intercity-Bahnhof“. Die Ära der Intercity-Züge auf der Mittenwaldbahn ist jedoch Geschichte, die Aufschrift am Bahnhof lautet nun „Bayerns höchstgelegener Bahnhof“. Ganz korrekt wäre diese Aussage allerdings nur mit dem Zusatz „an einer Normalspurstrecke“.
Zwischen Karwendel- und Wettersteingebirge fahren wir mit den letzten Sonnenstrahlen weiter über Mittenwald zur österreichischen Grenze.

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Für die Fahrt mit dem ICE über die Strecke ist allerdings Geduld gefragt. Während Regionalzüge für die Verbindung von München bis Innsbruck 2 Stunden 51 Minuten brauchen, ist der ICE 3 Stunden 19 Minuten unterwegs. Der Zug hat immer wieder längere Kreuzungsaufenthalte. Hier schnappen wir in Seefeld etwas frische Luft. Bei Seefeld liegt der Scheitelpunt der Strecke, der Bahnhof Seefeld in Tirol ist mit 1.182 Meter Meereshöhe der höchstgelegene ICE-Bahnhof.

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In Seefeld sind die letzten Touristen ausgestiegen, wir sind bis Innsbruck nun die einzigen Fahrgäste im Wagen. Eigentlich kommt jetzt die spektakulärste Etappe der Strecke durch die Martinswand und dann hinab ins Inntal, für weitere Streckenbilder ist es jetzt allerdings zu dunkel. Auch bei Dunkelheit hat die Strecke jedoch ihren Reiz, gerade bei der Fahrt hoch über den vielen Lichtern des Tals.

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Der Rest des Tages ist nun schnell erzählt, nach der Ankunft in Innsbruck drehen wir eine kleine Runde durch den Hauptbahnhof, dann fahren wir auf der schnelleren Strecke mit einem Eurocity durch das Inntal über Rosenheim nach München. Nach der Ankunft in München holen wir noch Innen- und Außenbild des Zugs nach.

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Mit einem nächtlichen Blick vom Marienplatz in München hinüber zu den Türmen der Frauenkirche beenden wir den ersten Reisetag. Nachdem in der Innenstadt eine große Polizeipräsenz herrscht, wird mir klar, dass wir das Wochenende der Münchner Sicherheitskonferenz erwischt haben. Gut behütet verbringen wir nun die Nacht in München.

Es geht gleich weiter...

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www.bahnreisefuehrer.de - Deutschland aus der Fahrgastperspektive
Der Weg ist das Ziel: Meine Bahnreiseberichte.


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